Hi Polweiler,
ich finde, wenn man …„nicht wirklich“ … einfach
weglässt, wird der Text besser.
…dadurch wird er aber falsch, da die Aussage sich ins Gegenteil umdreht.
Es ist wohl eine amerikanische Floskel, die man einfach
übersetzt hat und jetzt wird sie auch in Deutschland benutzt.
Die Floskel gab’s auch lange vorher schon im deutschen Sprachraum. Ein Anglizismus oder Amerikanismus ist das jedenfalls nicht. Mag aber sein, dass er durch Filmübersetzungen häufiger geworden ist als seine Alternativausdrücke („eigentlich nicht“ u.ä.).
In amerikanischen Filmen sagen die Leute auch … „wo zum
Teufel kommst du her“ … So etwas habe ich in Deutschland
(zum Glück) noch nie gehört.
Fragewort + „zum Teufel“ soll aus dem Englischen abgekupfert sein? Mitnichten! Aus welchem Ausdruck soll das denn stammen? „What the devil are you doing?“, ich glaube den Ausdruck gibt’s im Englischen nicht, dort wird „hell“ oder „heck“ verwendet.
„zum Teufel“ ist schon immer Deutsch gewesen und ist auch in älterer Literatur häufig auffindbar:
1895 in einer Übersetzung von Jules Vernes: »Was zum Teufel!« rief er." (okay, das könnte eine französische Lehnübersetzung sein)…
1945 in einer Übersetzung von „Der eingebildete Kranke“: Mein armer Polichinell, was zum Teufel hast du dir aber auch in den Kopf gesetzt? (das ist auch Französisch im Original, hmm…).
1821 Joseph Alois Gleich in „Der Eheteufel auf Reisen“: Was zum Teufel machen Sie denn?
1927 Erich Mühsam (ich lass die Bücherangaben mal weg): Was, zum Teufel, gehen eigentlich andere Leute meine Erlebnisse an?!
1861 Friedrich Spielhagen: Wer zum Teufel war denn das, sagte die eine Stimme.
…das reicht an Auflistung, um zu zeigen, dass FRAGEWORT + zum Teufel eine durch und durch deutsche Wendung ist. Ich fand sie über www.zeno.org (das ich gern als Textkorpussammlung nutze) in der Volltextsuche allein unter den ersten 40 Ergebnissen. Angezeigt werden über 400 (mehr zeigt er wohl nicht an). Für „nicht wirklich“ hab ich selbiges ausprobiert und bin zu ähnlichen Ergebnissen gekommen (übrigens auch bei „Oh mein Gott“, was auch gern als Anglizismus betitelt wird).
Wie gesagt — das meiste, was landläufig als Anglizismus bezeichnet wird, ist gar keiner.
Greetings,