Banker unter sich und Bankkunden

Hallo,

nebenbei hörte ich in den Nachrichten, daß eine niederbayrische Anlageberaterin bei der Hypo-Vereinsbank(?) zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil man ihr in etlichen Fällen Betrug/Untreue mit einer Schadenssumme von ca. einer Million Euros nachweisen konnte.

Dabei sei die Dame auf recht primitive Weise vorgegangen. Sie habe Kunden ihres Zuständigkeitsbereichs Belege zur Unterschrift vorgelegt, und das waren dann Überweisungen zugunsten ihres Kontos, oder Barabhebungen, mit denen sie zur Kasse ihrer Filiale gegangen ist.

Wenn das alles so ungefähr stimmt, dann steigen in mir zwei Fragen auf:

  1. Bei jedem Preisausschreiben werden die Mitarbeiter der veranstaltenden Firma und deren Angehörige von der Teilnahme ausgeschlossen. Was veranlaßt die Betreiber einer Bank, eigenen Angestellten und deren Angehörigen ein Konto und Barabhebungen im eigenen Haus zu erlauben?

  2. Ich habe einmal als Beobachter an einem (sehr teuren) Seminar für Banker teilgenommen. Als es zum gemütlichen Teil kam, und auch ein Schoppen geschlotzt wurde, zeigten die hochkarätigen Referenten teilweise eine Verachtung gegenüber Bankkunden (unterhalb einer „unit“, also mit weniger als hundert Millionen Euros Vermögen), die mir doch sehr aufgefallen ist. wäre dadazwischen ein Zusammenhang denkbar?

lG

w

Zu 1. Banken finden es nicht nicht besonders toll, wenn die Angestellten Ihr Konto bei fremden Banken führen - das wäre ja ein Signal: Unsere produkte sind so schlecht, dass nicht mal unsere Angestellten sie nutzen. Das es in allen Bereichen unseres Lebens Leute gibt, die Betrügen wollen ist leider so so. Wenn jeder auf die anderen achtet kann dies hoffentlich meistens aufgedeckt werden

zu2. Ich glaube, dass von den Bankern, die Kunden mit vielen Millionen Euro Vermögen betreuen, viele den bezug zur Realität verloren haben (ohne Pauschalisieren zu wollen) Mit den Mitarbeitern in den Filialen der Banken hat dies wenig zu tun. Die verdienen in der Regel nicht mehr als andere und müssen auch viele Überstunden machen, wie in vielen anderen Berufen auch.

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Hallöchen,

  1. Bei jedem Preisausschreiben werden die Mitarbeiter der
    veranstaltenden Firma und deren Angehörige von der Teilnahme
    ausgeschlossen. Was veranlaßt die Betreiber einer Bank,
    eigenen Angestellten und deren Angehörigen ein Konto und
    Barabhebungen im eigenen Haus zu erlauben?

ein Konto/Depot bei einem anderen Institut macht aufgrund der inzwischen sehr strengen Insiderregelungen zunächst einmal jede Menge Arbeit. Außerdem hat man die Zahlungsgewohnheiten seiner Mitarbeiter im Ernstfall besser im Auge. Ein Mensch mit Geldmangel und Zugriff auf viel Geld ist gefährlich. Außerdem neigen Bankangestellte dazu, über Guthaben und Depots zu verfügen (Berufskrankheit). Da läßt sich dann trotz Sonderkonditionen u.U. noch Geld verdienen. Nicht zuletzt sind Sonderkonditionen bei Vertragsverhandlungen mit potentiellen Mitarbeiter durchaus ein Argument.

Warum allerdings der Kassierer und andere Mitarbeiter nicht reagiert haben, als die Mitarbeiterin ständig mit Zahlungseingängen zugunsten ihres eigenen Kontos ankam, die von eigenen Kunden veranlaßt wurden, steht in den Sternen.

Da ich die Meldung nirgends finden konnte, bleibe ich zunächst einmal skeptisch, daß das genau so abgelaufen ist.

  1. Ich habe einmal als Beobachter an einem (sehr teuren)
    Seminar für Banker teilgenommen. Als es zum gemütlichen Teil
    kam, und auch ein Schoppen geschlotzt wurde, zeigten die
    hochkarätigen Referenten teilweise eine Verachtung gegenüber
    Bankkunden (unterhalb einer „unit“, also mit weniger als
    hundert Millionen Euros Vermögen), die mir doch sehr
    aufgefallen ist.

Dann haben diese Leute aber sehr viel zu verachten: In der Größenordnung gibt es in Deutschland geschätzte 500-1000 Haushalte.

Gruß,
Christian

Hallo Wolfgang,

  1. Bei jedem Preisausschreiben werden die Mitarbeiter der
    veranstaltenden Firma und deren Angehörige von der Teilnahme
    ausgeschlossen. Was veranlaßt die Betreiber einer Bank,
    eigenen Angestellten und deren Angehörigen ein Konto und
    Barabhebungen im eigenen Haus zu erlauben?

Weil so Insiderhandel besser überprüft werden kann?
Wegen der Signalwirkung auf die Kunden?
Weil man krumme Geschäften im eigenen Haus besser nachvollziehen kann?
Weil das alles nichts gegen die von dir genannten Beispiele bringt?
Weil auch mit solchen Konten Geld verdient wird?

  1. Ich habe einmal als Beobachter an einem (sehr teuren)
    Seminar für Banker teilgenommen. Als es zum gemütlichen Teil
    kam, und auch ein Schoppen geschlotzt wurde, zeigten die
    hochkarätigen Referenten teilweise eine Verachtung gegenüber
    Bankkunden (unterhalb einer „unit“, also mit weniger als
    hundert Millionen Euros Vermögen), die mir doch sehr
    aufgefallen ist. wäre dadazwischen ein Zusammenhang denkbar?

Was war denn das für ein seltsames Seminar? „Wie buhlt man um die tausend exclusivsten 1000 Kunden in Deutschland?“ oder so?
Nebenbei: „unit“ ist keine feste Grösse - und jede Bank nennt Ihre Kundensegmente anders.
Selbst bei uns benötigt es keine 100 Mio Euro um als Key-Client zu gelten - da reichen schon 50 Mio CHF :wink:

Gruss Ivo

Selbst bei uns benötigt es keine 100 Mio Euro um als
Key-Client zu gelten - da reichen schon 50 Mio CHF :wink:

Pflichtwitz:
Ein Deutscher in einer Schweizer Bank sagt ganz leise zum Kassierer:„Ich möchte gerne ein Konto mit 2 Millionen Euro eröffnen.“ Der Kassierer: „Sie können ruhig lauter sprechen, Armut ist doch keine Schande.“

  1. Ich habe einmal als Beobachter an einem (sehr teuren)
    Seminar für Banker teilgenommen. Als es zum gemütlichen Teil
    kam, und auch ein Schoppen geschlotzt wurde, zeigten die
    hochkarätigen Referenten teilweise eine Verachtung gegenüber
    Bankkunden (unterhalb einer „unit“, also mit weniger als
    hundert Millionen Euros Vermögen), die mir doch sehr
    aufgefallen ist. wäre dadazwischen ein Zusammenhang denkbar?

Hallo,

aus meiner Sicht ist das pure Angabe von mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Menschen. Sie wollen sich selbst dadurch „heben“, dass sie die „armen Schweine“ mit nur 99 mill euro Vermögen erniedrigen.

Wenn von den Pappnasen einer auch nur eine zehntel „unit“ auf der Kante hätte, würde er nicht den ganzen Tag den Seminarhampelmann spielen… :wink:

Gruß vom „underunit“ Schorsch