Hallo Cleo,
das Spatz-in-der-Hand-Taube-auf-dem-Dach-Problem ist typisch in der Bewerbungszeit, zumindest dann, wenn man einigermaßen gefragt ist. Es gibt natürlich auch viele Menschen, die sich schon freuen würden überhaupt jemals ein Vorstellungsgespräch oder sogar ein Angebot zu bekommen.
Manche Personaler, die nicht so besonders gut Interviews führen können und sich an Standardfragen klammern müssen, wollen auch wissen, warum man sich gerade für ihre Firma interessiert. Dann erklärt man denen, dass ihr Laden der beste vonne Welt sei und muss dann später zugeben, dass es da noch eine andere Firma gibt, die interessanter sein könnte.
Wenn dein Interviewpartner gut ist, dann formuliert er die Frage vielleicht so: „Wie sind sie auf unsere Firma gekommen/Was erwarten Sie hier vorzufinden/Was hat ihr Interesse geweckt?“ Er ist dann auch an ehrlichen Antworten interessiert und würde bei Lobeshymnen skeptisch werden.
Wenn er nicht ganz doof ist, dann ist ihm klar, dass du deine Arbeitskraft demjenigen verkaufst, der dir das beste Angebot (Aufgabe, Gehalt, Umfeld, Perspektiven etc.) macht und findet diese Einstellung auch normal. Und wenn er hört, dass es noch andere Kaufinteressierte (Firmen) gibt, dann wirst du damit für ihn wertvoller und er freut sich, wenn er am Ende den Zuschlag bekommt. Dafür ist er bereit zu warten.
Es kann auch sein, dass die Firma großartig, der Personaler aber doof ist. Wichtig ist es, den Fachvorgesetzten, deinen zukünftigen Chef, auf deine Seite zu ziehen.
Das für und wider und die Szenarien sind dir klar, denke ich. Was kannst du praktisch tun:
Das Ganze ist ein Glücksspiel, denn du weißt nicht, wer dir gegenüber sitzen wird. Versuche im Laufe des Gesprächs zu spüren, ob er locker und realistisch ist oder ob er jemand ist, der nur sein Schema abarbeiten kann und dessen geistige Flexibilität gering ist. Im ersten Fall würde ich mit offenen Karten spielen und sagen, dass diese und jene Firma sehr interessiert an dir sei (du habest schon mit ihr telefoniert) und du die Angebote vergleichen möchtest. Im zweiten Fall wäre ich vorsichtig und würde sagen, dass ich zwar das andere Gespräch noch mitnehmen möchte, mir aber jetzt schon klar sei, dass ich lieber bei ihm arbeiten wolle.
Das Ganze ist das, was man Verhandlungsgeschick nennt und das ist etwas, was man nicht mal eben so mitgeteilt bekommen kann. Es ist teils Gabe, teils Erfahrung.
Viel bla bla, deshalb nochmal die Essenz:
Viel Glück.
Gruß, Tychi