Beherrschen wir die moderne Technik noch?

Hallo Fangemeinde,

Steht der Mensch der Technik und ihrem gewaltigen Fortschritt noch souveraen gegenueber, d.h. kann er sie - nach seiner Entscheidung - nutzen oder ablehnen?-
Technik meint hier ganz allgemein die Faehigkeiten und Mittel, mit denen sich der Mensch die Natur dienstbar macht, indem er ihre Eigenschaften erkennt, ausnutzt und gegeneinander ausspielt.-
Im Laufe des menschlichen Daseins hat sich die Technik qualitativ veraendert. Die Technik hielt Einzug in die Naturwissenschaften; im Experiment werden Naturvorgaenge so isoliert, dass sie beobachtbar und messbar werden. In der Wechselwirkung von Wissenschaft und Technik liegt letztlich der Fortschritt der Technik begruendet, denn durch die Wissenschaft wird die Natur erst erschlossen; in der Anwendung des Wissens entsteht (wichtig) Neues zuerst. Dies ist selbst etwas Neues.
Und anstatt die Menge des Unentdeckten zu verringern, ueberrascht heute die Wissenschaft sich selbst mit Dimension um Dimension neuer Tiefen.-
Der Wissensprozess selber geht in Wechselwirkung mit dem technologischen vor sich. Fuer ihren eigenen theoretischen Zweck braucht die Wissenschaft eine zunehmend raffiniertere gewaltige Technologie als ihr Werkzeug, das sie sich selbst erzeugt, d.h. der Technik in Auftrag gibt.- Was sie mit dieser Hilfe findet, wird der Ausgangspunkt fuer Neues im praktischen Bereich. Und die so gefundene neue Technologie liefert wiederum der Wissenschaft ein Buendel von neuen Fragen - und so fort im endlosen Kreislauf.-
Technologie durchdringt ebenso die Wissenschaft wie Wissenschaft die Technologie - ein gegenseitiges feed-back haelt beide in Bewegung.-
Wie gerade in den Medien berichtet und kontrovers diskutiert wird, sind enorme Forschungsergebnisse im Bereich der Bio-Medizin erzielt worden (Zuechtung von menschlichem Organ-Material).-
Da stellen sich viele Fragen, z.B.:
-Ist der Fortschritt noch eine Option, deren Nutzung dem Menschen freigestellt ist, oder ist er ein in der Technik selbst angelegter Antrieb, der sich ueber unseren Willen hinweg auswirkt?
-Ist das Klonen von Organen - wenn auch nur fuer therapeutische Zwecke - nicht ein Eingriff in die Schoepfung (wir kennen ja das Ausgangsmaterial!), oder faellt das noch unter den Auftrag an den Menschen, sich die Welt untertan zu machen?


Es gaebe noch viele Fagen, aber es ist schon nach Mitternacht.-
Bin gespannt auf Eure postings!
Gruss Katschi

Hallo Katschi,

Steht der Mensch der Technik und ihrem gewaltigen Fortschritt
noch souveraen gegenueber, d.h. kann er sie - nach seiner
Entscheidung - nutzen oder ablehnen?-

Jeder Mensch kann für sich entscheiden, ob er Technik nutzt oder nicht, mit der Ablehnung eines einzelnen wird aber Technik an sich nicht verschwinden.

Technik meint hier ganz allgemein die Faehigkeiten und Mittel,
mit denen sich der Mensch die Natur dienstbar macht, indem er
ihre Eigenschaften erkennt, ausnutzt und gegeneinander
ausspielt.-

Viel Technik dient nicht zu den oben angesprochenen Zwecken, z.B. Videospiele. Die Masse der Menschen macht sich keine Gedanken über die Anwendbarkeit der techn. Mittel, sondern nutzt sie einfach, ohne die Eigenschaften zu erkennen.

Im Laufe des menschlichen Daseins hat sich die Technik
qualitativ veraendert. Die Technik hielt Einzug in die
Naturwissenschaften; im Experiment werden Naturvorgaenge so
isoliert, dass sie beobachtbar und messbar werden.

Gerade durch diese Isolierung hat die Wissenschaft oft Fehlschlüsse gezogen. Isolieren muß der Mensch auch, da er die Schöpfung im Ganzen nicht (vielleicht auch noch nicht) begreifen kann.

In der
Wechselwirkung von Wissenschaft und Technik liegt letztlich
der Fortschritt der Technik begruendet, denn durch die
Wissenschaft wird die Natur erst erschlossen; in der Anwendung
des Wissens entsteht (wichtig) Neues zuerst. Dies ist selbst
etwas Neues.

Unsere Vorfahren haben die Natur ohne gezielte Wissenschaft erschlossen, Tiere und Pflanzen tun das heute noch nach dem Prinzip der Evolution, hier hat der Mensch vielleicht wirklich etwas neues geschaffen, allerdings kann ich das nicht bezeichnen, vielleicht erklärst Du das noch genauer.

Und anstatt die Menge des Unentdeckten zu verringern,
ueberrascht heute die Wissenschaft sich selbst mit Dimension
um Dimension neuer Tiefen.-

Ja, die Schöpfung ist nun mal beeindruckend groß und die Details scheinen uns unendlich, auch wenn sie es nicht sind.

Der Wissensprozess selber geht in Wechselwirkung mit dem
technologischen vor sich. Fuer ihren eigenen theoretischen
Zweck braucht die Wissenschaft eine zunehmend raffiniertere
gewaltige Technologie als ihr Werkzeug, das sie sich selbst
erzeugt, d.h. der Technik in Auftrag gibt.- Was sie mit dieser
Hilfe findet, wird der Ausgangspunkt fuer Neues im praktischen
Bereich. Und die so gefundene neue Technologie liefert
wiederum der Wissenschaft ein Buendel von neuen Fragen - und
so fort im endlosen Kreislauf.-

Die so oft gestellte Frage ob die spezielle Technik notwendig und auch sinnvoll ist, oder gar bedrohlich?

Technologie durchdringt ebenso die Wissenschaft wie
Wissenschaft die Technologie - ein gegenseitiges feed-back
haelt beide in Bewegung.-
Wie gerade in den Medien berichtet und kontrovers diskutiert
wird, sind enorme Forschungsergebnisse im Bereich der
Bio-Medizin erzielt worden (Zuechtung von menschlichem
Organ-Material).-

Da stellen sich viele Fragen, z.B.:
-Ist der Fortschritt noch eine Option, deren Nutzung dem
Menschen freigestellt ist, oder ist er ein in der Technik
selbst angelegter Antrieb, der sich ueber unseren Willen
hinweg auswirkt? Der Einzelne kann die nutzung entscheiden, in manchen Fällen sich aber nicht entziehen, z.B. durch Unwissenheit…

-Ist das Klonen von Organen - wenn auch nur fuer
therapeutische Zwecke - nicht ein Eingriff in die Schoepfung
(wir kennen ja das Ausgangsmaterial!), oder faellt das noch
unter den Auftrag an den Menschen, sich die Welt untertan zu
machen?

Durch Erbveränderung „testet“ die Natur auch ob eine Entwicklung sinnvoll ist, das tut der Mensch mit Gentechnologie auch, die Frage nach der Aufgabe halte ich nicht für sinnvoll, die Frage nach Notwendigkeit und nach dem Ausgang der Gentechnologie halte ich für wichtiger.
Eine weitere Frage: Was tut die Menschheit mit der Erkenntnis die Gentechnologie nicht beherrschen zu können? Hört sie dann auf?


Es gaebe noch viele Fagen, aber es ist schon nach
Mitternacht.-
Bin gespannt auf Eure postings!
Gruss Katschi

So erst mal genug für heute morgen…
Gruß
Klaus *derjetztfrühstücksbrötchenholt*

Hallo Katschi,

ich denke, wenn man solche Fragen stellt, muß man sich folgendes vor Augen halten (oder erst mal drüber nachdenken, ist nämlich kein Fakt, sondern nur meine Meinung):

Der individuelle Mensch ist nicht in der Lage, die Welt zu verstehen. Unabhängig von der „Technik“. Er versteht auch die „Natur“ nicht wirklich.

Die Menschheit als Ganzes mag mehr verstehen können, daß kann aber kein individueller mensch erkennen oder nachvollziehen.

Der Mensch nutzt, wie jedes andere Lebewesen auch entsprechend der Möglichkeiten, die in seiner Umwelt gegebenen Mittel für seinen unmittelbaren Vorteil.

Leben bedeutet Nutzung, Nutzung bedeutet Veränderung, Veränderung bedeutet Eingriff in die Schöpfung. Die Schöpgung selbst ist ein System von Eingriffen und Änderungen seiner selbst. Die langfristigen Einflüsse einer auch noch so kleinen Änderung auf ein dynamisches System (wie die Welt) lassen sich nie vorhersagen. Es kann bedeutendere Folgen haben, eine Nuß zu essen als einen Wald abzubrennen.

„Technik“ und „Natur“ unterscheiden sich nicht grundsätzlich. Der Mensch ist ein Produkt der „Natur“, mithin auch seine eigenen Entwicklungen. Es sind Spielarten der Evolution, die bisher in dieser Größenordnung noch nicht aufgetreten sind (andere Lebewesen nutzen auch Werkzeuge, bauen auch Behausungen, sogar Millionenstädte, haben Kommunikationssysteme usw).

Meine Antwort auf deine Frage ist: Nein. Aber darum geht es letztlich auch nicht, denn das ist vollkommen normal (und war nie anders), daß Lebewesen nicht verstehen, was sie machen.
Die Frage müßte eigentlich lauten: Wollen wir in einer hochtechnisierten Welt leben ? Und falls nein: Liegt es überhaupt in unserer Macht, daran etwas zu ändern ?

Gruß

Jochen

Hallo Jochen,

Vielen Dank fuer Deine umfassende Antwort.-
Besonders zum „Nachdenken“ angeregt haben mich folgende Aussagen:
„Leben bedeutet Nutzung, Nutzung bedeutet Veraenderung,
Veraenderung bedeutet Eingriff in die Schoepfung. Die Schoepfung
selbst ist ein System von Eingriffen und Aenderung ihrer
selbst.“
„Der Mensch ist ein Produkt der „Natur“, mithin auch seine
eigenen Entwicklungen. Es sind Spielarten der Evolution,
die bisher in dieser Groessenordnung noch nicht aufgetreten
sind.“
Ich denke, die Statements sind zutreffend; es sind die Aussagen des „Naturwissenschaftlers.“-
Auch ich bin der Meinung, dass die (technische) Entwicklung/Forschung ein in sich selbst angelegter Antrieb ist, der sich ueber unseren Willen hinweg auswirkt. Damit habe ich die Beantwortung meiner 1. Frage mit „NEIN“ selbst nachvollzogen, Deine Aussagen haben dabei mitgeholfen (Du hattest auch mit NEIN geantwortet). -
Aber was ist die Antwort auf meine 2. Frage nach dem „Klonen von Organen - wenn auch nur fuer therapeutische Zwecke?“ -
Verstehe ich Dich richtig, dass Du auch diese Frage im Sinne Deiner Aussagen (- die Schoepfung selbst ist ein System von Eingriffen und Aenderungen ihrer selbst - der Mensch ist ein Produkt der „Natur“, mithin auch seine eigenen Entwicklungen -) beantworten wuerdest? -
Da tue ich mich doch etwas schwer! - Gibt es nicht, wenn es um Manipulationen an menschlichen Embryonen geht (in diesem Fall zum Zwecke der Organzuechtung), gefuehlsmaessig eine „Schranke“, eine „Schwelle des Wertbewusstseins“, die wir ueberschreiten?
(Ich habe bewusst Begriffe wie Religion, Glaube, Bibel, Gott usw. nicht benutzt)
In "Philosophisches Woerterbuch " Georgi Schischkoff, Koerner Verlag, Ausgabe 1991, S.186, finde ich unter „Ethik“ folgenden Eintrag:
„… Die Anforderungen des menschlichen Daseins bewirken, dass staendig neue Werte ueber die Schwelle des Wertbewusstseins treten, andere aus ihm ausscheiden. Was vor hundert Jahren gute Sitte war, kann heute sittenwidrig sein. …“

Vielleicht muessen wir nur lange genug warten, bis uns die Zuchtung von menschlichen Organen mit Hilfe von Embryonen (die dann spaeter vernichtet werden), kein „Unbehagen“ mehr bereitet!?

PS: Es waere schoen, wenn auch die Experten des Brettes „Religion und Ethik“ sich zu diesem Thema aeussern wuerden.

Gruss Katschi

Hallo Katchi,

Freut mich, zum Nachdenken angeregt haben zu können. Die Antwort zu deiner 2. Frage geht, wie du ja schon vermutet hast, durchaus aus meinen Aussagen hervor; konkret formuliert mutet sie aber schon ketzerisch an. So weit wollte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen…

Du schreibst:

Da tue ich mich doch etwas schwer! - Gibt es nicht, wenn es um
Manipulationen an menschlichen Embryonen geht (in diesem Fall
zum Zwecke der Organzuechtung), gefuehlsmaessig eine
„Schranke“, eine „Schwelle des Wertbewusstseins“, die wir
ueberschreiten?

In "Philosophisches Woerterbuch " Georgi Schischkoff, Koerner
Verlag, Ausgabe 1991, S.186, finde ich unter „Ethik“ folgenden
Eintrag:
„… Die Anforderungen des menschlichen Daseins bewirken, dass
staendig neue Werte ueber die Schwelle des Wertbewusstseins
treten, andere aus ihm ausscheiden. Was vor hundert Jahren
gute Sitte war, kann heute sittenwidrig sein. …“

Genau diese Ansicht teile ich. Eines muß ich aber klarstellen: Ich bin nicht der Meinung, daß die Entwicklungen (technischer, sozialer und kultureller Art), welchen wir folgen werden, für mein Leben erstrebenswert („gut“) sind. Langfristig (über viele, viele Generationen) ist jede Entwicklung akzeptabel in der Hinsicht, daß der aktuelle Zustand von den Zeitgenossen jeweils als „gut“ eingestuft wird. Ein prinzipielles, immer aktueller werdendes Problem sehe ich jedoch in der zunehmenden Geschwindigkeit der Entwicklung. Immer schneller rückt immer mehr in den Bereich des Machbaren. Und was machbar ist - da schließe ich mich Brecht an (Die Physiker) - wird auch gemacht werden.

Vielleicht muessen wir nur lange genug warten, bis uns die
Zuchtung von menschlichen Organen mit Hilfe von Embryonen (die
dann spaeter vernichtet werden), kein „Unbehagen“ mehr
bereitet!?

Dazu ein Beispiel aus der Natur: Es gibt eine Froschart in Trockengebieten, welche zwei Gruppen von Nachkommen hat: pflanzenfressende, langsamwachsende und fleischfressende, schnellwachsende Kaulquappen. Wenn der Tümpel früh trocken fällt, wird die Nahrung für die Fleischfresser schnell knapp, sie werden excessiv kanibalisch und fressen ihre vegetarischen Geschwister. Dadurch können sie gutgenährt und schnell die Metamorphose durchschreiten und als Frosch die nächste Art über die Trockenperiode retten. Nur, wenn lange genug ausreichend Wasser vorhanden ist, kommen auch die Vegetarier durch, dann aber in riesigen Mengen. Man könnte behaupten, daß die armen Vegetarier nur ein Nahrungsspeicher und „Futtervorbereiter“ für die Kanibalen sind. Ist das nun „gut“, „böse“, „sittenwiedrig“ oder schlicht „zweckmäßig“ ?

Gruss Jochen

Sklaven des Fortschritts
Hallo Guenther,

Ich mache mir schon lange Gedanken über die Technik und den Fortschritt der Wissenschaft und auch darüber, ob und wenn ja, welchen Nutzen sie dem Menschen überhaupt noch bringt. Schon alleine deswegen, weil ich selbst von Beruf Elektrotechniker bin und wenn ich mir über den Sinn und Zweck meiner Arbeit ( über den ganz profanen Zweck des Geldverdienens hinaus ) Gedanken mache, zwangsläufig bei dieser Sinnfrage ankomme.
Leider komme ich immer mehr zu dem Schluss, dass der immer hemmungslosere technologische und wissenschaftliche Fortschritt dem Menschen zwar immer mehr Möglichkeiten offenbart, ihm jedoch im Endeffekt nicht wirklich nutzt.
Globale Informationsnetze bieten dem Menschen die Möglichkeit, gleichtzeitig (virtuell) in Amerika, Japan und Afrika zu sein. Was die meisten Menschen jedoch nicht mehr bemerken sind die Dinge, die in Ihrer unmittelbaren Umgebung und in Ihrem eigenen Leben eine wichtige Rollen spielen (sollten).
Der medizinische Fortschritt ermöglicht zwar eine höhere Lebenqualität und in gewissem Mass auch die Verlängerung des Lebens, sorgt aber im Gegenzug dafür, dass durch die immer extremere Überbevölkerung der Erde fossile Rohstoffe und selbst regenerative Ressourcen der Natur in immer grösserem Masse ausgebeutet und exzessiv abgeerntet werden. Menschen lassen sich gehen, weil sie die Gesundheit Ihrer Körper nicht mehr schätzen können ( „der Doktor wird´s schon reparieren - die kriegen alles wieder hin“ ). Menschen, deren Körper nicht so frisch und gesund, so trainiert und hochgezüchtet sind, wie es die öffentliche Meinung ( geprägt durch kommerziell orientierte Massenmedien ) als Norm suggeriert, geraten leicht ins soziale Abseits.
Der Karrieredruck, den die Wirtschaft auf jeden Einzelnen ausübt sorgt dafür, dass die Menschen gar keine Zeit mehr haben, den hohen Lebensstandard und den (theoretisch) verfügbaren Luxus überhaupt in Anspruch zu nehmen. Für sinnlose Statussymbole, deren Wert durch Werbung und geschickte Massenmanipulation künstlich auf utopische Höhe gesteigert wird, wird ein Grossteil des durch den „beruflichen Erfolg“ erlangten Wohlstandes ohne echten Nutzen für den Konsumenten sinnlos wieder vernichtet. Das bezieht sich nicht nur auf die grossen und offensichtlichen Statussymbole ( Der Ferrari, die Bretling-Uhr und der Armani-Anzug ) sondern durchaus auch auf die „kleinen“ und nicht ganz so offensichtlichen wie zum Beispiel das Marken-T-Shirt, ohne das man nicht „in“ ist oder das Handy, das immer das allerneueste sein muss.
Das Diktat, erfolgreich sein zu müssen wird durch die moderne Technik immer strenger. In meinen Augen sind es nicht die grossen Fortschritte in grundlegenden Naturwissenschaften wie Mathematik oder Physik, die die grössten Veränderungen auf die Gesellschaft bewirken oder den grössten Einfluss auf den Menschen als Individuum haben, sondern die „kleinen“ Fortschritte, die sich im alltäglichen Leben wiederspiegeln.
Der x-te Privatsender, mit dem die Wirtschaft den Menschen suggeriert, was sie alles UNBEDINGT brauchen. Der neueste Haushaltsreiniger, der jetzt auch noch die allerletzten Keime abtötet, so dass der menschliche Lebensraum bald so steril sein wird, wie ein Operationssaal. Die immer weitergehenden Einschränkungen des Lebensraumes für Menschen durch Verknappung von Wohneigentum und Erhöhung von Preisen für Wohnraum.
Der Zwang, immer und zu jederzeit Unmengen an Informationen aufzunehmen, der dadurch geschaffen wird, dass diese Informationen durch immer mehr und immer neuere und immer freier Verfügbare Medien zugänglich sind und das Nicht-konsumieren dieser Informationen zu sozialen Nachteilen in der modernen Gesellschaft führt.
Diese Liste liesse sich beinahe beliebig fortsetzen. Die gesamte technische Entwicklung der letzten 100 Jahre hatte auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft einen verheerenden Einfluss. Die Gesellschaft gleicht immer mehr einem wirtschaftlichen Unternehmen, als einer Gemeinschaft von Individuen, zu sozialen Zwecken. Und je schneller die Gesellschaft durch die Entwicklung der Technik wird, desto schneller wird die Entwicklung der Technik durch die Geschwindigkeit der menschlichen Gesellschaft. Eine Spirale, die sich immer weiter schraubt, bis die Kluft zwischen den erfolgreichen und den erfolglosen, die dieser Entwicklung einfach nicht mehr hinterherkommen ( oder hinterherkommen wollen ) unüberwindlich wird. Bis nur noch eine kleine Elite von Menschen den Anforderungen, die die Technik an sie stellt genügen kann. Der Rest der Menschen bleibt auf der Strecke. In Amerika hat diese Entwicklung nicht nur schon begonnen - sie befindet sich in vollen Zügen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Entwicklung von Wissenschaft und Technik die Entwicklung der Menschen, die mit ihr leben und umgehen müssen überholt.
So traurig es ist : der moderne Mensch reagiert nur noch auf die Vorgaben, die ihm von seiner vollautomatischen und hochtechnisierten Umwelt gestellt werden. Dies ist gleichbedeutend mit einem Verlust von Freiheit und der Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Die Anforderungen für den Einzelnen sind so hoch, dass für eine gesunde Entwicklung zu einem Menschen, der mit sich und seinem Leben zufrieden und glücklich ist, gar keine Zeit und Kraft mehr bleibt.
Die Folgen sind eine immer höhere Anzahl von unglücklichen zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. Menschen, die überhaupt nicht mehr beziehungsfähig und sozial kompetent sind, da sie die Kommunikation und die Auseinandersetzung mit anderen Menschen gar nicht mehr so gewohnt sind, wie die Beschäftigung und Kommunikation mit der Technik, die ihren Alltag diktiert.
Die Menschen entfremden sich zusehends immer weiter von all dem, was Ihre Natur darstellt und erkennen oft nicht einmal, warum sie so unzufrieden und unausgefüllt sind.
Meiner Meinung führt diese extreme und ungebremste Überbetonung und Übersteigerung von technischem und wissenschaftlichem Fortschritt in eine Sackgasse der menschlichen Entwicklung. Technik und Wissenschaft diktieren den Menschen, wie sie ihr Leben zu leben haben und rauben ihnen zu einem grossen Teil die Möglichkeit, nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen glücklich zu werden.

Mit freundlichen Grüssen,

Jürgen
(der hofft, dass er sich seine Freiheit nicht von Technik und Wissenschaft nehmen lassen wird)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Juergen,

Vielen Dank fuer Deinen engagierten Beitrag! - Inhaltlich habe ich dazu nichts zu sagen; ich sehe es ebenso!!! -
Schau bitte auch in die postings von Jochen, der - aus naturwissenschaftlicher Sicht - einen (wie ich meine) bemerkenswerten Beitrag geliefert hat. -
Nur: Wie kann sich der „Einzelne“ - oder die Gesellschaft - diesem „Teufelfkreis des Eingebundenseins“ entziehen? -
Hoffst Du wirklich, dass Du Dir Deine Freiheit nicht von Technik und Wissenschaft „nehmen lassen“ wirst? -

Der Soziologe H. Schelsky (Der Mensch in der wissenschaftlichen Zivilation, in:ders., Auf der Suche nach der Wirklichkeit) hat folgendes beschrieben (ich versuche es mit meinen Worten):
*Die moderne Technik beruht auf der analytischen Zerlegung des Gegenstandes oder der Handlung in ihre letzten Elemente, die in der Natur nicht vorfindbar sind. Das gilt z.B. fuer die moderne Atomphysik, aber auch fuer die Zerlegung der menschlichen Handlungen, etwa in der Arbeitsteilung, die die Voraussetzung fuer die Maschine ist; gilt aber auch fuer die Zerlegung der menschlichen Seelenkraefte oder sozialen Antriebe.
*Die moderne Technik beruht auf der Synthese dieser Elemente nach dem Prinzip der hoechsten Wirksamkeit: Fuer die durch die Analyse bereitgestellten Mittel gilt fuer deren Synthese die Forderung nach dem funktional Wirksamsten; die maximale Leistungshoehe, die „technische efficiency“ ist die Richtschnur fuer Synthese, die den modernen technischen Fortschritt steuert.
*Die Analyse von Handlungen und deren Synthese nach dem Prinzip, ueberall > the best one way

Hallo Guenther,

Du fragst mich, ob ich es wirklich glaube, dass ich mir meine Freiheit über kurz oder lang nicht von der technischen und sozialen Entwicklung der Gesellschaft nehmen lassen werde.
Nun - ich muss ehrlich sein : Ich weiss es nicht. Aber es ist mein erklärtes Ziel. Man muss wirklich auf der Hut sein, um nicht in diese Mühle hineinzugeraten. Einmal von Strom mitgerissen, ist der Wiederausstieg unheimlich schwer. Ich habe dies schon am eigenen Leib erfahren. Vor meinem Studium hatte ich einen Handwerksberuf erlernt ( Radio-Fernsehtechniker ). Ich habe in diesem Beruf innerhalb von 2 Jahren ungefähr 980 (!!!) Überstunden gemacht. Erst, als ich dann kurz davor stand, zusammenzuklappen ( und das in einem Alter von 25 Jahren ! ) habe ich eingesehen, wie fehlgeleitet das war. Ich muss noch dazusagen : ich habe während dieser Zeit noch sehr viel nebenher gearbeitet. Diese Stunden sind bei den 980 Überstunden noch gar nicht mitgerechnet. Aber was noch erschreckender war : selbst als ich es eingesehen hatte, war es schwer, mein Leben in eine Richtung zu ändern, von der ich selbst aus meiner eigenen Einsicht heraus wusste, dass sie besser war, als das, was ich die letzten 2 Jahre getan hatte. Permanente Unruhe und Rastlosigkeit, eine innere Unzufriedenheit und das Problem, nichts mehr mit seiner Freizeit anfangen zu können, plagten mich nicht nur wochen- sondern monatelang, bis ich wieder in der Lage war ein ausgeglichenes Privatleben zu führen.
Ich denke, dies ist genau der Mechanismus, mit dem die Menschen in der heutigen Gesellschaft gefangen werden : Sie werden von klein auf - schon in der Schule - auf Leistung getrimmt. Und irgendwann sind die meisten Menschen dann soweit, dass sie sich unzufrieden und unausgelastet fühlen, wenn sie nicht ÜBERlastet werden.
Eine meiner Meinung nach sehr bedenkliche Entwicklung.
Doch - ich denke, dadurch dass ich die Folgen, wenn man sich auf solche Weise fangen lässt, bereits in recht jungen Jahren am eigenen Leib erfahren habe, lässt mich in dieser Hinsicht vorsichtiger sein. Ein gebranntes Kind scheut nun einmal das Feuer. Ich denke, ich bin durch diese Erfahrung für die Folgen dieser Fehlentwicklung sensibilisiert und werde nicht so schnell ein zweites Mal in diese Falle tappen.
Ich denke, man wird mich nicht so schnell verheizen in dieser auf kalte Effizienz getrimmten Gesellschaft, in der so oft vergessen wird, dass die Gesellschaft zum Nutzen des Menschen gedacht war und nicht der Mensch zum Nutzen der Gesellschaft.

In diesem Sinne alles Gute und einen freundlichen Gruss,

Jürgen

Hallo Juergen,

Vielen Dank fuer Deinen engagierten Beitrag! - Inhaltlich habe
ich dazu nichts zu sagen; ich sehe es ebenso!!! -
Schau bitte auch in die postings von Jochen, der - aus
naturwissenschaftlicher Sicht - einen (wie ich meine)
bemerkenswerten Beitrag geliefert hat. -
Nur: Wie kann sich der „Einzelne“ - oder die Gesellschaft -
diesem „Teufelfkreis des Eingebundenseins“ entziehen? -
Hoffst Du wirklich, dass Du Dir Deine Freiheit nicht von
Technik und Wissenschaft „nehmen lassen“ wirst? -

Der Soziologe H. Schelsky (Der Mensch in der
wissenschaftlichen Zivilation, in:ders., Auf der Suche nach
der Wirklichkeit) hat folgendes beschrieben (ich versuche es
mit meinen Worten):
*Die moderne Technik beruht auf der analytischen Zerlegung des
Gegenstandes oder der Handlung in ihre letzten Elemente, die
in der Natur nicht vorfindbar sind. Das gilt z.B. fuer die
moderne Atomphysik, aber auch fuer die Zerlegung der
menschlichen Handlungen, etwa in der Arbeitsteilung, die die
Voraussetzung fuer die Maschine ist; gilt aber auch fuer die
Zerlegung der menschlichen Seelenkraefte oder sozialen
Antriebe.
*Die moderne Technik beruht auf der Synthese dieser Elemente
nach dem Prinzip der hoechsten Wirksamkeit: Fuer die durch die
Analyse bereitgestellten Mittel gilt fuer deren Synthese die
Forderung nach dem funktional Wirksamsten; die maximale
Leistungshoehe, die „technische efficiency“ ist die
Richtschnur fuer Synthese, die den modernen technischen
Fortschritt steuert.
*Die Analyse von Handlungen und deren Synthese nach dem
Prinzip, ueberall > the best one way

Hallo Jürgen,

Ich verstehe nicht ganz, warum technischer Fortschritt mit einer „Mehranforderung“ an Leistung gekoppelt ist. Daß wir in einer Leistungsorientierten Gesellschaft leben, finde ich genauso und aus den gleichen Gründen für bedenklich wie du, aber warum ist der technische Fortschritt daran schuld ? Kann nicht eher der Fortschrittstrieb eine Folge (und nicht die Ursache) der Leistungsorientierung sein ?

Eine Aussage fand ich sehr interessant:

Ich denke, man wird mich nicht so schnell verheizen in dieser
auf kalte Effizienz getrimmten Gesellschaft, in der so oft
vergessen wird, dass die Gesellschaft zum Nutzen des Menschen
gedacht war und nicht der Mensch zum Nutzen der Gesellschaft.

Woraus leitest du das ab ? Kann man das überhaupt festlegen ? Ein Beispiel: Ist die Zelle zum Nutzen des Organismus gedacht oder der Organismus zum Nutzen der Zelle ?
Zumindest biologisch läßt sich das nicht trennen. Der Mensch ist ohne Gesellschaft nichts wie auch die Gesellschaft ohne den Menschen nichts ist. In Wirklichkeit ist alles noch viel verwobener (jedes „Ding“ - auch der „Mensch“ ist eigentlich nur interpretierbar im Kontext seiner gesamten!! Umwelt) und jede Vereinfachung macht eine „richtige“ Interpretation schwieriger. Ich bin der Ansicht, daß diese wohl stärkste Vereinfachung (es geht NUR und ausschließlich um das Individuum) eine Interpretation sogar unmöglich macht.

Unser Verstand hat leidliche Probleme im Umgang mit wechselseitigen Abhängigkeiten, die sich zeitlich und damit kausal nicht auflösen lassen. Obwohl das Problem mit dem Huhn und dem Ei nur ein Scheinbares ist (weil durchaus kausal auflösbar), ist es doch ein prominentes Beispiel dieser Art Probleme. Mensch - Gesellschaft - „Technik“ sind ebensowenig kausal trennbar wie Zelle - Individuum - Art - Umwelt. Vereinfachungen darüber erlauben uns zwar erst, unsere Welt zu analysieren und einigermaßen in Begriffen zu ordnen. In letzter Konsequenz muß man aber bedenken, daß diese Begriffe und Ordnungen „künstliche“ Einteilungen darstellen (im Prinzip Modelle), welche in der Natur (der „realen“ Welt) keine direkte Entsprechung haben.

In diesem Sinne alles Gute und einen freundlichen Gruss,

so auch von mir,
Jochen