Kann es sein, daß die bloße Anwesenheit einer bestimmten
Person die Wahrnehmung eines Geschehens durch andere
beeinflußt ?
Hallo Torsten,
das kann nicht nur, sondern muß so sein. Unsere Psyche funktioniert ganzheitlich, immer und überall, also auch in der Wahrnehmung (dort übrigens besonders leicht und überzeugend zu demonstrieren). Jede Änderung des Umfeldes, sobald oberhalb der Wahrnehmungsschwelle, verändert nicht nur dessen Struktur (falls überhaupt gegeben: bei Farbwahrnehmung Fehlanzeige), sondern ebenso die sog. „Gestaltqualitäten“ (= gefühlsgeladene Anmutungen wie heiter, bedrohlich, erregend, langweilig, ekelhaft).
Auch die soziale Umgebung wird so erlebt. Wichtiges Wort: „erlebt“. Gesellschaftsklassen oder soziale Schichten erleben wir nicht (zumindest nicht als solche), das sind begriffliche Abstraktionen, wohl aber die Gruppen, denen wir angehören, angehören müssen, unter keinen Umständen angehören wollen usw. Diese Grupppen brauchen keineswegs physisch existent zu sein, es reicht, wenn sie im Gedächtnis vorhanden sind und die Gedächtnisspur im gegebenen Augenblick auf irgendeine Weise aktiviert ist. Gedächtnisspuren sind Bestandteil des psychischen Feldes (Kurt LEWIN, Wolfgang KÖHLER, ausgezeichnet dargestellt in Wolfgang METZGER, Psychologie, Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit der Einführung des Experiments). Da Bestandteil des psychischen Feldes, färben auch Gedächtnisinhalte die Wahrnehmung.
Die erwähnte „Person“ braucht also nicht einmal körperlich anwesend zu sein, um die Wahrnehmung zu beeinflussen. Ihre im Augenblick vorgestellte Existenz reicht vollauf, v.a. wenn uns diese Person viel bedeutet: „Was würde X. sagen, wenn er/sie mich/uns so sähe …“ Jeder kennt das.
Annahme von Telepathie, Rechnerverbund usw. vergnüglich, aber überflüssig, vor allem aber schwer nachzuweisen.
Gruß
Klaus
Mir ist schon klar, daß dies der Fall ist, wenn z. B. eine
beliebte Persönlichkeit eine aufheiternde Rede auf einer Feier
hält oder auch bloß anwesend ist.
Ich habe aber die Vermutung, daß darüber hinausgehend die
Gehirne einer anwesenden Gruppe von Personen automatisch eine
Art Rechnerverbund bilden, ohne daß dies den beteiligten
Menschen bewußt wird. Wenn es dabei Personen gibt, deren
Gehirn seine eigene Interpretation besonders eindringlich in
den Verbund einspeist und so die Interpretation eines
Ereignisses durch andere beeinflußt, wäre dies doch ziemlich
erstaunlich.