Beharren

Hallo,

ich habe mittlerweile drei Personen kennengelernt, die eine auffallende Tendenz dazu haben auf banalen Standpunkten zu beharren. Man könnte sagen, dass sie sich ganz energisch dagegen wehren Dinge einzusehen. Oftmals werden sie richtig sauer und suchen händeringend nach Argumenten, die lediglich dazu dienen Steiterei um das Prinzip zu schüren. Meist sind die anderen Anwesenden sprachlos, da die Diskussion wirklich trivial ist und es gar keinen Grund dafür gibt wütend zu werden. Vorab, es handelt sich nicht um alte Männer.
Im folgenden die drei von mir miterlebten Diskussionen. Die Themen sind unterschiedlich. Ich denke aber, dass sich Pralellen erkennen lassen. Also:

Person 1: Er spricht von „Tigers“. Er wird frundlich darauf hingewiesen, dass der Plural von „Tiger“ kein -s mit sich führt. Er wird wütend und beharrt auf dem Standpunkt, dass es „gefälligst Tigers heißt“. Nach ca. 5 Minuten anstrengender Diskussion wird das Wöterbuch befragt. Nachdem er liest, dass er sich irrte, sagt er einige Minzten kein Wort und sitzt mit verschränkten Armen herum. Danach gerht er ohne sich zu verabschieden.

Person 2: Ein BWL Student macht sich lustig darüber, dass ein Lieferant mehrere große Schiffscontainer benutzte um handgroße Kunststoffteile in Kartons lediglich auf dem Boden zu legen. Der Warenwert habe 1000 EUR erheblich unterschritten. Dafür kostete die Lieferung knapp 6000 EUR. Alle Kartons hätten gestapelt nur einen kleinen Container ausgefüllt. Er behauptet, das sei echte Geldverschwendung gewesen. Der Kunde hätte auch dazu angeraten nur einen Container auf seine Verantwortung so zu beladen.
Person 2 bringt sich ein und erwidert mit entschiedener Miene, dass er ähnliche Erfahrungen wie der Lieferat bereits gemacht habe. Es sei „gefälligst“ so, dass Kunden für hochwertige Ware gute Preise zu bezahlen hätten. Er fängt an mit dem Finger herumzufuchteln.
Der BWL Student bleibt relativ ruhig, scheint sich aber doch insgeheim über diese Überreaktion zu amüsieren und sagt, dass Die Ware ja gar nicht teuer oder empfindlich gewesen sei. Es ginge um vollig übertriebene Lieferkosten, da der Lieferant allem Anschein nach nicht nachdachte und nahezu unkaputtbare Ware trotz dem Anraten des Käufers alles in einen Container zu stapeln sicherte, als handele es sich um Gefahrengut.
Person 2 ist außer sich. Die Kaufleute seien total bescheurt. Sie hätten keinen blassen Schimmer davon, wie man Dinge transportiere. Cholerisch verlässt er den Raum und der BWL Student fragt, ob er selbst denn irgendetwas falsches gesagt habe. Die anderen Anwesenden sind sprachlos.

Person 3: Er sitzt mit mir in einem Eiscafé und berichtet davon, dass er zwar eine Freundin habe, aber sexuell nicht voll auf seine Kosten käme. Ihm sei viel öfter nach viel härterem Sex. Ich bin davon irritiert, dass er solche Themen neben von alten Damen besetzten Tischen zur Sprache bringt. Ich erwidere, dass ich dieses Gefühl selbst so nicht kenne. Er frag mich, warum ich denn keine feste Freundin habe. Ich erwidere, dass ich so ganz zufrieden bin. Es sei auch nicht so, dass ich per se enthaltsam sei. Das sei schon okay. Ich spüre, dass ein entschiedenes Moment aufkommt.
Er pickt eine (allem Anschein nach Minderjährige) Passantin aus der Fußgängerzone und sagt, dass diese Frau ja „geile Titten“ habe. Sie könne mir mit Sicherheit gute Kinder schenken. Ich erwidere, dass ich von dieser Frau nicht so denke und auch gar keinen Kinderwunsch habe. Er erwidert, dass ich doch jetzt mal zu ihr gehen solle um klarzumachen, dass ich sie mal richtig bumse. Ohnehin spräch für einen Mann in meinem Alter nichts dagegen zu heiraten. Ich sage, dass ich das gar nicht möchte. Er ist richtig sauer. Ich weiß nicht, was nicht machen soll, behaupte aber, dass ich langsam aufbrechen müsse. Ich fühle mich von seiner Entschiedenheit in Anbetracht dieses unsinnigen Themas überrollt. Ich gebe mir beste Mühe dabei friedlich außeinanderzugehen, da auch die alten Damen mittlerweile von seiner lauten Stimme und dem Thema überfordert sind. Das funktioniert auch. Wir verabschieden uns und er zieht wütend von Dannen.

Frage: Ist dieses Problem hinreichend bekannt bzw. worin wurzelt dieses „grundlose“ Beharren auf trivialen Standpunkten. Eine provokation ist in keinem der drei Fälle gegeben. Wäre ich nur einmal Zeuge einer solchen Szene geworden, hätte ich mir kaum Gedanken darüber gemacht und es als schlechten Tag abgetan. So erscheint es mir, als könnte es bereits von anderen beobachtet worden sein.
Wie sollte man mit sowas umgehen, bzw. kann man es überhaupt?

Neugierige Grüsse,

Hilmar

Guck dir mal die Theorie zur Kognitiven Dissonanz an (gibts jede Menge Quellen im Internet), die gibt da schon einige Erklärugsansätze. Desweiteren kannst du in vielen Modellen zur Erklärung des Selbstbilds, Selbstwertgefühls und bewahrung von deren Konsistenz weitere Anhaltspunkte finden.

Wenn man ein kleines Bisschen in der Materie drin ist kommt man imho zu dem Schluss, daß dieses Verhalten je nachdem bei was für einer Person es auftritt sowohl von einem sehr hohen/starren als auch im Gegensatz dazu von einem sehr niedrigem/anfälligem Selbstwertgefühl/Selbstbild kommen kann (Gegensätze neigen oft dazu, in gleichem Ausprägungsgrad ähnliche Formen anzunehmen. Es könnte also entweder +10 oder -10 sein :wink: ).

Die Person hat eine übersteigerte Angewohnheit, dissonante Kognitionen („ich rauche“ „rauchen ist schädlich“) abzuwehren und konsonante („ich rauche“ „rauchen ist cool“) herzuleiten, wodurch eine extrem selektive Wahrnehmung und viele andere Effekte entstehen können. Bei einem instabilen Selbstbild (o. niedrigem Selbstwert?) z.B. gefährdet jeder Gedanke, der nicht mit dem übereinstimmt, was die Person bisher dachte, ihre ‚Definition von sich selbst‘ - und wird demnach als direkter Angriff behandelt.

Es ist klar, daß Personen, für die so etwas „gefährlich“ ist, sich sehr oft im Kreuzfeuer sehen, weswegen sie oft mit der Zeit zu präventiv-Verteidigungen/Angriffen neigen. Das kann sich dann z.B. so äußern, daß jemand beginnt, jemanden von seiner Meinung überzeugen zu wollen, bevor diese überhaupt in Frage stand und sich dann verabscheidet, bevor sein Gegenüber zur Sprache kommt.

(Das alles mal abgesehen von tausenden anderer Faktoren. Zwei völlig unterschiedliche Menschen können sich ohne Probleme ähnlich verhalten, aus Gründen die absolut nichts miteinander zu tun haben - das wird nur zu oft vergessen, obwohl es klar auf der Hand liegt - und führt so immer wieder zu voreiligen Verallgemeinerungen… aber ich schweife schon wieder ab…)

Hallo Hilmar,

Ich denke, bei den Leuten liegt ein Problem zugrunde, dass mit der aktuellen Situation erstmal gar nichts direkt zu tun hat, aber über das sie sich kürzlich furchtbar aufgeregt haben.

Zum Beispiel zu

Person 2: Ein BWL Student macht sich lustig darüber, dass ein
Lieferant mehrere große Schiffscontainer benutzte um handgroße
Kunststoffteile in Kartons lediglich auf dem Boden zu legen.
Der Warenwert habe 1000 EUR erheblich unterschritten. Dafür
kostete die Lieferung knapp 6000 EUR. Alle Kartons hätten
gestapelt nur einen kleinen Container ausgefüllt. Er
behauptet, das sei echte Geldverschwendung gewesen. Der Kunde
hätte auch dazu angeraten nur einen Container auf seine
Verantwortung so zu beladen.
Person 2 bringt sich ein und erwidert mit entschiedener Miene,
dass er ähnliche Erfahrungen wie der Lieferat bereits gemacht
habe. Es sei „gefälligst“ so, dass Kunden für hochwertige Ware
gute Preise zu bezahlen hätten. Er fängt an mit dem Finger
herumzufuchteln.
Der BWL Student bleibt relativ ruhig, scheint sich aber doch
insgeheim über diese Überreaktion zu amüsieren und sagt, dass
Die Ware ja gar nicht teuer oder empfindlich gewesen sei. Es
ginge um vollig übertriebene Lieferkosten, da der Lieferant
allem Anschein nach nicht nachdachte und nahezu unkaputtbare
Ware trotz dem Anraten des Käufers alles in einen Container zu
stapeln sicherte, als handele es sich um Gefahrengut.
Person 2 ist außer sich. Die Kaufleute seien total bescheurt.
Sie hätten keinen blassen Schimmer davon, wie man Dinge
transportiere. Cholerisch verlässt er den Raum und der BWL
Student fragt, ob er selbst denn irgendetwas falsches gesagt
habe. Die anderen Anwesenden sind sprachlos.

Vielleicht hat er kürzlich einen Fall erlebt, wo jemand einen (in diesem Fall gerechtfertigten) Lieferpreis nicht bezahlen wollte und ihn in Schwierigkeiten gebracht hat.
Die jetzige Erzählung erinnert ihn an diesen Fall, und die Wut kocht wieder hoch. Und er hat hier ein Forum, wo er „gefahrlos“ Dampf ablassen kann. (vielleicht ging das bei dem Kunden nicht?) Wobei er in seiner Wut natürlich übersieht, dass keiner der jetzt Beteiligten mit seinem Problem etwas zu tun hat und dass sein Verhalten der aktuellen Situation völlig unangemessen ist.

Und in diesem Fall:

Person 3: Er sitzt mit mir in einem Eiscafé und berichtet
davon, dass er zwar eine Freundin habe, aber sexuell nicht
voll auf seine Kosten käme. Ihm sei viel öfter nach viel
härterem Sex. Ich bin davon irritiert, dass er solche Themen
neben von alten Damen besetzten Tischen zur Sprache bringt.
Ich erwidere, dass ich dieses Gefühl selbst so nicht kenne. Er
frag mich, warum ich denn keine feste Freundin habe. Ich
erwidere, dass ich so ganz zufrieden bin. Es sei auch nicht
so, dass ich per se enthaltsam sei. Das sei schon okay. Ich
spüre, dass ein entschiedenes Moment aufkommt.
Er pickt eine (allem Anschein nach Minderjährige) Passantin
aus der Fußgängerzone und sagt, dass diese Frau ja „geile
Titten“ habe. Sie könne mir mit Sicherheit gute Kinder
schenken. Ich erwidere, dass ich von dieser Frau nicht so
denke und auch gar keinen Kinderwunsch habe. Er erwidert,
dass ich doch jetzt mal zu ihr gehen solle um klarzumachen,
dass ich sie mal richtig bumse. Ohnehin spräch für einen Mann
in meinem Alter nichts dagegen zu heiraten. Ich sage, dass ich
das gar nicht möchte. Er ist richtig sauer. Ich weiß nicht,
was nicht machen soll, behaupte aber, dass ich langsam
aufbrechen müsse. Ich fühle mich von seiner Entschiedenheit in
Anbetracht dieses unsinnigen Themas überrollt. Ich gebe mir
beste Mühe dabei friedlich außeinanderzugehen, da auch die
alten Damen mittlerweile von seiner lauten Stimme und dem
Thema überfordert sind. Das funktioniert auch. Wir
verabschieden uns und er zieht wütend von Dannen.

Hier spielst du (mit dem für seine Begriffe mangelnden sexuellen Interesse) ganz klar die Rolle seiner Freundin. Dir sagt er endlich mal die Meinung, die er eigentlich seiner Freundin gern sagen würde, aber sich vielleicht nicht traut.

Zum dritten Fall (Person 1) fällt mir im Moment keine Erklärung ein, ich nehme aber an, dass es ähnlich zu erklären ist…

Frage: Ist dieses Problem hinreichend bekannt bzw. worin
wurzelt dieses „grundlose“ Beharren auf trivialen
Standpunkten. Eine provokation ist in keinem der drei Fälle
gegeben.

Die Provokation liegt in dem Thema, das Assoziationen an Probleme weckt, die dir nicht bekannt sind und objektiv mit der Situation gar nichts zu tun haben, aber bei der Person mit enormen Emotionen und aufgestautem Ärger verbunden sind.

Wäre ich nur einmal Zeuge einer solchen Szene
geworden, hätte ich mir kaum Gedanken darüber gemacht und es
als schlechten Tag abgetan. So erscheint es mir, als könnte es
bereits von anderen beobachtet worden sein.

Eine vermutlich verbreitete Haltung, Dinge durch die eigene Brille verzerrt wahrzunehmen, besonders wenn starke Emotionen damit verbunden sind.

Wie sollte man mit sowas umgehen, bzw. kann man es überhaupt?

Versuchen, die Person auf den Boden einer vernünftigen Sicht auf die aktuelle Situation herunterzuholen. Aber ob das so einfach geht…

Klio

Hallo

Bei der Sache mit dem Tiger und so schätze ich mal, dass sich die Person zu stark über den Intellekt definiert und dann das Gefühl hatte, die Grundfesten seiner Persönlichkeiten würden angegriffen.

Oder aber die Person hatte Angst in der Gruppe (oder auch überhaupt) als „dumm“ angesehen zu werden und war dann besonders beleidigt, als das „Tigers“ (Also echt, wer kommt denn auf den Schmarn :wink: nicht im Duden gefunden wurde

Mir geht das etwa so, wenn mir jemand Unwissenschaftlichkeit meinerseits vorwirft/unterstellt/beweist/nachsagt/attestiert/aufzeigt

VG, Stefan

Hi Stefan,

es handelte sich bei der besagten Person nicht um einen „Intellektuellen“. Dein Gedankengang liegt nahe, aber ich würde ich mal als keinen Dummen, aber ein eher konservatives Naturell beschreiben. Ich habe auch schon seit längerem keinen Kontakt mehr mit ihm. Allerdings kam mir zu Ohren, dass er, wie die auch anderen beiden, ofters solche von Zorn erfüllten Standpunkte vertritt und deshalb Krieg an Stellen „sucht“, an denen es eigentlich um eine rein sachliche und ganz unpersönliche Meinungsverschiedenheit geht.

Wissenschaftliche Herangehensweise ist meines Erachtens dadurch skizziert, dass sie aus einer die Welt als Solches betrachtenden Perspektive argumentiert. Oder sagen wir mal so: Was Freunde, Bekannte oder ich selbst erleben ist nebensächlich. Wichtig ist, dass ein Phänomen in der Masse signifikanten Charakter hat. Sich von eigenen Erfahrungen gänzlich abzusondern ist nahezu unmöglich, aber den Versuch zu unternehmen die eigene Überzeugung ad acta zu legen kennzeichnet die wissenschaftliche Herangehensweise. Dabei tut man gut daran sich mit Themata zu befassen, die mit dem Selbst nichts oder wenig gemein haben. Sprich, ich muss selbst weder Freier, noch Prostituierte sein um sie aus einer Zentralperspektive zu analysieren. Ich muss auch kein Bauarbeiter sein um zu schildern, was sie bewegt das zu tun, was sie tun. Unwissenschaftlich zu argumentieren heißt sich selbst in einem Zusammenhang „abzuarbeiten“. Das ist natürlich erlaubt (weil hinreichend geradezu unmöglich), aber nicht erwünscht, wenn man publizieren o.Ä. möchte.

Viele Grüsse,

Hilmar

Hallo

Der letzte große Zoff in der WG entstand in einer Diskussion um Sprachwissenschaft!

Damit hat erstmal keiner viel zu tun gehabt

Ich habe letztlich auf dem Standpunkt beharrt, dass man auch ohne einen Magister Ähnlichkeiten zwischen „Hundert“ und „centum“ sehen kann, wenn man die Sinngleichheit irgendwo mit in die Betrachtung einfließen lässt

VG, Stefan

Hi Stefan,

das ist sicherlich richtig, wenn es um speziefisches Wissen geht. Man muss das aber eigentlich nicht wissen, auch wenn es schön ist, wenn man es tut. Dass man das als Magister wissen muss sei aber dahingestellt. Du wertest andere damit ab, indem du es zu einer Art Allgemeinbildung erklärst. Jedenfalls ist das mein Eindruck.

Viele Grüsse,

Hilmar

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo

Äh, nein eigentlich nicht, ich meinte eher, dass man bei einem Magister in Germanistik oder so etwas derartiges wissen MUSS.

Mir wurde jedoch von meinen Mitbewohnern unterstellt, es sei für mich nur möglich diese Ähnblichkeit zu sehen, weil ich davon gelesen habe, bzw dass diese Ähnlichkeit eingebildet sei und dass „Hundert“ und „Centum“ so ähnlich seien wie „Centum“ und „Baum“ oder irgendein anderes Wort.
Ich habe nie verlangt, dass jemand diese Ähnlichkeit ad hoc sieht oder davon weiss, aber es wurde mir der klare Verstand abgesprochen, weil ich der Meinung war, dass man nicht 500 Worte vergleichen muss und eben einen Magister in Sprachwissenschaft braucht um eine solche Ähnlichkeit zu sehen (wenn man von ihr hört)

Zugegeben, ich befand mich in einem Kreis von Mathematikern und die zweifeln an allem extrem, was sich nicht mit vollständiger Induktion beweisen lässt.

Dass ich da nix beweisen konnte war ja klar aber auch garnicht Sinn und Zweck…

Ich hoffe, das ist jetzt klar geworden, dass ich da nichts unnormales verlangt habe, sondern schlicht vertretbares verteidigt habe, indem ich auch die Silbenzahl und die die entsprechenden Klanglaute bzw deren Bildungsort im Mund verwies.
Das Prinzip der 1. germanischen Lautverschiebung kannte ich da nicht, aber es war auch nicht nötig mit tiefem Wissen in die Diskussion zu gehen, denn es ging nur darum, ob die „wissenschaftliche Erkenntnis“ der Ähnlichkeit von Centum und Hundert, die nebenbei dann auch angezweifelt wurde, so zumindest nachvollziehbar sein KANN.

VG, Stefan

Aufschluß findest Du bei Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedemann_Schulz_von_Thun

Modelle zur Kommunikation, Kommunikationsquadrat:
http://www.schulz-von-thun.de/mod-komquad.html

Wenn man auf der Sachebene offensichtlichen Unsinn redet, dann liegt das nicht an der Sache sondern an der Beziehungsebene.

Entsprechend auch das Buch, das sogar verständlich ist:
Schulz von Thun: Miteinander reden 1, Störungen und Klärungen. 1981.

Hallo

Schulz von Thun: Miteinander reden 1, Störungen und Klärungen.
1981.

Von dem und seinen „Schnäbeln“ hab ich auch schon gelesen. Sehr aufschlussreich!

Von dem und seinen „Schnäbeln“ hab ich auch schon gelesen.
Sehr aufschlussreich!

Freut mich, wenn das hilft. Ich glaube sein Modell ist noch bekannter unter „Vier-Ohren-Modell“. So wird es in vielen Seminaren gelehrt.

Ganz aktuell ist auch das, was Marshall Rosenberg macht unter dem Namen „Gewaltfreie Kommunikation“. Es geht dabei auch mehr um Deeskalation, also wie kriege ich die Kommunikation in den Griff, wenn ich merke, es läuft was schief. Wie gehe ich praktisch (in 4 Schritten) vor?

Auch dazu findest Du viel Seiten im Internet. Mein Tipp: Falls Du ein Seminar besuchen möchtest, dann ein billiges an der VHS oder so! Trendthemen werden leider sehr, sehr teuer verkauft.

Mindestens so gut, aber im Moment nicht so trendig sind Edward DeBono aus den 1960ern mit seinen Kommunikationsmodellen (nicht Kreativität, das ist sein anderes Thema) oder immer wieder gut: Vera Birkenbihl. Z.B. „Fragetechnik schnell trainiert“ oder „Psycho-logisch richtig verhandeln“. Das sind 2 Bücher, die Du sehr billig kaufen kannst und die sehr schöne Inputs geben. Nimm eine alte Auflage, wenn sie billiger ist. Vera Birkenbihl hat kein einziges uninteressantes Buch geschrieben, und sie schreibt viel (und preiswert!).

Hi!

Stell dir mal vor, du hättest etwas schon immer so gemacht und nie hätte jemand etwas dazu gesagt und dann kommt einer, der vermutlich sogar noch jünger ist als man selbst, und behauptet offen vor den Freunden, dass dies falsch sei und es so und so ginge. Würdest du dich da nicht so fühlen, als wenn der andere dich als dumm darstellen will? Ich würde mich in der Situation so fühlen. Ok, ich würde auf den Beweis des Gegenteils bestehen und wenn ich falsch liege, dann würde ich auch meinen Fehler eingestehen, aber genau diese Reaktion ist halt von der Persönlichkeit abhängig.
Ist man Kritikfähig? Hört man alles sofort mit dem Beziehungsohr oder kann man auch mal nur das Sachohr verwenden? ( siehe http://www.schulz-von-thun.de -> Modelle zur Kommunikation ). Es gibt eben Menschen, die sich alles sofort zu Herzen nehmen und sich schnell persönlich angegriffen fühlen. Auch kann so eine Belehrung zu Trotzverhalten führen. Auf einmal wird das Weltbild zerrüttet und es kostet viel Kraft es zu richten. Also beharrt man auf seiner Sicht der Dinge. Ist doch viel einfach andere als dumm hinzustellen, als an seinen eigenen Schwächen zu arbeiten.

Ich habe mir angewöhnt die Leute nicht mehr offen verbessern zu wollen ( bei der verbalen Kommunikation, bei der Kommunikation im Internet mache ich es schon :wink: ). War auch ein Fehler von mir, der sehr lange gebraucht hat um den raus zu bekommen. Wenn ich merke, dass ein Wort andauernd falsch ausspricht, dann ignoriere ich es erst einmal, spreche das Wort aber selbst deutlich und richtig aus. Bei dem Bruder meines Freundes hats geholfen. Er sagte statt Attacke immer Anttacke. Aber das ging nur, weil er mich als Vorbild ansieht und alles genauso machen möchte wie ich.

Oberlehrerartiges Verbessern gefällt niemandem.

Bye

Tara

Hi Tara,

konnte nicht davon die Rede sein, dass ihn irgendwer schickanieren wollte. Weiß nicht mehr genau in welchem Kontext die „Tigers“ zur Sprache kamen. Lass es mal „Stadt; Land; Fluss; (Name; Beruf; Tier)“ sein. Ich glaube sogar, dass es so war. Wir haben ihm das nicht gesagt um ihn zu ärgern. Ich mache ja selbst meine grammatischen Fehler. Die macht jeder…
Mit dieser Prämisse im Sinn ist es aber auch sein Problem, wenn er sich bei einer solchen Lappalie narzisstisch gekränkt fühlt. Was nicht heißen soll, dass er ein Narzisst ist. Senisbel auf gewisse Dinge zu reagieren ist Teil eines Jeden. Das muss aber nicht heißen, dass sich alle anderen dem zu fügen haben. Von seiner Umwelt zu verlangen sich „gefälligst“ anzupassen ist krank. Es ist letztlich der Stoff aus dem Diktatoren gemacht sind.

Frohe Ostern,

Hilmar

Es war sicher nicht die Absicht den „Tigers“ zu kränken oder schikanieren. Der Punkt ist eben wie es ankommt. Ob derjenige, der sehr empfindlich reagiert, dann ein Problem hat oder Du ist eine Definitionssache. Vielleicht rennt er ja weinend zur Mutter und wird wunderbar getröstet und Ihr kriegt einen drauf „habt Ihr den Tigers wieder geärgert!“.

Du hast beispielsweise auch ein Problem, wenn Du Dein Ziel nicht verfolgen kannst, einen schönen Spieleabend zu haben statt unnötigen Streit. Wenn Du also nun mal per Definition (wir spielen mal…) diese Sache als Dein Problem siehst, wird es interessant.

Ich habe irgendwann mal definiert, daß ICH Kommunikation gelernt habe und ICH an MICH den Anspruch habe, mit nahezu allen Situationen umgehen zu können. Meine Einstellung ist also ICH bin Fachmann, ICH will es mit Spaß schaffen. Das impliziert auch, daß mein Gegenüber dabei gut wegkommt, denn einseitiger Spaß ist nicht wirklich gut.

Nun wirst Du sagen, o.k. ich halte das ein zwei Male aus, aber ewig auf andere Rücksicht nehmen ist doch anstrengend, doof oder was auch immer. Warum können die anderen nicht lernen, vernünftig zu sein?

Das hat auch Vorteile, weil der, der nicht vernünftig, elegant oder wie man das auch immer nennen mag, kommunizieren will, zieht häufig den Kürzeren. Wer sich aufregt, kann meist nicht mehr klar denken. Er wird merken, daß Du der Überlegene bist und Dich umso mehr schätzen, umso eleganter Du reagierst und ihn sein Gesicht wahren läßt.

Klar, es gibt auch noch ein Gegenbeispiel: Ich kenne Seminarleiter, die sich und anderen häufig genug bewiesen haben, daß sie auch mit schwierigen Gruppen klar kommen und die einfach keinen Bock mehr auf Teilnehmer haben, die nur geschickt werden und kein eigenes Interesse am Seminar haben. Irgendwann reicht es. Wie gesagt, es ist Definitionssache, wer ein Problem hat.