Hi Pipo
Schmidtbauer schreibt viel, und ich bezweifle nicht, daß man auch viel davon hat, da er ja interessante "Fall"beispiele bringt. Seine Weise, psychoanalytisch zu interpretieren, ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen und sie wird wegen ihrer stereotypen (und überdies etwas veralteten) Form von vielen für nicht unbedenklich angesehen.
- ein „gutes“ i n n e r e s o b j e k t = selbstvertrauen,
sich selbst mögen, dies entsprechend projezieren und dann
selbst gespiegelt bekommen -
- je „brüchiger“ das i n n e r e o b j e k t ist, desto
mehr ist jmd. auf externe liebesbeweise, zuwendung,
bestätigung angewiesen - bleiben diese aus, bröckelt das i n
n e r e o b j e k t noch mehr, der mensch zieht sich in sich zurück,
damit beginnt ein teufelskreis, der im glücklichen falle zum
psychoterapeuten führt.
Wie schon gesagt, steht hier „inneres Objekt“ für das, was man sonst (der Ausdruck „brüchig“ deutet auf Erich Fromm hin) viel deutlicher als „Selbstrepräsentanz“ bezeichnet (ich verwende lieber den einfacheren Ausdruck Selbstbild). Wenn jemand ein ihm angenehmes Selbstbild hat, dann besteht natürlich der Wunsch, daß ihm dies auch von anderen zurück"gespiegelt" wird, daß er also anerkannt wird, wodurch ihm sein Selbstbild objektiv wird.
Wenn er das Bild nun aber projizieren würde (und das heißt z.B. er verwandelt das „ich finde mich super“ in „du findest dich super“), dann hieße das, daß er seine Objektrepräsentanz (sein Bild vom anderen) nicht mehr an seinem Objekt (also am anderen) überprüft (z.B. durch die Frage „findest du dich auch super?“). Das würde zu einem Kollaps der kommunikativen Situation führen. Das kann Sch. also gar nicht gemeint haben (verwendet er diesen Ausdruck wirklich so? Ich weiß es nicht mehr - ist zulange her).
Auch der Schluß aus „ich finde mich super“ auf „du findest mich super“ (das wäre aber keine Projektion) wäre pathologisch: es wäre ein Symptom für eine erhebliche sog. narzistische Störung. Auch das kann Sch. also nicht gemeint haben. Was meint er aber nun?
Daß ein „schwaches“ Selbstbild („ich habe nichts besonderes an mir“) mit einem gesteigerten Bedürfnis nach positiver Zuwendung einhergeht, erklärt sich fast von selbst - man ernährt sich gewissermaßen von der Zuwendung. Mit „brüchigem“ Selbstbild (der Audruck ist mir auch bei Fromm schon suspekt, zumindest unklar), könnte im Grunde nur ein chaotisiertes gemeint sein: unstet, leicht irritierbar, oder gar ohne Anlaß plötzlich umschlagend (auch ein pathologisches Symptom) - oder es ist jemand, der seine (bei jedem Menschen vorhandenen) inneren Widersprüche nicht erträgt und an ihrer Vermittlung scheitert. Solche Selbstbildirritationen können aber auch durch Zuwendung aus Objektbeziehungen nicht geglättet werden.
Tja - was also meint Sch.?
P.S. gibt es irgendwo etwas von dir zu lesen?
„Chaotische Dynamik menschlicher Kommunikation“
in: R. Marx, G. Stebner (Hrg.): „Ich und der Andere“, St. Ingert 1996
bist du bereit, dein incognito zu lüften?
ich kann es nicht lüften, weil ich gar nicht incognito bin
)
(es gibt ein Link in der ViKa)
liebe Grüße
Metapher
http://www.praxis-dialog.de