Hallo Pearl,
vielen Dank für die Anfrage. Leider war unser Dozent für Filmgeschichte in Urlaub und wir können Dir erst jetzt antworten - die Zeit war knapp.
Es ist recht schwer, zu diesem speziellen Thema etwas in der Filmgeschichtsliteratur zu finden.
Im klassischen (Edel-)Western spielen Indianer nur eine untergeordnete Rolle.
Oft waren die Indianer-Figuren(!) kaum mehr als anonymes „Indianer-Material“, keine ausgearbeiteten, individuellen Figuren, die eine eigene Figurenbeschreibung erfordert hätten (Ähnliches galt lange für die afroamerikanische Bevölkerung der USA in den unterschiedlichsten Genres des amerikanischen Films). Für Sequenzen wie „Die Indianer reiten hinter der Postkutsche her“, „Die Indianer werden von den Soldaten in die Flucht geschlagen“ oder „Die Indianer tanzen ums Lagerfeuer herum“ braucht man Statisten, Maske und Kostüme. Indianer braucht man dafür nicht.
Es gab nicht nur in Hollywoods Film-Business, sondern auch in Politik und Wirtschaft kaum einflussreiche Personen, die von den Ureinwohnern Amerikas abstammten. Daher ist die Frage keine primär filmgeschichtliche, sondern eine kulturpolitische bzw. sozialhistorische.
So wurden auch Indianer-Figuren mit einer individuellen Qualität von Schauspielern europäischer Abstammung dargestellt, beispielsweise von dem in Berlin geborenen Henry Brandon in John Fords „Der schwarze Falke“ (1956) oder Jeffrey Hunter und Hugh O’Brian in „Die weiße Feder“ von 1955. Auch der spätere Star Rock Hudson spielte in Winchester 73 (1950) den Indianer Young Bull.
Diese „Europäisierung“ findet man auch im Zusammenhang mit anderen ethnischen Gruppen in den USA, etwa bei Asiaten, siehe Peter Lorre als „Mr. Moto“, die vielen Darsteller der Figur des „Charlie Chan“, später satirisch überhöht von Darstellern wie Peter Sellers oder Peter Ustinov in dieser Rolle.
Erst später, seit der New Hollywood-Ära ab 1967, gibt es bekannte indianische Darsteller, die wiederum wegen ihrer Abstammung meist auf Indianer-Rollen festgelegt werden. Will Sampson oder Gary Farmer spielen selten Amerikaner, deren ethnischer Hintergrund für die jeweilige Geschichte vollkommen bedeutungslos ist.
Das gleiche Problem schildern immer wieder Schauspieler asiatischer oder afrikanischer Herkunft heute in Deutschland.
Vielleicht schaust Dir noch die Seiten an:
http://www.borg-ibk.ac.at/aktivitaeten/gesch/filme4_…
http://www.borg-ibk.ac.at/aktivitaeten/gesch/filme1_…
http://www.borg-ibk.ac.at/aktivitaeten/gesch/filme2_…
http://www.borg-ibk.ac.at/aktivitaeten/gesch/filme3_…
Uns würde es dennoch interessieren, ob Du von dem Material etwas verwenden kannst und mit welchem Erfolg. Wir drücken Dir die Daumen. Du kannst uns auch mal besuchen. Wohnst du in Berlin?
Alles Gute und viele Grüße Deine
Filmakademie Kelle