Begriff ''Botanik'', wie heißt der Rest?

Abstraktionstheorie und oberster Oberbegriff
Hi Uwe,

machst du hier ein Quiz? :smile:

Wie lautet die sprachlogisch korrekte Bezeichnung für derartige :„Oberbegriffe“, die nicht gleiche, so doch verschiedene Dinge :bedeuten, deren Gemeinsamkeit in der Gleichheit der theoretischen :Ebene besteht, auf der man sich bewegt?

Die Ausdrücke Hyper(o)nym und Hyponym sind, wie auch gesagt wurde, in der Semantik gebräuchlich. In der klassischen (aristotelischen) Logik sind es Oberbegriffe (terminus major) und Unterbegriffe (terminus minor). Die Ausdrücke haben ihren Ursprung in der Syllogistik: Oberbegriff ist das Prädikat der ersten Prämisse (Obersatz),
Unterbegriff ist das Subjekt der zweiten Prämisse (Untersatz).

Die hier von dir gesuchte Bezeichnung kommt jedoch aus der (damit eng zusammenhängenden) aristotelischen Kategorienlehre, ins besondere aus der Einführung (Isagogé) des Porphyrios:

Der Begriff eines Individuums („Einzeldings“) (oder je nach ontologischer Schulrichtung auch das Individuum selbst) ist die unterste Stufe in der sogenannten Arbor porphyriana.

Die nächste Stufe ist die, die über eine Mannigfaltigkeit von Einzeldingen den Oberbegriff bildet. „Ober“ wegen der höheren Stufe dieser Abstraktionstheorie.Dieser Oberbegriff heißt Art , griech. eidos, lat. species. Dieser Oberbegriff setzt voraus, daß die Individuen unterscheidbar sind (→Akzidenzien), aber eine gemeinsame Eigenbestimmheit haben (→Proprium), die eben dann die Art definiert.

Zu der Art gibt es dann wiederum (und hier setzt die Rekursivität dieses Verfahrens ein, das man →Abstraktion nennt) einen Oberbegriff: die Gattung , griech. genos, lat. genus.

Eine Gattung ist also der Oberbegriff zu einer Mannigfaltigkeit von Arten. Und das sind die Hauptwerkzeuge in der klassischen Logik für das, was dort eine →Definition genannt wird: Um eine Art (über einer Mannigfaltigkeit von Individuen) zu „definieren“ muß man den „nächstmöglichen“ Genus (genus proximum) angeben UND diejenige →Differenz, die diese Art von jedweglicher anderen Art (unter derselben Gattung!) unterscheidet (differentia specifica).

Die Antwort auf deine Frage

Wie aber heißen „Begriffe für Verschiedenes“ derselben Abstraktionsebene?

lautet also: 1. Art, 2. Gattung

Nun läßt sich diese Stufung „Art, Spezies“ → „Gattung, Genus“ wiederum auf den Genus selbst anwenden, wodurch man iterativ zu immer höheren Abstraktionsstufen fortgeschreiten kann (die dadurch den Fachterminus „Verallgemeinerung“ erhalten haben). Diese dadurch entstehende Stufenpyramide, alias der „Baum“ (lat. die arbor) der Abtraktionen, wurde nun als die „Arbor porphyriana“ bezeichnet.

Die Biologie hat ihre (inzwischen überholte) Klassifizierung genau daher, nur daß sie für höhere Stufen noch Namen eingeführt hat (Familie, Ordnung usw.), die von der Logik nicht benötigt werden.

Hier ist also ein Oberbegriff einer Stufe zugleich ein Unterberiff der nächsthöheren Stufe - eben des „Genus proximum“.

Seit Aristoteles wurde dann konsequenterweise in der Logik diskutiert, ob es eine allgemeinste Verallgemeinerung gebe, eine „oberste“ Abstraktionsstufe also.

Und damit sind wir bei deiner Frage nach dem Oberbegriff aller Oberbegriffe.

In der Logik des Aristoteles selbst war diese Frage beantwortbar: Die höchste Stufe der Verallgemeinerung ist das Wesen ousia, bzw. die Substanz substantia. Um zu verstehen warum das so ist, muß man allerdings seine Kategorienlehre heranziehen, die aber hier nicht Thema ist. Jedenfalls ist „Wesen“ alias „Substanz“ zugleich auch der „Name“ für diese oberste Stufe.

Gruß

Metapher

Du löst das Rätsel, ohne zu merken, daß Du es löst
Hi Metapher, hi @ll

Danke Dir für Deine ausführlichen und „besternenswürdigen“ Anmerkungen zu diesem interessanten Thema. Eigentlich löst Du auch das Rätsel, aber offenbar ohne Dir dessen bewußt zu werden:

In der klassischen (aristotelischen) Logik sind es Oberbegriffe

Letzterer Begriff ist nämlich der gesuchte. Der Begriff „Oberbegriffe“ ist der Oberbegriff für sämtliche Oberbegriffe. Es muß natürlich die pluralische Form sein, sonst ist es ja nur einer… :wink:

Ich hab schon einer ganzen Menge Leuten diese Frage gestellt, aber nur die allerwenigsten kamen darauf - auch nach längerem Nachdenken. Wahrscheinlich, weil die Lösung eigentlich so nah liegt. :smile:

LG, Uwe

leider voll daneben :smile:
Hi Uwe,

danke für die Blumen.

Es ist zwar inzwischen offtopic für dieses Brett, weil Begriffslogik und Abstraktionstheorie ins Philosophiebrett gehört. Aber vielleicht drückt die Mod ja MAL ein Auge zu *lach*

Leider muß ich dich enttäuschen. Du liegst mit deinem Gedankengang voll daneben:

Letzterer Begriff ist nämlich der gesuchte. Der Begriff
„Oberbegriffe“ ist der Oberbegriff für sämtliche Oberbegriffe.
Es muß natürlich die pluralische Form sein, sonst ist es ja nur einer… :wink:

Ein Plural über einer Mannigfaltigkeit gleicher Individuen ist kein Oberbegriff. Und erst recht nicht ein Plural einer bloß formalen Vielheit der Zeichen für einunddenselben Begriff: Wenn du auf eine Tafel 19 mal irgendwo eine „1“ hinmalst, dann hast du, wenn du das „Einsen“ nennst, einen Namen für eine Mannigfaltigkeit von Kreidehäufchen, die je dasselbe Symbol manifestieren, aber du hast dadurch weder die Zahl „19“ gefaßt, noch einen Oberbegriff. „Viele Eins“ sind immer noch „Eins“ (Interesante Literatur zu „Eins und Vieles“ in Aristoteles: „Metaphysik“, und Platon: „Parmenides“ und „Sophistes“).

Ein Oberbegriff ist ein Prädikat! Und zwar eines, daß die identischen Eigenschaften aller derjenigen Unterbegriffe faßt, die unter ihn fallen. UND diese Unterbegriffe müssen sich voneinander unterscheiden! Das ist eben die „differentia specifica“. Sonst sind es keine Unterbegriffe.

Was du machst, ist, daß du die Mannigfaltigkeit der „vertikalen“ Stufen in der Abstraktionshierarchie sozusagen von der Seite anschaust. Ok. Diese Stufen sind alle, bis auf die Unterste, Oberbegriffe. Und sie haben alle einen anderen Inhalt (Katzen, Säugetiere, Animalia, Lebewesen usw. usw.). ABER: Sie unterscheiden sich als Oberbegriffe nicht voneinander. Sie sind eines, was der andere ist, sie haben keinerlei innerspezifische Differenz und sind daher keine Vielheit von Unterbegriffen.

Wenn du aber „Oberbegriff“ neben „Unterbegriff“ und „Mittelbegriff“ setzt, dann kannst du dazu einen Oberbegriff setzen. Der würde z.B. heißen „formallogische Fachtermini“ … oder, etwas enger gefaßt „syllogistische Begriffspositionen“.

Du fragtest aber nicht nach dem „Art“-Begriff von Oberbegriffen, sondern nach dem Oberbegriff aller Oberbegriffe, und damit mit du IN der Begriffshierarchie und nicht orthogonal dazu. Und wenn du in der Ontologie oder in der Kategorienlehre die Position einnimmst, daß die Hierarchie nach oben endlich ist, dann blebt dir nur die Lösung, die ich dir nannte …

Sorry, aber …

Wahrscheinlich, weil die Lösung eigentlich so nah liegt.

… die Lösung lag nicht nah, sondern voll daneben *lächel*

Gruß

Metapher

4 „Gefällt mir“

Das sehe ich anders…

Ein Plural über einer Mannigfaltigkeit gleicher Individuen ist
kein Oberbegriff. Und erst recht nicht ein Plural einer bloß
formalen Vielheit der Zeichen für einunddenselben
Begriff: Wenn du auf eine Tafel 19 mal irgendwo eine „1“
hinmalst, dann hast du, wenn du das „Einsen“ nennst,
einen Namen für eine Mannigfaltigkeit von
Kreidehäufchen, die je dasselbe Symbol manifestieren, aber du
hast dadurch weder die Zahl „19“ gefaßt, noch einen
Oberbegriff. „Viele Eins“ sind immer noch „Eins“ (Interesante

Mit Verlaub: interessante (im Deutschen mit Doppel-S, da stimmlos)

Literatur zu „Eins und Vieles“ in Aristoteles: „Metaphysik“,
und Platon: „Parmenides“ und „Sophistes“).

Ein Oberbegriff ist ein Prädikat! Und zwar eines, daß
die identischen Eigenschaften aller derjenigen Unterbegriffe
faßt, die unter ihn fallen. UND diese Unterbegriffe müssen
sich voneinander unterscheiden! Das ist eben die „differentia
specifica“. Sonst sind es keine Unterbegriffe.

Was du machst, ist, daß du die Mannigfaltigkeit der
„vertikalen“ Stufen in der Abstraktionshierarchie sozusagen
von der Seite anschaust. Ok. Diese Stufen sind alle, bis auf
die Unterste, Oberbegriffe. Und sie haben alle einen anderen
Inhalt (Katzen, Säugetiere, Animalia, Lebewesen usw. usw.).
ABER: Sie unterscheiden sich als Oberbegriffe
nicht voneinander. Sie sind eines, was der andere ist, sie
haben keinerlei innerspezifische Differenz und sind daher
keine Vielheit von Unterbegriffen.

Da muß ich Dir widersprechen. Wenn Du behauptest, die Oberbegriffe unterschieden sich als solche nicht voneinander, dann bewegst Du Dich ja bereits auf der Ebene der Oberbegriffe. Weiter hoch in der gedachten Pyramide brauchen wir ja gar nicht zu steigen. Wir haben z. B. Vögel, Tiere, Sprachen, Buchstaben, was alles UNTERSCHIEDLICHE Oberbegriffe sind. Gleich werden sie erst in dem einen Oberbegriff für all diese Oberbegriffe, nämlich „Oberbegriffe“.

Wenn du aber „Oberbegriff“ neben „Unterbegriff“ und
„Mittelbegriff“ setzt, dann kannst du dazu einen Oberbegriff
setzen. Der würde z.B. heißen „formallogische Fachtermini“ …
oder, etwas enger gefaßt „syllogistische Begriffspositionen“.

Du fragtest aber nicht nach dem „Art“-Begriff von
Oberbegriffen, sondern nach dem Oberbegriff aller
Oberbegriffe, und damit mit du IN der Begriffshierarchie und
nicht orthogonal dazu. Und wenn du in der Ontologie oder in
der Kategorienlehre die Position einnimmst, daß die Hierarchie
nach oben endlich ist, dann blebt dir nur die Lösung, die ich
dir nannte …

Nun, nochmals vielen Dank, Metapher, für diese wiederum sehr interessante und besternenswürdige Antwort, wenn ich auch, wie man sich denken (und oben lesen) kann :wink: , inhaltlich nicht ganz einverstanden bin mit dem, was Du schreibst.

LG, Uwe

zum guten Schluß
Sorry Uwe, aber ich hab mich nun redlich bemüht, es dir zu erklären. Aber da das Thema für dieses Brett offtopic ist, laß ich es nun dabei.

Weiter hoch in der gedachten Pyramide brauchen
wir ja gar nicht zu steigen. Wir haben z. B. Vögel, Tiere,
Sprachen, Buchstaben, was alles UNTERSCHIEDLICHE Oberbegriffe
sind. Gleich werden sie erst in dem einen Oberbegriff für all
diese Oberbegriffe, nämlich „Oberbegriffe“.

Für deine „Tiere, Sprachen, Buchstaben“ ist zweifellos „Oberbegriffe“ ein(!) möglicher Oberbegriff. Aber „Oberbegriffe“ ist kein Oberbegriff für eine Mannigfaltigkeit, deren Individuen selbst durch nichts anderes bestimmt sind, als daß sie „Oberbegriffe“ sind. Schon deshalb nicht, weil die Individuen alle einunddasselbe sind.

Anders gesagt: In seinem „Oberbegriff-Sein“ unterscheidet sich ein Oberbegriff von einem anderen Oberbegriff durch nichts. Daher das Beispiel mit den „1“. Ich dachte, das hilft dir.

Desweiteren schau mal in diesen Link
(sorry Mod, aber ich habs ja „mit eigenen Worten“ redlich versucht *g*):

http://de.wikipedia.org/wiki/Baum_des_Wissens

Weiterführend auch dies:

http://www.roman-eisele.de/phil/stuff/PorphyriosEisa…

Gruß

Metapher

2 „Gefällt mir“

Amsel, Drossel, Fink und Star lassen sich unter dem Oberbegriff „Vögel“ zusammenfassen („kategorisieren“). Kugel, Tetraeder, Würfel sind z. B. Körper. Hemd, Hose, Socken sind Kleidungsstücke.

Der Oberbegriff für alle Vögel lautet also „Vögel“, der für alle Körper „Körper“ und der für alle Kleidungsstücke „Kleidungsstücke“. Dementsprechend denke ich, daß der Oberbegriff für alle Oberbegriffe „Oberbegriffe“ lautet.

Hinsichtlich Deiner Argumentation kann ich es nachvollziehen, wenn Du nun sagst, „Das genügt nicht. Neben die Oberbegriffe muß man auch die Unterbegriffe stellen!“ Ok. Aber „Unterbegriffe“ ist nichts anderes als ein weiterer Oberbegriff. Ich verstehe es so, daß wenn man Oberbegriffe und Unterbegriffe als sich auf derselben theoretischen Ebene befindend verstanden haben möchte, daß es dann eines neuen Oberbegriffes braucht um hier Ordnung zu schaffen. Ist es DAS, was Du meinst?

Pardon, daß ich nochmal nachfrage, aber ich lerne gern dazu. :smile:

LG, Uwe