Beerdigung

Hallo,
ich hoffe, meine Fragen sind nicht zu unangehm, aber ich weiß nicht, wen ich sonst fragen könnte.

Ich hatte in der Familie schon zwei Todesfälle, war auch auf deren Beerdigung (Erdbestattung), aber damals war ich noch ein Kind. Ich kann mich also nicht an alles erinnern. Jetzt wo ich älter bin, drängen sich mir bestimmte Fragen auf, u. a. da ich mich derzeit selbst schon mal mit dem Thema Tod befasse.

Meine Fragen sind:
a) Wie tief wird man bei einer Erdbestattung eigentlich beerdigt ?
b) Wie lange dauert das eigentlich, bis von dem Menschen nichts mehr da ist bei einer Erdbestattung.?
c) Was bedeutet das, wenn plötzlich die Erde über einen Grab nachgibt. ?
d) Was machen die Leute auf den Friedhof mit den Verstorbenen,wenn alte Gräber verschwinden müssen, um neue zu schaffen. ? Bei uns auf den Friedhof nannten die das glaube ich, Gräber einebnen. ? Es handelte sich um Erdbestattungsgräber. Es sah dort ganz schlimm aus, wie auf dem Schlachtfeld, umgekippte rausgerissene Grabsteine, teilweise wurde da mit dem Bagger gebuddelt. Mir wurde richtig schlecht bei dem Anblick.
e) Im Fernsehn, ich glaube im Raum Bayern oder z. B. Spanien, sah ich, das es dort auch so Plattengräber gibt, also das sieht aus, als ob die über der Erde beerdigt sind. Da ist so ne Steinplatte oben drauf. Wie nennt sich das und gibt es das auch in NRW. ? Bei uns auf dem Friedhof gibt es überhaupt keine solche Gräber, vielleicht sind die da garnicht erlaubt. ?

Ich hoffe meine Fragen sind, wie gesagt, nicht zu schlimm, aber mich würden die Antworten darauf schon interessieren.

Vielen lieben Dank
dex

Hallo dex,

ich kann Dir leider keine Antworten auf alle Deine Fragen liefern, aber vielleicht geben Dir die nachfolgenden links schon mal zu Teilbereichen Aufschluss:

http://www.ks.wt.schule-bw.de/schueler/13er2001/kalm…
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/…

Gruss
Eve*

Hallo

a) Wie tief wird man bei einer Erdbestattung eigentlich
beerdigt ?

Ca. 2 m

b) Wie lange dauert das eigentlich, bis von dem Menschen
nichts mehr da ist bei einer Erdbestattung.?

Das hängt sehr von der Zusammensetzung des Bodens ab. Vor allem die Feuchtigkeit spielt eien Rolle, denn je trockener, desto schnelelr verwest ein Körper. Die Knochen sind dabei die dauerhaftesten Teile des menschlichen Körpers - unter guten Bedingungen können sie Jahrhunderte, in Ausnahmefällen sogar Jahrtausende überdauern (siehe z.B. „Ötzi“ im Eis, dort blieben nicht nur die Knochen, sondern eine ganze Mumie erhalten). Oft sind nach 20 Jahren, wenn das Grab aufgelöst ist, noch Knochen und Ähnliches vorhanden. Es wird bereits an neuen Grabmodellen gearbeitet, die eine optimale Luftzufuhr und Erdkonsistenz gewährleisten um den Verwesungsprozess zu verkürzen, damit man auf den Friedhöfen schneller wieder einen Platz frei hat. Denn die Liegezeit könnte dadurch drastisch verkürzt werden; und es wird langsam eng auf unseren Friedhöfen.

c) Was bedeutet das, wenn plötzlich die Erde über einen Grab
nachgibt. ?

Wohl, dass der Sarg eingebrochen ist.

d) Was machen die Leute auf den Friedhof mit den
Verstorbenen,wenn alte Gräber verschwinden müssen, um neue zu
schaffen. ?

Soviel ich weiss wird die Erde einfach umgegraben, wobei die Überreste darin verbleiben. Man buddelt dann wieder ein Loch und da kommt dann der nächste rein.

e) Im Fernsehn, ich glaube im Raum Bayern oder z. B. Spanien,
sah ich, das es dort auch so Plattengräber gibt, also das
sieht aus, als ob die über der Erde beerdigt sind. Da ist so
ne Steinplatte oben drauf.

Sind das moderne Gräber? Klingt im ersten Moment nach einem Sarkophag.

Gruss

Wiesel

lieber dex,

vor jahren lebte ein freund von mir auf der schwäbischen alb in einem haus, mit dem das amt des totengräbers verbunden war. (mittlerweile haben sich dort mehrere dörfer zusammengetan und einen bagger angeschafft, so dass diese arbeit nicht mehr von den hausbewohnern gemacht wird.)

ich war dort zu besuch und mein freund wurde krank. ich bin dann für ihn eingesprungen und habe mit seinem mitbewohner den ehemaligen bürgermeister unter die erde gebracht.

seitdem sind übrigens für mich alle western, in denen die toten in einer viertelstunde verbuddelt werden, völlig unglaubwürdig! wir haben zwei tage an der grube gegraben und brauchten einen weiteren arbeitstag, um sie wieder zu schließen.

die genaue tiefe des grabes weiss ich nicht mehr, aber es war ca. 1,80 m (wie es in den liedern immer so schön heißt: „six feet in the ground…“) während wir gruben, stießen wir immer wieder auf knochen, holzteile und beschläge vom sarg.

da es der bürgermeister war, den wir beerdigt haben, war natürlich das halbe dorf dabei, die gräber ihrer eigenen familien herzurichten, schwarze erde neu darauf zu verteilen und frische blumen hinzustellen. (man will sich ja nichts nachsagen lassen). folglich konnten wir uns mit einigen leuten unterhalten, die noch wussten, wer an der stelle des neuen grabes einst beerdigt wurde. das war 35 jahre her. soweit ich weiss, ist der umlauf in größeren orten aber schneller, sodass man dort nach 15 oder 20 jahren wieder an derselben stelle ist.

in anderen ländern ist es nicht üblich, gräber mehrfach zu belegen, sondern man nimmt immer neues land, sodass die friedhöfe ziemlich groß werden. in irland ist dies beispielsweise der fall. auch auf jüdischen friedhöfen macht man dies so, da es nach dem jüdischen glauben darauf ankommt, dass die überreste zusammenbleiben.

wir haben in unserem grab die überreste zweier menschen gefunden, da man natürlich nicht genau die exakt selbe stelle trifft. wir sind quasi zwischen zwei ehemalige gräber geraten. bei den grabungen fanden wir entsprechend zwei schädel, die sehr gut erhalten waren, diverse rippenknochen, holzteile und beschläge vom sarg. an den knochen war jedoch kein fleisch mehr. wir haben die knochen und schädel dann etwas zur seite gelegt und hinterher beim zuschütten wieder ins grab gelegt und zugeschüttet.

zum schluss: als ich jugendlicher war, wurden um die kirche herum neue rohre verlegt. dabei ist man auf ein pestgrab aus dem 15. oder 16. jahrhundert gestoßen. überall lagen die knochen rum, die sehr gut erhalten waren.

liebe grüße
burkhard

Hallo,
wuuhhh ! Erstmal vielen Dank für die vielen, offenen Antworten. Hätte ich ja nicht mit gerechnet, da viele Leute diese Themen ja meiden.

Um auf meine sog. Plattengräber zurückzukommen, bei dessen ich mich frage, ob es die eigentlich auch in Deutschland gibt bzw. erlaubt sind, hab ich folgende Seite gefunden, um zu zeigen, was ich meine:

www.glogowatz.de/bilder3/friedhof_graeber_ansicht1.jpg

Ich weiß nicht, wie diese Gräber heißen und würde gerne mal wissen, wo man sich in Deutschland erkundigen kann, ob solche Gräber hier und wo , überhaupt erlaubt sind. ?

Kennt Ihr derartige Friedhöfe in Eurer Region.?

Da hätte ich auch noch ein kurzes weiteres Anliegen.
Einer von den Todesfällen in meiner Familie, war mein eigener Bruder.
Dieser verunglückte tödlich. Wegen dem Unfall und dessen Untersuchung wurde er erst nach 5 Tagen beerdigt. Ca. vier Tage davon wurde er im Krankenhaus aufbewahrt und wohl auch im Kühlraum. Als wir ihn dann, einen Tag vor der Beerdigung nochmal sehen durften, in unserer kleinen Kapelle, bin ich fast umgekippt. Der Raum selbst war nur ausgestattet mit ein paar weißen, fahlen Kerzen, ein paar kleinen Blumen. Aber es roch auch unwahrlich so muffig nach Flieder oder Lavendel, seitdem kann ich diesen Geruch nicht mehr ab. Ich gehe mal davon aus, das dieser Geruch von meinen verstorbenen Bruder kam. ???

Nochmal danke, falls ich antworten bekomme.

Gruß
dex

hallo dex,

ich bin’s nochmal wieder.

Ich weiß nicht, wie diese Gräber heißen und würde gerne mal
wissen, wo man sich in Deutschland erkundigen kann, ob solche
Gräber hier und wo , überhaupt erlaubt sind. ?

ich kenne solche gräber auch nur aus anderen ländern, denke also, dass sie in deutschland nicht erlaubt sind.

Aber es
roch auch unwahrlich so muffig nach Flieder oder Lavendel,
seitdem kann ich diesen Geruch nicht mehr ab. Ich gehe mal
davon aus, das dieser Geruch von meinen verstorbenen Bruder
kam. ???

meine freundin hat medizin studiert und ich bin während ihres studiums zu verschiedenen lehrveranstaltungen mitgedackelt, u.a. auch zu einer pathologie. auch dort roch es ganz intensiv nach einer mischung aus formalin und jauche. ich habe den ganzen tag diesen geruch in der nase gehabt und werde ihn wohl auch kaum wieder vergessen.

ich vermute mal - da die toten vor der beisetzung ja immer noch gewaschen werden - dass es bei deinem bruder eine mischung aus dem geruch des toten und einer drüberparfümierung gewesen ist.

ich fand auch, dass mein vater und meine mutter, die ich beide noch am abend ihres todes habe liegen sehen, einen ganz eigenen geruch hatten. andererseits kommt ja zum geruchseindruck noch die gesamtsituation dazu: die toten haben so eine komische, wächserne, gelbliche hautfarbe, sie sind kalt, liegen komisch rum und sehen sich selbst so unähnlich. dazu noch die trauer. ich glaube, die mischung tut ein übriges.

liebe grüße
burkhard

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Hallo dex,

zuerst noch zu den anderen Fragen: auf Friedhöfen werden die einzelnen Grabstellen immer für eine bestimmte Zeit (meist 20-30 Jahre) gekauft, danach wird das Grab „abgeräumt“, d.h. der oberirdische Teil wird entfernt. Es folgt eine Ruhephase die abhängig vom Aufkommen an Toten ist. Wenn ein solches Feld wieder freigegeben wird sind oft noch große Röhrenknochen oder Schädel vorhanden. Diese werden im Normalfall wieder dem Grab beigegeben wenn es verschlossen wird. Mein Vater war im Strassenbau tätig und u.a. wurde ein alter Friedhof entfernt. Dabei wurden sämtliche entsprechenden Teile gesammelt und an einer Stelle auf dem neuen Friedhof wieder beigesetzt.
Das plötzliche Absacken der Erde ist in der Tat der zerbrechende Sarg wenn er langsam verrottet ist. Übrigens zu den Feuerbestattungen: die Urnen sehen immer sehr stabil nach Metalldosen aus, sind aber nur lackierte Pappe.

Ich weiß nicht, wie diese Gräber heißen und würde gerne mal
wissen, wo man sich in Deutschland erkundigen kann, ob solche
Gräber hier und wo , überhaupt erlaubt sind. ?

Kennt Ihr derartige Friedhöfe in Eurer Region.?

Solche Teile kenne ich nur von sehr alten Friedhöfen (>100 Jahre), und dort auch nur bei entsprechend reichen Familien. Ist aber sehr selten.

Da hätte ich auch noch ein kurzes weiteres Anliegen.
Einer von den Todesfällen in meiner Familie, war mein eigener
Bruder.
[…] Aber es
roch auch unwahrlich so muffig nach Flieder oder Lavendel,
seitdem kann ich diesen Geruch nicht mehr ab. Ich gehe mal
davon aus, das dieser Geruch von meinen verstorbenen Bruder
kam. ???

Das glaube ich nicht unbedingt.
Geh mal in eine alte Blumenhandlung, die nur aus einem engen Raum ohne viel Belüftung besteht und viele Schnittblumen hat. Da kann es auch bestialisch stinken. Ziemlich der gleiche Geruch wie in der Leichenhalle. In der Tat haben die Blumen einen hohen Anteil dort am Geruch, eine Leiche im Krankenhaus wird sehr gut gekühlt, da sind die entsprechenden Prozesse sehr deutlich verlangsamt.

Ciao, Holger

Hallo dex,

diese Steinplatte sind in Deutschland in den mir bekannten Friedhofsordnungen verboten. Das hängt mit der Verwesung zusammen: Unter den Steinplatten zerfallen die Leichen nicht so schnell und sind dann nach 20-30 Jahren nicht weit genug zu „Erde“ geworden. (um es mal euphemistisch auszudrücken.)

Grüßli,
Barbara

Hallo dex,

Um auf meine sog. Plattengräber zurückzukommen, bei dessen ich
mich frage, ob es die eigentlich auch in Deutschland gibt bzw.
erlaubt sind, hab ich folgende Seite gefunden, um zu zeigen,
was ich meine:

http://www.glogowatz.de/bilder3/friedhof_graeber_ans…

Ich weiß nicht, wie diese Gräber heißen und würde gerne mal
wissen, wo man sich in Deutschland erkundigen kann, ob solche
Gräber hier und wo , überhaupt erlaubt sind. ?

Kennt Ihr derartige Friedhöfe in Eurer Region.?

Bei uns in Österreich kann man solche Gräber sehen.
http://www.bestattung-moedling.at/friedhoefe.html

und wie immer gibt es hier die dazugehörige Verordnung :wink:
§ 12 Einfassungen und Grabdeckplatten
http://www.50plus.at/Default.htm?http%3A//www.50plus…
runterscrollen und auf Grab/Gräber/Grabstellen klicken

Gruss Harald

[off topic] A scheene Leich
Hallo Harald,

in Wien gibt es btw ein beeindruckendes Bestattungsmuseum, empfehlenswert für jeden, der sich für Sepulkralkultur interessiert:

http://progs.wiennet.at/addedvalue/f6000_bestattung/…

Die Unterschiede zwischen der Begräbniskultur Wiens (Österreichs?) und Deutschlands sind z.T. verblüffend.

Viele Grüße
Diana