''Befördern'' statt ''fördern'', was soll das?

Hallo,

in den letzten Jahren mußte ich häufig von Politikern (wie z. B. Guido Westerwelle) das Verb „befördern“ im Sinne von „fördern“ hören.

Dabei wird „befördern“ (z. B. Dienstgrad erhöhen, Personenbeförderung im öffentlichen Nahverkehr) doch eigentlich völlig anders gebraucht als „fördern“ (z. B. Förderung eines begabten Kindes, Förderstufe). Wie kommt es zu dieser m. E. aberwitzigen Sinnverzerrung?

Gruß
Uwe

'‚Fördern‘ statt ‚Befördern‘ - ein Neologismus
Servus,

es nimmt mich ein wenig Wunder, daß Dir dieses als generell eher Konservativem in rebus linguisticis aufstößt:

Während zumindest der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und wohl auch schon ein ganzes Stück im achtzehnten war die Beförderung im Sinn der heute üblichen Förderung ganz gebräuchlich.

Als Exempel mögen die vielen Titel dienen, die in der obgenannten Zeit von Ökonomen verfasst und herausgegeben wurden, welche sich mit der Beförderung des Wohlstands, der Beförderung von Viehzucht und Weinbau etc. etc. beschäftigten.

Schöne Grüße

MM

Dabei wird „befördern“ (z. B. Dienstgrad erhöhen,
Personenbeförderung im öffentlichen Nahverkehr) doch
eigentlich völlig anders gebraucht als „fördern“ (z. B.
Förderung eines begabten Kindes, Förderstufe).

Das, was Du hier als „eigentlichen“ Sprachgebrauch bezeichnest, ist eine Bedeutung, die duch Sprachwandel erst in den letzten 150 jahren entstanden ist. Bei den Grimms lest man:

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befördern, juvare, promovere, provehere, nnl. bevorderen. früher auch befordern und befürdern (s. fördern): dasz man mit einem bösen menschen nichts soll zu schaffen haben, noch ihn befordern helfen. Lokman 22; sein herr sollt nur landkinder zu dienst und ämpter befürdern. Lehmann 19; wie lange wolt ihr diejenigen reich machen, welche nur suchen euer ruin zu befürdern. Schuppius 303; ich preise diese stunde für glückselig, darin durch gottes beistand arme knechte und mägde können befürdert werden zu ihrer zeitlichen und ewigen wolfahrt. 337; die vermöglichkeiten des gemüts und leibs zu beförderen. 728; der sieg bei Dreux, weit entfernt ihre wünsche zu befördern, hatte ihr einen herrn gegeben. Schiller 1060; die wolle reizt die haut und befördert die ausdünstung. Hufelands macrob. 345; das wasser befördert die verdauung. 357; die erkältung befördert das fieber; einen ins grab befördern; einen mit wagen, mit dampf befördern.

Ich vermute, die ältere Bedeutung hat in der Kanzlei- und Bürokratensprache überlebt und ist auf diesem Weg in den Wortschatz der Politiker eingezogen.

Gruß,
Max

Ja der Guido, irgendwo muss er ja die Aura des klassischen Humanisten mal raushängen, zumindest in der gelehrt-rhetorischen Attitüde, wenns schon in der Praxis an Sinn und Menschenfeundlichkeit mangelt, so muss man doch immerhin dem gebildeten Volke ein Gefühl von Vertrauen und Kompetenz einflößen.
Die Politik muss ihre Maßnahmen bekanntermaßen nur gut kommunizieren, dann klappts auch mit dem Abnicken.

Sieh es doch mal so:
Ad-Hoc-Synonymenlexikon
„befördern
-tranportieren ->Handel, Transportwes., Physiolog.
-begünstigen, fördern, unterstützen, ermutigen -&gt:stuck_out_tongue_winking_eye:sych.,Polit.(veraltet)“

aber:
„fördern
-begünstigen, unterstützen, befördern(veraltet) -&gt:stuck_out_tongue_winking_eye:hilosoph.,Polit.
-ausbeuten, abbauen, heraufbringen, herausholen ->Rohstoffwirtsch., Bergbauwesen“

Ich bin der andere Uwe :smile:
Außerdem fehlt noch:
„befördern
-ein höheres Amt, einen höheren Dienstrang verleih. ->Milit., Polit., Arbeitswelt“

Servus,

es nimmt mich ein wenig Wunder, daß Dir dieses als generell
eher Konservativem in rebus linguisticis aufstößt:

Mich auch. Meine Frage an Uwe, WANN wir die deutsche Sprache final hätten festzementieren sollen, blieb ja denn auch bislang unbeantwortet.
Grüße,
Olgu

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LOL - „festzementieren“ ist gut!

Natürlich nicht. Sprache soll lebendig bleiben und wird und muß sich auch verändern. Aber dabei sollte sie nicht an Ausdrucksvielfalt verlieren.

So wäre es z. B. sinnvoll, wenn die Verben „fördern“ und „befördern“ für zweierlei stünden und nicht für einerlei. Wenn sie zur Zeit einen weitgehend identischen Sinn haben, nehme ich das natürlich zur Kenntnis.

:wink:

Nein, fehlte nicht.

in den letzten Jahren mußte ich häufig von Politikern (wie z.
B. Guido Westerwelle) das Verb „befördern“ im Sinne von
„fördern“ hören.

Hallo Uwe,

die meisten Beförderungen, zumindest auf höheren Ebenen, gehen ja auf die Förderung durch einen einflussreichen Gönner zurück. Da kann man das als Politiker irgendwann nicht mehr auseinanderhalten. Als beinharter Klientelpolitiker schon garnicht.

Gruss Reinhard

Achso.
So gesehen ist dieser Sprachgebrauch eigentlich nur konsequent.

Gruß
Uwe