Hallo Lina!
Nun meint der Cousain meines Mannes, der eine Baufirma hat,
dass wir auf den Bauausführungsplan verzichten könnten, weil
da eh nicht so viel drin stehen würde…
Ja, genau so wurden sehr lange Zeit gewöhnliche Einfamilienhäuser hingestellt. Es kam nirgends so genau drauf an und jedes Gewerk murkste vor sich hin. Heute willst Du einen Keller nicht mehr als Kohlen- und Gerümpelkeller nutzen, sondern möchtest von Lederstiefeln, über Skiausrüstungen bis zu Fahrrädern Dinge lagern, die Dir verrostet und verschimmelt nichts nützen. Damit der Keller seinen Zweck erfüllt, ist vor und während seiner Herstellung deutlich mehr zu beachten, als es noch vor wenigen Jahren am Bau üblich war.
Bis vor wenigen Jahren fand es jeder normal, jährlich 3.000 Liter zu verheizen. In den Häusern schimmelte kaum etwas, weil die gesamte Konstruktion zugig war. Sowas will sich heute niemand mehr leisten. Die Gebäudehülle muß dicht sein und das ist sie nur nach sorgfältiger Detailplanung und wenn man jedem Handwerker in den Allerwertesten tritt, sobald er nach Gutdünken vor sich hin wurschtelt. Es war früher usus, daß vom Elektriker bis zum Heizungsmonteur jeder Handwerker sein Zeug verlegte, wo und wie er es für richtig hielt. So wurde auch bei der Materialauswahl und bei konstruktiven Details verfahren. Es gab zum Schluß eine Bauabnahme und wenn sich der Behördenmensch nicht gerade aufgrund unterschiedlicher Stufenhöhen auf der Kellertreppe den Haxen brach, ging fast jeder Mist glatt durch.
Heute verlangt man Sicherheit und Funktionsfähigkeit in jedem Detail. Niemand nimmt es hin, wenn ein Zimmer zu irgendeiner Jahreszeit zu dunkel ist oder im Arbeitszimmer nicht gearbeitet werden kann, weil die Sonne auf den Bildschirm scheint und eine Beschattung schlicht vergessen wurde, so daß man den Raum mit irgendwelchem Klimbim von innen verdunkeln muß. Ein Badezimmer ist nicht mehr einfach nur eine Naßzelle, sondern ein Raum zum Wohlfühlen mit guter Belüftung und Belichtung. Größe und Lage einer Revisionsöffnung überließ man Installateuren und Fliesenlegern, mit dem Erfolg, daß die Öffnung natürlich zu klein geriet, an ungeeigneter Stelle nur für Schlangenmenschen zugänglich und letztlich nicht zu gebrauchen war. An jedem Detail macht man sich heute (hoffentlich) vorher Gedanken, daß man das Haus auch noch mit körperlichen Einschränkungen nutzen kann und man nicht wegen 80 cm schmaler Hühnerklappen als Türen oder viel zu steiler Treppen einen Heimplatz suchen muß. Heute überläßt man es nicht mehr den Boden- und Fliesenlegern, wie hoch die Schwelle an der Haustür sein wird, sondern dieses Detail liegt vorher fest, weil die Höhe des Bodenbelags und die in die Haustür eingebaute Dichtungsmechanik aufeinander abgestimmt sind. Andernfalls verhängt man die Haustür wie die Altvorderen im Winter mit Wolldecken. Früher reichten ein paar Keile und Schrauben, Bauschaum und Gips, schon saß das Fenster. Irgendwelche Details der Ausführung und Abdichtung interessierten niemanden und wenn es an Vorgaben fehlt und die Einhaltung der Vorgaben sowie der verwendeten Materialien nicht akribisch überwacht werden, geht die Sache mit einiger Wahrscheinlichkeit daneben.
Es sind so viele Details zu beachten, daß ich es für leichtfertig halte, wenn an Detailplanung und Bauüberwachung gespart wird. Dummerweise kann ich die Stichhaltigkeit meiner Behauptung nicht belegen, denn in das von Handwerkern ohne viel Planung nach Gutdünken hingestellte Haus kannst Du hinterher einziehen und sagen „Ätsch, ging doch“. Den Unterschied zu einem sauber geplanten Haus mit vielen pfiffigen Details, die gewerkübergreifend vorher vorgesehen werden oder ganz einfach unterbleiben, wird Du nicht kennenlernen. Du wirst den Energiebedarf von 100 kWh pro m² und Jahr für normal halten, obwohl bei sorgfältiger Planung und Bauüberwachung nur die Hälfte verbraucht würde. Du wirst es für normal halten, senkrecht im Bett zu stehen, wenn der Wind am Geländer des Kellerniedergangs rüttelt und die Geräusche im ganzen Haus zu hören sind. Da hat eben niemand geplant und überwacht, wie das Geländer mit dem Gebäude zu verbinden ist und überließ das Detail dem Gutdünken des Bauschlossers, der seine Konstruktion mit Zollstock und Schnellzement irgendwie befestigte.
stehen, könnte mein Mann wohl selber errechnen (er ist
Konstrukteur /Techniker)
Im Hochbau?
Gruß
Wolfgang