Behälter für Utensilien der "Letzten Ölung"

Hallo!
In einem Roman, der in den 60er Jahren in den USA spielt, finden Kinder beim Stöbern im Keller eine „extreme unction box“, also einen Behälter mit den Utensilien für die Letzte Ölung = extrema unctio (Ich weiß, dass man heute von Krankensalbung spricht.) Gibt es für den Behälter, in dem die Öle aufbewahrt werden, eine eigene Bezeichnung? Der in dem Buch hat z.B. geschnitzte Türen (jedenfalls ist von doors die Rede) und oben ist ein Messingkreuz aufgesetzt.
Gruß,
Eva

Es wird sich um eine Versehgarnitur handeln, in der neben dem Krankenöl auch ein Kreuz, Kerzen mit Kerzenhalter, eine Stola, … enthalten sind. Das ist so eine Art Werkzeugkasten, Verbandskasten, FlyOut, das der Priester stets griffbereit hat, um mit einem Griff zur Spendung der Krankensalbung aufbrechen zu können.

Ansonsten gibt es in den Kirchen mehr oder weniger sichtbar und gestaltet auch noch ein so genanntes Chrisarium, einen Kasten oder Koffer, in dem die drei heiligen Öle aufbewahrt werden.

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Danke Dir! Ich habe danach gegoogelt und Chrismarium, bzw. Chrismatorium gefunden. „Chrisarium“ brachte keine relevanten Treffer.
Jedenfalls habe ich jetzt ein weiteres Wort, mit dem ich austesten kann, wie ich die Passage am verständlichsten übersetze :slight_smile:
Schönes Wochenende
Eva

Hi Eva,

wenn die

im Keller eines Provathauses gefunden wurde, dann hat sie sicherlich etwas mit der bereits erwöhnten „Versehgarnitur“ zu tun, aber damit kann diese nicht als soche selbst.gemeint sein.

Und auch der „Werkzeugkasten“ eines Priesters, in dem er die sakralen Utensilien für eine sakramentale Krankenölung mit sich führt, kann kaum in einem privaten Keller gefunden worden sein. Sein „Standort“ ist eine Sakristei. Und dieser Kasten enthält lediglich ein Gefäß mit einer Dosis „oleum infirmorum“, dem geweihten Krankenöl, und einer Pyxis (ein kleines Gefäß mit einer konsekrierten Hostie) und einer zugehörigen Patene.

Die „Versehgarnitur“ derweil befand sich (zumindest traditionell) nicht beim Priester, sondern in katholischen Privathaushalten. Sie besteht vor allem aus einem kleinen aufgestellten, speziell designten Kruzifix (sog. „Lazaruskreuz“), 4 kleinen Glasschalen für wohldefinierte Zwecke, zwei Kerzen, einem Gefäß mit Weihwasser und dem zugehörigen Aspergillum, Und diese Gerätesammlung wird sich nur selten irgendwo im Küchenschrank verteilt befunden haben:

Wenn in dem Buch erwähnt ist

dann wird es sich um einen → „Schrein“ handeln (engl. shrine), in dem diese Verseh-Utensizien zusammen aufbewahrt wurden. Ein Schrein (wie z.B. Aufbewahrungsbehälter für Reliquien) ist gewöhnlich recht aufwendig gearbeitet und je nach Verwendungsart auch mit Türen versehen: Zum Beispiel der Tabernakel auf einem Altar, der einen Kelch mit geweihten Hostien enthält. Und Haus-Schreine gibt es in manchen christlichen Häuser z.b. in privaten Altären oder in Form eines Garten-Schreines.

Und so kann in einem traditionell katholichen Privathaus die eigene Versehgarnitur in einem Schrein aufbewahrt sein, der natürlich dann mit Türchen versehen ist.

Bei der box in deinem Buch dürfte es sich also um einen solchen kleinen privaten shrine handeln, in dem sich die (vor dem II. Vaticanum 1962 noch so bezeichneten) „extrem unction“-Utensilien befanden…

Ein Chrismarium jedoch ist etwas ganz anderes. Das ist ein aus drei separaten Gefäßen für die drei sakralen rituellen Öle zusammnkomponiertes Objekt, natürlich meist sehr aufwendig kunstvoll gearbeitet. Aber auch das befindet sich unmöglich in einem privaten Keller, sondern nur in Sakristeien oder (mit größerem Aufbau) neben dem Taufbecken im Kirchenraum. Es hat als solches jedenfalls explizit mit „extrem unction“ gar nichts zu tun, sondern mit den Ölen für alle sakramentalen Riten.

Gruß
Metapher

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Das Ding muss sich irgendwie dahin verirrt haben. Die Leute sind nicht religiös - die Vorbesitzer des Hauses möglicherweise - und der Kasten steht ganz hinten im Gerümpelkeller, wo die Ölheizung brummt. Aber deine Erklärungen sind einleuchtend, danke dir!
Gruß,
Eva

Sorry, blöde Handytastatur, ich wollte Chrismarium schreiben.

Ich empfehle einige Folgen „Kunst und Krempel“ :wink: dann kannst Du Dir sehr gut vorstellen, was alles so aus Kirchen, Pfarrhäusern und Klöstern, so alles über die Zeit verschlungene Wege in Privathäuser gefunden hat. Sei es im Zuge von Auflösungen, Schleifungen im Rahmen kriegerischer Handlungen, bei Stilwechseln, …

Da widerspreche ich, denn bei der Krankensalbung geht es regelmäßig um eine zeitkritische, oft wirklich höchst dringliche Geschichte, die sich auch nicht an „Geschäftszeiten“ hält. Insoweit kenne ich es - mit einer ordentlichen Überdosis Katholizismus zu Kinder- und Jugendzeiten und persönlichen Kontakten mit jeder Menge Geistlichkeit und regelmäßigen Besuchen in Pfarrhäusern - nicht anders, als dass die Versehgarnitur im Pfarrhaus steht oder sogar in Kofferraum des Autos ihren Platz hat.

Diese kleinen Etuis kenne ich durchaus auch. Sie werden auch für die Krankenkommunion eingesetzt. Und sie sind auch Teil der Versehgarnitur, und wenn im Rahmen der Krankensalbung noch eine Kommunion möglich ist, dann kommt die Hostie darin zum Einsatz. Aber die Versehgarnitur ist größer und umfangreicher. Tatsächlich gab/gibt es die eher „dekorativen“ Teile auch unmittelbar im Haushalt und da können dann natürlich die Übergänge fließend sein. D.h. ein kleiner Hausaltar ist dann die Steigerung gegenüber einem einzelnen kleinen Standkreuz für den Nachtisch oder die Kommode im Schlafzimmer, und kann natürlich auch dieses Kreuz enthalten, das dann auch bei der Krankensalbung zum Einsatz kommt. Dito zwei Kerzenhalter mit Kerzen, … Aber heute gehört in die Versehgarnitur z.B. auch die weiße Stola des Priesters. Und die hat der bei sich.

S.o. Und man sollte auch nicht vergessen, das ein Autor auch nicht unbedingt so sorgfältig und detailliert recherchiert, wie wir es hier tun.

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Siehe mein Antwort an @Metapher: Ein paar Folgen „Kunst und Krempel“, und man hält nichts mehr für unmöglich. Da tauchen ständig Privatpersonen mit allen möglichen religiösen Objekten auf, die ursprünglich für den Einsatz in Kirchen und Klöstern hergestellt und auch dort verwendet wurden. Vielfach sind Dinge einfach im Rahmen von Stilwechseln in private Hände geraten. Oder der Opa hat etwas „aus dem Krieg mitgebracht“, …

Die Sendung sehe ich oft und stimme dir zu :slight_smile:
Gruß,
Eva

Habe ja beschrieben, was „komplett“ dazugehört. Aber dein Hinweis ist gut: in neuerer Zeit kann der Priester sehr wohl selbst die komplette Garnitur in seinem Bereitschaftskasten haben. Aber bis ins XX.Jhdt.hinein war es Brauch, daß in streng katholischen Häusern solch eine komplette Garnitur zum Haushalt gehörte: Sie gehörte zur Mitgift der Braut!

Woran mir hinzuweisen lag:
(1) Der Kasten (oder die „box“) ist nicht selbst die Garnitur, sondern sie befindet sich darin.
(2) Die Andeutung von @newcallas bringt die gefundene „box“ mit „geschnitzten Türen“ und einem Kreuz oben drauf in Verbindung: Das kann sich kaum auf den Bereitschaftskasten des Priesters beziehen. Es dürfte sich eher auf einen Mini-shrine beziehen, der in einem Privathaus seinen Ort hat - und somit ein Behälter für die „extrem unction“-Geräte.sein könnte.

Und jedenfalls um ein Chrismarium kann es sich eh nicht handeln, denn das ist weder eine box, noch ein Schrein. Eva geht es ja darum, wie das gefundene Ding zu übersetzen sein könnte.

Gruß
Metapher.

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