Bedingt dialogfähig

Hi,

länger zuhören müssen strengt an. Drum ist es für ein entspanntes Miteinander von Vorteil, wenn das Gegenüber nicht jede Sekunde Gesprächspause als Aufforderung zum Sprechen betrachtet. Es ist einfach nett, wenn man auch mal was sagen darf. Und wenn dann genauer nachgefragt wird. Im entgegensetzten Fall sprudelt das Gegenüber nur so über, man braucht gar nicht nach Details zu fragen, weil er/sie sowieso ungefragt alles bis ins kleinste Detail schildert. Frau tut sich dann relativ leicht, weil sie weghören kann ohne abwesend zu wirken. Mann kann das nicht so leicht.

Wir hatten dieses Wochenende Besuch von Freunden. Die Beiden gehören auch der Plaudertaschenfraktion an und meine Frau und besonders ich waren am Sonntag nach ihrer Abfahrt ziemlich groggy. Auf der Suche nach der Ursache sind wir auf den Plauderstreß gestossen. Dann haben wir noch nachgedacht, wer in unserem Freundeskreis eher zur „Frag mich was“-Fraktion gehört und wer nicht. Und die erste Gruppe haben wir tatsächlich angenehmer in Erinnerung.

Ohne über die Sache sehr viel nachgedacht zu haben möchte ich das Thema jetzt mal zur Diskussion stellen. Vielleicht hat ja auch der/die eine oder andere etwas Umfangreicheres zum Thema. Interesant wäre auch, woher dieses Plauderbedürfnis kommt.

Martin

Hi Martin,

ich habe die Erfahrung gemacht das die meißten Menschen unheimlich gerne reden, über sich selbst, über das Erlebte, über andere, über Freude und Leid.

Oft habe ich den Eindruck das viele Menschen Stille nicht ertragen können, oder nicht spüren wenn das Gegenüber schlicht erschöpft ist und NICHT „nicht gut drauf“, so daß sie lossprudeln um das Gegenüber zu unterhalten und auf bessere Gedanken zu bringen.

Echte Plaudertaschen kenne ich privat nicht, aber das Plaudertaschen oder Wortschwall-Problem kenne ich auch und schalte da nicht ab, sondern höre einfach zu und frage nur nach, wenn mich etwas interessiert.

Vielleicht liegt es daran das die meißten Menschen zu wenig Zeit und Gelegenheit haben sich auch mal „darstellen“ und ausbreiten zu können?

Gruß
Helena

Hallo Martin,

so ähnliche Erfahrungen wie du und wie Helena habe ich auch gemacht.

Frau tut
sich dann relativ leicht, weil sie weghören kann ohne abwesend
zu wirken. Mann kann das nicht so leicht.

Bei uns in der Familie gehören die Männer nicht gerade zu den Weltmeistern der Informationsempfängern, weshalb sich eher die weiblichen Familienmitglieder zu Plauderduellen zusammenfinden, während die Männer sich schnellstens zurückziehen, und lieber Taten sprechen zu lassen.

Ohne über die Sache sehr viel nachgedacht zu haben möchte ich
das Thema jetzt mal zur Diskussion stellen. Vielleicht hat ja
auch der/die eine oder andere etwas Umfangreicheres zum Thema.
Interesant wäre auch, woher dieses Plauderbedürfnis kommt.

Etwas Fundiertes zum Thema kann ich nicht bieten, aber eine Überlegung dazu abgeben: Wer so Zusammenkünfte nutzt (mißbraucht) ist wahrscheinlich sehr einsam, und braucht ein Jemand, der der Flut an Erlebnissen und Gedanken nur durch die Wertschätzung des anderen („das ist ja unglaublich, da hast du recht gehabt, das kann ich mir jetzt nicht vorstellen…“) Konturen verleiht. Eine Bekannte von mir umschreibt das als „auf der Suche nach Publikum“, wenn sie so zugeschwallt wird.
Ich finde solche Menschen auch anstrengend, weil das nur Input ohne Zeit zum Verarbeiten bedeutet. Nach ein paar Stunden bin ich auch körperlich erholungsbedürftig. Deshalb, Pausen tun gut, die man z.B. mit Spaziergängen, Kino gehen oder Fernsehn schauen schaffen kann, bei allem Respekt davor, dass der Besuch deswegen gekommen ist, um mit einem und nicht neben einem zu sein.

viele Grüße
claren

Hi

länger zuhören müssen strengt an. Drum ist es für ein entspanntes Mitei
nander von Vorteil, wenn das Gegenüber nicht jede Sekunde Gesprächspause
als Aufforderung zum Sprechen betrachtet. Es ist einfach nett, wenn man
auch mal was sagen darf. Und wenn dann genauer nachgefragt wird. Im ent
gegensetzten Fall sprudelt das Gegenüber nur so über, man braucht gar
nicht nach Details zu fragen, weil er/sie sowieso ungefragt alles bis ins
kleinste Detail schildert. Frau tut sich dann relativ leicht, weil sie weg
hören kann ohne abwesend zu wirken. Mann kann das nicht so leicht. Wir hatten
dieses Wochenende Besuch von Freunden. Die Beidengehören auch der Plauder
taschenfraktion an und meine Frau und besonders ich waren am Sonntag nach
ihrer Abfahrt ziemlich groggy. Auf der Suche nach der Ursache sind wir
auf den Plauderstreß gestossen. Dann haben wir noch nachgedacht, wer in
unserem Freundeskreis eher zur „Frag mich was“-Fraktion gehört und wer
nicht. Und die erste Gruppe haben wir tatsächlich angenehmer in Erinnerung.
Ohne über die Sache sehr viel nachgedacht zu haben möchte ich das Thema
jetzt mal zur Diskussion stellen. Vielleicht hat ja auch der/die eine oder
andere etwas Umfangreicheres zum Thema. Interesant wäre auch, woher dieses
Plauderbedürfnis kommt.

Was?

Grüße

CMБ

Die Plaudertaschen unter dem Mikroskop
Hallo Martin!

Das Phänomen der „Plaudertaschen“ kenne ich nur zu gut.

Allerdings würde ich diese Plaudertaschen differenzieren, denn nicht jede ist gleich.

Da wären diejenigen, die wirklich nicht mehr zu bremsen sind, wenn sie im Plauderfluss sind - egal ob es um Tante Hilde, die Bildzeitung oder den Job geht. Man hat keine Möglichkeit sich auszuklinken, bis sie einen gnädig entlassen. Das Einzige, was es gilt zu tun, ist brav zu nicken oder mal ein „Aha!“ oder ein „Ach wirklich?“ einzuwerfen - wenn man denn dazu kommt. Hier kann man sich höchstens unhöflich aus dem Staub machen, indem man flüchtet.

Dann gibt es die Plaudertaschen, die auf das richtige Schlagwort, sprich Lieblingsthema, warten, um ihre verbalen Ergüsse an allen um sie Stehenden auszulassen. Diese Kategorie hält aber irgendwann die Klappe, wenn ihr Thema „um“ ist. Denn für andere Bereiche hat die Kategorie Mensch ja keine Zeit mehr. Schließlich gilt es, ein Profi auf dem Lieblingsgebiet zu sein. „Wie? Gibt es noch was anderes auf der Welt?“. Man spricht hier auch von einem Fachidioten.

Kommen wir zum gemäßigten Allrounder. Er weiß sich in jedem Themenbereich zu behaupten - auch wenn, bei genauer Betrachtung, sein tolles Wissen vor allem oberflächlich ist. Dies reicht allerdings für die meisten Konversationen. Ein paar wohl gewählte Worte hier und da, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ja, diese Person wird geachtet und geschätzt ob seiner Weltanschauung - obwohl er sich permanent überall einmischen muss. Nur ein Fachidiot wird ihm früher oder später einmal auf die Schliche kommen. Wenn der Allrounder schlau genug ist, hält er dann für die Dauer des Vortrages des Fachidioten einmal den Mund.

Nun zu der Sorte Plaudertaschen, die man auf den ersten Blick nie für solche halten würde: die Permanent-Fragensteller. Diese Spezies zeichnet sich dadurch aus, seinem Gegenüber ein Loch in den Bauch zu fragen. Hier könnte man annehmen, dass es sich um echtes Interesse, Mitleid oder Identifikation als Motive handeln könnte, die den Fragesteller treibt. Solche soll es auch in der Tat geben (man berichtete mir hinter vorgehaltener Hand…). Allerdings sind andere Motive hier bei den meisten wahrscheinlicher.
Zum Einen wären da die, deren größte Sorge ist, dass es im Dialog zu unangenehmen Schweigepausen kommt (dies passiert natürlich nicht bei Permanent-Plauderern!). Sie haben selbst nichts zu erzählen, aber Fragen fallen ihnen immer wieder neue ein. Nur nicht zeigen, dass man kein eigenes Innenleben hat.
Zum Anderen hätten wir da die, deren größte Sorge es ist, etwas vom Gegenüber NICHT zu erfahren, was ihnen in einer anderen Situation dienlich sein könnte. Sie sammeln Informationen wie andere Briefmarken oder Bierdosen. Nur leider mit dem bösen Hintergedanken, dass man immer ein paar Indizien gegen den anderen im Haus haben sollte.
Des Weiteren wären da - von der Untersorte Fragesteller - eine ganz fiese Meute, die Fragen nur stellt, um über ANDERE Leute etwas herauszubekommen. Hier ist die Motivation sehr breit gefächert; von Liebe bis Hass.

In der nächsten Ausgabe von „PLAUDERTASCHE AKTUELL“ berichte ich über weitere merkwürdige Wesen:

  • die Wetter-Plauderliese
  • den Politiker
  • die frischgebackenen Mutter (1. Kind)

Ich hoffe, dass mich niemand verklagen will, weil er sich wiedererkannt hat! :wink:

Liebe Grüße,

Danielle

Was was? Und von wem (Etwa von Plaudertaschen?) und wofür gibt’s da Sternchen?

3 „Gefällt mir“

Hi,

Was was? Und von wem (Etwa von Plaudertaschen?) und wofür
gibt’s da Sternchen?

OK, hab Dir jetzt auch zwei Sternchen gegeben.

Sind wir quitt?

Grüße

CMБ

Was was?
Tu sofort Deine Sternchen wieder weg da! Ich will keine Sternchen, ich will wissen was Dein ‚Was‘ bedeuten soll und wofür Du Deine Sternchen bekommen hast. Oder ist das so wie mit moderner Kunst: nimm ein beliebiges Irgendwas, drück eine Zigarette drauf aus und schon ist es Kunst.

Ein ratloser
Martin

Hallo,

Tu sofort Deine Sternchen wieder weg da! Ich will keine
Sternchen, ich will wissen was Dein ‚Was‘ bedeuten soll und
wofür Du Deine Sternchen bekommen hast. Oder ist das so wie
mit moderner Kunst: nimm ein beliebiges Irgendwas, drück eine
Zigarette drauf aus und schon ist es Kunst.

Hmmmmmm. OK, im Klartext. Du schriebst:

heiwudöelkwkdüov3hiuzqgvdxqeäwqldoehf8irenfclkewkfporekgürepg,äröe
elkjrjngiuwrehfiekwmföejgoiureghrewm cweökjfpeowjgfpowerkfüäweküop
kjehgoirwejpwkfpoewjgfoiwrejfoöpewkrfpoewkjfpoe2jfpoejfpoewkfoöewf
wekljfoiwejfpiewjfpewjfpiwjfpeiwjrfpoew,fdäöewkfpowjfpewjopjwepfkj
lkwenfjiewiowierpewrküewrüeküwköwekrüewklrüpewlrepüwleelüwlfewlffe
oofkppwkforeokweofkewüpfküewoüpfoü+pewlrf+pewlf+pewlf+ewlf+ewlf+ew
kdzrbndgwjhwkhekzhefkjsnbuketgezjkanhsuiwhduihjkaaludowedhleijdlwj

Ich antwortete:

 Labere nicht soviel. Das liest keiner.
 Du Plaudertasche, die sich über Plaudertaschen mokiert ...

:wink:

Hehe! Ach so, das war widsisch gemeint.

Grüße

CMБ