Bauphysik

Sehr geehrte Experten,

ich habe eine Frage zum Thema Wärmedämmung von Räumen.

Ich habe vor, ein Zimmer unterm Dach zu beziehen; leider wurde der Dachraum aber nie fachmännisch ausgebaut. Meine Vormieterin improvisierte eine Isolierung mit Glaswolle zwischen den Balken und darübergenageltem Karton (!). Sie riet mir, den Karton herunterzureißen und Holzplatten darüberzuschrauben.

Nun habe ich mich etwas durch Foren gelesen, und frage mich, ob das gut geht? Was für Holz sollte man nehmen? Ich habe gelesen, dass Span- oder OSB-Platten zu Schimmel in der Glaswolle führen kann, stimmt das? Oft habe ich auch von einer Dampfbremsfolie gelesen, die aber umstritten scheint. Ist es angebracht, die Folie über die Glaswolle anzubringen und darüber die Spanplatten, oder Gipsplatten?

Bitte entschuldigen Sie, wenn meine Fragen sehr dilettantisch klingen, aber ich bin leider nicht nur blutiger Anfänger, sondern war zudem nie sonderlich gut in Physik.

Der Raum sollte natürlich beheizt werden (soll zum Schlafen dienen) und hat 2 Fenster zum Lüften. Ich frage mich auch, ob es so im Sommer nicht sehr heiß wird?

Ich danke Ihnen allen vielmals für Ihre Hilfe!!
Saskia

Hallo Saskia,

zuerst einmal kommen, und da haben Sie recht, alle Probleme der Schwitzwasser- und Schimmelbildung zum Tragen.
Ich weiß die Qualität der Glaswoll-Dämmung nicht einzuschätzen und auch den Rest der Örtlichkeit nicht.
Deshalb einmal ein paar pauschale Dinge, die zu beachten sind:

  • Die Feuchtigkeit und der Schimmel bilden sich überall dort, wo die Taupunktemperatur unterschritten wird. Das bestes Beispiel ist, im Sommer eine kalte Sprudelflasche aus dem Kühlschrank nehmen und da sieht man sofort, wie es an ihr kondensiert. Genau dies gilt es zu vermeiden.
  • Um überhaupt das Kondensieren an den nichtisolierten Sparren zu vermeiden, benötigt man die Dampfsperre. Sie muss aber absolut dicht sein, sonst funktioniert das ganze nicht!
  • Der Endbelag sollte auch dicht sein, damit nichts dahinter dringen kann, da Sparren weiterhin eine Kältebrücke bilden und wie Sir richtig erkannt haben, dann nichts nutzen. Denn egal wer die kalte Fläche produziert, da kommt es letztlich zum Tauen. Da würde ich mit dem Fachhandel über geeignete Produkte sprechen.
  • Die Alternative zum Abdichten ist das hinterlüften, da wird so viel Luft, wie benötigt benutzt zum Abführen der Feuchtigkeit. Das wäre hier nur schwer auszuführen.

Dann wünsch ich mal viel Erfolg!!!

Gruß
Hans Georg

Hallo Saskia,

grundsätzlich: Wenn der Dachraum nie fachmännisch ausgebaut wurde, werden sehr hohe Heizkosten und im Sommer sehr viel Wärme auf Sie zukommen. Das sollte Ihnen bewusst sein.

Nun zu Ihrer Frage, wie Sie den Dachraum, so Sie ihn tatsächlich beziehen wollen/müssen, gebrauchstauglich herrichten:

Ich gehe für meine Antwort davon aus, dass es sich um ein Steildach (mit Dachziegeln) handelt und unter den Dachziegeln mindestens eine Unterspannbahn vorhanden ist, die eventuell durch die Ziegel eindringende Feuchtigkeit (Regen oder Flugschnee) von der Dämmung fernhält. Denn sonst durchfeuchtet die Dämmung früher oder später und nützt nichts mehr.

Mineralwolle (oder Glaswolle, das ist in diesem Fall gleichwertig) sollte grundsätzlich nicht nur mit einer Pappe abgedeckt sein, damit Fasern nicht in die Raumluft gelangen können. Nun kommt es ein bisschen auf die Dachkonstruktion an, wie man mit der Dämmung und der raumseitigen Beplankung (Platten) umgehen sollte. Ich gehe mal vom Fall aus, dass das Dach nicht hinterlüftet ist, das ist der „worst case“. Die vorgeschlagene Lösung funktioniert auch dann, wenn das Dach hinterlüftet ist:

Zunächst die Pappe entfernen (Staubschtzmaske tragen, gut lüften). Dann eine Dampfsperrfolie (z. B. von Doerken, Isover, ProClima o. ä., bitte keine Baumarktware oder einfache Folie) auf die Dachsparren (Holzbalken, zwischen denen die Glaswolle liegt) auftackern. Stöße müssen sauber verklebt und Anschlüsse an Giebelwände müssen unbedingt luftdicht hergestellt werden, fachgerechtes Material benutzen!!!
Quer zu den Sparren nun eine Lattung aufschrauben (Dachlatten), damit die Folie fixiert wird und als Traglattung für die Beplankung. Die Beplankung aus Rigipsplatten, Spanplatten oder OSB-Platten aufschrauben.

Vorher vom Vermieter Einverständniserklärung holen und unterschreiben lassen, dass keine Gewähr für die fachgerechte Ausführung übernommen werden muss, falls es zu Schäden kommt. Wenn der Vermieter das nicht macht: Auffordern, den Ausbau durch den Vermieter vornehmen zu lassen, dann hat der den „schwarzen Peter“. Weigert sich der Vermieter, würde ich mir eine andere Bleibe suchen, Dachgeschossausbau ist eigentlich nur für Fachleute und versierte Heimwerker mit Kenntnis der Materie und nicht in zwei Nachmittagen zu schaffen! Vielleicht kennen Sie einen Zimmermann, der so etwas schon gemacht hat?

Ich hoffe, ich habe nicht desillusioniert und konnte helfen.

Bei Fragen bitte melden,
Gruß,
Guido

Sehr geehrte Fragerin, sehr geehrter Frager,
ich werde am nächsten Wochenende Ihre Anfrage beantworten können, sollten Sie noch Fragen und/oder zusätzliche Infos haben,diese an die Anfrage anhängen.
Schönen Gruß nach ???
Martin Sprenger
Sachverständiger für Schäden an Gebäuden
[email protected]

Hallo Folle furieuse,

Der Dachaufbau sollte von innen nach aussen wie folgt aussehen:

12,5 mm Gipskarton
Lattung 4/6 cm
Dampfbremsfolie (ganz dicht verklebt auch an allen Anschlüssen)
Dämmung mind.200 mm Wärmeleitgruppe 035 besser 032
Unterspannbahn
Dachziegel

OSB Platten sind bei nachträglichem Ausbau nicht zu empfehlen (Handling, Gewicht, Oberfläche,…)

mit freundlichen Grüßen

Jürgen Hartleib
Architekt

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

Ich habe jetzt bereits ziemlich gut verstanden, wie es gehen sollte, und mich auf den entspr. Internetseiten (proclima etc.) informiert…

Ja Guido, auf Desillusionen hatte ich mich in der Tat schon ein bißchen eingestellt.
Denn während ich mir am Anfang allerdings mehr Gedanken um Feuchtigkeit etc. machte, wird mir jetzt eher klar, dass die Hitze im Sommer problematischer werden könnte als die Kälte im Winter.
Bei Suche im Internet war der Tenor, dass dafür in erster Linie Fensterflächen (Glas) verantwortlich sind; was ich mir alleine aber nicht vorstellen kann?! (Der Raum hat zwei Fenster, es sind aber keine Dachfenster, sondern kleine Fenster von ca. 50x50 cm. Eines nach Norden und eines nach Süden wenn ich mich nicht täusche).
Ich wollte auch noch hinzufügen, dass der Raum nicht komplett mit Dachschrägen ausgestattet ist, sondern links und rechts Anschluss an das Haus hat (Flur bzw. Nebenhaus.). Das könnte im Winter von Bedeutung sein, da so von rechts und links auch geheizt wird und nicht alle Wärme verpufft.

Herzliche Grüße, und vielen Dank noch einmal
Saskia

Hallo Saskia,

wenn man keine Erfahrung im Trockenbau hat, dann kann ich nur empfehlen, die Finger davon zu lassen.
Als Laie kann man Vieles dabei falsch machen und trotz bester Googleergebnisse einiges missverstehen.
Mit dieser Aufgabe empfehle ich wärmstens nur Fachleute zu beauftragen.
Kann man ohne eine grundlegende Ausbildung operieren, weil man über ein Skalpell und ein Narkosegerät verfügt und ergoogelt hat wie es geht? Dazu muss man wohl trotzdem mehrere Jahre lernen. :smile:)
Schuster bleib bei deinen Leisten, sagten die Alten.

Hallo Saskia,

der Aufbau der Dämmkonstruktion in diesem Falle sollte wie folgt aussehen(von innen nach außen):

  • Gipskartonplatte
  • (optional zur Kompensation von Wärmebrücken im Bereich der Sparren) Untersparrendämmung
  • Dampfbremse
  • Zwischensparrendämmung
  • diffusionsoffene Unterspannbahn

Hierbei ist zu beachten, dass der Diffusionswiderstand von innen nach außen abnehmend ist.

Durch eine solche Dämmung sollte in einem gewissen Umfang auch der sommerliche Wärmeschutz gewährleistet sein. Eine gewisse energetische (und in meinen Augen nicht zu verachtende) Wärmeeinfuhr im Sommer erfolgt natürlich auch über die Fenster.

Das Problem des Schimmels entsteht durch Feuchtigkeit innerhalb der Dämmung, die nicht abgeführt werden kann. Durch o. g. Aufbau sollte das Problem aber nicht auftauchen.

Für genauere Angaben rate ich dazu einen Dachdecker hinzu zu ziehen, der Ihnen auch Alternativen bezüglich Dämmstoffdicken, -wärmedurchgangswerten, -materialien etc. benennen kann.

Ich hoffe soweit ersteinmal geholfen zu haben.

Hallo,
so schlimm ist das nicht.
Es gibt nur eine sehr sehr wichtige Regel zu beachten.
die Dampfdurchlässigkeit muss nach außen hin abnehmen.
Also von innen nach außen: Rigipsplatte oder so, Dachlatten, eine Dampfsperre (am Besten Alufolie o. Ä.), dann die Dämmung und dann eine diffusionsoffene Folie als Windschutz.

MfG
Uli

Die Foren haben Recht. Immer.
Folie ist doof, Holz ist doof, Glaswolle ist doof. Dach ist doof.
Nein, mal im Ernst …
Unter dem Dach ist ohne gute Dämmung im Sommer Barackenklima angesagt. Wird warm, sehr warm. Von daher war die Dämmung schonmal nicht schlecht.
Schimmel kann sich nur bilden, wenn er von was lebt. Von Wasser z.B., Wasser, welches durch die Abschottung der Dämmung eindringen kann. Also: Folie. Aber: dicht muss sie sein. Und nicht zernagelt oder zerbohrt.
Also: Dämmung - Folie - Lattung - Konterlattung - Gipskartonplatte - Tapete.
moderates Heizen und dem Raum nicht auf Gefriertruhe lassen ist im Winter nicht das Schlechteste, damit sich Feuchte wieder aus der GK-Platte herauslöst und mit dem Lüftungsstrom abtransportiert werden kann. Stichwort ist „Stoßlüften“.
Viel Erfolg!

Hallo Saskia,
eben habe ich Deine Anfrage gefunden.
Aus dem Stegreif ist Deine Frage gar nicht so leicht zu beantworten, weil durch Deine Angaben überhaupt nicht klar geworden ist, wie das Dach aufgebaut ist.
Es wäre nämloich interessant und wichtig zu wissen,
ob außerhalb der Glaswolle, also in Richtung zu den Ziegeln, bzw dacheindeckung hin eine mindestens 3 cm dicke Luftschicht über der Glaswolle liegt..
Wenn JA: Sehr gut!

Über der Glaswolle, also auf der gleichen Außenseite, sollte auch noch eine sogenannte Dachhaut sein, die bei Unwetter feuchtigkeit von eben her abhält.
So kann die Glaswolle jederzeit trocken bleiben, bzw bei Feucht auch wieder austrocknen.

Von der Raumseite her sollte bei bewohnung auf jeden Fall eine dampfbremsfolie verlegt werden.
Diese macht aber nur dann einen Sinn, wenn sie wirklich überall dicht ist und zwar bis zum Anschluss an die seitlichen Wände hin (z.B. mit Spezialdichstoff oder Spezielle Klebefolie für diesen Zweck (z.B. von Siga)

Generell gilt :
Beim Dachausbau für Wohnzwecke kann man leider seeehr viel falsch machen und im schlimmsten Fall kann dann in der Folge mit der Zeit das ganze Dach durchschimmeln und vor sich hin faulen.

Du solltest Dir für Dein Wohnvorhaben auf JEDEN FALL einen Fach- und Sachkundigen an den Ort holen. Der wird dir dann die richtigen Tipps geben.

Wie gesagt:
Beim momentan gegebenen Wissenstand ist ein verbindlich geltender Rat nicht ohne weiteres und nicht seriös möglich.

Wenn Du weitere klare und lückenlose Angaben zum jetzigen Dachaufbau geben kannst, können evtl auch klarere Aussagen von mir kommen.

Ich hoffe, dass Dir diese Sätze ein wenig schon mal weiter helfen.

Für weitere Fragen stehe ich zur Verfügung.
Ich bin allerdings momentan nicht in der Lage täglich online zu gehen, weswegen die Antworten sich verzögern können.

mit freundlichen Grüßen

Ralf

PS:
„ich frage mich auch, ob es so im Sommer nicht sehr heiß wird?“

JA, es wird auf jeden Fall heiß werden, auch im isolierten Zustand!
Das sollte man sich also gut überlegen, bvor man da einzieht! Ich spreche hier übrigens aus eigener Erfahrung. Die Hitze drückt nämlich ins Dach herein und über Nacht kann im Sommer der Dachraum nicht richtig auskühlen. Luftdurchzug Machen kann etwas lindern, ist aber nicht wirklich die Lösung.

Nur eine Klimaanlage kann wirkliche Hilfe bringen.
Und diese verbraucht ordentlich Strom.

Hallo liebe Saskia,

zunächst erscheint mir der augenblickliche zustand sehr fragwürdig.
Wenn Du nachbesserst solltest Du auf folgendes achten: Du brauchst auf jeden Fall eine Dampfbremsfolie. Die muss raumseitig zur Dämmung verlegt werden. Sie muss überall (an den Wänden, an den Stössen usw.) absolut dicht mit geeigneten Materialien abgeklebt werden. Ich empfehle Dir von Isover die feuchteadaptive Folie.
Mit der stellt Du die Funktionalität der Dämmung sicher und Du schützt die gesamte Konstruktion vor Feuchte und Schimmel. Apropos: Schimmel entsteht nicht auf der Glaswolle, sondern auf der OSB- oder Spanplatte. Aber eben nicht wenn die Dampbremsfolie richtig verlegt ist.
Am besten Du besorgst Dir das Material im Baustofffachhandel!!!

Viele Grüße,
Joachim

Hallo Saskia,

das Thema Wärmedämmung und Isolierung des Daches ist keine Hexerei, sollte aber fachmännisch und mit handwerklicher Sorgfalt ausgeführt werden.

Der Dachaufbau von innen nach aussen sieht im Allgemeinen folgendermaßen aus:

  • Holzverschalung oder Gipskarton-Platten
  • Dampfbremse (unbedingt empfehlenswert)
  • Wärmedämmung (in der Sparrenebene)
  • Unterspannbahn
  • Dacheindeckung

Speziell die Dampfbremse bzw. Dampfsperre sollte handwerklich sehr sorgfältig ausgeführt werden, damit es nicht zur Tauwasserbildung kommt, was zu einer Durchfeuchtung der Wärmedämmung mit Schimmelbildung führen kann.

Ich hoffe, die Antwort war verständlich. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. und bitte verzeihen Sie die verspätette Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Senger