Bei Promotion daneben gegriffen

Hallo miteinander!

Ein Freund von mir hat bei seiner Promotion mächtig daneben gegriffen. Nach wenigen Monaten stellte sich heraus, daß er keinen Zugang zum gewählten Thema findet. Dies führte natürlich dazu, daß er sich superunglücklich bei seiner neuen Arbeitsstelle fühlt. Auch die Kollegen und das gesamte Klima am Institut liegen ihm nicht richtig.
Ich habe ihm eigentlich immer geraten sich erstmal durchzubeißen, da es meiner Erfahrung nach in jeder Promotion zahlreiche Tiefpunkte gibt, die aber überwunden werden können. Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr so sicher ob mein Rat der richtige war.
Was meint ihr: Im ersten halben Jahr die Stelle zu wechseln, die Promotion abzubrechen und sich ein anderes Thema an einer anderen Uni zu suchen, ist das ein arger Karriereknick? Oder zeigt es gar im Gegenteil, daß einer weiß was er will?

Danke für Eure Hilfe.

Gruß
Tom

Hallo Tom,

wenn Deinem Freund weder das Thema liegt noch die Arbeitsgruppe gefällt, würde ich ihm raten, seine Zelte abzubrechen. Allerdings sollte er die Gründe sehr genau analysieren. Ein zweiter Start soll dann ja wirklich klappen.
In meinem Bekanntenkreis gab’s den Fall auch mal, dass eine Doktorarbeit abgebrochen und neu begonnen wurde. Leider hat dann die gesamte Promotionszeit mehr als fünf Jahre gedauert. Deshalb würde ich raten, bei massiven Zweifeln lieber früher als später zu wechseln. Allgemein würde ich sagen, dass es bei einer Promotion vor allem auf einen kooperativen Doktorvater ankommt, der sich kümmert, der bei fachlichen Problemen ansprechbar ist, der ein genügend eingeengtes Thema stellt und der auch ein ehrliches Interesse daran hat, dass die Leute fertig werden, und nicht einer, für den Doktoranden in erster Linie hochqualifizierte, billig-willige Arbeitskräfte sind, die es möglichst lange zu halten gilt, denen man auch nur ganz ungern mal Urlaub gibt und die man in regelmäßigen Abständen unter Druck setzt.
Meine ganz persönliche Meinung ist, dass es entgegen der landläufigen Ansicht nicht wichtig ist, wie berühmt der Doktorvater ist. Wesentlich sind kurze Promotionszeiten, eine leistungsfähige Arbeitsgruppe, ein Institut mit exzellenter Ausstattung. Je mehr moderne Methoden man lernen kann, umso besser. Mir haben imemr Doktoranden leid getan, die an Sachen forschten, die längst veraltet waren …

Viel Glück für Deinen Freund
Beste Grüsse
Anna

Mut zum Schnitt!
Hallo,

das hängt wohl davon ab, wie lange diese Phase schon dauert, und wie aussichtsreich das „Durchbeissen“ ist.
Als grobe Faustregel: Spätestens nach 6 Monaten sollte die Marschrichtung klar sein, und man über ein gangbares Konzept und erfolgsträchtige Methoden verfügen.
Wenn das entweder aufgrund des falsch konzipierten Themas nix wird, oder die Betreuung entsprechend miserabel ist, sollte man besser wechseln. Wenn dann noch eine Promotion angestrebt wird, dann sollte er sich im Vorfeld gründlichst informieren, um die Erfolgsaussichten abzuchecken.
Eine neue Promotionsstelle zu finden sollte kein Problem sein.
Wie (z.B. vom zukünftigen Arbeitgeber) der Abbruch des ersten Promotionsvorhabens ausgelegt wird, hängt maßgeblich davon ab, wie er den Abbruch darstellen und rechtfertigen kann.

Grüße,

Hasta Lavista

kommt vor
Hi.

Ein Freund von mir hat bei seiner Promotion mächtig daneben
gegriffen. Nach wenigen Monaten stellte sich heraus, daß er
keinen Zugang zum gewählten Thema findet. Dies führte
natürlich dazu, daß er sich superunglücklich bei seiner neuen
Arbeitsstelle fühlt. Auch die Kollegen und das gesamte Klima
am Institut liegen ihm nicht richtig.

Dann sollte er sich nach einem neuen Job umschauen, und zwar schnell.

Ich habe ihm eigentlich immer geraten sich erstmal
durchzubeißen, da es meiner Erfahrung nach in jeder Promotion
zahlreiche Tiefpunkte gibt, die aber überwunden werden können.

Fachliche Tiefpunkte: ja, da muss man durch. Aber wenn es bereits am Anfang mit dem Klima nicht hinhaut? Eine Promotion kann lange dauern, besonders wenn die Bedingungen nicht gut sind. Oder noch schlimmer, nach 5 Jahren ohne den begehrten Titel dastehen und dabei für einen Hungerlohn gearbeitet zu haben. (Ich kenne nicht wenige Doktoranden, bei denen das Arbeitsamt den Abschluss der Promotion „finanziert“ hat.)

Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr so sicher ob mein Rat
der richtige war.
Was meint ihr: Im ersten halben Jahr die Stelle zu wechseln,
die Promotion abzubrechen und sich ein anderes Thema an einer
anderen Uni zu suchen, ist das ein arger Karriereknick?

Definitiv: Nein. Ein paar meiner Studienkollegen haben das getan. Diejenigen, die die Promotionsstelle gewechselt haben, sind inzwischen promoviert. Diejenigen, die in die Industrie gegangen sind verdienen inzwischen besser als ich.

Oder
zeigt es gar im Gegenteil, daß einer weiß was er will?

Das kommt darauf an, wie man es verkauft.

Schlecht kommt bei einer Bewerbung immer: „Die anderen waren so böse zu mir“.
Besser (wenn der Gegenüber nicht promoviert hat): "Ich hatte genug von der „Theorie im Elfenbeinturm und möchte jetzt etwas praktisches/sinnvolles machen“.

Ciao Rossi