Bauernhaus

Hallo zusammen,

ich bin mal gespannt, ob mir jemand helfen kann.

Ich suche Informationen zu der Bauweise von Bauernhoefen in Deutschland. Bin gerade in Illinois und besuche Farmhaeuser und ich wurde gebeten zu erklaeren, wie sich die Bauweise unterscheidet. Lange Geschichte…Leider habe ich nicht viel Ahnung und brauche daher Hilfe von Experten.

Interessant zu beruecksichtigen waere geographische, geschichtliche, traditionelle und meterologische Aspekte.

Fragen:

  1. Wo auf dem Hof wuerde man typischerweise das Bauernhaus bauen?
  2. Wo in Beziehung zum Bauernhaus waere die Scheune?
  3. Was findet man meist nicht auf der Suedseite der Scheune?
  4. Wo befindet sich fuer gewohnlich im Bauernhaus die Kueche?
  5. In welche Richtung faellt fuer gewoehnlich der Garten ab?
  6. Werden in Deutschland auch Bohnen angebaut oder eher Weizen?

Ich hoffe, es kann mir jemand helfen, da ich mir nicht sicher bin, wo ich solche Informationen her bekommen kann.

Danke ! Sonja

Vielleicht fragst Du Dich mal bei den Museen durch??? Wie wäre es mal beim Deutschen Museum in MUE? Vielelicht haben die eine Idee. Bestimmt gibt es für so was auch irgendwo einen Lehrstuhl in Deutschland? Ansonsten mal an irgend einer Uni für Architektur nachfragen? Vielelicht können die den nächsten Tip geben.

Denke, dass es da wirklich große Unterschiede gibt. Haben das mal in der Grundschule für den Ort Krefeld NRW druchgenommen. Da gab es zwei Bauweisen. Die eine hatte den Stall unter dem Wohnhaus, somit konnte die Wärme des Stalles genutzt werden. Das andere Bauernhaus hatte die Stallung direkt mit im Haus und offenen Zugang zum Wohn/Kochbereich. Auch hier mit dem Gedanken der Nutzung der Wärme, die u.a. durch die Tiere entsteht. Danach muß sich das dann geändert haben (mit zunehmender Anzahl der Tiere und Spezialiaierung auf Tierzucht oder Agranutzung) Die Schwaben haben z.B. die Scheiune oben am Hang liegen, so dass man mit dem Trecker direkt von der Straße rein fahren kann. Eine Bauart, die nur durch die Hügel/Berge möglich ist. …
Habe jetzt von unseren Dorfplaner die Pläne zu unerem Dorf bekommen. Da es sich um eine Weinbauregion handelt, sind hier die Höfe wieder anders geschnitten und erfüllen eine ganz andere Funktion.

Wünsche Dir viel Spaß beim Forschen. Sicherlich ein Faß ohne Boden ;o)

z.B.
Hi, Sonja,

z.B. guckst Du hier:
http://www.architektur.tu-darmstadt.de/powerhouse/db…
http://www.schlamp.de/web/pages/bau.html

Gruss
Ray

Hallo, Sonja,
scheint noch ein Feld zu sein, auf dem man ackern sollte. Allzuviel ist im Netz nicht zu finden.

Natürlich führen die landschaftlichen Unterschiede - Flachland - Mittelgebirge - Alpen - zu großen unterschieden in der Anordnung und im Aussehen der bäuerlichen Gebäude um den Hof. Auch unterschiedliche Siedlungsformen wird man feststellen können.
Aber damit du deinen amerikanischen Freunden etwas greifbares vorweisen kannst (noch besser wäre es natürlich, sie könnten die vielen Freiluftmuseen in Deutschland besichtigen und so bäuerliche Siedlungskultur hautnah zu erleben) ist vielleicht dieses PDF-Dokument ganz hilfreich, das zwar für Unterrichtszwecke gemacht zu sein scheint, aber auf Seite 6 auch typische deutsche Bauernhöfe zeigt.
http://www.staff.uni-mainz.de/speterm/Laendliche%20S…
Das Dokument gibt auch sonst einiges zum Thema her.

Grüße
Eckard

Hallo Sonja,

bei uns in der Nähe gibt es ein Freilandmuseum, wo man sich solche Häuser anschauen kann. Auf deren Homepage kann man einen virtuellen Rundgang machen. http://www.freilandmuseum.org/dasmuseum/dasmuseum.htm
Vielleicht ist da ja was dabei. Wenn du da mal jemanden kontaktierst, geben die dir sicher auch gerne Auskunft.

Gruß
Michaela

Hallo !

Man müßte wissen, ob Du einen geplanten landwirtschaftlichen Betrieb der Neuzeit, also von heute suchst oder einen Bauernhof, wie er früher war. Da ist heute nichts mehr so, wie es früher war.

Meine Antworten betreffen Niedersachsen und ungefähr Schleswig-Holstein.

Fragen:

  1. Wo auf dem Hof wuerde man typischerweise das Bauernhaus
    bauen?

Wo auf dem Hof?
Zuerst kam das Haus, dann der Hof. Man lebte und hielt die Vorräte und das Vieh unter einem Dach. Stroh und Heu auf dem Boden.Um dieses Haus herum wurde dann automatisch das, was man Hof nennt. Mit Misthaufen.
Es war fast immer eine bäuerliche „Stelle“.

  1. Wo in Beziehung zum Bauernhaus waere die Scheune?

In Norddeutschland gab es bis in die 50er Jahre des 20.Jahrh. selten Scheunen. Alles war unter einem Dach.

  1. Was findet man meist nicht auf der Suedseite der Scheune?

  2. Wo befindet sich fuer gewohnlich im Bauernhaus die Kueche?

Küche? Man hatte auf der Diele ein offenes Feuer, auf der Erde. Später wurde dann ein Herd gemauert und so etwas, wie eine Küche installiert. Ich selbst war oft genug bei Verwandten, die noch ein offenes Feuer auf dem Boden hatten.

  1. In welche Richtung faellt fuer gewoehnlich der Garten ab?

Hinter der Längstfront.

  1. Werden in Deutschland auch Bohnen angebaut oder eher Weizen?

Bohnen, Kartoffeln, Roggen.

Diese Häuser stehen noch in Mengen bei uns und sind nach Renovierung alle bewohnt.

Eine Beschreibung:

Grootdör in der Frontseite des Hauses. Integriert eine kleine Personentür. Die Grootdör ist so groß, dass voll beladene Heuwagen hineinfahren können. Auf die Diele oder Tenne.
Gleich vorn auf beiden Seiten die Pferdeställe.
Dann auf beiden Seiten, zusammen ein Drittel der Hausbreite einnehmend, die Kuhställe. Ein Drittel der Hauslänge einnehmend.
In der Mitte die Diele oder Tenne.
Nach den Kuhställen kommen auf beiden Seiten die Siedeldören. Zwei Seitentüren. Ungefähr 1,70 m hoch.
Dann kommen auf beiden Seiten verschiedene „Zimmer“. Wie Alkoven, Schlafkammer, Speisekammer.
Ganz hinten waren die Stube, die Große Stube (für Weihnachten und andere Festlichkeiten), Schlafkammer des Bauernehepaares.
Als Toilette diente die Jauchkuhle des Viehs.

ISBN 3-923675-00-3 Buch anschauen

mfg Conrad

In dem Buch findet man erst einmal Beschreibungen sämtlicher Haustypen dieser Gegend.

Hallo Alexandra,

wegen der direkten Antwort auf eine Einzelheit häng ich mich mal an Deinen Artikel dran:

Hier

Die Schwaben haben z.B. die Scheiune oben am
Hang liegen, so dass man mit dem Trecker direkt von der Straße
rein fahren kann. Eine Bauart, die nur durch die Hügel/Berge
möglich ist. …

sprichst Du nicht von einer Schwäbischen, sondern von einer Sonderform der alemannischen Bauform, dem Schwarzwaldhaus. Wobei man zu der Zeit, als sie sich entwickelt hat, bespannt fuhr - bis zum Lanz Bulldog vergingen noch über zweihundert Jahre.

Die Hocheinfahrten als eine gegendunabhängige Bauform der 1920er Jahre in Milchviehgebieten sind in der Regel künstlich aufgeschüttet.

Schwäbische Höfe sind Einhäuser, im Süden zum Alemannischen hin mit der Reihenfolge Wohnteil - Stall - Scheune, im eher ackerbaubetonten nördlichen Teil mit der Reihenfolge Wohnteil - (Dresch-)scheune - Stall.

Zum Fränkischen hin und in weiten Teilen Hessens, auch in den nordwestlich angrenzenden fränkisch geprägten Gebieten, wird das schwäbische (und meines Wissens auch bayrische) Einhaus durch den fränkischen Hof abgelöst. Bei diesem stehen Wohnhaus - Scheune - Stall im Hufeisen um den Hofplatz angeordnet, der je nach Gegend auf der offenen Seite durch Mauer und Tor eingefriedet oder schlicht offen gelassen ist.

Nach N hin wieder Einhäuser, aber mit einem langen Stall und an dessen Ende (ursprünglich zum Stall hin ohne Abtrennung) Deele und Küche, Wohnteil und Scheune darüber angeordnet. Daraus entwickelt auch erweiterte Form im Winkel.

Stallungen unterhalb des Wohnteils findet man vorwiegend im Schwarzwaldhof und im alpinen Raum (z.B. Bündnerhaus).

Dieses in groben Zügen verschiedene Bautypen aus dem Stegreif. Sicherlich gibts noch ganz andere, etwa würde es mich überraschen, wenn es keinen eigenen Typus des wendischen Hofes (als slawische Form innerhalb Deutschlands) gäbe.

Zum südschwäbischen und alemannischen Hof gehört das Walm- oder Krüppelwalmdach, das sich meines Wissens auch im Norden findet.

Schwäbische und fränkische Höfe tragen in der Regel Satteldächer, die niederdeutschen Deelenhöfe und Gulfhäuser meines Wissens auch Sattel oder Krüppelwalm, Walmdach allenfalls ganz punktuell gegendweise.

Bis ins neunzehnte Jahrhundert unterscheiden sich die Bauformen der in den meisten Regionen in purer Zimmermannstechnik aus Holz aufgerichteten Häuser (Stein- und Ziegelbauten ohne Fachwerk meines Wissens bloß im äußersten Westen Ds, im Alpenraum, einzeln auch in den niederdeutschen Ziegelgegenden) wesentlich durch die grundlegende Struktur der tragenden Balken, an denen das ganze Haus und Dach „hängt“. Stichwort hier zum Weitersuchen heißt Bohlenständerhaus.

So, das war jetzt weit weg davon, einen halbwegs ordentlichen Überblick zu geben, aber ich glaube, ich habe allen Beteiligten eine Reihe von Begriffen als Schlüsselworte zum Weitersuchen gegeben.

Schöne Grüße

MM

Danke!

Hallo !
Vielen Dank fuer die vielen Antworten - das Forum ist echt spitze!

Viele Gruesse an alle aus Illinois, Sonja

Hallo nochmal,

alldieweil Du offenbar was anfangen konntest mit den verschiedenen Beiträgen, hier noch ein Nachschlag:

  • ein Haus aus meiner Heimatstadt Schussenried, das bis in die 1950er Jahre fast unverändert in dem Zustand bewohnt und bewirtschaftet wurde, in dem es 1664 erbaut worden ist. Es ist ein Einhaus in der Anordnung Wohnung - Scheuer - Stall, wie sie in den süddeutschen Ackerbaugebieten vorherrscht:

http://www.bad-schussenried.de/sehenswertes/bilder_s…

Man sieht beim Kürnbacher Strohdachhaus ziemlich gut die „Hohe Stube“: Über den beiden geheizten Räumen des Wohnteils - Küche und Stube - liegen nicht nur die Schlafkammern, sondern auch - mit dem größeren Fenster - die „Hohe Stube“, die im Winterhalbjahr (es ist da oben auf 600m meistens kalt) einigermaßen warm ist, als „gute Stube“ und als Raum dient, in dem im Winter gemeinsam (um Kerzen zu sparen) unter Nachbarn alle möglichen Arbeiten wie Spinnen, Handarbeiten, Reparaturarbeiten an Zaum- und Sattelzeug usw. gemacht werden. Von dieser Art von nachbarlichen Zusammenkünften her kommt der Begriff „Hohstuben“ für Klatschen, Tratschen etc.

Außerdem kann man sehen, dass das Haus keinen Schornstein hat: Der Rauch wird in der Küche zwar über einen Kamin abgeleitet, aber er verteilt sich frei unter dem Dach und zieht durch das Strohdach ab. Nicht bloß einfacher zu bauen, sondern auch eine konservierende Wirkung für das Dach.

  • eines der ersten, vielleicht das erste Freilichtmuseum für Bauernhäuser und bäuerliche Technik in Deutschland, der Vogtsbauernhof bei Hausach im Schwarzwald:

http://www.vogtsbauernhof.org

mit einem recht gut bebilderten virtuellen Rundgang. Schwarzwaldhöfe sind zwar überhaupt nicht typisch für deutsche Bauernhäuser, es geht architektonisch und kulturell um eine sehr kleine Nische. Aber zur standardisierten Vorstellung von der Black Forest Cuckoo-Clock passen sie ganz gut…

Schöne Grüße

MM