Es kam mir vor, als hätte Katrin Müller-Hohenstein die umstrittene Redewendung gar nicht passend gebraucht, als sie sie auf den geplatzten Knoten bei Miro Klose bezog. Bedeutet der Ausdruck wirklich so viel wie (tiefe) Genugtuung? Oder ist er noch etwas spezieller gemeint? Was wären typische Anwendungsfälle? Und worin berühren sich diese Fälle mit den Parteitagen im Dritten Reich?
Für mein Verständnis wäre es ein „innerer Reichsparteitag“, wenn jemand zwar zu Unrecht mit Lob überschüttet würde, aber ein solches Lob so nötig hätte, dass er es dankbar annähme. So geriete das Ganze zur Farce, und das wäre die Gemeinsamkeit damit, wie ich die Nazi-Großveranstaltungen sehe. - Vielleicht ist das Beispiel ganz daneben. Aber welche Beispiele wären treffend?
Ich sprach mit einem Geschichtslehrer, der meinte, der ursprüngliche Ausdruck wäre „innerer Vorbeimarsch“ gewesen, was sich dann zum Reichsparteitag gewandelt hätte unter Beibehaltung der militärisch-pompösen Assoziation. So richtig einleuchtend finde ich das nicht.
Es kam mir vor, als hätte Katrin Müller-Hohenstein die
umstrittene Redewendung gar nicht passend gebraucht, als sie
sie auf den geplatzten Knoten bei Miro Klose bezog. Bedeutet
der Ausdruck wirklich so viel wie (tiefe) Genugtuung?
In diesem Sinn wird der Ausdruck üblicherweise gebraucht und auch in einschlägigen Lexika definiert, z. B. Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten unter dem Stichwort „Volksfest“:
„Es ist mir ein Volksfest, ironische Verstärkung der Wendung ›Es ist mir ein Vergnügen‹, ›es ist mir angenehm‹, ›es freut mich sehr‹; ebenso: ›es ist mir ein innerer Reichsparteitag‹ oder ›es ist mir ein innerer Vorbeimarsch‹, mit parodistischer Beziehung auf die bombastischen Reichsparteitage der Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren aufgekommen.“
ich verstehe die Redewendung als die tiefste Form der Genugtuung, teils schon gepaart mit Schadenfreude.
Beispiel, ein Kollege wird mir immer vorgezogen, weil er angeblich vieles besser kann. Während ich seine Urlaubsvertretung mache, bringe ich seine Abteilung auf Vordermann und heimse Lob von oben ein.
Das ist mir dann ein innerer Reichsparteitag.
oder aus dem Fußball.
WM 90, Guido Buchwald wird immer als schlechter Fußballer bezeichnet, dann gelingt ihm ein Übersteiger gegen die Holländer und ein Beinschuß gegen Maradona.
Das ist ihm ein innerer Reichsparteitag, weil er allen gezeigt hat, dass er es doch kann und das nicht mal schlecht.
Der innere Reichsparteitag äußert sich dann nicht in riesigem, lautstarken Jubel, sondern in einer inneren Freude, so eine Art Dauergrinsen.
Vielen Dank für die Antworten und die guten Hinweise.
Was anderen ein „innerer Reichsparteitag“ (gewesen) sein mag, wäre mir jetzt ein „inneres Fidelio-Finale“ (Gefangenbefreiung plus Ehrenbezeigung). Momente, in denen ich Genugtuung erfahre, sollen nicht an Nazi-Events erinnern. Es gibt sie, die Alternativ-Metaphern („inneres Volksfest“ ist ebenfalls eine schöne).
kommt hier in den antworten nicht so zur sprache, aber der begriff erinnert nicht an nazievents, sondern ist ein übenommener ausdruck der gegner des naziregimes. das einschlagen auf die zdf-tante trifft völlig daneben. also die der politisch korrekten und der nicht recherchierenden journaille.