Bedeutung der Kasus

Hi,

könntet ihr mir bitte verraten, was die Fälle genau bezeichnen?

Also z.B. bezeichnet irgendein Fall etwas, was jemand tut oder so (Dativ???) ich hab schon den duden durchsucht (Grammatik) und gegoogelt - doch irgendwie hab ich halt auch nicht die richtigen Wörter dafür …

Könnt ihr mir bitte weiterhelfen? (Also wie ich Frage usw. das weiß ich …) Hoffentlich könnt ihr verstehen, worauf ich hinaus will …

Danke im Vorraus!

Hallo

was die Fälle genau bezeichnen?

Im Anfangsunterricht des Lateinischen führe ich die DFälle immer so ein:
Nominativ (von nominare): der Nenn-Fall
Genitiv (von gignere): der Abstammungs-Fall (wessen Kind? Vaters, Mutters …)
Dativ (von dare): der Gebe-Fall (wem gebe ich …?)
Akkusativ (von accusare): der Anklage-Fall (wen klage ich an?)
im Lateinischen dann noch:
Vokativ (von vocare): der Rufe-Fall (Hallo, Claudia!)
Ablativ (von auferre): der Wegtrage-Fall (von wo / wovon ?)
Hoffentlich könnt ihr verstehen, worauf ich

hinaus will …

Fühlst Du Dich nun unverstanden?
Schöne Grüße!
H.

Hi,

könntet ihr mir bitte verraten, was die Fälle genau
bezeichnen?

Hallo, Chris,

du bist nicht der einzige, der sich da nicht auskennt. Meistens werden die Fälle auswendig gelernt, aber nicht deren Bedeutung verstanden. Ich versuche es immer so zu erklären, dass man sich Bilder machen kann. (Bilder sind ja nicht nur für Legastheniker gut! Zu abstrakte Erklärungen werden halt leicht vergessen.)
Das Nomen (Substantiv) mit seinem Artikel (oder das Personalpronomen) kann veschiedene Rollen spielen. Es kann „Täter“ oder „Opfer“ sein.

  1. Fall (Nominativ): Das Nomen spielt die Rolle des „Täters“, auch Satzgegenstand (Subjekt) genannt. Frage: Wer/ was…?
    Beispiel: Der Vater schnarcht. Ich singe.

  2. Fall (Genitiv):Es geht um eine Zugehörigkeitsbeziehung. Frage: Wessen…?
    Z.B. Der Sohn des Nachbarn… Die Ohren des Esels…

3.Fall (Dativ): Das Nomen spielt die Rolle des indirekten Objekts (des nicht direkten „Opfers“). Frage: Wem…?
Z.B.Ich schreibe dem Opa. Patrick hilft dem Nachbarn.

  1. Fall (Akkusativ): Das Nomen spielt die Rolle des direkten Objekts (des direkten „Opfers“). Frage: Wen/ was…?
    Z.B. Peter fängt einen Fisch. Der Dieb bestiehlt den alten Mann. Ich schreibe einen Brief.

Manche Leute oder Schüler haben Probleme, indirektes und direktes Objekt (3. oder 4. Fall zu unterscheiden). Hat man einen Satz mit zwei Objekten und stellt sich den Inhalt bildhaft vor, ist es klarer:
Ich schreibe dem Opa einen Brief. (Direktes Objekt: einen Brief. Opa ist ja nicht direkt bei mir, nicht so nah, wie der Brief.)
Manchmal ist es aber nicht logisch nachvollziehbar, wie z.B.: Ich helfe dem Vater. (Warum ist „Vater“ hier indirektes Objekt?) Das muss ein Ausländer auswendig lernen, nach welchen Verben der Dativ kommt, der Deutschsprachige macht es wohl automatisch richtig. 3. oder 4. Fall kann auch von der Präposition abhängen. Z.B. Ich male mit dem Pinsel. (mit + 3. Fall)

Ein Schüler braucht natürlich mehr als diese Erklärungen und muss viele Beispiele nachvollziehen. Ich hoffe, so kurz auf die Entfernung ist es trotzdem verständlich, wie ich es meine.

Gruß Ina Hallermann.

hi,

könntet ihr mir bitte verraten, was die Fälle genau
bezeichnen?

leider: es gibt keine eindeutige beziehung zwischen „bedeutung“ (sog. semantischer rolle und kasus. im gegenteil: die beziehungen zwischen den kasus und den semantischen rollen sind äußerst komplex.

natürlich ist (z.b.) ein dativ oft eine person, der man etwas gibt - der „gebe-fall“:
ich gebe dir
ich liefere dir

aber eben leider auch
ich beliefere dich

in lediglich 4 fällen kann man nicht solide semantische beziehungen kodieren.

hth
m.

Hallo Chris,
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so richtig, was du meinst. Willst du wissen, was die grammatische Kategorie des Kasus allgemein bedeutet und wozu sie dient (nämlich zur Markierung und Differenzierung verschiedenartiger Argumente im Satz) oder im einzelnen, was die Fälle ausdrücken? Und speziell im Deutschen, oder allgemein in den Sprachen der Welt?

Ich denke, Wikipedia sollte dies recht eindeutig beschreiben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nominativ
http://de.wikipedia.org/wiki/Genitiv
http://de.wikipedia.org/wiki/Dativ
http://de.wikipedia.org/wiki/Akkusativ

Ein paar mehr Fälle werden hier beschrieben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kasus

Der englische Artikel ist hier allerdings weit besser gegliedert und informativer, wie so oft:
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_grammatical_cases

Half das?

  • André

Leicht Off-Topic

in lediglich 4 fällen kann man nicht solide semantische
beziehungen kodieren.

Es gibt übrigens Sprachen mit bis zu 124 Fällen (z.B. das Awarische oder das Tsesische, aus dem Kaukasus), und nichtmal die schaffen das. D.h., auch dort lässt sich nicht von jedem Kasus der Gebrauch eindeutig bezeichnen.

Gruß,

  • André

Hallo Ina und Hannes,

ich danke euch für diese tolle Antworten.

Damit kann ich mir das ganze viel besser erklären!
(ist es so richtig???)

Nominativ: Wer handelt?

Genitiv: Wem gehört etwas?

Dativ: Mit wem geschieht etwas? - unfreiwillig - passiv

Akkusativ: Wer wird gehandelt? - mit wem geschieht etwas - aktiv

Könnte das so hinhauen … bin mir zw. Dativ und Akkusativ immer noch nicht ganz so sicher …

Danke!
Chris

Hallo Chris,

könntet ihr mir bitte verraten, was die Fälle genau
bezeichnen?

Die grammatischen Fälle kennzeichnen die Art der Beziehung, die zwischen einem perspektivegebenden Ausgangspunkt (Nominativ, als Satzfunktion Subjekt) und einem außerhalb des Ausgangspunktes gelegenem Ziel (Objekt) besteht.

Sinn der Sprache ist es, etwas mitteilbar zu machen, was in einer Welt geschieht, zu der der Einzelne keinen 1:1-Zugang hat. Das, was außerhalb deiner selbst ist, kannst du nicht 1:1 in dich hineinnehmen, und das, was in dir selbst stattfindet, kannst du nicht einen anderen hineinpacken, sodass sie genau das gleiche empfindet. (Das wäre eine echte Kommunikation (vgl. Kommunion), die es zwischen verschiedenen Gegenständen (Menschen mit Menschen oder Dingen) nun mal nicht gibt. (Quantifizierende Reduktion ausgenommen))

Die Sprache ist nun ein Mittel, diese Defizienz der unmittelbaren Aufnahme und Weitergabe so weit wie möglich zu kompensieren. Die Vielfältigkeit der real existierenden Welt (was immer das sein mag) drückt sich dementsprechend in dem Maße unserer Bedürfnisse in einer Strukturierung dieses Hilfsmittels aus. (Deshalb wandelt sich Sprache.)

Der Nominativ steht hier für den Punkt, von dem alles ausgeht, von dem aus der Satz seinen existenziellen Grund erhält. Deshalb steht das Subjekt immer im Nominativ, es ist das, von dem alles ausgeht. Alleine für sich wäre es hoffnungslos verloren. Aber es tut etwas (in dem Sinne „Täter“ von Ina), tun ausgedrückt durch das dynamische Verb, mit dem es eine Verbindung zu einem außerhalb seiner selbst stehenden Gegenstand schafft, und dieser Gegenstand ist satzfunktional das „Objekt“. Daraus folgt, dass das Objekt niemals im Nominativ stehen kann, denn es ist ja „draußen“.

Objekte nun werden sprachlich mit den „abhängigen Fällen“ gekennzeichnet. Die Art deiner Beziehung (oder der Beziehung des Gegenstandes / anderen Menschen / Tieres usw., das du sprachlich und semantisch analog setzt) zu dem Ding da draußen kann direkt sein oder indirekt.

direkte Beziehung ^= Akkusativ
indirekte Beziehung ^= Dativ / Genitiv / präpositionale Vermittlung
(noch indirekter als Dativ)

Also:
Nominativ: Ich, oder analog gedachter Stellvertreter
Akkusativ: direkte Verbindung von mir / Stellvertreter zu dem Ding da
draußen
Genitiv, Dativ, Ablativ, Vokativ, Lokativ usw. : indirekte,
mittelbare Verbindung

Zwingende Voraussetzung auch zum Verständnis der Kasus:
Verb = Ausdruck der verbindungsschaffenden Kraft, ausgehend vom Subjekt, mit Wirkung auf das Objekt.

Thebaidische Grüße
Heinrich

hi,

Die grammatischen Fälle kennzeichnen die Art der Beziehung,
die zwischen einem perspektivegebenden Ausgangspunkt
(Nominativ, als Satzfunktion Subjekt) und einem außerhalb des
Ausgangspunktes gelegenem Ziel (Objekt) besteht.

naja: so ganz würd ich das nicht unterschreiben. jedenfalls beschreiben die grammatischen fälle keine semantischen beziehungen (bedeutungsbeziehungen).

[…]

Der Nominativ steht hier für den Punkt, von dem alles ausgeht,
von dem aus der Satz seinen existenziellen Grund erhält.
Deshalb steht das Subjekt immer im Nominativ, es ist das, von
dem alles ausgeht. Alleine für sich wäre es hoffnungslos
verloren. Aber es tut etwas (in dem Sinne „Täter“ von Ina),
tun ausgedrückt durch das dynamische Verb, mit dem es eine
Verbindung zu einem außerhalb seiner selbst stehenden
Gegenstand schafft, und dieser Gegenstand ist satzfunktional
das „Objekt“. Daraus folgt, dass das Objekt niemals im
Nominativ stehen kann, denn es ist ja „draußen“.

„tun“ heißt semantische rolle „agens“ … und noch lange nicht jedes subjekt ist agens.
„der kasten steht an der wand“.
„der kasten“ das, „von dem alles ausgeht“, „von dem aus der satz seinen existenziellen grund erhält“??? wohl kaum.

es ist schlicht und einfach so, dass jedes verb ein gewisses valenzmuster hat (einen „pattern“, der sagt, welche fälle damit wie verbunden werden können) und dass dieses muster semantisch fast nix aussagt.

Objekte nun werden sprachlich mit den „abhängigen Fällen“
gekennzeichnet. Die Art deiner Beziehung (oder der Beziehung
des Gegenstandes / anderen Menschen / Tieres usw., das du
sprachlich und semantisch analog setzt) zu dem Ding da
draußen kann direkt sein oder indirekt.

direkte Beziehung ^= Akkusativ
indirekte Beziehung ^= Dativ / Genitiv / präpositionale
Vermittlung
(noch indirekter als
Dativ)

Also:
Nominativ: Ich, oder analog gedachter Stellvertreter
Akkusativ: direkte Verbindung von mir / Stellvertreter zu dem
Ding da

draußen
Genitiv, Dativ, Ablativ, Vokativ, Lokativ usw. : indirekte,
mittelbare
Verbindung

Zwingende Voraussetzung auch zum Verständnis der Kasus:
Verb = Ausdruck der verbindungsschaffenden Kraft, ausgehend
vom Subjekt, mit Wirkung auf das Objekt.

idealtypisch und (z.t.) historisch gesehen enthält das zweifellos wahrheiten, stimmt aber aus heutiger sicht nicht (mehr). der dativ zeigt (als rolle „partner“) oft eine wesentlich direktere verbindung zum subjekt als der akkusativ, der oft bloßes ding („objekt“ im nicht-grammatischen sinn) ist.

ich bleib dabei: leider (?) gibt es keine „bedeutungen“ der kasus.

m.

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Dativ: Mit wem geschieht etwas? - unfreiwillig - passiv

Akkusativ: Wer wird gehandelt? - mit wem geschieht etwas -
aktiv

Hallo!
Passiv/ aktiv, unfreiwillig stimmen hier nicht.
Für Dativ und Akkusativ stimmt: „Mit wem geschieht etwas?“
Der Unterschied besteht darin: Dativ ist indirektes Objekt, Akkusativ ist direktes Objekt. Wie gesagt, das hängt auch eifach vom Verb (=Zeitwort/ Tunwort) oder von der Präposition ab. Man kann es an der Fragestellung unterscheiden. Oder man macht sich eine Vorstellung davon.
Beispiele für Akkusativ:
Ich begrüße den Gast. Wen? Den Gast. (Handschlag, also direkt.)
Max schlägt Felix. Wen? Felix.
Max sägt dem Stuhl ein Bein ab. Was sägt Max dem Stuhl ab? Ein Bein. (Mit der Säge ist Max direkt am Bein. Am ganzen Stuhl ist er nicht so direkt.)
Beispiele für Dativ:
Das Kind gehorcht dem Lehrer. Wem? Dem Lehrer. (Indirekt, das Kind kann dabei räumlich vom Lehrer entfernt sein.)
Ich bringe meinem Bruder die Schlüssel zurück. Wem bringst du die Schlüssel zurück? Meinem Bruder. (Die Schlüssel habe ich direkt in der Hand, mein Bruder kann räumlich weiter entfernt sein; vielleicht lege ich ihm die Schlüssel einfach auf den Tisch.)
So , nur mit mehr Beispielen könnte man es einem Schüler erklären. Aber auch als Erwachsener sind mir bildhafte Erklärungen lieber als total abstrakte, seien sie auch noch so wissenschaflich.
Chris, ich weiß nicht genau, wozu du die Fälle (den Kasus) brauchst. Ich hoffe, du kannst etwas damit anfangen.
Gruß Ina.

Vielen Dank
jetzt hab ich es kapiert!

Ich will es nur selbst endlcih kapieren … muss gerade Altgriechisch lenen und wenn ich die Fälle im dt. nicht weiß, ist es ziemlich schlecht.

Nochmals Herzlichsten DANK!

Chris

bißl off topic
Servus Chris,
jetzt, wo Du schon Student bist und solche schwierigen Fragen stellen kannst, jetzt darfst Du das zweite ‚r‘ in ‚voraus‘, das mir schon bei allen anderen so auf den Geist geht, weglassen.

Mit der Bitte um Nachsicht im voraus

Kai

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