Begriff?: M. Nachdruck Gegenteil behaupten

Hallo www-ler!

Es gibt meines Wissens in der Psychologie ein Verhalten, bei dem mit Nachdruck das Gegenteil von dem behauptet wird, was real ist.
Beispiel: Ich frage meine Nachbarin, die ständig mit ihrem Partner sehr laut streitet, ob sie gut mit ihm auskomme, oder es ab und zu mal Differenzen gebe. Sie sagt: Nein, niemals, gar nie. Es ist alles total absolut harmonisch!!!

Gibt es dafür einen Begriff??

Danke für die Antworten!!
Gruß

Hallo www-ler!

Es gibt meines Wissens in der Psychologie ein Verhalten, bei
dem mit Nachdruck das Gegenteil von dem behauptet wird, was
real ist.
Beispiel: Ich frage meine Nachbarin, die ständig mit ihrem
Partner sehr laut streitet, ob sie gut mit ihm auskomme, oder
es ab und zu mal Differenzen gebe. Sie sagt: Nein, niemals,
gar nie. Es ist alles total absolut harmonisch!!!

Gibt es dafür einen Begriff??

Hallo Iris!

Dn Fachbegriff kenn ich nicht. Schönreden auf Latien??Hm.
Aber das ist mir bei manchen Partnerschaften auch schon aufgefallen wie in deinem geschilderten Fall.Da herscht ein Ton, der ist unter aller Kanone. Nur hin und her Gebölke. Bei denen ist das der NORMALE Umgangston. Deswegen ist für deine Nachbarin, trotz Gezeter,vielleicht wirklich alles in Ordnung. Sowas gibts, auch wenn wir das nicht kapieren.
Oder sie lügt einfach.

Mein Jo

Hallo Jo

Dn Fachbegriff kenn ich nicht. Schönreden auf Latien??

Du meinst „Euphemismus“.
Aber „Schönreden“ oder „Euphemismus“ ist eine Sache - bei dem geschilderten Verhalten handelt es sich schon um mehr bzw. etwas Anderes, möchte ich meinen.
Da wird ja offenbar etwas VERDRÄNGT, was nicht sein darf. Es könnte sich auch um VERLEUGNUNG im Rahmen z.B. einer hysterisch akzentuierten Persönlichkeitsstruktuzr handeln.
Aber weiter geh ich am Neujahrsmorgen in punkto Ferndiagnosen nicht. *g*
Gruß,
Branden

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a: leugnen - b: streiten
Hi,

Branden hat die Termini ja schon erwähnt.

bei dem mit Nachdruck das Gegenteil von dem behauptet wird, was real ist.

Generell und formal wäre das schlicht: die Lüge oder die Vertuschung. Aber in dem von dir angeführten konstruierten Kontext gehört das zu den sogenannten Abwehrmechanismen: Das Leugnen.

In der Psychoanalyse geht es beim Leugnen primär um das Leugnen „vor sich selbst“. Man will etwas nicht „wahr haben“. Es ist entweder eine Folge von einer oder ein Mittel für eine →_Verdrängung_ - jenachdem, ob diese bereits gelungen ist oder noch nicht.

Die (die Tatsächlichkeit invertierende) sprachliche Äußerung anderen gegenüber (wenn es nicht bloß aus Gründen der Scham geschieht - deutlicher unterscheidende Beispiele ließen sich konstruieren) hat dabei einen selbstverstärkenden Effekt: Die auf die Sprachebene gehobene subjektive gedankliche Bewegung bekommt dadurch einen Anflug von Objektivität, die die Verdrängung zementiert.

Allerdings darf man in deinem

Beispiel:

auch nicht übersehen, daß sich die Aussagen:

die ständig mit ihrem Partner sehr laut streitet

und

Es ist alles total absolut harmonisch

nicht unbedingt widersprechen müssen!
Eine gute Streitkultur ist für eine „harmonische“ Beziehung Bedingung sine qua non! Eine Beziehung ohne explizites, ausdrückliches Streiten wäre entweder eine salz- und gewürzlose Suppe oder ein heimliches Sprengstoffdepot.

Gruß

Metapher

Hallo Iris,

Gibt es dafür einen Begriff??

um den Sachverhalt mit einem Begriff zu belegen, müßte man wissen, warum die Frau sich Dir gegenüber anders äußert, als Du die Sache wahrnimmst. Da man bei den wenigen Informationen nicht sagen kann, warum die Frau sich Dir gegenüber so äußert, läßt sich der Sachverhalt durch keinen Begriff eindeutig bezeichnen. Man kann nur Hypothesen äußern. In Abhängigkeit von der Hypothese, wählt man dann den Begriff.

An Beispielen verdeutlicht:

  1. Angenommen, die Frau nimmt den Sachverhalt als Streiten wahr, möchte es Dir gegenüber aber nicht zugeben: --> Soziale Erwünschtheitsreaktion, absichtliches „Lügen“.

  2. Angenommen, die Frau kann sich an die Auseinandersetzungen mit ihrem Mann erinnern, hat aber eine Reihe von „Argumenten“ für sich gefunden, weshalb das Ganze für sie kein Streit ist und sie glaubt tatsächlich daran: --> Kognitive Dissonanzvermeidung.

  3. Angenommen, die Frau kann sich gar nicht an die Auseinandersetzungen mit ihrem Mann erinnern, weil die Auseinandersetzungen ihren Selbstwert stark gefährden (und man schließt sich den mit dem Begriff verbundenen psychoanalytischen Vermutungen an): --> Verdrängung.

Beste Grüße

abstreiten
Hallo Iris,

das Wort „abstreiten“ würde mir noch einfallen. (Das war noch nicht, oder?)

Abgesehen davon, in welcher Situation der Begriff überhaupt passend ist, braucht meiner Meinung nach keine Frau ihrer Nachbarin über private Dinge Auskunft geben (wenn sie nicht will).

Gruß und ein schönes 2008
Gela

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!
Vielen Dank, Metapher!
Am besten an der Antwort hat mir der Schluss gefallen. Dann bin ich ja beruhigt und meine Beziehung, in der auch hin und wieder gestritten wird, scheint gut gewürzt zu sein :wink:
Grüße, Iris

Hi!
Danke für die Antwort. Ich sehe schon, es ist nicht so einfach, wie ich dachte…
Das Beispiel war tatsächlich nur ein Beispiel, ich hätte mir die Situation vielleicht etwas genauer überlegen müssen, aber jetzt weiß ich ja schon, wie es ungefähr einzuteilen ist.
DANKE

Präziser formuliert
Hallo nochmal!

Der Grund für meine Frage war eigentlich eine andere, als in dem echten Beispiel, das mir gerade einfiel. Es war wohl nicht ganz glücklich, deshalb nochmal anders:
Bei meiner Arbeit als Hunde-Verhaltenstherapeutin kommt es ab und zu vor, dass das gezeigte Verhalten des Hundes nicht ganz mit dem zusammen passt, was die Familie oder die Person, die mich engagiert hat, sagt. Manchmal stelle ich dann die Frage (wenn ich es vermute), ob es in der Familie harmonisch läuft, oder ob es Probleme gibt und beispielsweise oft laut gestritten wird. Ab und zu wird dies dann vehement bestritten. Das ist für mich ein Zeichen, es erst recht in Betracht zu ziehen.
auf dieses Verhalten habe ich mich vor einiger Zeit schon einmal mit einem meiner Professoren unterhalten. Er meinte ebenfalls, dass er das kenne und sagte, dass dies psychologische Hintergründe habe.
Ob es dafür einen Begriff gibt, hätte mich interessiert.

Vielen Dank nochmal!
Grüße