Hallo Chris,
könntet ihr mir bitte verraten, was die Fälle genau
bezeichnen?
Die grammatischen Fälle kennzeichnen die Art der Beziehung, die zwischen einem perspektivegebenden Ausgangspunkt (Nominativ, als Satzfunktion Subjekt) und einem außerhalb des Ausgangspunktes gelegenem Ziel (Objekt) besteht.
Sinn der Sprache ist es, etwas mitteilbar zu machen, was in einer Welt geschieht, zu der der Einzelne keinen 1:1-Zugang hat. Das, was außerhalb deiner selbst ist, kannst du nicht 1:1 in dich hineinnehmen, und das, was in dir selbst stattfindet, kannst du nicht einen anderen hineinpacken, sodass sie genau das gleiche empfindet. (Das wäre eine echte Kommunikation (vgl. Kommunion), die es zwischen verschiedenen Gegenständen (Menschen mit Menschen oder Dingen) nun mal nicht gibt. (Quantifizierende Reduktion ausgenommen))
Die Sprache ist nun ein Mittel, diese Defizienz der unmittelbaren Aufnahme und Weitergabe so weit wie möglich zu kompensieren. Die Vielfältigkeit der real existierenden Welt (was immer das sein mag) drückt sich dementsprechend in dem Maße unserer Bedürfnisse in einer Strukturierung dieses Hilfsmittels aus. (Deshalb wandelt sich Sprache.)
Der Nominativ steht hier für den Punkt, von dem alles ausgeht, von dem aus der Satz seinen existenziellen Grund erhält. Deshalb steht das Subjekt immer im Nominativ, es ist das, von dem alles ausgeht. Alleine für sich wäre es hoffnungslos verloren. Aber es tut etwas (in dem Sinne „Täter“ von Ina), tun ausgedrückt durch das dynamische Verb, mit dem es eine Verbindung zu einem außerhalb seiner selbst stehenden Gegenstand schafft, und dieser Gegenstand ist satzfunktional das „Objekt“. Daraus folgt, dass das Objekt niemals im Nominativ stehen kann, denn es ist ja „draußen“.
Objekte nun werden sprachlich mit den „abhängigen Fällen“ gekennzeichnet. Die Art deiner Beziehung (oder der Beziehung des Gegenstandes / anderen Menschen / Tieres usw., das du sprachlich und semantisch analog setzt) zu dem Ding da draußen kann direkt sein oder indirekt.
direkte Beziehung ^= Akkusativ
indirekte Beziehung ^= Dativ / Genitiv / präpositionale Vermittlung
(noch indirekter als Dativ)
Also:
Nominativ: Ich, oder analog gedachter Stellvertreter
Akkusativ: direkte Verbindung von mir / Stellvertreter zu dem Ding da
draußen
Genitiv, Dativ, Ablativ, Vokativ, Lokativ usw. : indirekte,
mittelbare Verbindung
Zwingende Voraussetzung auch zum Verständnis der Kasus:
Verb = Ausdruck der verbindungsschaffenden Kraft, ausgehend vom Subjekt, mit Wirkung auf das Objekt.
Thebaidische Grüße
Heinrich