Baum-Blattwechsel auch ohne Frost?

Hallo, ihr lieben Wissenden,

irgendwie stelle ich google nicht die richtigen Fragen. Vielleicht hat ja hier jemand eine Antwort für mich:

Was löst eigentlich bei Bäumen den Blattwechsel aus? Kälte? Lichtmenge (Kürzer werdende Tage)? Oder ist das „genetisch“ programmiert?

Andersrum gefragt: Wenn ich ein Bäumchen, das hierzulande einen saisonalen Blattwechsel durchmacht, in eine Region verbringen würde, in der es keinen Frost gibt, würde das trotzdem im Herbst die Blätter abwerfen? Oder was würde sonst damit passieren? Kontinuierlicher Blattwechsel?

Das ist wieder mal so eine müßige Neugierfrage, die einem einfällt, wenn man rumsitzt und die Natur glotzt …

Schon jetzt vielen Dank!
LG
Edith

Hallo Edith!

Ich habe dir hier mal einiges zusammen geschrieben. Hoffe, du kommst damit klar.

Bevor der Winter Einzug hält, präsentieren sich viele Pflanzen noch einmal von ihrer besonders schönen Seite. Die Bäume tönen ihre Blätter um, wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen allmählich sinken. Grün kommt dann aus der Mode. Dafür zeigen sich Gärten, Parks und Wälder in Gelb, Orange und Rot. Der „Indian Summer“ vor unserer Haustür lädt zu ausgedehnten Spaziergängen in der Natur ein. Aber nicht lange können wir die herrlichen Farben des goldenen Herbstes genießen. Bald fallen die Blätter, und dann ist es mit der Pracht schon wieder vorbei.
Die sommergrünen Laubgehölze in unseren Breiten werfen im Herbst die Blätter ab, um sich auf den winterlichen Wassermangel einzurichten. Über ihre Blätter verdunsten sie nämlich ständig einen großen Teil des durch die Wurzeln aufgesogenen Wassers – bei einer hundertjährigen Rotbuche etwa 400 Liter pro Tag. Wenn im Winter der Boden gefriert, entsteht so genannte Frosttrocknis, denn der Wassernachschub bleibt aus, und Bäume und Sträucher können nicht mehr genug Wasser aufnehmen. Die Pflanzen würden langsam austrocknen, wenn sie nicht die „geniale Idee“ gehabt hätten, sich einfach ihrer Blätter zu entledigen und dadurch die Wasserabgabe wirksam zu stoppen.
Das Abwerfen der Blätter ist ein durch Abnahme von Tageslänge und Temperatur induzierter und durch Phytohormone gesteuerter Vorgang. Nach neueren Forschungen scheint dabei das Gas Äthylen als hormoneller Wirkstoff im Spiel zu sein. Im Blattstiel wird ein Trenngewebe ausgebildet, dessen Zellen sich durch Verschleimen der Mittellamellen und Sichabrunden voneinander lösen, so dass schließlich das Blatt aufgrund seines eigenen Gewichts abfällt. Ein Abschlussgewebe aus Kork verschließt die Wunde und schützt vor Wasserverlust und dem Eindringen von Pflanzenschädlingen.
Der Blattabwurf ist nicht nur ein wirksamer Verdunstungsschutz, sondern hat noch weitere Vorteile für die Pflanzen: Er entsorgt giftige Stoffwechsel-Endprodukte und – heutzutage besonders von Bedeutung – gespeicherte Umweltgifte. Auch halten kahle Bäume der Schneelast besser stand. Außerdem sichert der Laubfall den im Frühling austreibenden Knospen ausreichend Licht für ihre Entwicklung.
Auch immergrüne Pflanzen wie die meisten Nadelhölzer werfen ihre Blätter ab. Allerdings nicht regelmäßig im Herbst, sondern kontinuierlich die eine oder andere Nadel. So bleibt eine Nadel der Kiefer etwa fünf Jahre, der Fichte bis zu sieben Jahre und der Tanne sogar bis zu elf Jahre am Zweig. Dass die Nadelbäume nicht regelmäßig im Winter blattlos sind, liegt am effektiven Verdunstungsschutz ihrer Nadeln. Die schmalen Blätter haben eine kleine Oberfläche. Die Ausgänge ihrer Spaltöffnungen sind verengt und eingesenkt, so dass eine Wasserabgabe stark eingeschränkt ist. Außerdem sind die oberen Epidermiszellen nach außen hin dickwandig, und zusätzlich schützt eine Wachsschicht vor stärkerem Feuchtigkeitsverlust.
Durch vielfältige Umwelteinflüsse kommt es immer wieder zu vorzeitigem Laubfall. Die Blätter sind dann noch grün, häufig aber auch braun gefärbt. In längeren Hitzeperioden vertrocknen die Blätter. Auch erhöhte Bodenfeuchtigkeit führt zum Verwelken, weil die Wurzeln faulen und kaum noch Wasser aufnehmen. Schadstoffe im Boden und in der Luft, wie etwa die Chlorid-Ionen aus dem Streusalz oder Stickoxide in Autoabgasen, schwächen die Pflanzen und lassen die Blätter schon im Sommer von den Bäumen fallen. Durch extreme Witterungsverhältnisse und durch Umweltgifte geschwächte Bäume sind besonders anfällig für Pilzbefall und Schadinsekten wie Miniermotten, was ebenfalls vorzeitigen Blattfall bewirkt. Wenn Esche, Erle und Holunder grüne Blätter abwerfen, ist das allerdings normal, denn sie verfärben sich nicht.
Das leuchtende Farbenspiel des Herbstes – Pappeln werden goldgelb, Ahornblätter leuchten in Gelb und Orange, Roteichen fallen durch ihr Feuerrot auf – hängt zum einen damit zusammen, dass Nährstoffe abgebaut und wichtige Elemente wie Stickstoff, Phosphor, Eisen und Kalium in den Stamm verlagert werden, in erster Linie beruht es aber auf einer Änderung des Mengenverhältnisses der Blattfarbstoffe.
Gruß
Rainer

Merci - sowas hab ich gesucht!
Danke, Rainer,

auf die Experten von wer-weiss-was ist halt Verlass. Sowas habe ich gesucht. Ich danke dir!

Gruß
Edith