auf Grund eines Vorfalls im Bekanntenkreis ist in einer Diskussion
folgende Frage aufgekommen:
Die Ausgangssituation: ein „Taugenichts“, ohne Arbeitserfahrung und
ohne stabilen Lebenswandel verliert plötzlich seine Eltern. Es
beginnt ein Krieg mit Erbschleichern, dann der Kampf mit sich selber
Entscheidungen zu treffen (Haushaltsauflösung, Verwaltung von
Geldern, Wohneigentum und Organistion von Beerdigung und vieles
mehr).
Für die psychologischen Belange gibt es Psychologen. Was Erbrecht
angeht hat man Rechtsanwälte - aber gibt es eine Dienstleitung, die
in ungewöhnlichen Lebenslagen sozusagen „Full Service“ anbietet -
also praktisch zur Seite steht und sagt wo es lang geht, was zuerst
wie erledigt werden muss? Gibt es sowas und wenn ja, hat es auch
einen Namen?
aber gibt es eine Dienstleitung, die
in ungewöhnlichen Lebenslagen sozusagen „Full Service“
anbietet - also praktisch zur Seite steht und sagt
wo es lang geht, was zuerst wie erledigt werden muss?
Gibt es sowas und wenn ja, hat es auch einen Namen?
„Freunde“ wurden schon genannt - professionell als Dienstleistung nennt man so jemand m. W. Coach. Ein Coaching ist quasi eine professionelle „Begleitung“ in bestimmten Situationen, bei Entscheidungen und Projekten. Ein guter Coach sagt auch, wenn er selbst etwas nicht kann und hilft ggf. bei der Suche nach Spezialisten. Ein guter Coach trifft nicht selbst Entscheidungen in der Sache, sondern wägt mit dem zu Coachenden für und wider ab und hilft ihm zu „richtigen“ Entscheidungen. Ein guter und ehrlicher Coach scheut auch vor unbequemen Wahrheiten nicht zurück, die ggf. sogar sein Engagement beenden könnten.
Da es für Coaches ebenso wenig eine verlässliche Qualitäts-Messlatte gibt wie z. B. bei Unternehmensberatern oder Seelsorgern und keine objektiven Qualifizierungsnachweise, tummeln sich unter dem Begriff auch viele Scharlatane und Betrüger. Ein tadelloser Ruf und Empfehlungen sind m. W. die besten Auswahlkriterien.
für psychisch Kranke bzw. „Angeschlagene“ gibt es in jedem
Landkreis den sozialpsychiatrischen Dienst, der auch bei
„Alltagsbewältigung“ hilft.
Na ja, wenn nicht grad ne wirklich schwerwiegende Psychose oder so vorhanden ist hilft eher ein Sozialarbeiter vom Sozialamt (nicht ARGE, sondern die andern), zumal vorher offenbar schon ein Klientenschaft (zumindest zur ARGE) vorlag und nun der plötzliche Geldsegen und die liebe Verwandtschaft den Knaben überfordern.
Einfach mal bei Sozialamt/Amt für Soziale Dienste anrufen und nachfragen wer in dem BEzirk (Strassenname)für sowas (Sozialberatung) zuständig ist. Sich bei dem dann einen Termin holen und das Leid vortragen. Da sitzen Profis die einen in die richtige Richtung schubsen auch wenn wenn man nicht grad am finanziellen Abgrund steht sondern nur am sozialen oder organisatorische Lebensbewältigungsratschläge braucht.
Gruß Susanne
in ungewöhnlichen Lebenslagen sozusagen „Full Service“
anbietet - also praktisch zur Seite steht und sagt wo es lang geht,
was zuerst wie erledigt werden muss? Gibt es sowas und wenn ja, hat es
auch
einen Namen?
ich finde den Begriff auch nicht wirklich schön und habe ihn aus der
Literatur herausgriffen (Aus dem Leben eines Taugenichts) und den
Begriff zusätzlich in Anführungszeichen gesetzt. Es handelt sich
hierbei um eine Person, die mit mitte 30 noch keine geregelte Arbeit
nachgegangen ist - nicht weil er keine bekommen würde, sondern weil
er es einfach nicht schafft morgends aufzustehen und einen halbwegs
strukturierten Tagesablauf zu organisieren. Beispiele: Verschimmelte
Kaffeetassen, verkümmerte Sozialkontakte, kein Licht in der Wohnung,
weil er noch nicht einmal in der Lage ist eine Glühbirne
auszutauschen, Joint noch vor dem Aufstehen usw… Dazu kommt noch,
dass er das alles gar nicht machen muss, weil sein Bankkonto aufgrund
von den reichen Eltern stets gefüllt ist. Dann sterben sie innerhalb
eines Jahres und er fällt in ein tiefes Loch und hat nie gelernt mit
irgendeiner Situation fertig zu werden, die Wachsamkeit und Struktur
erfordert.
Ich denke dass in diesem Zusammenhang „Taugenichts“ zutreffend ist.
Es ist nicht menschenverachtend, sondern traurig. Er hat das Leben
nicht gelernt, hat kein Urvertrauen (Psyhcologen haben es auch
Borderline genannt). Und meine Frage ist: wer kümmert sich um solch
einen Menschen in einer solchen Situation, nicht nur mental, sondern
rein praktisch: z.B. verkaufe das Haus, vermiete die Wohnung, lege
die Aktien so und so an und wie führe ich einen Haushalt, wo willst
Du hin, was willst Du erreichen?
Es tut mir leid, aber handelt sich hier wirklich um einen
„Taugenichts“. Er hat ist von seiner Mutter verlassen worden, hat die
Schule nicht nach seinen wirklichen Fähigkeiten abgeschlossen, keine
Ausbildung, keine Familie, hat nie gearbeitet und wird es auch in
absehbarer Zeit nicht. Ist Millionär und bekommt sein Leben nicht in
den Griff. Es geht hier nicht um caritative Hilfe, sondern um eine
Dienstleistung jemanden auf den Pfad der Realität zu schubsen. Er
schafft es noch nicht einmal eine Beerdigung zu organisieren. Seine
(Adoptiv) Eltern haben ihn verachtet und misstraut.
Ich begleite ihn zu Anwälten und helfe so gut es geht.
Gibt es sowas wie Lebensberater?
dir kann ich nichts raten, du kommst aber bestimmt auch so klar. Deinem Bekannten würde ich dringend nahe legen, seine Kontakte zu überprüfen und sich von Leuten fern zu halten, die den Begriff „Borderline“ im gleichen Atemzug mit „Taugenichts“ verwenden.
Warum hilfst du ihm eigentlich? Sympathie und Respekt sprechen jedenfalls nicht aus deinem Beitrag. Dickes Sternchen für nina, die ich selten so kurz angebunden gelesen habe
Pekuniäre Absichten will ich dir hier selbstverständlich nicht unterstellen, aber auch wohlmeinende Helfer, die meinen, sie könnten Menschen mit unklarer Symptomatik kurieren, indem sie sie nur mal endlich „in die Realität schubsen“, können großen Schaden anrichten.
Ich würde ihm raten eine unabhängige Beratungsstelle aufzusuchen und ihm darüberhinaus von ganzem Herzen Freunde wünschen, die ihn nicht abstempeln.
Hallo Chili, ja es gibt Lebensberater, die in freier Praxis arbeiten, allerdings denke ich nicht das dies etwas für deinen Freund wäre, denn:
eine bestimmte Ausbildung ist für den Beruf nicht vorgeschrieben, man kann Glück haben (Psychologe oder Pädagoge) oder auch Pech (selbsterkorene, auch die Sparte Astrologen/Tarotleger etc. nennt sich oft so)
es sind eben Freiberufler, die durchaus Geld für ihre Dienste verlangen (und dies auch ruhig sollen), aber daher evtl keinen Anreiz haben, dem klienten wirklich zu einem eigenständigen Leben zu verhelfen, insbes. wenn da noch so viel zu holen ist.
freie Lebensberater arbeiten oft nach irgendwelchen Methoden wie NLP, die zwar gut zum Stukturieren sind, aber auch missbräuchlich verwendet werden können. Oder Lebensberater auf der spirituellen Schiene schwatzen ihm ihr esoterik-Ding auf.
Drum mein Rat, insbes. wenn Drogen oder bereits vorhandene Psychologische Vorerfahrung dabei ist, gibt es eben Möglichkeiten über den Sozialdienst der Stadt, meist im Sozialamt integriert (kommt drauf an, wo du wohnst, wie es struksturiert ist, schreib mir eine direktmail, dann kann ich dir eine genaue Stelle für die entsprechende Stadt raussuchen lassen- Mein Dad hat in dem Bereich gearbeitet und war beim Sozialarbeiterberufsverband die Nr. 2 für SH, kann also auch für andere Bundesländer die entsprechenden Stellen herausfinden)
Die werden von anderer Stelle finanziert, oder evtl gibt es auch Vereine, die sich um solche Fälle kümmern (also jene die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, egal was auf dem Bankkonto noch liegt) Auch die helfen erst mal kostenlos; wenns ihm was bringt steht es ihm dann immer noch frei, denen ein bisschen was zukommenzulassen, gegen Steuerreduzierende Spendenbescheinigung.
Ich denke da an sowas…http://www.bruecke-sh.de/
auch wenn die inzwischen zur gGmbH mutierten…
Alles andere (zB. Wohlfahrtsverbände)wäre evtl unter seinem Niveau, allerdings ist es vermutlich sinnvoll wenn er sich erst einmal darüber klar wird, wo sein Niveau so grade liegt…nämlich wohl eher etwas tiefer. Schade…
ein taugenichts trägt doch eher selbst die verantwortung für sein dasein. was du da beschreibst sieht mir aber eher nach ursächlicher fremdeinwirkungung aus - er hat sich nichts selbst dazu gemacht.
und so würde ich ihn eher als eine am leben gescheiterete person sehen, als chancenloser - ohne die chancen die ihm als kind hätten zugestanden.
bleibt zu hoffen das er mal auf menschen trifft die sicher seiner so annehmen wie er es braucht - damit er ein wenig nachholen kann was er nie lernen durfte - so könnte sich auch sein leben ein stück verändern.
ich kann hier jedenfalls nicht sehen das er ein taugenichts ist - ein mensch der zu nichts taugt - eher die menschen die ihre aufgabe ihm gegenüber hätten erfüllen sollen waren das… wenn denn überhaupt das wort anwendung finden sollte.
aber das ist meine personliche meinung - übrigens glaube ich das deine sicher gut gemeinte hilfe hilfreicher wäre wenn du in ihm keine person sehen würdest die zu nichts taugt - jeder mensch taugt zu vielem - nur nicht alle zu allem und manche eben nur zu dingen die nicht für jedermann ersichtlich sind. - mit viele sinnvoller hilfe kann er aber auch noch seinen platz im leben finden.
ich stelle mir vor jeder würde in mir einen taugenichts sehen - ob ich da wohl ne chance hätte in mir etwas anderes zu sehen und meine restlichen energien dafür einzusetzen? - glaube kaum.