Ich suche nach einer Worterklärung. In einer Abhandlung über die Krise der deutschen Eisenindustrie nach dem Börsencrash 1873 heißt es in einem Absatz:
„In der Gegenwart waren viele Finnen noch gezwungen, praktisch zum Kostenpreis zu arbeiten, und die Industrie steckte ganz allgemein in einer tiefen Rezession.“
Was ist denn, in diesem Zusammenhang, eine Finne? Schlicht eine Eisenerzmine? Im Netz ist angesichts anderer Bedeutungen des Wortes nichts zu finden .
"In der Gegenwart waren viele Finnen noch gezwungen, praktisch
Wenn das mal nicht „Firmen“ heißen soll … in der Hitze des Gefechz kann ein „rm“ schon mal als „nn“ gelesen werden, je nach Drucktype.
Abgesehen davon ist es natürlich auch möglich, nordosteuropäische Ureinwohner zum Selbstkostenpreis arbeiten zu lassen. Was unweigerlich auf die Rückfuhr schlossert, dass die Verwendung von Lappen ebenfalls eine universelle ist. „Siehst Du dort diesen schlappen Lappen mit seinen großen Schlappen schlappen?“ …
mancher wenn er trinken sitzt,
so überkömpt er manche finn
und wird gar klug in seinem sinn. RINGWALD laut. warh. 73;
endlich ward ich, nach tausendmal wiederholter bespiegelung, fertig, sahe aber zu meinem äuszersten verdrusz eine kleine finne in meinem gesichte. ehe eines mannes 354;
um ihren mund, wo eine der häszlichsten finnen,
die je ein gesicht verschimpfte, ihr gar zu niedlich steht. WIELAND 5, 130;
aber wenn euer gnaden darauf acht gegeben haben, so hat sie doch so was in ihrem gesichte. ‚ja wol, finnen und pockengruben, so viel du willst‘ unterbrach ihn don Sylvio. 11, 182. vgl. blutfinne 2, 182.
mhd. phinne nagel, pflock. myst. 1, 12, 30. nd. pinne, nnl. pen, pin, engl. pin. nhd. finne, die spitze seite eines schmiedehammers. abfinnen, damit bearbeiten. BROSENIUS 2, 377._
Man sieht, dass Finne zuerst etwas Schmales, Dünnes ist, wie eine Flosse. Daher auch der Finnwal!
Dann ist es eine schmale Gesichtsnarbe. Und schließlich das dünne Ende eines Hammers. Und von diesem Hammer ausgehend wurde ein Hammerwerk eben auch Finnwerk oder kurz Finne genannt.
Man sieht, dass Finne zuerst etwas Schmales, Dünnes ist, wie
eine Flosse. Daher auch der Finnwal!
Dann ist es eine schmale Gesichtsnarbe. Und schließlich das
dünne Ende eines Hammers. Und von diesem Hammer ausgehend
wurde ein Hammerwerk eben auch Finnwerk oder kurz Finne
genannt.
Gruß Fritz
Ja, super Herleitung, sehr plausibel, danke! Pkt. 1 war mir natürlich bekannt, Pkt. 3 bestenfalls dunkel. Pkt. 2 ist mir gänzlich neu, nie gehört - umso schöner die Zitate!!
Wenn das mal nicht „Firmen“ heißen soll … in der Hitze des
Gefechz kann ein „rm“ schon mal als „nn“ gelesen werden, je
nach Drucktype.
In der Tat, KW, nachdem ich mich nochmal über den Börsenkrach vom Mai 1873 schlau gemacht habe, bin ich von der Druck-/Lesefehlerversion wesentlich stärker überzeugt, als von einer möglicherweise weit her geholten „Finnen“-Konstruktion.
Grüße
Eckard
Hallo kleiner Witzbold!
Der Grimm gibt dazu gar nichts her. Die andere Seite des Hammers ist die ‚Bahn‘ und wird im Verhältnis zur Finne hauptsächlich gebraucht. Warum nennt man dann ein Hammerwerk nicht ‚Bahnwerk‘?
Außerdem hatten die wenigsten Schwanzhämmer eine Finne. Spätere Dampf-oder Preßlufthämmer haben gar keine.
Ich hatte an eine Textstelle gedacht, wo eindeutig ein Hammerwerk als ‚Finnwerk‘ bezeichnet wird. So lange bis ich ein solche nicht gesehen habe, bleibe ich skeptisch.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim
Der Grimm gibt dazu gar nichts her. Die andere Seite des
Hammers ist die ‚Bahn‘ und wird im Verhältnis zur Finne
hauptsächlich gebraucht.
es ging um die frage, ob die „finne“ im rahmen von eisenverarbeitender idustrie eine bedeutung hat. dazu gibt der grimm wohl was her. und aus wörtern kann man im deutschen komposita bilden.
obs die frage nach der ursprünglichen textstelle beantwortet, ist eine andere frage. aber als hinweis ist der auf den grimm durchaus wertvoll.
Vielleicht ist es hilfreich, in der Diskussion um „Finnen“ oder „Firmen“ den Autor etwas länger zu zitieren. Meine Umschreibung der Quelle als „Abhandlung“ ist allerdings wohl nicht ganz korrekt. Es handelt sich schlicht um ein Geschichtsbuch: Gordon A. Craig „Deutsche Geschichte 1866 - 1945“. Im Zweifel ließe sich also im englischen Original überprüfen, was wirklich gemeint ist.
Craig erläutert, warum nach dem deutschen Börsencrash die englische und französische Eisenindustrie gegenüber der deutschen Wettbewerbsvorteile hatte, und das führt zu der Passage:
„Und schließlich waren die deutschen Produzenten wettbewerbsmäßig nicht in der Lage, mit dem technischen Wandel schritt zu halten, der sich zu jener Zeit vollzog und vom Gußeisen zum Stahl führte. Erst nachdem Ende des Jahrzehnts die Thomas-Gilchristsche Methode des Phosphorentzugs eingeführt wurde, konnte man hier mit Hilfe der reichen elsässischen Minette-Erzvorkommen andere Verhältnisse schaffen und die deutschen Hochöfen in die Lage versetzen, ihre Stahlproduktion innerhalb eines Jahrzehnts zu verdoppeln und bis zur Jahrhundertwende die englische Produktion zu übertreffen. All dies lag in der Zukunft; in der Gegenwart waren viele Finnen noch gezwungen, praktisch zum Kostenpreis zu arbeiten, und die Industrie steckte ganz allgemein in einer tiefen Rezession.“ (beck’sche Reihe, Taschenbuchausgabe, S. 106/07)
Ich meine, daß in diesem Zusammenhang „Finne“ sehr wohl als „Eisenschmiede“ (noch nicht: „Stahlschmiede“) interpretiert werden kann. Mich hatte es einfach nur genauer interessiert. Hätte ich gewußt, daß eine solche Diskussion daraus wird, hätte ich den Text gleich länger zitiert .