Bedarfsermittlung Material

Hallo zusammen,
ich bin derzeit Praktikantin in einem Industriebetrieb. Kurz vor Schluss wurde ich mit der Aufgabe konfrontiert, eine Lösung dafür zu finden, wie man die Bestellmenge an Halbzeugen bei unserem internen Zulieferer so reduzieren kann, damit kein zusätzliches Zwischenlager neben dem Vorortlager mehr benötigt wird. Gleichzeitig soll natürlich der Bedarf stets gedeckt sein. Aktuell wird nach der 3-Monatslosgröße verfahren. Diese hat sich jedoch als suboptimal erwiesen aufgrund der beschränkten Lagerkapazität und dem deswegen benötigten Zwischenlager.
Ich sitz an diesem Problem jetzt schon seit Tagen. Hab sämtliche Verfahren simuliert, komme aber auf keine angemessene Lösung. Die Restriktionen in Form von beschränkter Lagerkapazität und keinesfalls konstantem Bedarf über die Monate sind hier der Knackpunkt denke ich.

Also wenn mir jemand auf die Sprünge helfen könnte, wäre ich sehr sehr dankbar. Vielleicht hat jemand ja sogar ähnliche Erfahrungen in der Praxis gemacht.

Hallo verzweifelt81,

These: Bestände sind ein Resultat nicht beherrschter Prozesse.
Bei euch vermutlich: kurzfristige Bedarfsratenschwankungen und mangelhafte Prognosegüte in Kombination mit einer langen Wiederbeschaffungszeit.
Richtig?

Wenn ja, dann solltest Du zunächst einmal jedem transparent machen, warum die Bestände so sind, wie sie sind. Eine Möglichkeit ist z.B. über eine Wertstromanalyse den Gesamtprozess (der Beschaffung, ggf. aber auch deutlich mehr) aufzunehmen.
Die Wertstromanalyse orientiert sich dabei erst einmal am Kunden, also dem Verbraucher der Halbfertigware. Versuche ihn bestmöglich zu verstehen, wie er tickt und welchen Schwankungen er unterliegt. Themen sind: Losgrößen, Planungsrhythmen, eingefrorenen Zeiträume, Verbrauchsintervalle …
Wenn Du den Verbraucher verstanden hast, dann beschäftige Dich mit dem Lieferanten. Versuche auch ihn zu verstehen in seinen Möglichkeiten.
Danach stellst Du ein Modell auf, das den optimalen Bestand bei den gegebenen Möglichkeiten aufzeigt. Wenn der IST-Bestanf höher ist => Analysiere die Zusammensetzung des Bestandes und lass Dir bei Abweichungen vom Soll-Bestand die Gründe nennen. Entweder es gibt keinen Grund => Bestandssenkungspotential. Oder Du musst Dein Modell optimieren.

Wenn das Modell stimmt, dann kennst Du die Zusammenhänge. Dann beginne die richtigen Fragen zu stellen. Themen: Reaktionszeiten der Lieferkette reduzieren, Losgrößen reduzieren, Weitergabemengen reduzieren … Definiere mit dem Verantwortlichen Maßnahmen, wo die Hebel am größten sind. Um das beurteilen zu können, brauchst Du Dein Modell.

Was Du immer im Fokus haben solltest: Wie setzen sich die Bedarfe zusammen? Normalerweise erschlägst Du mit einer handvoll Sachnummern einen Großteil des Volumens. Fokusiere Dich auch diese Typen und stabilisiere sie, vermindere also die Schwankungen, die Losgrößen etc. Verstetige sie, bringe sie ins fließen. Auch ein Lieferant wird durchaus gesprächsbereit sein, wenn Du gesonderte Bedingungen für Renner und Exotenteile vereinbarst. Die Renner lieferst Du stetig z.B. wöchentlich an, die Exoten in 3 Monatsbedarfen.

Grüße
Jürgen