Beamtenbesoldung

Hallo

Ich wurde kürzlich in eine „Diskussion“ mit einem Beamten verwickelt, der steif und fest behauptete, daß Beamte auf Grund Ihres Status keinerlei Vorteile oder Sonderrechte geniessen würden - und schon gar keine, die sich finanziell auswirken, eher im Gegenteil.

Das einzige, was er gelten ließ, war der Kündigungsschutz, der durch nicht vorhandenes Streikrecht und beliebige Versetzbarkeit „bezahlt“ wird.

Obendrein war die Behauptung, das negative Bild von Beamten sei das Ergebnis einer Medienkampagne, die keinerlei Grundlage hätte.

Als Beweise legte er Artikel von Experten vor, die samt und sonders hochrangige Beamte waren und in Beamtenzeitschriften publiziert waren.

Kennt sich jemand besser im Besoldungsrecht aus und kann Stellung zu diesen Behauptungen nehmen?

Danke
Thomas

Ich galube, dieser Streit ist so alt wie das Beamtentum. Fakt ist, daß Beamte Vergünstigungen haben wie z.B. den Kündigungsschutz, aber auf der anderen Seite verdienen sie auch weniger als entsprechende Leute in der freien Wirtschaft. Also such dir einfach jemanden aus, der Beamter ist oder auch nicht, und er wird dir sagen, daß Beamte nicht beser gestellt sind oder aber doch.

Hallo Thomas!

Bevor hier wieder mal Beamte schlecht gemacht werden, sag uns doch erstmal, an welche Vorteile Du denkst!
Und dann noch was, warum bist Du keiner geworden, wenn diese Leute soviel Vorteile haben?
Bin selbst kein Beamter!!

Gruß Werner

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Was sollen das auch für Vorteile sein? Steuern müssen die genauso bezahlen wie unsereins. Nur Sozialabgaben fallen weg, weil Beamte nicht in die Rentenkasse usw. einzahlen. Dafür mittlerweile in einigen Bundesländern zwangsweise eine Sonderabgabe in den Pensionstopf…

Wie du vielleicht merkst bin ich auch kein Beamter, habe aber einige im Freundeskreis. Ich kann nur sagen - was heutzutage mit den kleinen und mittleren Beamten gemacht wird, würde „normale“ Arbeiter und Angestellte sofort in den Generalstreik treiben!

Beispiel gefällig?
Also: Amtssitz ist Altbau. Ein Flügel hat im Erdgeschoß vergitterte Fenster. In diesem Flügel sitzen nur Beamte, weil die Berufsgenossenschaft der Angestellten ein Veto wegen mangelnder Fluchtmöglichkeiten im Brandfall eingelegt hat. Beamte können sich da nicht wehren.

Noch eins?
Nimm mal an, du hättest keine gesetzliche Rentenversicherung, sondern ausschliesslich eine betriebliche Altersversorgung. Du bekommst logischerweise weniger Bruttogehalt, weil der AG den entsprechenden Top füllt. Was würdest du sagen, wenn dein AG plötzlich eine Mitteilung schickt, das ab dem nächsten Ersten dein Gehalt leider nochmals um X% gekürzt werden muss, weil der Topf für andere Zwecke benötigt wurde und nun leider leer ist??? Wieviel Sekunden würdest du ins Betriebsratsbüro benötigen?

Bitte schließe nicht von den Bonbons, die unsere hohen Tiere in Bonn/Berlin sich selbst genehmigen, auf die kleinen Leute an der Basis!

Gruß
Stefan

Hallo

Der Hintergrund war ein Beitrag in unserem Firmeninternen Schwarzen Brett, in dem sich ein Beamte darüber beklagte, daß es einen Vorschlag gibt, dieselben durch zusätzliche Abgaben an ihrer Pensionskasse zu beteiligen. Dabei warf er mit Prozentzahlen um sich.

Da mir das ständige Gemeckere aller möglichen Interessengruppen auf den Senkel geht, alle anderen sollten sparen, nur sie selber nicht, antwortete ich mit einer Frage nach der Grundlage der Zahlen und ob alle geldwerten und nicht-geldwerten Vorteile eingerechnet worden sind. Worauf mir die blanke Empörung entgegenschlug, wie ich nur auf die Idee kommen könnte, Beamte hätten irgendwelche Vorteile.

Ich sehe die Sache im Moment so:

Beamte haben ein geringeres Brutto als ein Angestellter in vergleichbarer Position, aber der Weg zum Netto ist ein ganz anderer. Sie zahlen kein Äquivalent zur Rentenversicherung und was mit der Krankenversicherung ist, weiß ich schlicht nicht.

Sie erhalten (oder haben erhalten?) Pauschalen für bestimmte Situationen, z.B. wenn sie in einer größeren Stadt eingesetzt werden. Was mit Dingen wie Vermögensbildung usw. ist, weiß ich schlicht nicht.

Zumindestens früher konnten Sie Sonderkonditionen bei Versicherungen erhalten (z.B. bei der HUK). Bei Zuschüssen wie z.B. Umzug gibt es wohl eine gewisse Flexibilität wie der jüngste Umzug vieler Beamte nach Berlin vermuten läßt.

Insgesamt entsteht meinem Eindruck nach ein solches Gewirr von Regelungen, daß ein Normalsterblicher nicht mehr entscheiden kann, ob das Ganze unter dem Strich nun von Vorteil oder von Nachteil ist.

Ist also das Geklage meiner verbeamteten Kollegen begründet oder ist das nur das übliche Lobbytum?

Gruß
Thomas

Hallo

Der Hintergrund war ein Beitrag in
unserem Firmeninternen Schwarzen Brett,
in dem sich ein Beamte darüber beklagte,
daß es einen Vorschlag gibt, dieselben
durch zusätzliche Abgaben an ihrer
Pensionskasse zu beteiligen. Dabei warf
er mit Prozentzahlen um sich.

Da mir das ständige Gemeckere aller
möglichen Interessengruppen auf den
Senkel geht, alle anderen sollten sparen,
nur sie selber nicht, antwortete ich mit
einer Frage nach der Grundlage der Zahlen
und ob alle geldwerten und
nicht-geldwerten Vorteile eingerechnet
worden sind. Worauf mir die blanke
Empörung entgegenschlug, wie ich nur auf
die Idee kommen könnte, Beamte hätten
irgendwelche Vorteile.

Ich sehe die Sache im Moment so:

Beamte haben ein geringeres Brutto als
ein Angestellter in vergleichbarer
Position, aber der Weg zum Netto ist ein
ganz anderer. Sie zahlen kein Äquivalent
zur Rentenversicherung und was mit der
Krankenversicherung ist, weiß ich
schlicht nicht.

Hallo Thomas!

Sie sind privat versichert, d.h. sie bezahlen so um die 400,-DM bei einer privaten Krankenversicherung

Sie erhalten (oder haben erhalten?)
Pauschalen für bestimmte Situationen,
z.B. wenn sie in einer größeren Stadt
eingesetzt werden.

Das nennt sich Ortszuschlag.

Was mit Dingen wie

Vermögensbildung usw. ist, weiß ich
schlicht nicht.

Wie bei jedem Arbeitnehmer.

Zumindestens früher konnten Sie
Sonderkonditionen bei Versicherungen
erhalten (z.B. bei der HUK). Bei
Zuschüssen wie z.B. Umzug gibt es wohl
eine gewisse Flexibilität wie der jüngste
Umzug vieler Beamte nach Berlin vermuten
läßt.

Insgesamt entsteht meinem Eindruck nach
ein solches Gewirr von Regelungen, daß
ein Normalsterblicher nicht mehr
entscheiden kann, ob das Ganze unter dem
Strich nun von Vorteil oder von Nachteil
ist.

Ist also das Geklage meiner verbeamteten
Kollegen begründet oder ist das nur das
übliche Lobbytum?

Normale, kleine Beamte haben unter dem Strich nicht mehr als andere Arbeitnehmer auch. Aber auch nicht weniger.

Aber wie gesagt, jeder hatte mal die Wahl, Beamter zu werden.
Gruß Werner

Gruß
Thomas

Hallo Thomas,

Ich heiße zufällig auch Thomas bin aber ein Polizeibeamter in NRW.

Zu deiner grundsäztlichen Frage ob wir Beamte besser bezahlt oder soagr Vorteile haben gegenüber dem „normalen“ Arbeitnehmer, kann ich estmal grundsätzlich sagen, Nein.

Du mußt es so sehen. Ich habe ca. 3500 DM Bruttogehalt. Übrig nach Abzug aller Steuern bleiben um die 2800 DM. Davon muß ich allerdings, das ist gesetzlich vorgeschrieben, eine Pflegepglichtversicherung abschließen. Die schlägt auch mit 100 DM zu Buche. Dazu kommt dann noch, das ich nicht davon ausgehe, wenn ich mit 65 in Pension gehe. meine 75% des letzten Gehalts bekomme. Ergo muß ich privat vorsorgen. Da hab ich zwei Alternativen, die erste wäre eine Lebensversicherung und die zweite ein Aktienfond. Damit ich nacher auch noch was von den beiden Möglichkeiten habe, muß ich dafür auch im Monat 200 DM abziehen. Dazu kommt noch der wesentliche Punkt, das ich jeden Tag von Aachen nach Köln muß das sind 150 km hin und zurück. Im Monat komme ich damit auf 600 - 700 DM REINE Spritkosten. Dann sind von den anfänglich 2800 DM noch 1500 DM übrig, Davon gehen dann noch diverse andere Versicherungen ab, die ich aber benötige und natürlich die Miete ! ! ! Im Monat hab ich dann ungefähr 500 DM übrig zum Leben. Das nenne ich nicht viel. was dann noch dazu kommt, ist das ich jederzeit woanders hin versetzt werden kann, bzw. meine Haut für andere Hinhalte. Ich will mich nicht über eminen Beruf beklagen, ganz im Gegenteil, ich mahce ihn sehr gerne, allerdings für das Risiko was ich jeden Tag eingehe, findde ich schon das ich mehr Geld verdient hätte.
In NRW wurde von der Landesregierung ein Gutachten über die Polizei in Auftrag gegeben. Dabei kam heraus, das selbst der kleinste Polizebamte normalerweise 5000-6000 DM Netto haben müßte. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, ich stehe gerne für eine Diskussion bereit.

Gruß Thomas

Hi Thomas,

im Krankheitsfall hilft die Beihilfe,
viele Versicherungen räumen den Beamtinnen auch heute noch einen Bonus ein.
… der Wert der Unkündbarkeit mus für jede selbst bewertet werden.
Gruß Ayla, keine Beamtin

Hallo Thomas

Du bist wirklich um Dein knappes Gehalt nicht zu beneiden, aber meine Frage war, ob sich Beamte besser stellen als normale Angestellte. In Deinem Fall ist dem tatsächlich so! Hier meine Rechnung

Bruttogehalt: 3500 DM
Abzug Steuern 700 DM (unter der Annahme derselben Steuerklasseneinstufung)
Abzug Sozialversicherungen (Rente, Kranken, Pflege, Arbeitslosen) 21% macht 735 DM
Ein Arbeitnehmer, der denkt, er könnte einmal von seiner Rente leben, ist ein Idiot, also private Vorsorge 200 DM
Fahrtkosten: Kommen bei vielen Arbeitnehmern vor, also Annahme wie bei Dir: 1000 DM
Miete und diverse Versicherungen: Wie bei Dir 1000 DM

Bleibt unserem Arbeitnehmer: -135 DM, mit anderen Worten, er ist arm dran.

Wenn Du auf die Rechnung schaust, dann wirst Du sehen, daß die Sozialabgaben den Kohl fett machen, wobei diese ja nur die Hälfte sind, denn der Rest zahlt der Arbeitgeber.

Was Du schreibst bestätigt meine Meinung, daß Beamte privilegiert sind, daß aber nur die Großen kassieren und die Kleinen im Regen stehen.

Gruß
Thomas

Tolle Rechnung, Thomas!

Nur hast du übersehen, dass Arbeitnehmer mit vergleichbar anspruchsvollen Tätigkeiten ein wesentlich höheres Bruttegehalt bekommen!!!

Würden z.B. auf ähnlichen Arbeitsplätzen im öff. Dienst jeweils ein Angestellter und ein Beamter tätig sein, wäre das Bruttogehalt des Angestellten dementsprechend höher!!!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Ayla !
Ja, die Beihilfe. Dazu geb ich Dir auch ein Beispiel:
Familienangehörige sind bei Polizeibeamten nicht mitversichert. Es soll z.B. Frauen geben, die nicht berufstätig sind. Wenn die zum Arzt geht, bezahlt die Beihilfe einen Teil der Rechnung. Ein Rest (20 - 40 %)muß die Familie selbst tragen. Dies können sie durch eine private Versicherung ausgleichen.
Jetzt lernen sich aber 2 Polizisten kennen und lieben. Daraus entsteht ein Kind. Soll schon mal vorgekommen sein. Das Kind ist nicht versichert. Vor der Geburt kann man es nicht versichern.Das Kind kommt behindert zur Welt. Keine private Krankenkasse nimmt das Kind in einem solchen Fall auf. Und jetzt kommt der ganz doofe Teil. Die beiden Polizisten bleiben bei jeder Arztrechnung, Krankenhausaufhalt und ähnliches auf den Kosten von 20 - 40 % jeder Rechnung sitzen.
Tolle Absicherung eines Beamten.
Gruß
GrasdeHopper

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Dann möchte ich als Beamtin auch mal etwas dazu sagen.
Erstmal zum Gehalt: mit einer vergleichbaren Ausbildung in der freien Wirtschaft (ich bin „Diplom-Verwaltungswirtin“) würde ich sicherlich deutlich mehr verdienen, und zwar nicht nur brutto, sondern auch netto.
Meine Arztrechnungen zahlt zur Hälfte mein Arbeitgeber als „Beihilfe“, für die andere Hälfte muss ich mich privat versichern. Das kostet ca. 400,- DM im Monat. Das kannst Du also auch noch vom Nettogehalt abziehen, bevor Du es mit dem Gehalt eines Arbeitnehmers vergleichst. Meine Arztrechnungen und Arzneimittel muss ich jedoch erstmal selbst bezahlen, bevor ich das Geld erstattet bekomme, und zwar erst die eine Hälfte, dann die andere Hälfte, weil sowohl Arbeitgeber als auch Versicherung die Original-Belege haben wollen. Hast Du schon mal Antibiotika verschrieben bekommen? Die kosten oft über 100,- DM. Das muss ich erst mal aus eigener Tasche vorstrecken.
Die Unkündbarkeit ist für mich der einzige Vorteil, den ich sehe.
Wenn ich Beiträge zu meiner Altersversorgung leisten müsste, müsste mein Bruttogehalt entsprechend höher sein, und zwar soviel höher, dass ich nicht weniger Netto hätte. Denn warum sollte ich noch weniger Netto bekommen? Ich mache schließlich die gleiche Arbeit wie bisher.
Wenn ich als Beamtin auf eine höherwertige Stelle versetzt werde, kann ich trotzdem unbegrenzt lange nach der Besoldungsstufe der alten Stelle bezahlt werden, obwohl ich die höherwertige Tätigkeit ausübe. Ein Angestellter MUSS nach 3 Monaten entsprechend der höherwertigen Stelle bezahlt werden.
Es ist auch erwiesen, dass Angestellte teurer sind als Beamte. Sie haben schließlich ein höheres Bruttogehalt. Einem Kollegen von mir, der Angestellter ist, sagte man bei einer Bewerbung bei einer anderen Stadt, dass man genug Bewerbungen von Beamten hätte, so dass man lieber einen Beamten nehmen würde, das sei billiger.
Noch Fragen?

Gruß,
Delia

Bisherige Quintessenz
Hallo Zusammen

Erst einmal vielen Dank für die Beiträge. Bislang bin ich zu den folgenden Eindrücken gekommen, bitte korrigiert mich, wenn ich falsch stehe:

  • Der Weg vom Brutto zum Netto ist zwischen Angestellten und Beamten tatsächlich unterschiedlich und zum Teil durch alle möglichen Regelungen und Einschränkungen verkompliziert.

  • Legt man dasselbe Bruttogehalt zugrunde, kommen Beamte besser weg, haben also mehr Netto übrig.

  • Der Streitpunkt verlagert sich damit auf die Frage, welches Brutto bei einer Tätigkeit angemessen ist, ein nicht klärbarer und unendlicher Punkt. Teilweise fällt es mir sehr schwer, vergleichbare Tätigkeiten zu finden, wie z.B. bei dem Polizist Thomas (was zahlen denn private Sicherheitsdienste?)

  • Eine Diskussion, die ich verfolgte, ging in diese Richtung, als jemand die Einstufung öffentlicher Angestellter und Beamter gegenüberstellte und zu dem Ergebnis kam, daß öffnetliche Angestellte weniger Netto hatten. Das Gegenargument war natürlich, daß die gegenübergestellten Gehaltsgruppen nicht vergleichbar waren.

  • Außerdem erscheint mir deutlich, daß diejenigen, die es verstehen, auf den jeweiligen Instrumenten zu spielen, besser wegkommen. Hier scheint mir das Verhältnis einfacher Beamter - höherer Beamter ähnlich zu sein, wie zwischen Angestellter - Management. Wer Entscheidungen treffen darf, kann dieses zu seinem Gunsten einsetzen.

Insgesamt ist meine sich jetzt gebildete Meinung: Beide Berufsgruppen haben mit Vorteilen und Nachteilen zu leben, den logisch notwendigen Sparzwang in unserem Land aber zu verwenden, subjektiv gefühlte Nachteile ausgleichen zu wollen, ist nichts weiter als Lobbytum, der sich letzten Endes gegen uns alle richtet.

Viele Grüße
Thomas