Beckmesserische kritik

Hallo, liebe Experten,

gab es den Begriff der beckmesserischen Kritik bereits VOR den Meistersingern und W. entlehnte den Namen der Figur daher oder stammt er von der Figur?

Danke,

foc

Hallo,

gab es den Begriff der beckmesserischen Kritik bereits VOR den
Meistersingern und W. entlehnte den Namen der Figur daher oder
stammt er von der Figur?

der Name ist von Wagner erfunden worden. Ursprünglich (Handschrift von 1861) sollte die Figur „Veit Hanslich“ (auf Eduard Hanslic k gemünzt) heißen, später aber änderte Wagner den Namen.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo !

Beckmesser ist eine reale Figur :

Beckmesserei betreiben: kleinlich pedantische Rechthaberei, mit übertriebener Akribie Fehler anstreichen - eine Eigenschaft, die ihren Namen erhielt nach der Figur des Stadtschreibers Sixtus Beckmesser in Richard Wagners ‚Meistersinger von Nürnberg‘.

Diese wiederum geht zurück auf den Meistersinger Sixtus Beckmesser, der im 16. Jahrhundert lebte und zum Vergnügen seiner Mitmenschen Verse gedichtet und Lieder gesungen hat. Seine Melodien waren noch lange beliebt. Wagner wollte in seiner komischen Figur des philisterhaften Nörglers, der in übertriebener Weise zu kritisieren pflegt, den Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick verspotten und hatte sie deshalb ursprünglich Hans Lick genannt. Von dieser Bühnenfigur leitet sich auch ab der Ausdruck Beckmessern: übergenaue Maßstäbe anlegen, kritiksüchtig sein.

[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Beckmesserei, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 611 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 164 ff.) © Verlag Herder]

Gruß Max

Hallo foc,

nur zur Bestätigung nochmal aus anderer Quelle:

„Usrpünglich hatte Wagner daran gedacht, seinen Merker Hans Lick oder Hanslich zu nennen, in deutlicher, überdeutlicher Anspielung auf den gefürchteten Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, mit dem er, nach einer frühen Periode der Annäherung, in hoffnungslose Fehde geriet. Erst später, auf Anraten von Freunden, die meinten, er verhelfe damit einem Feinde zu unverdientem Nachruhm, suchte er in alten Chroniken und fand aufs Geratewohl einen Namen, der unter den Meistersingern jener Nürnberger Zeit auftauchte und der ihm für diese Rolle gefiel: Sixtus Beckmesser. Dazu wäre noch zu sagen: Der historische Beckmesser scheint keine einzige der negativen oder lächerlichen Eigenschaften der Wagnerschen Figur besessen zu haben, die seinen Namen trägt.“ (S. 318)

„Er [Wagner] übernahm alle die eigenartigen Namen, die auf den ersten Blick wenig mit Musik zu tun zu haben scheinen, aus dem Buch, das ihm gerade im richtigen Augenblick einen tiefen Einblick in die Welt der Meistersinger bot. Es war ein zu seiner Zeit schon ‚altes‘ Buch: im Jahre 1697 hatte es ein gewisser Johann Christoph Wagenseil in Altdorf unter dem Titel ‚Buch von der Meister-Singer Holdseligen Kunst‘ herausgebracht. … Und dann zählt Wagenseil namentlich zwölf ‚alte Nürnbergische Meister‘ auf, deren Namen dem Kenner von Wagners Werk sofort vertraut vorkommen: 1. Veit Pogner. 2. Cuntz Vogelgesang. 3. Hermann Ortel. 4. Conrad Nachtigal. 5. Fritz Zorn. 6. Sixtus Beckmesser. 7. Fritz Kothner. 8. Niclaus Vogel. 9. Augustin Moser. 10. Hannss Schwartz. 11. Ulrich Eißlinger. 12. Hans Foltz.“ (S. 379 f.)

aus: Kurt Pahlen (Hrsg.), Die Meistersinger von Nürnberg.
ISBN: 3795780314 Buch anschauen

Grüße
Wolfgang