Bauausführungsplan- was steht alles drin?

Hallo ihr Lieben!
Unsere Architektin hat für unser Haus folgenden Preis gefordert:
das ganze Verfahren rund um die Baugenehmigung 3000 Euro und für die Bauausführungspläne wieder 3000 Euro.
Nun meint der Cousain meines Mannes, der eine Baufirma hat, dass wir auf den Bauausführungsplan verzichten könnten, weil da eh nicht so viel drin stehen würde-und die Sachen, die drin stehen, könnte mein Mann wohl selber errechnen (er ist Konstrukteur /Techniker)

Wir sind uns da aber nicht so sicher—was sagt ihr dazu?

Liebe Grüße
lina

Hallo ihr Lieben!
Unsere Architektin hat für unser Haus folgenden Preis
gefordert:
das ganze Verfahren rund um die Baugenehmigung 3000 Euro und
für die Bauausführungspläne wieder 3000 Euro.

Wie der Name sagt: Die Pläne, wie der Bau auszuführen ist. Das sind Zeichnungen mit den Abmessungen des Hauses bzw. der Zimmer, Wanddicken, Lage der Fenster- und Türöffnungen. Hierin fließen auch die Ergebnisse der stat. Berechnung ein. Nach was sollen die Bauhandwerker bauen, wenn keine Pläne oder nur Handskizzen da sind?

Nun meint der Cousain meines Mannes, der eine Baufirma hat,
dass wir auf den Bauausführungsplan verzichten könnten,

Eine bedenkliche unveständliche Meinung! Vielleicht kann er keine Pläne lesen und hält sie deshalb für entbehrlich?

weil
da eh nicht so viel drin stehen würde-und die Sachen, die drin
stehen, könnte mein Mann wohl selber errechnen (er ist
Konstrukteur /Techniker)

Ist Dein Mann vom Bau? Hat er schon einmal ein Haus gebaut? Wenn er nicht selbst Architekt oder wenigstens erfahrener Bautechniker ist, sollte er seine Finger davon lassen. Bauingenieure bzw. Architekten haben nicht ohne Grund ein mehrjähriges Studium zu absolvieren.

Es lohnt sich, in die Bauplanung und die Bauvorbereitung Geld zu investieren. Eine mangelhafte Planung kostet später ein mehrfaches an Änderungskosten bzw.für unzweckmäßige Ausführungen.

Wolfgang D.

Hallo Lina!

Nun meint der Cousain meines Mannes, der eine Baufirma hat,
dass wir auf den Bauausführungsplan verzichten könnten, weil
da eh nicht so viel drin stehen würde…

Ja, genau so wurden sehr lange Zeit gewöhnliche Einfamilienhäuser hingestellt. Es kam nirgends so genau drauf an und jedes Gewerk murkste vor sich hin. Heute willst Du einen Keller nicht mehr als Kohlen- und Gerümpelkeller nutzen, sondern möchtest von Lederstiefeln, über Skiausrüstungen bis zu Fahrrädern Dinge lagern, die Dir verrostet und verschimmelt nichts nützen. Damit der Keller seinen Zweck erfüllt, ist vor und während seiner Herstellung deutlich mehr zu beachten, als es noch vor wenigen Jahren am Bau üblich war.

Bis vor wenigen Jahren fand es jeder normal, jährlich 3.000 Liter zu verheizen. In den Häusern schimmelte kaum etwas, weil die gesamte Konstruktion zugig war. Sowas will sich heute niemand mehr leisten. Die Gebäudehülle muß dicht sein und das ist sie nur nach sorgfältiger Detailplanung und wenn man jedem Handwerker in den Allerwertesten tritt, sobald er nach Gutdünken vor sich hin wurschtelt. Es war früher usus, daß vom Elektriker bis zum Heizungsmonteur jeder Handwerker sein Zeug verlegte, wo und wie er es für richtig hielt. So wurde auch bei der Materialauswahl und bei konstruktiven Details verfahren. Es gab zum Schluß eine Bauabnahme und wenn sich der Behördenmensch nicht gerade aufgrund unterschiedlicher Stufenhöhen auf der Kellertreppe den Haxen brach, ging fast jeder Mist glatt durch.

Heute verlangt man Sicherheit und Funktionsfähigkeit in jedem Detail. Niemand nimmt es hin, wenn ein Zimmer zu irgendeiner Jahreszeit zu dunkel ist oder im Arbeitszimmer nicht gearbeitet werden kann, weil die Sonne auf den Bildschirm scheint und eine Beschattung schlicht vergessen wurde, so daß man den Raum mit irgendwelchem Klimbim von innen verdunkeln muß. Ein Badezimmer ist nicht mehr einfach nur eine Naßzelle, sondern ein Raum zum Wohlfühlen mit guter Belüftung und Belichtung. Größe und Lage einer Revisionsöffnung überließ man Installateuren und Fliesenlegern, mit dem Erfolg, daß die Öffnung natürlich zu klein geriet, an ungeeigneter Stelle nur für Schlangenmenschen zugänglich und letztlich nicht zu gebrauchen war. An jedem Detail macht man sich heute (hoffentlich) vorher Gedanken, daß man das Haus auch noch mit körperlichen Einschränkungen nutzen kann und man nicht wegen 80 cm schmaler Hühnerklappen als Türen oder viel zu steiler Treppen einen Heimplatz suchen muß. Heute überläßt man es nicht mehr den Boden- und Fliesenlegern, wie hoch die Schwelle an der Haustür sein wird, sondern dieses Detail liegt vorher fest, weil die Höhe des Bodenbelags und die in die Haustür eingebaute Dichtungsmechanik aufeinander abgestimmt sind. Andernfalls verhängt man die Haustür wie die Altvorderen im Winter mit Wolldecken. Früher reichten ein paar Keile und Schrauben, Bauschaum und Gips, schon saß das Fenster. Irgendwelche Details der Ausführung und Abdichtung interessierten niemanden und wenn es an Vorgaben fehlt und die Einhaltung der Vorgaben sowie der verwendeten Materialien nicht akribisch überwacht werden, geht die Sache mit einiger Wahrscheinlichkeit daneben.

Es sind so viele Details zu beachten, daß ich es für leichtfertig halte, wenn an Detailplanung und Bauüberwachung gespart wird. Dummerweise kann ich die Stichhaltigkeit meiner Behauptung nicht belegen, denn in das von Handwerkern ohne viel Planung nach Gutdünken hingestellte Haus kannst Du hinterher einziehen und sagen „Ätsch, ging doch“. Den Unterschied zu einem sauber geplanten Haus mit vielen pfiffigen Details, die gewerkübergreifend vorher vorgesehen werden oder ganz einfach unterbleiben, wird Du nicht kennenlernen. Du wirst den Energiebedarf von 100 kWh pro m² und Jahr für normal halten, obwohl bei sorgfältiger Planung und Bauüberwachung nur die Hälfte verbraucht würde. Du wirst es für normal halten, senkrecht im Bett zu stehen, wenn der Wind am Geländer des Kellerniedergangs rüttelt und die Geräusche im ganzen Haus zu hören sind. Da hat eben niemand geplant und überwacht, wie das Geländer mit dem Gebäude zu verbinden ist und überließ das Detail dem Gutdünken des Bauschlossers, der seine Konstruktion mit Zollstock und Schnellzement irgendwie befestigte.

stehen, könnte mein Mann wohl selber errechnen (er ist
Konstrukteur /Techniker)

Im Hochbau?

Gruß
Wolfgang

Hallo Lina!

Nun meint der Cousain meines Mannes, der eine Baufirma hat,
dass wir auf den Bauausführungsplan verzichten könnten, weil
da eh nicht so viel drin stehen würde…

Ja, genau so wurden sehr lange Zeit gewöhnliche
Einfamilienhäuser hingestellt. Es kam nirgends so genau drauf
an und jedes Gewerk murkste vor sich hin. Heute willst Du
einen Keller nicht mehr als Kohlen- und Gerümpelkeller nutzen,
sondern möchtest von Lederstiefeln, über Skiausrüstungen bis
zu Fahrrädern Dinge lagern, die Dir verrostet und verschimmelt
nichts nützen. Damit der Keller seinen Zweck erfüllt, ist vor
und während seiner Herstellung deutlich mehr zu beachten, als
es noch vor wenigen Jahren am Bau üblich war.

Bis vor wenigen Jahren fand es jeder normal, jährlich 3.000
Liter zu verheizen. In den Häusern schimmelte kaum etwas, weil
die gesamte Konstruktion zugig war. Sowas will sich heute
niemand mehr leisten. Die Gebäudehülle muß dicht sein und das
ist sie nur nach sorgfältiger Detailplanung und wenn man jedem
Handwerker in den Allerwertesten tritt, sobald er nach
Gutdünken vor sich hin wurschtelt. Es war früher usus, daß vom
Elektriker bis zum Heizungsmonteur jeder Handwerker sein Zeug
verlegte, wo und wie er es für richtig hielt. So wurde auch
bei der Materialauswahl und bei konstruktiven Details
verfahren. Es gab zum Schluß eine Bauabnahme und wenn sich der
Behördenmensch nicht gerade aufgrund unterschiedlicher
Stufenhöhen auf der Kellertreppe den Haxen brach, ging fast
jeder Mist glatt durch.

Heute verlangt man Sicherheit und Funktionsfähigkeit in jedem
Detail. Niemand nimmt es hin, wenn ein Zimmer zu irgendeiner
Jahreszeit zu dunkel ist oder im Arbeitszimmer nicht
gearbeitet werden kann, weil die Sonne auf den Bildschirm
scheint und eine Beschattung schlicht vergessen wurde, so daß
man den Raum mit irgendwelchem Klimbim von innen verdunkeln
muß. Ein Badezimmer ist nicht mehr einfach nur eine Naßzelle,
sondern ein Raum zum Wohlfühlen mit guter Belüftung und
Belichtung. Größe und Lage einer Revisionsöffnung überließ man
Installateuren und Fliesenlegern, mit dem Erfolg, daß die
Öffnung natürlich zu klein geriet, an ungeeigneter Stelle nur
für Schlangenmenschen zugänglich und letztlich nicht zu
gebrauchen war. An jedem Detail macht man sich heute
(hoffentlich) vorher Gedanken, daß man das Haus auch noch mit
körperlichen Einschränkungen nutzen kann und man nicht wegen
80 cm schmaler Hühnerklappen als Türen oder viel zu steiler
Treppen einen Heimplatz suchen muß. Heute überläßt man es
nicht mehr den Boden- und Fliesenlegern, wie hoch die Schwelle
an der Haustür sein wird, sondern dieses Detail liegt vorher
fest, weil die Höhe des Bodenbelags und die in die Haustür
eingebaute Dichtungsmechanik aufeinander abgestimmt sind.
Andernfalls verhängt man die Haustür wie die Altvorderen im
Winter mit Wolldecken. Früher reichten ein paar Keile und
Schrauben, Bauschaum und Gips, schon saß das Fenster.
Irgendwelche Details der Ausführung und Abdichtung
interessierten niemanden und wenn es an Vorgaben fehlt und die
Einhaltung der Vorgaben sowie der verwendeten Materialien
nicht akribisch überwacht werden, geht die Sache mit einiger
Wahrscheinlichkeit daneben.

Diesem Artikel kann man nur Zustimmen. Im Gegensatz zu heute wurde einstmals der Bau an Meisterbetriebe vergeben und von ihnen durchgezogen - der Pfusch am Bau wurde dennoch schon damals als Schlagwort kreiiert. Heute sind die Sitten am Bau wilder: Die renommierte Firma UVW erhält den Auftrag, die reicht ihn weiter an den Subunternehmer XYZ, aber die Ausführung erledigt eine fliegende Kolonne aus Polen oder Schottland. Was da herauskommt wenn keine Pläne vorliegen, kann man sich vorstellen (die Ergebnisse sind schon mit Plänen oftmals niederschmetternd). Bei Vorliegen eindeutiger Ausführungspläne kann man dagegen hinterher den Unternehmer in die Pflicht nehmen, wenn gegen die Vorgaben verstoßen wurde.

Wolfgang D.

Hallo

ich bin immer wieder erstaunt was sich die Menschen so alles zu trauen und dass immer am falschen Ende gespart werden soll.

Spart die 3000 € und wundert euch dann hinterher wenn die Türen nicht passen oder die Fenstermaße nicht stimmen.

Ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern uneingeschränkt an.

Gruß