Die Plaudertaschen unter dem Mikroskop
Hallo Martin!
Das Phänomen der „Plaudertaschen“ kenne ich nur zu gut.
Allerdings würde ich diese Plaudertaschen differenzieren, denn nicht jede ist gleich.
Da wären diejenigen, die wirklich nicht mehr zu bremsen sind, wenn sie im Plauderfluss sind - egal ob es um Tante Hilde, die Bildzeitung oder den Job geht. Man hat keine Möglichkeit sich auszuklinken, bis sie einen gnädig entlassen. Das Einzige, was es gilt zu tun, ist brav zu nicken oder mal ein „Aha!“ oder ein „Ach wirklich?“ einzuwerfen - wenn man denn dazu kommt. Hier kann man sich höchstens unhöflich aus dem Staub machen, indem man flüchtet.
Dann gibt es die Plaudertaschen, die auf das richtige Schlagwort, sprich Lieblingsthema, warten, um ihre verbalen Ergüsse an allen um sie Stehenden auszulassen. Diese Kategorie hält aber irgendwann die Klappe, wenn ihr Thema „um“ ist. Denn für andere Bereiche hat die Kategorie Mensch ja keine Zeit mehr. Schließlich gilt es, ein Profi auf dem Lieblingsgebiet zu sein. „Wie? Gibt es noch was anderes auf der Welt?“. Man spricht hier auch von einem Fachidioten.
Kommen wir zum gemäßigten Allrounder. Er weiß sich in jedem Themenbereich zu behaupten - auch wenn, bei genauer Betrachtung, sein tolles Wissen vor allem oberflächlich ist. Dies reicht allerdings für die meisten Konversationen. Ein paar wohl gewählte Worte hier und da, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ja, diese Person wird geachtet und geschätzt ob seiner Weltanschauung - obwohl er sich permanent überall einmischen muss. Nur ein Fachidiot wird ihm früher oder später einmal auf die Schliche kommen. Wenn der Allrounder schlau genug ist, hält er dann für die Dauer des Vortrages des Fachidioten einmal den Mund.
Nun zu der Sorte Plaudertaschen, die man auf den ersten Blick nie für solche halten würde: die Permanent-Fragensteller. Diese Spezies zeichnet sich dadurch aus, seinem Gegenüber ein Loch in den Bauch zu fragen. Hier könnte man annehmen, dass es sich um echtes Interesse, Mitleid oder Identifikation als Motive handeln könnte, die den Fragesteller treibt. Solche soll es auch in der Tat geben (man berichtete mir hinter vorgehaltener Hand…). Allerdings sind andere Motive hier bei den meisten wahrscheinlicher.
Zum Einen wären da die, deren größte Sorge ist, dass es im Dialog zu unangenehmen Schweigepausen kommt (dies passiert natürlich nicht bei Permanent-Plauderern!). Sie haben selbst nichts zu erzählen, aber Fragen fallen ihnen immer wieder neue ein. Nur nicht zeigen, dass man kein eigenes Innenleben hat.
Zum Anderen hätten wir da die, deren größte Sorge es ist, etwas vom Gegenüber NICHT zu erfahren, was ihnen in einer anderen Situation dienlich sein könnte. Sie sammeln Informationen wie andere Briefmarken oder Bierdosen. Nur leider mit dem bösen Hintergedanken, dass man immer ein paar Indizien gegen den anderen im Haus haben sollte.
Des Weiteren wären da - von der Untersorte Fragesteller - eine ganz fiese Meute, die Fragen nur stellt, um über ANDERE Leute etwas herauszubekommen. Hier ist die Motivation sehr breit gefächert; von Liebe bis Hass.
In der nächsten Ausgabe von „PLAUDERTASCHE AKTUELL“ berichte ich über weitere merkwürdige Wesen:
- die Wetter-Plauderliese
- den Politiker
- die frischgebackenen Mutter (1. Kind)
Ich hoffe, dass mich niemand verklagen will, weil er sich wiedererkannt hat! 
Liebe Grüße,
Danielle