Oder ist es in der Regel viel günstiger nur den Bauantrag
durch Architekt und Statiker erstellen zu lassen und dann alle
einzelnen Leistungen selber zu beauftragen (Maurer,
Dachdecker, Estrichleger etc.)?
Hallo Andre,
nach den Zeichnungen des Bauantrags kann man kein Haus bauen. Da hat der Statiker nur seinen Stempel reingedrückt, aber noch nichts gerechnet, noch keine Details zu Papier gebracht. Der Architekt hat noch nicht für die geeignete Lage aller Rohre und Leitungen gesorgt, hat noch keine Bodenbeläge berücksichtigt, damit der Estrich überall in der richtigen Höhe liegt… es fehlen noch zahllose Einzelheiten. Je nach Auftragsumfang plant der Architekt Details von den Lichtverhältnissen, über den in der Eingangshalle zu pflanzenden, über 2 Etagen reichenden Baum, bis hin zur Farbgestaltung. Jeder Abfluß liegt exakt fest, sogar die genaue Lage und Bauart der Katzenklappe ist zeichnerisch festgehalten und selbstverständlich sind Wände nicht einfach nur verputzt, sondern das Material, seine Schichten und Zusammensetzung werden vorgeschrieben, ebenso wie die Notstromversorgung, die Kläranlage, selbstredend der Aufzug bis in die letzte Einzelheit, die Lüftung mit Energierückgewinnung; die hochbelastbaren, aber dennoch minimalistischen, geradezu freischwebenden Treppen sind Anwärter für den Design-Award und lassen den Besuchergruppen aus Architekturstudenten die Kinnladen herunter klappen .
Für solche Planung einschließlich der Leistungsbeschreibung und Vergabe sowie die laufende Bauüberwachung zahlt man locker 15% der Bausumme oder mehr. In einem individuell entworfenen Haus können mehrere Monate Architektenarbeit stecken.
Kommt man auf den Boden finanzieller Sachzwänge zurück, beschränkt sich auf bauantragsfähige Unterlagen und läßt Detail- und Ausführungsplanung, Vergabe und Bauüberwachung nicht durch den Architekten machen, kannst Du als ganz grobe Hausnummer etwa 10 Kiloeuro für Architekt und Statiker rechnen, wenn Du zuvor eigene Entwürfe skizzierst, damit die Leute überhaupt wissen, was sie machen sollen. Es gibt zwar die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure), aber die solltest Du vergessen und nach Vorlage Deiner Ideen einen Festpreis vereinbaren. Rechne 50 €/Stunde und 100 bis 200 Stunden für den individuellen Entwurf mit etwas Pepp.
Der Aufwand läßt sich mit einem Typenhaus reduzieren. Oder mit einem individuellen Entwurf mit vielen tragenden Innenwänden, deshalb ohne Anpassungsmöglichkeiten an veränderte Bedürfnisse und wo eine Treppe hin soll, sagt man dem Tischler, er möge da möglichst billig etwas hinbauen.
Mein Rat: Nimm ein Typenhaus. Wenn es aber ein individuelles Haus werden soll, spare nicht an der Planung. Planung kann man an keiner Stelle den Handwerkern überlassen und wenn man selbst Hand anlegt, sollte man nicht erst an Details denken, wenn man auf der Baustelle steht.
Man kann ohne weiteres selbst die Aufträge an Handwerker vergeben. Das funktioniert aber nur nach penibler Planung und mit eigener Sachkenntnis. Andernfalls überläßt man die Details dem Gutdünken der Handwerker und das Ergebnis wird zur reinen Glücksache.
Bauantragszeichnungen werden i.d.R. im Maßstab 1:100 eingereicht. Lasse Dir vom Architekten mehrere Exemplare im Maßstab 1:50 ausdrucken. Oder besorge Dir Arcon und lasse Dir die Architektenzeichnungen im dxf-Format geben. Dieses Format hat jeder Architekt und es ist in Arcon importierbar. Da zeichnest Du für jedes Gewerk die Details ein.
Gruß
Wolfgang