Befangen in der Vergangenheit

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, wie es dazu kommt, dass Menschen in der Vergangenheit befangen (verfangen, behaftet) sein können? Gekennzeichnet kann dies z.B. sein durch Träumerei, Abwesenheit, Überforderung (z.B. im Schulunterricht), unzureichende Kompetenz & Aufmerksamkeit für die gegenwärtigen, aktuell laufenden Anforderungen des Lebens. Gekennzeichnet kann dies aber z.B. auch dadurch sein, dass einige alte Menschen die etwa noch den Krieg (WK II) miterlebt haben z.B. nichts wegwerfen können.

Mit Sicherheit spielt Traumatisierung hier eine wesentliche Rolle, die in diesem Fall durch zeitlich lang anhaltende, dauerhaft einwirkende Entbehrungen, Mängel und Defizite entstanden ist (eine Art Deprivation). Dies führt ungleich später dazu - so erkläre ich es mir -, dass sich der Betroffene auf spezifischen Sektoren unentwickelt, vielleicht sogar unterentwickelt und unterlegen fühlt. Er hat permanent und eigentlich diffuserweise das mehr oder minder starke Angstgefühl von unterschwelliger Bedrohung und existenziellen Nöten. Im weiteren Verlauf als Resultat daraus kann er Situationen, Kontakte und lebbares Leben in der Gegenwart nicht zu 100% erfolgreich leben, verarbeiten und befriedigend abschließen, weil ihm innerlich etwas (Entwicklung bzw. Verarbeitung) zu fehlen scheint. Dies wiederum führt, so denke ich, zu dem Befangensein-Denken und sich verloren fühlen in der Vergangenheit. Bei der Traumatisierung verhält es sich doch glaube ich so, dass schmerzhafte, verletzliche Einwirkungen, Erfahrungen, Erlebnisse, aber eben auch Entbehrungen wegen akuter Überforderung damit, nicht korrekt abgespeichert und verarbeitet werden können. Folglich geistern sie unverarbeitet im Kopf herum und tauchen so immer wieder auf (auch unsortiert, ähnlich wie bei Kriegstraumata von Soldaten). In der Traumatherapie werden genau diese alten Verwundungen bzw. bedrohliche Einwirkungen abgerufen und nach und nach aufgearbeitet (durch Öffnen, Zulassen, Raum geben, und Trauern (je nachdem)). Das finde ich sehr interessant. Ich hätte gerne mal ein paar Gedanken von Euch zu dem Thema „Befangen in der Vergangenheit“.

Gruß,
Yedi386

Hallo,

mich würde mal interessieren, wie es dazu kommt, dass Menschen
in der Vergangenheit befangen (verfangen, behaftet) sein
können?

es gehört grundsätzlich zum Mensch-Sein.
Deine Beispiele erfragen eigentlich, wie es kommt, daß der Mensch
unverhältnismäßig von der (seiner) Vergangenheit gefangen ist und
dadurch nicht frei den Anforderungen des Lebens gerecht zu werden,
was immer dies auch sei.
Darauf gibt es keine generelle Antwort.
Jede „Vergangenheit“ hat für jeden Menschen ihre eigene Last oder
eigenes „Gefängnis“.
Und jeder Mensch hat individuelle Fähigkeiten damit mehr oder weniger
gut umzugehen.
Du hast ja schon selbst einge Möglichkeiten aufgezählt - und -
damit die Antwort schon beschrieben.
Gruß VIKTOR

Hallo!

Auch ich denke, daß das was Du beschrieben hast sehr oft vorkommt!

Und ich erinnere mich an einen Satz, bei dem es hiess, daß sehr viele Erwachsene noch Kinder sind!
Wie oft trifft man denn Menschen, die sich verhalten wie Kinder??
Trotz- Rückzug ohne Reflektion…wäre wohl das Augenscheinlichste was mir dazu gerade einfällt.

Ein komplettes Erwachsenwerden ist also gar nicht so leicht zu bekommen- die Menschen verhaften in einer Station in sich, die der Vergangenheit angehört und sie sind nicht weitergewachsen.

Allerdings- frage ich mich schon auch, ob das nicht jedem so geht…nicht jeder auch in Situationen kommt, in denen er der alten „Verhaftung“ kaum entkommt!?

kitty