Bedingungen zur Aufnahme von Pflegekindern

Hallo ihr Lieben,

eins vorab. Wir mögen unsere Nachbarn und unterstützen ihre Arbeit und ihren Einsatz so gut wir können, aber uns sind mittlerweile Bedenken gekommen, dass alles so gut läuft wie es sollte.

Folgende Situation. Unsere Nachbarn nehmen Pflegekinder auf, die durch das Jugendamt vermittelt werden. Der erste Junge war rund 10 Tage da, da seine Mutter ein weiteres Kind erwartet hat und niemand während der Krankenhauszeit auf ihn aufpassen konnte. Es hat wunderbar geklappt die Mutter und unsere Nachbarin sind sehr gute Freunde geworden.

Danach wurde ihr ein ca. 4 Jahre alter, verhaltensgestörter Junge vermittelt. Der Zwerg konnte kaum sprechen, hat noch in die Hosen gemacht (passiert auch jetzt noch teilweise) Seine Mutter hatte selber massive Sprachprobleme Depressionen und was weiss ich alles, sie kommt den Jungen ca. alle 14 Tage besuchen, daher kennen wir sie und ihre Situation. Der Vater ist sehr nett, hatte aber aufgrund seines Berufes bisher kaum Möglichkeit in die Erziehung einzugreifen, macht aber alles um das Kind zurück zu bekommen. Eigentlich sollte dies letzten Monat sein, aber aufgrund Bedenken des Jugendamtes verzögert sich es jetzt mindestens bis Ende des Jahres.

Ca. einen Monat nach Einzug des 4-jährigen kam ein 2-jähriger aus komplierten Familienverhältnissen dazu. Ob dieses Kind jemals wieder in die richtige Familie zurück kann steht in den Sternen. Die Mutter hat eigenlich schon jetzt den kompletten Kontakt abgebrochen, der Vater ist nicht in Deutschland.

Das eigentliche Problem: Am Anfang haben sich beide in der neuen Familie nicht sicher gefühlt und daher waren sie eigentlich sehr pflegeleicht. Es war auch Sommer und die kleinen waren viel draussen und Abends hundemüde. Mittlerweile kämpfen die beiden (mit Schubsen, hauen, Spielzeug wegnehmen, Regel übergehen) gegeneinander und um Aufmerksamkeit. Sobald einer mal bevorzugt wird (und sei es nur mit einem Gang zur Toilette) gibt es Stress. Es ist mittlerweile kalt und die Kinder viel drinnen (wobei der größere in den Kindergarten geht)

Die Familie (2 Erwachsene, 1 15-jähriger eigener Sohn und die 2 Pflegekinder) wohnt in einem kleinen Haus (ca. 85 qm) teilweise ist noch der Enkel mit dabei (12 Jahre). Die Eltern teilen sich ein Zimmer, die beiden kleinen und der Sohn hat sein eigenes (teilweise halt dann mit seinem Neffen oder auch mal einem Freund).

Unsere Nachbarn sind damals davon ausgegangen, dass der 4-jährige ja nicht so lange dableibt und die Zeit mit beiden Pflegekindern sich im Rahmen hält. Nun sind beide immer noch da und es gibt von Tag zu Tag mehr Stress. Eines von beiden abgeben möchten sie auf keinen Fall, es würde wohl Heim oder eine andere Pflegefamilie bedeuten.

Aber hätte das Jugendamt denn überhaupt ein zweites Pflegekind dort unterbringen können. Gibt es keine Bestimmungen für die Größe der Wohnung und die Anzahl der da wohnenden Personen. Unsere Nachbarn sind wirklich Engel und hätten nie abgelehnt das zweite Kind zu nehmen. Aber hätte das Jugendamt überhaupt anfragen sollen / dürfe?

Danke fürs lange Mitlesen

Ute

Hallo

Irgendwie verstehe ich die Frage nicht.

Oder ist das die Frage:

Aber hätte das Jugendamt überhaupt anfragen sollen / dürfe?

Hm, was spielt das für eine Rolle? Sie haben die Kinder genommen und werden keines wegschicken. Das ist ja ein Zeichen dafür, dass sie wirkliche Pflegeeltern sind, und nicht nur einen Job machen. Es wäre wohl auch für beide Kinder sehr schlimm, wenn sie weggeschickt würden.

Ich denke übrigens (so auf die Entfernung), dass sich die Eifersuchtsszenden zwischen den beiden Kindern geben würden, wenn sie beide das sichere Gefühl hätten, dort bleiben zu dürfen. Aber das bestimmt ja wohl in erster Linie das Jugendamt, und auch die leiblichen Eltern, und abgesehen davon würde es dauern.

Inwiefern ist es wichtig zu erfahren, ob das Jugendamt damals richtig gehandelt hat?

Viele Grüße

Hallo,

ich habe halt manchmal das Gefühl das unsere Nachbarn mit der Situation überfordert sind. Sie machen einen sehr unglücklichen Eindruck und man hört raus, dass sie eigentlich froh wären wenn der ältere nun endlich zu seinem Vater zurück kommen könnte. Daher war meine Frage ob es denn vom Jugendamt eine Notlösung ist 2 Kinder unterschiedlicher Herkunft in einer Familie unterzubringen oder ob das die Norm ist. Zumal meines Erachtens nach eben nicht genug Platz für alle herrscht und sich die Kinder daher eigentlich nie aus dem Weg gehen können.

Grüße Ute

Sorry,

ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass die Pflegestelle eigentlich jeweils nur auf 6 Monate (also Kurzzeitpflege) gelten soll. Natürlich mit der Option auf Verlängerung wenn es in der regulären Familie keine Rückkehrmöglichkeit gibt. Ausserdem ist es eigentlich so vorgesehen, dass nur Kinder bis zum Schulalter aufgenommen werden. Also die Kinder müssen eh irgendwann wieder zurück oder woanderst untergebracht werden. Von einer dauerhaften Pflege ist eigentlich keine Rede (sie haben ein pupertierendes Kind und einen puptierenden Enkel, dass reicht ihnen :smile:))
Daher stellt sich mir auch die Frage ob es dann nicht einfacher ist Kinder generell nur alleine unterzubringen, wenn sie sich nicht vorher schon kennen, da sie ja bei einer Trennung quasi Pflegeeltern und Pflegegeschwister verlieren.

Grüße Ute

Hallo,
ich verstehe auch nicht so recht, was den Problem ist.

Vorab ein paar Bemerkungen zum Thema Pflegekinder aus eigenem
Erleben bzw.
Wir haben eine Familie in der unmittelbaren Nachbarschaft,
die sogar 3 Kinder in Pflege haben. 2 Geschwisterkinder
Junge/Mädchen und weil der Junge nicht allein sein sollte noch
einen weiteren Jungen dazu. Das Mädchen sollte am liebsten auch
noch eine Spielgefährtin bekommen, dann wären es vier (was wohl
das Maximum darstellt, welches vom Amt eben noch erlaubt wird).
Wir selbst haben mit dem Gedanken gespielt, Pflegekinder aufzunehmen
und wurden dazu auch schon geschult.
Letzlich hat meine Frau sich es dann doch überlegt, weil die
Unwägbarkeiten enorm sind und man als Pflegeeltern auch mehr
oder weniger der Willkür eines Amtes ausgesetzt ist.

Grundsätzlich ist die Sache sehr vielschichtig.
Man kann vorher meist keinerlei Voraussagen machen, wie lange
eine Pflegschaft geht, außer wenn vorher zu 100% festgelegt ist,
dass es nur Kurzzeitpflege sein soll. Das muss aber mit den
Pflegeeltern vorher auch wirklich geklärt sein.
Ansonsten wird zwar vom Jugendamt angestrebt, dass die Kinder so
schnell wie möglich ins Elternhaus zurückkommen, aber in Praxis
läuft das oft nicht so. Wenn Kinder aus zerrütteten und auch
assozalialen Familien kommen, werden aus paar Wochen schnell
Monate und Jahre und es ist eine Dauerpflege.
Im Geheimen rechnen wohl auch viele Pflegeeltern mit sowas.

Den Plegeeltern muss vorher klar sein, dass Kinder aus Problem-
familien nicht selten ganz akut in ihrem Sozialverhaltenn gestört
sind. Ursache sind oft genug starke Vernachlässigung in der
frühkindlichen Entwicklung. Diesen Rucksack schleppt ein Mensch
dann ein Leben lang mit sich herum. Damit können auch perfekt
geschulte Pädagogen sehr viel Stress haben.
Auch ist es normal, dass die eigentliche Härten nicht in den
ersten Wochen und Monaten auftreten, sondern vielfach erst nach
ca. 1. Jahr. Solange braucht ein Kind um sich tatsächlich richtig
einzugewöhnen.
Dass es also in der Pflegefamilie zu Problemen kommt und die
Pflegeeltern sehr hart an ihre Grenzen stoßen, ist fast normal.

Ob sie es aushalten oder ob sie irgendwann sagen, so geht es nicht
weiter, müssen sie selbst in enger Zusammenarbeit mit den verantw.
des Jugendamtes und dem Kinderpsychologen entscheiden.
Manchmal ist es wohl unvermeidlich, diesen Weg zu gehen, aber
verantwortungsvolle (Pflege-)Eltern machen sich das natürlich
nicht leicht.
Gruß Uwi

ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass die Pflegestelle
eigentlich jeweils nur auf 6 Monate (also Kurzzeitpflege)
gelten soll. Natürlich mit der Option auf Verlängerung wenn es
in der regulären Familie keine Rückkehrmöglichkeit gibt.
Ausserdem ist es eigentlich so vorgesehen, dass nur Kinder bis
zum Schulalter aufgenommen werden. Also die Kinder müssen eh
irgendwann wieder zurück oder woanderst untergebracht werden.
Von einer dauerhaften Pflege ist eigentlich keine Rede (sie
haben ein pupertierendes Kind und einen puptierenden Enkel,
dass reicht ihnen :smile:))
Daher stellt sich mir auch die Frage ob es dann nicht
einfacher ist Kinder generell nur alleine unterzubringen, wenn
sie sich nicht vorher schon kennen, da sie ja bei einer
Trennung quasi Pflegeeltern und Pflegegeschwister verlieren.

Grüße Ute

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Moin,

ich habe halt manchmal das Gefühl das unsere Nachbarn mit der
Situation überfordert sind.

Schön, dass du dich sorgst. Du könntest ja mal anbieten, regelmäßig etwas mit einem der beiden Jungs zu unternehmen. Das wird deine Nachbarn und den Jungen sicher freuen und etwas entlasten.

Gruß
Marion

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