Bauingenieur... und jetzt?

Hi zusammen!

Ich habe momentan das Gefühl, mich berufstechnisch klassisch verrannt zu haben. Zur Geschichte:

Ich habe 2005 meinen Dipl.-Ing. (FH) Bauingenieur gemacht, schon damals irgendwie nicht mit ganzem Herzen, sondern eher mit Durchhaltevermögen und „erstmal fertig werden“ im Kopf. Begonnen hatte ich das Studium ohne konkreten Berufwunsch, ich hatte mich eben am ehesten zu dieser Studienrichtung hingezogen gefühlt.

Nach dem Diplom hatte ich die Chance, direkt befristet in ein neugegründetes Architekturbüro einzusteigen. Mit Architektur hatte ich ja erstmal nicht viel zu tun, aber zum Fußfassen ging es allemal. Von Anfang an überlegte ich, wohin die Reise dann mittelfristig gehen soll - und stand das erste Mal ratlos da.

Ich entschloss mich, mich in Richtung Brandschutz zu orientieren. Ich hatte über meine Familie einen gewissen Bezug zu dem Thema und es macht sich vom Prinzip her ja auch ganz interessant aus. Über einen Umweg bekam ich die Möglichkeit, als freier Mitarbeiter für ein Sachverständigenbüro zu arbeiten… die anfängliche Begeisterung wich jedoch schnell, dank einem offenbar zu Höherem als zu nennenswerter Mitarbeiterführung berufenen Chef, Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden ohne Ausgleich und keiner Möglichkeit, vernünftig in die Materie einzufinden (da nie einer Zeit hatte). Nach einem guten halben Jahr bekam ich die Chance, wiederum in ein neugegründetes Büro direkt in meinem Ort einzusteigen, die ich natürlich mit Kusshand annahm. Wieder Brandschutz, wieder freier Mitarbeiter (als Probezeit), nur der Chef um Einiges vielversprechender. Also für mich selbst einen 2. Startversuch beschlossen und mir vorgenommen, mit Elan an die Sache ranzugehen.

Die Unzufriedenheit hatte ich bis dahin auf die Arbeitsbedingungen vor Ort geschoben - nun merke ich immer mehr, dass mehr dahintersteckt. Ich stehe meinem Job irgendwie vollkommen leidenschaftslos gegenüber, ich sehe zu, irgendwie gerade so das Soll zu erfüllen. Teilweise wehre ich mich richtig dagegen, Dinge anzunehmen und in die Materie einzusteigen. Vor ein paar Tagen bin ich aus dem Büro gegangen und sagte zum ersten Mal überdeutlich zu mir selbst: Sei ehrlich - Du willst das hier doch gar nicht.

Tja, und jetzt stehe ich relativ ratlos da. Dazu merke ich inzwischen im Vergleich zu anderen, dass mein Studium offenbar z.T. von Lücken geprägt war.

Nochmal vollkommen von vorne anzufangen (Studium o.ä.) kommt für mich nicht in Frage, alleine schon aus finanziellen Gründen. Ich wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht, wohin ich mich orientieren sollte. Ich habe einige Interessen, die jedoch größtenteils kaum das Potential haben, einen Beruf daraus zu machen.

Evtl. könnt Ihr mir sagen, in welche Richtungen oder Teilgebiete man als Bauingenieur quereinsteigen kann und inwiefern sich da Chancen ergeben? Momentan bin ich für jeden Anstoß zum Brainstorming dankbar… :smile:

Danke schon mal für Eure Denkanstöße und Tipps.

Gruß Torsten

Hi Torsten,

Wirklich sinnvolle Ratschläge kann ich dir nicht geben, aber vielleicht ein,
zwie Anstöße.

Dazu merke ich
inzwischen im Vergleich zu anderen, dass mein Studium offenbar
z.T. von Lücken geprägt war.

Hast du nicht im Vergleich zu anderen nicht auch irgendwo Vorsprünge? Jede
Hochschule legt doch letztendlich ihre Schwerpunkte anders. Davon abgesehen,
müssten sich diese Lücken doch irgendwie füllen lassen.

Ich habe einige Interessen, die
jedoch größtenteils kaum das Potential haben, einen Beruf
daraus zu machen.

Ich glaube auch, man sollte dringend mit einigen Interessen im Privatleben
bleiben, der Beruf nervt ja ab und zu auch etwas.

Evtl. könnt Ihr mir sagen, in welche Richtungen oder
Teilgebiete man als Bauingenieur quereinsteigen kann und
inwiefern sich da Chancen ergeben?

Was mir dazu grad einfällt: Abwasser/Biogastechnik. Komplett anderes Thema,
aber da werden auch Bau-Ings gesucht. Oder als Berufsschullehrer könntest du
mit entsprechender Zusatzausbildung gute Chancen haben.

HTH, Simon

Hallo Simon,

Abwasser wäre wohl die falsche Richtung… das war bei uns eine eigene Vertiefungsrichtung, die ich mangels Interesse nicht belegt habe.

Beim Stichwort Biogas fällt mir als umgreifenderes Thema biologisches Bauen im Allgemeinen ein. Allerdings ist da nach meinen Informationen bzw. Eindrücken momentan noch sehr der Charakter einer „Nischenbranche“ gegeben. Soll heißen, es wird von vielen Büros / Firmen als Zusatzleistung angeboten und es gibt wenige Stellen, die das im großen Stil aufziehen.

Hat denn niemand Anregungen bzgl. Quereinstieg für Bauingenieure in andere Berufsfelder?

Gruß Torsten

Hi,

biologisches Bauen im Allgemeinen

das hat nach meinem letzten Informationsstand einen etwas esoterischen
Charakter. Aber ich bin da nur peripher informiert.

Hat denn niemand Anregungen bzgl. Quereinstieg für
Bauingenieure in andere Berufsfelder?

Könnte daran liegen, dass sich so viele Bauings hier nun auch wieder nicht
tummeln…
Was würd dir denn Spass machen? Welche Art von Tätigkeit?
Und noch ne andere Frage: kommst du von einer Uni oder einer FH?

Simon