Grüßt Euch,
in einem Interview im Radio hörte ich gestern die Behauptung, dass die Katholiken sich über die Beichte, die anschließende Absolution des Geistlichen als Stellvertreter Gottes und das Beten einer eben diesem Stellvertreter angemessenen Zahl von längeren und kürzeren Gebeten (einen ganzen Rosenkranz zu beten, wird heute kein Geistlicher mehr dem reuigen (?) Sünder abverlangen, das verbietet ja schließlich die heutige Zeit mit all ihren so wahnsinnig wichtigen Verpflichtungen, oder?) ihren Seelenfrieden von Gott „erzwingen“.
Eine Sichtweise, die ich zunehmend mit Zustimmung betrachte. Was heißt es schon heute, wo Hinz und Kunz mit ihrem Seelenstriptease in Talkshows z.B. immer gleich eine ganze Latte von Sünden „bekennen“, die vom Publikum auch noch mit mehr oder weniger lang anhaltendem Applaus bedacht werden (ja, ja, auch wenn alles „gestellt“ ist, willkommenes Hämefutter ist es doch)?
Schmerzt Reue noch?
Muss Reue schmerzen?
Machen es sich die Katholiken mit diesem Ritual nicht zu einfach? Ablassrunterrattern, durchatmen und erleichtert ab in den Alltag bis zur nächsten Sünde…
Fragen über Fragen…
stellt sich und Euch
Anja
Hallo Anja
Diese katholiken machen es meiner meinung nach zu einfach, weil sie Haltung/Herz und Taten verwechseln.
In der Bibel steht klar (Jesus) dass man von neuem wiedergeboren sein muss, um ins Himmelreich zu gelangen und es zu verstehen.
Oder an einer anderen Stelle, das wichtigste Gebot (von dem sich alle anderen ableiten!) liebe Deinen Gott mit ganzem Herzen, ganzer Kraft und ganzem Verstand und das heisst auch liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Nicht die Taten machen es also aus, sondern die Haltung / der Entscheid, aufden Taten folgen werden.
Mit anderen Worten, aus Liebe zu Jesus hat man das Verlangen oder entscheidet man sich ehrlich und bewusst die Sünden die man begannen hat vor Gott (nicht vor "stellvertretende Menschen) zu bekennen und von diesem Tun umzukehren.
Dann verzeiht Gott jedem, egal wer und was er gemacht hat, da die Sünden von jedem eben durch den Kreuzestod von Jesus bezahlt sind und durch den obgenannten demütigen Entscheid kann man dies für sixch beanspruchen.
Gruss
Beat
Moin, moin Anja,
zuerst mal was Prinzipielles: von Gott läßt sich nichts erzwingen, sonst wäre er nicht Gott. Er läßt sich allerdings beim Wort nehmen, und das ist etwas anderes.
Über das katholische Verständnis von Beichte könnte ich Dir sicher etwas sagen, aber weil ich nicht katholisch bin, könnte mit jeder vorwerfen, ich hätte es nicht verstanden oder falsch dargestellt; also lasse ich das lieber und überlasse es einem Katholiken.
Grundsätzlich gehört zur Beichte das Bekenntnis der Sünde.
Nun müßten wir uns darüber unterhalten, was Sünde ist.
Wenn wir uns auf die Auskunft zurückziehen wollten, Sünde sei, was der Beichtende beichtet, müßten wir sogleich weiterfragen, woher es denn wisse. Wir kämen dann zur der Frage des Gewissens, wie es sich bildet oder gebildet wird, und dann wären wir ganz schnell beim Über-Ich, bei den sozialen Normen, der Erziehung und ihren Agenten. Eine Kette ohne Ende! Und dann hätten wir wieder jede Menge von postings, die mir (und Dir?) klarmachen wollen, daß alles nur gesellschaftlich bedingt sei und daß eine wie immer geartete Verantwortung vor Gott mich (und Dich?) nur davon abhalte, selber nachzudenken, meine eigene Verantwortung zu akzeptieren und wahrzunehmen und endlich mich dazu führe, für wahr zu halten, was irgendwelche Autoritäten mir oktroyieren. Willst Du das? *lol*
Auch in der evangelischen Kirche gibt es die Beichte, zwar nicht mehr den Zwang zur Beichte, wie er in der katholischen Kirche noch bis vor einigen Jahren herrschte. Den hatte Luther abgeschafft, und deswegen hat sich in der evangelischen Kirche bald die Meinung durchgesetzt, es gebe in ihr überhaupt keine Beichte.
Zur Beichte gehört also das Bekenntnis der Sünde und die Bitte um Vergebung. Deswegen können die Talkshows natürlich auch keine Beichte sein, selbst wenn in „Anni, ich suche dich“ der Macker angeblich um Vergebung bittet.
Die Bitte um Vergebung und die Beichte sind vollkommen persönliche Dinge, frei von jeder Eitelkeit und jedem Drang zur Selbstdarstellung. Andernfalls träfe sie das Verdikt Jesu aus Matthäus 6, 5.
Übrigens: ich meine, jeder Christ könne jedem anderen Christen die Beichte abnehmen und ihm die Vergebung Gottes zusagen. Das ist nicht an ein Amt oder an eine besondere Qualität gebunden.
Reicht das für’s erste? Falls nicht, dann sag’s.
Gruß - Rolf
P.S.: Private Nachfrage: sind die Konjunktive gedrechselt genug?
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Hallo,
in einem Interview im Radio hörte ich gestern die Behauptung,
dass die Katholiken sich über die Beichte, die anschließende
Absolution des Geistlichen als Stellvertreter Gottes und das
Beten einer eben diesem Stellvertreter angemessenen Zahl von
längeren und kürzeren Gebeten (einen ganzen Rosenkranz zu
beten, wird heute kein Geistlicher mehr dem reuigen (?) Sünder
abverlangen, das verbietet ja schließlich die heutige Zeit mit
all ihren so wahnsinnig wichtigen Verpflichtungen, oder?)
ihren Seelenfrieden von Gott „erzwingen“.
bei dir klingt es so, als wäre beten etwas unangenehmes (abverlangen). Ich sehe das etwas anders als du. Warum hast du hinter reuigen ein ? gesetzt? Eine Beichte ist nur dann eine Beichte, wenn man bereut. Den Pfarrer kannst Du verarschen. Den, von dem die Absolution kommt garantiert nicht.
(…)
Schmerzt Reue noch?
Ich finde, nicht bereuen schmerzt auf Dauer mehr.
Muss Reue schmerzen?
Nein.
Machen es sich die Katholiken mit diesem Ritual nicht zu
einfach? Ablassrunterrattern, durchatmen und erleichtert ab in
den Alltag bis zur nächsten Sünde…
Fragen über Fragen…
Du unterstellst, dass Katholiken „Ablassrunterrattern“.
Durch diesen Satz habe ich eine Sünde begangen, denn ich fand dich anfangs zum kotzen, weil du damit die Gefühle von Katholiken (bewusst) verletzt.
Aber ich bereue schon wieder und habe dir sogar geantwortet.
Viele Grüße, Joe
Hallo Anja
Auch wenn ich hier eine für einige vielleicht etwas „radikale“ Ansicht habe: Wenn ich „beichten“ will, dann mach ich das ganz alleine ohne Pfarrer und nur mit Gott aus; dann bete ich nämlich zu ihm. Wobei ich hier nicht nur um des Beichtens willen bete, sondern auch sonst zu ihm bete (dass ich ihm danke für die guten Seiten in meinem Leben, dass ich ihn für gewisse Sachen um Verzeihung bitte usw. usw.). DAS ist für mich beichten, denn: einen Pfarrer geht meine „Beichte“ nix an und auf seine „Absolution“ kann ich verzichten, denn der Pfarrer ist genauso fehlbar und auch nur ein Mensch wie wir alle auch.
LG
Moni 
meine Antwort
Guten Abend…
@ Rolf
zuerst mal was Prinzipielles: von Gott läßt sich nichts erzwingen, sonst wäre er nicht Gott.
Die Wortwahl „erzwingen“ kommt ja nicht von mir, sie war nur Auslöser für meine beschriebenen Gedanken.
Und ja: Mein Maßstab für das, was ich Sünde nenne, ist sehr wohl mein Gewissen, d.h. letztlich auch meine Moral – woraus auch immer sie gespeist sein mag - auch wenn es sich dabei durchaus um Dinge handeln kann, die ich bei anderen Menschen als völlig selbstverständliches Verhalten und keineswegs als Sünde akzeptieren könnte, aber das liegt in meiner ureigensten Geschichte.
(…) was irgendwelche Autoritäten mir oktroyieren. Willst Du das?
Eben nicht. Da sind wir ja einer Meinung. Mir geht es um die Selbstverantwortung und die bildet sich ja aus dem Gewissen.
Übrigens: ich meine, jeder Christ könne jedem anderen Christen die Beichte abnehmen und ihm die Vergebung Gottes zusagen.
Das machen ja die Anonymen Alkoholiker im 5. Schritt ihres Programms, wo es heißt: „Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu“. Ich denke auch, dass dieses „veräußern“ entscheidend ist…
P.S.: Private Nachfrage: sind die Konjunktive gedrechselt genug?
Nicht schlecht, nicht schlecht, Rolf *g
@jörg
Du hast mich offensichtlich falsch verstanden. Es ging mir darum, die vielleicht provokativ gemeinte Feststellung des „Erzwingens“ zu betrachten. Was ich weiter unten auch beat schreibe: macht es sich der Christ nicht zu einfach, indem er Gott bittet, die Last von ihm zu nehmen – und sich nicht die „Mühe“ macht, diese Last selbst (abzu-)tragen?
Ja: Getätigte Reue ist ein sehr befreiender Moment…
Du unterstellst, dass Katholiken „Ablassrunterrattern“.
Und Du glaubst, dass es solche nicht gibt?
Durch diesen Satz habe ich eine Sünde begangen, denn ich fand dich anfangs zum kotzen, weil du damit die Gefühle von Katholiken (bewusst) verletzt.
Verletzen will ich niemanden – bewusst schon gar nicht. Ich war sowohl Protestantin als auch Katholikin (konvertiert) und bin dann irgendwann aus der Institution Kirche ausgetreten, was aber mit Glauben oder Nichtglauben rein gar nichts zu tun hat.
Aber ich bereue schon wieder und habe dir sogar geantwortet.
Na, wenn’s dem Seelenfrieden dient! *smile
@ beat:
Dann verzeiht Gott jedem, egal wer und was er gemacht hat, da die Sünden
Das ist ja genau der Punkt, wo sich bei mir die leisen Fragen melden. Enthebt es den Christen nicht auf sehr einfache Weise der Selbstverantwortung, von der Rolf so zutreffend sprach?
@ moni
So wie Du halte ich es auch. Mein Abendgebet ist eine Tagesbilanz, die Reue und das Bitten um Verzeihen einschließt. Aber das wichtigste Wort ist für mich statt „Amen“ „Danke“ zu sagen.
Gruß,
Anja
Hallo Moni,
(…)
DAS ist für
mich beichten, denn: einen Pfarrer geht meine „Beichte“ nix an
und auf seine „Absolution“ kann ich verzichten, denn der
Pfarrer ist genauso fehlbar und auch nur ein Mensch wie wir
alle auch.
das ist ja alles schön und gut, aber in der Bibel steht halt etwas anderes:
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20,23)
Dies sagt Jesus zu den Vertretern seiner Kirche.
Ob das nun im Rahmen eines Bußgottesdienstes, oder einer Beichte im Beichtzimmer, oder an der Theke einer Kneipe stattfindet ist sicherlich zweitrangig. Jesus möchte aber, dass wir unsere Sünden voreinander bekennen und das ist manchmal gar nicht so schlecht.
Viele Grüße, Joe