Hallo, ihr Wissenden,
ich bin da in einem Newsletter eines berühmten Lexikonverlags auf das angeschlossene Rätsel gestoßen.
Da ich nun aber schon sowas von gaaar nichts von Pflanzologie weiß, möchte ich diese „Quizfrage“ gerne weiterreichen.
Kann jemand von euch mit diesen Angaben etwas anfangen?
Ich werd’ die Lösung auch sicher nicht einsenden.
Gruß
Barney
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Wenn man sich auf das Hochland von Mexiko oder Guatemala emporwagt, kann man auf die Wildform einer Pflanze stoßen, die sich an Bäumen hoch emporrankt und erst an den äußersten Spitzen ihre prachtvollen bunten Blüten entfaltet. Die Urbewohner dieses Gebietes, die Azteken, verehrten in ihr die Sonne. Diese Verehrung beruht nicht nur auf der Pracht ihrer Blütenfarben, sondern wohl auch auf der Anordnung ihrer Blütenblätter, in der die Azteken das Zeichen der Sonne erkannt haben könnten; Botaniker erkennen darin einfach ein Mitglied der Familie der Korbblütler.
Nachdem das Reich der Azteken in die Hände spanischer Konquistadoren gefallen war, sollte auch dieses »wilde« Geschöpf unterworfen, d.h. als Kulturpflanze der Zucht geöffnet werden. Erstaunlicherweise kamen ihre ersten Samen erst Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa, naheliegenderweise über Spanien, also über einen Weg, über den auch andere Gewächse Südamerikas in europäische Gärten gelangten. Die lange Reise über den Atlantik hatte ihr nichts ausgemacht und auch mit dem Klima befreundete sie sich von Anfang an. Bereits im ersten Jahr nach ihrem Eintreffen blühte sie und wurde von ihrem Importeur beschrieben. Bei der Namensgebung für das Gewächs aus der Neuen Welt zeigte er sich bemerkenswert uneitel, denn als namensgebenden Taufpaten wählte er nicht sich selbst, sondern einen Schüler Carl von Linnés. Vollständig setzte sich dieser Name aber nicht durch, ihm wurde etwas später ein zweiter Taufname hinzugefügt, der im östlichen und nördlichen Europa mehr Verbreitung fand als der frühere erste. Man sieht, auch im Reich der Botanik ist derselbe Gegenstand mal Brötchen, mal Schrippe.
Ihre Verbreitung auf dem alten Kontinent muss einem Siegeszug geglichen haben. Schon der Geheime Rat Goethe, der eifrig in der Botanik dilettierte, erfreute sich ihrer, wenn sie in seinem Garten »in dem feurigsten Dunkelscharlachrot mit lila Spitzen« erblühte. Freilich ist dies nicht das einzige Farbenfeuer, das die Gesuchte erzeugen kann. Flavone, Pelargonin, Chalkone und Cyanidin lassen sie in nahezu allen möglichen Farbenkombinationen erstrahlen, allerdings nicht in reinem Blau.
Beliebt ist die Schöne aber mehr beim breiten Volk. Gemeinhin wird sie als Bauernblume, als Rose der Bauern belächelt. Im Gegensatz zu den Rosen blüht sie aber erst im späteren Sommer bis weit in den Herbst hinein. Dauernden Bodenfrost nimmt sie aber übel und zwar so übel, dass sie abstirbt. Deshalb gräbt man ihre Knollen aus und lässt sie an einem dunklen, kühlen Ort überwintern, um sie etwa im Frühsommer erneut auszupflanzen, damit das Schauspiel des Blühens von neuem beginnen kann.