Bedeutung des Familiennamen Paelke

Hallo,

Der Name Paelke ist äußerst selten und stammt aus der Altmark (Spuren verwischen sich im 17./18. Jahrhundert). Im Internet oder sonstigen Nachschlagewerken findet man keine Informationen über die Bedeutung. Kann mir jemand bitte diesbezüglich weiterhelfen? Hat er vielleicht gar keinen deutschen Ursprung?

Gruß

Moin, tristan,

such mal die Homepage des rbb, die haben einen Professor auf der Gehaltsliste, der sich genau damit befasst.

Gruß Ralf

Danke, der hat bestimmt viel zu tun, aber ich werde ihn trotzdem mal anmailen. Im Internet hab ich noch folgendes gefunden: „Pelka ist wie Pelke und Pelkner ein ursprünglich in Oberschlesien verbreiteter Familienname, der auf eine Kurzform des slawischen Rufnamens Swentopelk (Swantopolk) zurückgeht. Erster Belg: Graf Sue(n)topelc comes 1279“

Könnte Paelke sich auch davon ableiten? Klingt ja jedenfalls ähnlich…

Gruß

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Hallo Tristan,

das, was man im IN finden kann, ist nicht alles richtig. (Vorkommentar).

Nun zu Deiner Frage:

Ich habe vier (eigentlich sind es sogar 5) Standardwerke über deutsche Familiennamen und habe darin mal nachgesehen. Also die vier Nachschlagewerke Brechenmacher, Bahlow, Cascorbi und Gottschald weisen allesamt Deinen Namen - wenn auch in anderer Schreibweise - nach. Und alle geben sie übereinstimmend an, dass er in den allermeisten Fällen aus einem germanischen Rufnamen entstanden sein dürfte, welcher mit dem Erstglied „BALD“ beginnt (mit der Bedeutung aus althochdeutsch „kühn“, urgermanisch wohl in der Bedeutung „leuchtend“). Es gibt/gab etliche Rufnamen, welche diese Erstsilbe besitzen/besaßen. Der heute noch einigermaßen bekannteste dürfte der „Balduin“ (Bald-(a)-win) sein. Baldwig, Baldulf, Bald(a)rich und noch einige mehr hat es in früheren Zeiten gegeben. An diesen Rufnamensstamm wurde das niederdeutsche Diminutivsuffix „-ke“ ("hoch"deutsch = -chen) angehängt. Diese Verkleinerungsform kann überstetzt werden als „Der Kleine des …“ Und bedeutet somit, dass der erste Namensträger Paelke eigentlich nur der Sohn (= Kleine) des Bald… war.

Möglicherweise wirst Du Dich jetzt fragen, wie und warum und was mit dem „e“ nach dem „a“ ist. Wie kommt es dort hin, was bedeutet es und überhaupt.

Eigentlich recht einfach zu erklären:

Im Niederdeutschen Sprachraum (d.h. nördlich der sog. Benrather Linie), zu dem auch die Altmark zählt, gibt/gab es eine Dehnungsform die heute (mit einer Ausnahme) im Schriftdeutsch keine Verwendung mehr findet. Heute dehnt man in der Regel in der deutschen Schriftsprache mit „h“ (z.B. deHnen). In einem Fall dehnt man jedoch mit „e“ (sic!). Das ist heute nur noch hinter einem „i“ üblich. (diEse). Wenn man sich allerdings diverse niederdeutsche Ortsnamen vornimmt und die Schreibweise mit der Sprechweise vergleicht, so wird schnell klar, dass früher im Niederdeutschen sehr viel häufiger (immer? - weiß nicht!) mit „e“ gedehnt wurde: Bekannt sind die Ortsnamen Coesfeld im Münsterland (gesprochen Koosfeld), Soest (gesprochen Soost) und Kevelaer (gesprochen Kevelaar). Vermutlich gibt es noch einige mehr. Das sind die, die mir gerade so einfallen.

Damit spricht sich der Familienname Paelke auch korrekt als Paalke, genau so wie der Familienname Schoemaker (ziemlich häufig in Norddeutschland) als Schoomaker ausgesprochen wird.

Auf den niederdeutschen Sprachraum als geographisches Entstehungsgebiet für diesen Familiennamen deutet eben auch das Suffix „-ke“, im Slawischen wäre es in aller Regel ein „-ky/-ki“. Ja, Du kannst entgegnen, dass kein großer Unterschied zwischen „ke“ und „ki“ ist, und Du hast damit auch Recht, aber ein -ke deutet halt eher auf einen deutschen und -ki auf einen slawischen Ursprung. Betonung auf „eher“.

Dein IN-Suchergebnis mit der angeblich slawischen Lösung ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, jedoch halte ich sie für eher unwahrscheinlich.

Ganz generell gilt: Es gibt kaum einen Familiennamen, der nicht auf unterschiedliche Ursachen zurückgehen könnte. Das berühmteste Beispiel ist der Familienname Meier/Maier oder alle Schreibvarianten davon. Die norddeutschen Me/a/i/y/e/./r leiten sich in den meisten Fällen von Meie (= Milch) ab und bezeichnet somit einen Milchverarbeiter, Käser u.ä. Demgegenüber ist der süddeutsche Mayer im Allgemeinen eine Derivation des lateinischen Wortes „majus“ (= groß) und bezeichnet den größten Bauern im Dorf, bzw. den Großbauern im Allgemeinen. Um die Ursache herauszufiltern, woraus Dein „Paelke“ entstanden ist, müsste man unter zu Hilfenahme von familienspezifischen Informationen ein Vollnamensanalyse erstellen, womit man andere mögliche Ursachen aufgrund diverser familienbezogener Aspekte ausschließen oder zumindest unwahrscheinlich machen kann.

An der Uni Leipzig gibt es einen Lehrstuhl für Onomastik. Ich selbst habe mit denen noch keinen Kontakt gehabt und kann somit nicht beurteilen, ob das eine brauchbare Adresse ist oder nicht, ich habe schon Gutes aber auch schon weniger Gutes über die gehört. Solltest Du Dich an die wenden, würde mich interessieren, was da rauskommt (will weitere Meinungen in Erfahrung bringen um mir somit irgend wann einmal selbst ein Bild machen zu können).

Soweit für den Moment

Ich hoffe, dass ich Dir einige Anregungen liefern konnte

viele Grüße

Alexander

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