Liebe werweisswas-Gemeinde,
habe eine Frage zu lackiertem Parkett. Mir geht es darum zu wissen wie „standhaft“ ein lackiertes Eichenparkett gegen Eindringen von Flüssigkeit sein sollte, wenn ordnungsgemäß lackiert?
3 Beispiele:
1.) Nass wischen? Darf Wasser in den Fussboden eindringen oder sollte der Lack das Eindringen verhindern?
2.) Wenn über Nacht vom Christbaumständer das Wasser ausläuft - muss die Lackierung dagegen resistent sein / sollte der Lack das Eindringen verhindern oder dringt das Wasser über Nacht in den Boden ein und hinterlässt einen entsprechenden (schwarzen) Abdruck?
3.) Wenn man an der Couch mit durchsichtigem/flüssigen Silikon arbeitet, um das Quietschen der Scharniere zu beseitigen und im Nachhinein Silikon auf das Parkett tropft - ist es richtig, dass das Sillikon dann in das Parkett eindringt und das Parkett sich an der entsprechenden Stell verdunkelt oder sollte der Lack das Eindringen verhindern?
Und wie verhält es sich mit der Gewährleistung in oben beschriebenen Fällen?
1000 Dank für Eure Antworten!
Die Lackierung ist, im gegensatz zum Ölen, keine Hokzoberfläche mehr, sondern eine dünne Schutzschicht auf Holz. Es kommt auf die Stärke der Schicht an. Wasser sollte unter natürlichen Bedingenen nicht eindringen dürfen, es sei denn, der Boden wird der Nässe gleich einem U-Boot ausgesetzt, das Silikon könnte sich, je nach Lösungsmittelanteil mit dem Lack verbinden oder diesen anlösen, aber normalerweise sich abziehen lassen und nicht haften bleiben.
Hallo Mike12345,
ein Fußbodenbelag aus Holz stellt keinen homogenen Belag dar, wie z.B. PVC. Er besteht aus einzelnen Holzstäben, die natürlich allesamt holzspezifische Eigenschaften aufweisen.
Eine der wichtigsten Eigenschaften in diesem Fall ist die Volumenänderung. Diese Änderung ist nicht temperatur- sondern feuchtigkeitsabhängig. Das bedeutet, im Winter bei trockener Heizungsluft sind die Spalten zwischen den Parkettstäben größer, als im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das Schwinden des Holzes findet größtenteils in Faserrichtung statt, so dass die Spalten an der kurzen Seite der Parkettstäbe am größten werden. Ebenfalls in Faserrichtung saugt das Holz aber Wasser.
Kommen wir also zur Versiegelung des Parketts. Diese Versiegelung wird in eingebautem Zustand nach dem Abschleifen aufgebracht. Sie bildet eine homogene Schicht auf der Oberfläche des Belags. Diese Schicht ist hart, aber nicht dehnbar. Die Stirn-, Seiten- und Unterflächen können lagebedingt nicht versiegelt werden. An genau den Stirnseiten findet aber die Waseraufnahme des Parkettstabs statt.
Somit zu deinen Fragen:
Parkett ist der Bodenbelag, der auf Grund der Holzeigenschaften am empfindlichsten auf Nässe reagiert. Er ist nicht wasserdicht. Das ist weitgehend unabhängig von der Versiegelung.
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Ein Parkettbelag darf nicht nass gewischt werden, bestenfalls „nebelfeucht“. Die Versiegelung kann dasEindringen von fließendem Wischwasser nicht vollständig verhindern. Der Staubsauger ist immer die bessere Wahl.
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Genau solche Pfützen entstehen bei Christbaumständern oder übergossenen Zimmerpflanzen. Je nach Einwirkungsdauer wird das Wasser das Parkett verfärben oder sogar durch Verformung zerstören.
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Wenn du mit Chemikalien auf versiegelten Flächen rumtropfst weisst du nie genau, wie die sich verhalten. Etwas unterzulegen ist sicher immer richtig. Die Versiegelung erfolgt in der Regel mit Lacken auf Wasserbasis und die sind natürlich immer irgendwie löslich und damit enpfindlich gegen Flüssigkeiten.
Alles was ich zwischen 1 und 3 erörtert habe, gehört in die Kategorie „unsachgemäße Behandlung“ und dafür gewährleistet kein Mensch. Gewährleistung gibt es über eine gewisse Zeitspanne nur für Material- und Verarbeitungsmängel. Übrigens händigt dir jeder Parkettleger ein Merkblatt aus, in dem die Materialeigenschaften und -grenzen, sowie Nutzung und Pflege beschrieben sind.
Grüße Hubert
Hallo Hubert, vielen Dank für die Infos. Gefühlsmäßig war ich auch in der Richtung.
War allerdings der Meinung, dass Wasser (in kleinen Mengen), auch wenn es länger steht durchaus durch die Lackierung abgehalten werden sollte. Dein Punkt bzgl. „Atmen“ vom Holz leuchtet allerdings in diesem Zusammenhang ein.
Hallo Hr. Goltz, danke für Ihre Infos. Die Frage, die sich mir stellte ist wie weit „natürliche“ Bedigungen gehen. Wenn man nass wischt und direkt trocknet, dann sollte es standhalten. Wenn aber zB Wasser über Nacht in kleineren Mengen (s. Bsp. 2) steht oder Silikon nicht sofort weggewischt wird (Bsp. 3) - wie natürlich ist das?