Hallo,
Mir ist bei der Fahrt durch Hessen etwas aufgefallen und deshalb muss ich Euch Mal etwas fragen
.
Warum ist bei vielen Ortschaften bei der überwiegenden Anzahl der Häuser der Giebel zur Hauptstraße hin und die Türen nicht an der Straßenseite? In anderen Ortschaften ist es teilweise umgekehrt, die Dächer sind mit der Längseite zur Straße.
Beispiel:
http://freenet-homepage.de/Chinolina/PS3.jpg
http://freenet-homepage.de/Chinolina/PS2.jpg
Jetzt bin ich auf die Antwort gespannt 
Angi
Hallo Angi,
das hat etwas mit dem Entstehungsdatm der Ortschaften un Häuser zu tun. In Nürnberg war es beispielsweise bis ca. Mitte des 14 Jahrhunderts üblich, dass die Häuser mit der Giebelseite zur Hauptstrasse standen und dass die Längsseiten der Hauser aneinander stießen. Grnd dafür war, dass es billiger war so zubauen, denn wenn schon ein Haus so steht, dann spare ich das meiste Material, wenn ich die Längsseite meines Hauses an das bestehnde Haus anschieße, ich brauch ja dan nur noch 3 Wände und ein Dach.
Diese Bauweise ist edoch im Brandfall sehr gefährlich, denn wenn mein Dach brennt, dann rollen Trümmer davon zwangsläufig auf das[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo Heike,
Danke für diese Antwort. Das ist sehr interessant und auch spannend soetwas heraus zu bekommen. Durch solch eine Bauweise kam es nicht nur in Nürnberg zu Großfeuern, sondern auch in anderen Städten. Noch heute spricht man auch über das große Feuer von Hamburg, bei dem durch solche Bauweisen tausende von Menschen starben.
Doch in Hessen ist mir aufgefallen, dass diese Häuser, die ihre Giebel zur Straße haben, zu 99% die Türen an der Längseite des Hauses haben. Warum baute man so?
Angi
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Hallo Angi,
Jetzt bin ich auf die Antwort gespannt 
in unserem Dorf gibt es einige Häuser, die mit dem Giebel zur Straße zeigen.
Sie sind allesamt weit über 100 Jahre alt. Aber so einfach ist es auch wieder nicht. Es gibt auch einige Häuser, die ähnlich alt sind, aber mit der Querseite zur Seite zeigen. Meine Ställe sind wahrscheinlich über zweihundert Jahre alt und zeigen mit der Querseite zur Straße. Allerdings gibt es keine jüngeren Häuser mit dem Gibel zur Straße.
Den Grund, warum Giebel oder Querseite zur Straße zeigen konnte mir keiner sagen.
Gandalf
Servus,
das, was Du beschreibst, ist eine Bauform, die vom fränkischen Hof abgeleitet ist: Wohngebäude, Remise, Scheuer, Stall sind hufeisenförmig um einen Hof angeordnet, den man übrigens teilweise auch noch mit einer Mauer zur Straße hin findet.
Wenn man jetzt von dieser Anordnung alle Nebengebäude, die zur landwirtschaftlichen Nutzung gehören, weglässt, bleibt ein Haus, das mit der Giebelseite zur Straße zeigt und dessen Eingang auf der Seite liegt.
Ich bin kulturhistorisch nicht genügend bewandert, um etwas zum „warum und wozu“ zu sagen. Etwa gleichzeitig mit dem fränkischen Hof sind im Süden das schwäbisch-alemannische Einhaus und jünger dessen besondere Form des Schwarzwaldhauses zu finden, bei dem Wohnung-Stall-Scheuer unter einem Dach aufgereiht sind, und das längs zur Straße steht. Im Nordwesten ebenfalls etwa gleichzeitig das Fachhallenhaus, viel später das Gulfhaus. Insofern wäre es pur spekulativ, dem fränkischen Hof besondere Eigenschaften wie etwa Schutz und Verteidigung zuzubilligen - diese Eigenschaften waren ja in den Siedlungsgebieten mit anderen Hofformen genau so gefragt.
Eine konsequente Weiterentwicklung des fränkischen Hofes findet man beim burgartig auf allen vier Seiten geschlossenen „Vierkanter“ im Südosten, besonders im Mostviertel. Aber das führt jetzt woanders hin.
Schöne Grüße
MM
Hallo !
Das, was man heute in den Dörfern sieht, stimmt meistens nicht mehr
mit dem Original überein.
Meistens war an der Strassenseite die große Haupttür, in die man mit
dem voll gepackten Ackerwagen hineinfahren konnte. Diese sind seit
Jahrzehnten unbrauchbar, weil moderne landwirtschaftliche Geräte nicht
mehr hineinpassen. Man hat sie also meistens dichtgemauert und nur die
Seitentür gelassen. Dann kam die Zeit der Aussiedlung und landwirtschaftliche
Betriebe mußten das Dorf verlassen. Gingen nach Draußen. Zurück
blieben zu Wohnhäusern umgebaute Bauernhöfe. Die fast nie mehr so aussahen,
wie zu Zeiten des Erbauens.
Die Schweine-, Kuh- und Pferdeställe wurden zu Wohnräumen und man sieht bei
den meisten Häusern noch die zugemauerten Eingänge.
Die Bauweise der Häuser hing auch von der Lage der Äcker ab. Es gibt so
genannte Haufendörfer, wo die Straße einen Kreis bildet und die Häuser mit
der Front zur Strasse stehen. Die Äcker gleich hinter dem Haus beginnen und
sich wie ein spitzer Winkel mit der Entfernung vergrößern. Dort findet man
die Haupttüren hinten oder an der Seite.
In Norddeutschland wiederum stehen Bauernhäuser immer sehr weit auseinander.
Die Haupttüren mal an der Seite, mal zur Strasse hin.
In der Wesermarsch wiederum stehen Bauernhäuser längs den Strassen. Hinter
den Häusern beginnen die Äcker und man setzte vorn die Wohnhäuser hin und nach
hinten die Scheunen mit den großen Haupttüren.
Wie ein Dorf bebaut wurde hing fast immer vom Platz und der Lage der Ländereien
ab.
mfgConrad
Hallo Conrad,
das würde bedeuten, daß in fast ganz Hessen überall die Straßen in den Ortschaften verlegt worden sind?
Im fränkischen Hof, der in Hessen (nach dem gefragt war) dominiert, geht zur Straße hin nie die Haupttür, sondern immer die Toreinfahrt zu dem Hof, um den die einzelnen Gebäude angeordnet sind.
Schöne Grüße
MM
Hallo Angi,
auch ich bin in einem Dorf geboren und lebe heute noch dort (Eifel).
Als ich vor ca. 30 Jahren mein eigenes Haus baute, wurde mir mit Nachdruch der „Alten“ empfohlen, die Wetter-Richtung zu beachten.
Vieleicht hilft es Dir; oder habe ich etwa neue Fragen aufgeworfen?
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