Hallo,
ich habe mittlerweile drei Personen kennengelernt, die eine auffallende Tendenz dazu haben auf banalen Standpunkten zu beharren. Man könnte sagen, dass sie sich ganz energisch dagegen wehren Dinge einzusehen. Oftmals werden sie richtig sauer und suchen händeringend nach Argumenten, die lediglich dazu dienen Steiterei um das Prinzip zu schüren. Meist sind die anderen Anwesenden sprachlos, da die Diskussion wirklich trivial ist und es gar keinen Grund dafür gibt wütend zu werden. Vorab, es handelt sich nicht um alte Männer.
Im folgenden die drei von mir miterlebten Diskussionen. Die Themen sind unterschiedlich. Ich denke aber, dass sich Pralellen erkennen lassen. Also:
Person 1: Er spricht von „Tigers“. Er wird frundlich darauf hingewiesen, dass der Plural von „Tiger“ kein -s mit sich führt. Er wird wütend und beharrt auf dem Standpunkt, dass es „gefälligst Tigers heißt“. Nach ca. 5 Minuten anstrengender Diskussion wird das Wöterbuch befragt. Nachdem er liest, dass er sich irrte, sagt er einige Minzten kein Wort und sitzt mit verschränkten Armen herum. Danach gerht er ohne sich zu verabschieden.
Person 2: Ein BWL Student macht sich lustig darüber, dass ein Lieferant mehrere große Schiffscontainer benutzte um handgroße Kunststoffteile in Kartons lediglich auf dem Boden zu legen. Der Warenwert habe 1000 EUR erheblich unterschritten. Dafür kostete die Lieferung knapp 6000 EUR. Alle Kartons hätten gestapelt nur einen kleinen Container ausgefüllt. Er behauptet, das sei echte Geldverschwendung gewesen. Der Kunde hätte auch dazu angeraten nur einen Container auf seine Verantwortung so zu beladen.
Person 2 bringt sich ein und erwidert mit entschiedener Miene, dass er ähnliche Erfahrungen wie der Lieferat bereits gemacht habe. Es sei „gefälligst“ so, dass Kunden für hochwertige Ware gute Preise zu bezahlen hätten. Er fängt an mit dem Finger herumzufuchteln.
Der BWL Student bleibt relativ ruhig, scheint sich aber doch insgeheim über diese Überreaktion zu amüsieren und sagt, dass Die Ware ja gar nicht teuer oder empfindlich gewesen sei. Es ginge um vollig übertriebene Lieferkosten, da der Lieferant allem Anschein nach nicht nachdachte und nahezu unkaputtbare Ware trotz dem Anraten des Käufers alles in einen Container zu stapeln sicherte, als handele es sich um Gefahrengut.
Person 2 ist außer sich. Die Kaufleute seien total bescheurt. Sie hätten keinen blassen Schimmer davon, wie man Dinge transportiere. Cholerisch verlässt er den Raum und der BWL Student fragt, ob er selbst denn irgendetwas falsches gesagt habe. Die anderen Anwesenden sind sprachlos.
Person 3: Er sitzt mit mir in einem Eiscafé und berichtet davon, dass er zwar eine Freundin habe, aber sexuell nicht voll auf seine Kosten käme. Ihm sei viel öfter nach viel härterem Sex. Ich bin davon irritiert, dass er solche Themen neben von alten Damen besetzten Tischen zur Sprache bringt. Ich erwidere, dass ich dieses Gefühl selbst so nicht kenne. Er frag mich, warum ich denn keine feste Freundin habe. Ich erwidere, dass ich so ganz zufrieden bin. Es sei auch nicht so, dass ich per se enthaltsam sei. Das sei schon okay. Ich spüre, dass ein entschiedenes Moment aufkommt.
Er pickt eine (allem Anschein nach Minderjährige) Passantin aus der Fußgängerzone und sagt, dass diese Frau ja „geile Titten“ habe. Sie könne mir mit Sicherheit gute Kinder schenken. Ich erwidere, dass ich von dieser Frau nicht so denke und auch gar keinen Kinderwunsch habe. Er erwidert, dass ich doch jetzt mal zu ihr gehen solle um klarzumachen, dass ich sie mal richtig bumse. Ohnehin spräch für einen Mann in meinem Alter nichts dagegen zu heiraten. Ich sage, dass ich das gar nicht möchte. Er ist richtig sauer. Ich weiß nicht, was nicht machen soll, behaupte aber, dass ich langsam aufbrechen müsse. Ich fühle mich von seiner Entschiedenheit in Anbetracht dieses unsinnigen Themas überrollt. Ich gebe mir beste Mühe dabei friedlich außeinanderzugehen, da auch die alten Damen mittlerweile von seiner lauten Stimme und dem Thema überfordert sind. Das funktioniert auch. Wir verabschieden uns und er zieht wütend von Dannen.
Frage: Ist dieses Problem hinreichend bekannt bzw. worin wurzelt dieses „grundlose“ Beharren auf trivialen Standpunkten. Eine provokation ist in keinem der drei Fälle gegeben. Wäre ich nur einmal Zeuge einer solchen Szene geworden, hätte ich mir kaum Gedanken darüber gemacht und es als schlechten Tag abgetan. So erscheint es mir, als könnte es bereits von anderen beobachtet worden sein.
Wie sollte man mit sowas umgehen, bzw. kann man es überhaupt?
Neugierige Grüsse,
Hilmar
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