Belege für das islamische Kopftuchgebot

Hi,

seit einiger Zeit schon bin ich auf der Suche nach nachvollziehbaren Quellenangaben für das Bestehen, bzw. die Entstehung des islamischen „Kopftuchgebots“.
Sind die Musliminnen, die sich diesem Gebot verpflichtet fühlen, eindeutig einer Gruppierung innerhalb des Islams zuzuordnen; gibt es eine konkrete, namentlich benennbare, „Schule“, die auf diesem Gebot besteht?

Während meiner eigenen Recherchen habe ich einzelne Verse verschiedener Suren des Korans gefunden, die auf Bekleidungsvorschriften hinweisen - aber auch nicht mehr als dies.

Gibt es Aussagen in der Sunna, aus denen sich eine direkte religiöse Verpflichtung zum Tragen des Kopftuches ableiten läßt? Wie ist die genaue Formulierung (soweit sie sich „genau“ übersetzen läßt)?
Für welchen islamisch Gläubigen ist es relevant, einer solchen Verpflichtung buchstabengetreu zu folgen, bzw. welcher Gläubige fühlt sich welcher Interpretation verpflichtet?

Bitte konkret in Bezug auf „Kopftuchgebot“.

thx in adv

seit einiger Zeit schon bin ich auf der Suche nach
nachvollziehbaren Quellenangaben für das Bestehen, bzw. die
Entstehung des islamischen „Kopftuchgebots“.
Sind die Musliminnen, die sich diesem Gebot verpflichtet
fühlen, eindeutig einer Gruppierung innerhalb des Islams
zuzuordnen; gibt es eine konkrete, namentlich benennbare,
„Schule“, die auf diesem Gebot besteht?

Während meiner eigenen Recherchen habe ich einzelne Verse
verschiedener Suren des Korans gefunden, die auf
Bekleidungsvorschriften hinweisen - aber auch nicht mehr als
dies.

Gibt es Aussagen in der Sunna, aus denen sich eine direkte
religiöse Verpflichtung zum Tragen des Kopftuches ableiten
läßt? Wie ist die genaue Formulierung (soweit sie sich „genau“
übersetzen läßt)?
Für welchen islamisch Gläubigen ist es relevant, einer solchen
Verpflichtung buchstabengetreu zu folgen, bzw. welcher
Gläubige fühlt sich welcher Interpretation verpflichtet?

Hallo,

das Kopftuch darf nicht als alleinstehendes Objekt betrachtet werden. Denn es soll eine Funktion erfüllen, genauso wie die restliche Bekleidung. Deshalb wirst du öfters in der Sunna oder im Koran Stellen finden, die auf die Bekleidung eingehen, keine erwähnt das Kopftuch namentlich. Nichtsdestotrotz besteht die Verpflichtung für muslimische Frauen, sich zu bedecken und das schliesst die Haare genauso ein, wie es die Beine einschliesst.

Das deutlichste Gebot ist der Sunna zu entnehmen. Ich zitiere hier aus islamonline.net:
Also, the Prophet (peace and blessings be upon him) said to Asma’, daughter of Abu Bakr (may Allah be pleased with them): "O Asma’! Once a girl reaches puberty, nothing of her body may be seen (by non-mahrams) except this and these, (he pointed to his face and hands while saying so)."
ungefähre Übersetzung:
"Der Prophet (sas) sagte zu Asma’, der Tochter Abu-Bakrs: „Asma’, wenn ein Mädchen das Alter der Pubertät erreicht, dann darf nichts von ihrem Körper sichtbar sein (für nicht-Mahrams, also ausgenommen Brüder, Vater, Onkel usw.) ausser diesem und diesen (und er zeigte auf sein Gesicht und auf seine Hände).“
Wie gesagt, das ist die eindeutigste Stelle (meines Wissens) aber nicht die Einzige.
Weitere sind hier findbar:
http://www.islamonline.net/fatwa/english/FatwaDispla…

Leider wurde dem Kopftuch eine politische Symbolhaftigkeit zugeordnet, die er eigentlich nicht hat. Glücklicherweise gibt es noch Länder, in denen Vorurteile nicht entscheiden:

"Muslims Welcome Zurich’s Refusal To Ban Hijab"
http://www.islamonline.net/English/News/2004-07/22/a…

Gruss, Omar Abo-Namous

http://www.islaminhannover.de

Eine kleine Ergänzung: In Niedersachsen hatten wir einen Fall, der in den Medien fast keine Beachtung bekam. Eine Muttersprachenlehrerin hat nach dem Verbot angeboten, statt des Kopftuchs Mütze und Schal zu tragen. Damit kann sie u.U. gleichzeitig ihrer religiösen Verpflichtung nachkommen und die offensichtlich befürchtete Signalwirkung des Kopftuchs vermeiden. Daraufhin zitierte man den Schuldirektor mit „Ich will ihre Haare sehen.“

Gruss, Omar Abo-Namous

http://www.islaminhannover.de

…ob die Muslime das Kopftuch tragen wollen oder nicht. Wir haben es als solches zu respektieren. Es bleibt allein ihre Entscheidung. Wer immer sich da einmischt, ist Dumm, Kleingeistig und …einfach zurückgeblieben.
Ich wünschte ich könnte die Lehrer auf die Straße stellen, die da glauben sie könnten die religiösen Gefühle anderer verletzten.

Basta
rolf

Warum enthält Bibel auch ein Kopftuchgebot …
An die Korinther 1 formuliert Paulus ein solches …

Warum ?

Weil es dort unschicklich war für verheiratete Frauen ohne Kopftuch rumzulaufen ?
(Hat mir jemand erzählt, aber das klingt sehr komisch)

Weil es damals weltweit üblich war, aber heute total unüblich ist
gesellschaftlich und keine an sich positive Sache ist (Kleiderordnung
ist ethisch neutral, z.B. was sittsam ist kann sich von Land zu Land massiv unterscheiden)
Ist das Kopftuch in diesem Sinne zu verstehen, dass es in diesem Land damals sittsam war und deshalb getragen werden sollte es aber in der heutigen Zeit Gesellschaftlich ehr negative Gefühle weckt (die gehört doch zum Islam) und deshalb als christliches Gebot Unsinn wäre ?

Es gibt ja Gebote im NT wie Nächstenliebe, die sind an sich immer gut, dann gibt es Kleidungsgebote, die müssen nicht immer gut sein, Kleidung an sich ist ja neutral, und nur wenn man Kleidung mit bestimmten geistlichen Werten verbindet dann erfüllt sie einen guten/bösen Zweck, wenn aber der geistliche Wert eines Kopftuches gesellschaftlich überhaupt nicht mehr existiert, verliert das Kleidungsstück doch seine Daseinsberechtigung …

Entstehung des islamischen „Kopftuchgebots“

ein großer irrtum ist imho, daß ein kopftuch als ausschließlich islamisch wahrgenommen wird. in wirklichkeit ist es eher so, daß ein kopftuch oder andere kopfbedeckungen für frauen überall dort anzutreffen sind, wo es besonders konservativ und religiös zugeht. das gebot selbst wird sogar bereits aus moses abgeleitet (einer frau wird als strafe das haar entblößt, was darauf hinzeigt, daß dieses eine erniedrigung gewesen sein muß.) religiöse jüdinnen tragen eine kopfbedeckung. und wenn du in südeuropäischen kirchen guckst, zb. in griechenland, wirst du keine frau mit bloßem haupt sehen. allein die typisch islamische form des kopftuches kann man herausstreichen, aber nicht das kopftuch an sich. also imho weder etwas außergewöhnliches noch einen aufreger wert. wahrscheinlich hat deine oma sowas getragen oder tut es noch.

gruß
datafox

und deshalb
als christliches Gebot Unsinn wäre

wie kommst du drauf? „die anständige frau“ geht selbstverständlich mit bedecktem haar in die kirche. guck doch mal in griechenland oder italien.

gruß
datafox

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Hi datafox, hi magnusfe,

thx for repleys

Sicher, Bekleidungsvorschriften sind nicht Sache EINER Religion, allerdings geht es mir hier speziell um das Kopftuchgebot im Islam; bzw. um Quellenangaben zu diesem Gebot.

Natürlich kann ich mir vorstellen, das die christlichen und islamischen Bekleidungsgebote ähnliche Ursprünge haben und ich habe selbst in Griechenland und zum Beispiel auch unter russisch orthodoxen Christen recht strikte „Vorschriften“ zur Kleidung beobachten können.
Dennoch ist es speziell das islamische Kopftuch, das als immer und überall zu tragende Pflicht-Verhüllungs-Stück (für Frauen) postuliert wird - und die religiöse Grundlage eben dieses Geobtes interessiert mich.

Hi Thorshammer,

bei allem Respekt erscheint mir deine Antwort wenig hilfreich.

Ich möchte vor allem eine Erklärung, bzw. Herleitung für das islamische Kopftuchgebot finden - wie man dann damit umgeht, ist doch eine ganz andere Frage.

Und das man etwas „zu akzeptieren hat“ ist schon beinahe ein Oxymoron.

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Danke!

Das deutlichste Gebot ist der Sunna zu entnehmen. Ich zitiere
hier aus islamonline.net:
Also, the Prophet (peace and blessings be upon him) said to
Asma’, daughter of Abu Bakr (may Allah be pleased with them):
"O Asma’! Once a girl reaches puberty, nothing of her body
may be seen (by non-mahrams) except this and these, (he
pointed to his face and hands while saying so)."

Hi Omar Abo-Namous,

erstmal besten Dank für die eindeutige Antwort - ich würde gerne eine weitere Frage anschließen:

Wir sprechen hier ja von religiösen Geboten, wie sie jede Religion kennt. Soweit ich weiß, wird theologisch meist unterschieden zwischen ‚must do`s‘, ‚should do´s‘ und ‚can do´s‘.
Läßt sich für den islamischen Glauben eine „Strömung“ oder „Gruppierung“ benennen, bei der das Kopftuchgebot unter die ‚must do´s‘ fällt? Läßt sich eine andere nennen, bei der dies unter ‚can do´s‘ fällt (mir sind schon Leute begegnet, die sich erstens zum islamischen Glauben bekennen und zweitens das Bedecken der Haare für verzichtbar halten) ?

Leider wurde dem Kopftuch eine politische Symbolhaftigkeit
zugeordnet, die er eigentlich nicht hat.

Vielleicht sollte man eher sagen „hatte“, denn durch die Ereignisse besonders der letzten zwei Jahrzehnte ist die politische Symbolhaftigkeit jetzt wohl in der Welt - ob einst intendiert oder nicht.

gruß

Gutes Beispiel übrigens

Eine kleine Ergänzung: In Niedersachsen hatten wir einen Fall,
der in den Medien fast keine Beachtung bekam. Eine
Muttersprachenlehrerin hat nach dem Verbot angeboten, statt
des Kopftuchs Mütze und Schal zu tragen. Damit kann sie u.U.
gleichzeitig ihrer religiösen Verpflichtung nachkommen und die
offensichtlich befürchtete Signalwirkung des Kopftuchs
vermeiden. Daraufhin zitierte man den Schuldirektor mit „Ich
will ihre Haare sehen.“

Ich möchte kurz eines anschließen, das einen anderen Verlauf zeigt (jetzt mal unabhängig davon, ob wir vom Staatsdienst innerhalb eines säkulären Rechtsstaats sprechen oder nicht):
Eine Kollegin von mir, die ich während eines studentischen Nebenjobs kennenlernte, … fiel eigentlich nicht besonders auf. Nur ein außerordentlich genauer Beobachter hätte vielleicht registriert, das sie -unabhängig von Jahres- oder Tageszeit- immer ihre Haare bedeckt hielt; normalerweise mittels modischer Kappen oder Mützen.
Sie folgte als gläubige Muslimin dem Gebot zum Bedecken ihrer Haare (natürlich trug sie auch immer einen hochgestellten Kragen oder ähnliches, selbstverständlich waren ihre Beine immer von Kleidung bedeckt usw. usf.).
Der Witz an der Geschichte ist folgender: sie folgte den Bekleidungsgeboten ihrer Religion sehr genau - daß sie gläubige Muslimin war, erfuhr man aber nur im Gespräch mit ihr (sie machte aus ihrem Bekenntnis keinen Hehl) oder durch besagte genaue Beobachtung in Kombination mit einer gewissen Vorbildung in Bezug auf den Islam.

Ich denke, so wie der Schuldirektor in dem von dir erwähnten Fall ein Beispiel für Sturheit ist, kann die besagte Lehrerin als Beispiel für Trotzverhalten hergenommen werden: wird ihr nicht erlaubt, dem Kopftuchgebot auf übliche Weise nachzukommen, bietet sie an, es als „Martyrium“ „vor sich her zu tragen“.
Bei Schal und Mütze bei hochsommerlichen Temperaturen würden einige sich Fragen stellen - bei der Muslimin aus meiner Erzählung ist das nie (oder fast nie) passiert, obwohl tatsächlich nie mehr als Gesicht und Hände unbedeckt waren.

gruß

fiel eigentlich nicht besonders
auf. Nur ein außerordentlich genauer Beobachter hätte
vielleicht registriert, das sie -unabhängig von Jahres- oder
Tageszeit- immer ihre Haare bedeckt hielt; normalerweise
mittels modischer Kappen oder Mützen.

schönes und entlarvendes beispiel.

man sieht daß es eben nicht um „frauenunterdrückende aussagen“ geht, oder gleichberechtigung, oder das symbolisieren von terrorismus, sondern simpel und einfach darum, daß man das fremde nicht haben will, von fremdländischen traditionen nicht belästigt wird und sich damit nicht auseinandersetzen muß. solange sie nicht „auffällt“ und „modische mützen und kappen“ trägt - d.h. solange sie einfach als christliche deutsche durchgeht, fragt sie keiner danach, warum sie ihren körper so schamhaft bedeckt (ist halt ihre art?). würde sie das typische kopftuch tragen, wäre sie aber eindeutig „fremd“ (auch als konvertierte) und das darf nicht sein, das stört!

es geht also um identitätskonflikte. um die mentale, empfundene bedrohung durch minderheiten, um angst um die eigene identität. das sind heikle aber wichtige themen.

den mut das auszusprechen hat aber keiner, da die debatte sofort in eine moralische über rassismus münden würde, an deren ende der unvermeidliche nazivergleich steht. und solange man darüber nicht spricht, werden im gegenzug trotzreaktionen von jenen kommen, die sich da persönlich angegriffen fühlen. und die trotzreaktionen sind wiederum stellvertreterkriege und es wird mit religionsfreiheit usw. argumentiert…

gruß
datafox

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Wir sprechen hier ja von religiösen Geboten, wie sie jede
Religion kennt. Soweit ich weiß, wird theologisch meist
unterschieden zwischen ‚must do`s‘, ‚should do´s‘ und ‚can
do´s‘.

Stimmt, im Islam wird in einer sogenannten „Wissenschaft der Prioritäten“ darunter unterschieden. Auch einzelne Gebote können manchmal schon von vornherein als should do’s gestellt sein (Bart beim Mann). ‚Can do’s‘ sind meiner Meinung nach eher Rechte als Pflichten.

Läßt sich für den islamischen Glauben eine „Strömung“ oder
„Gruppierung“ benennen, bei der das Kopftuchgebot unter die
‚must do´s‘ fällt? Läßt sich eine andere nennen, bei der dies
unter ‚can do´s‘ fällt (mir sind schon Leute begegnet, die
sich erstens zum islamischen Glauben bekennen und zweitens das
Bedecken der Haare für verzichtbar halten) ?

Das interessante ist doch, dass die deutsche Politik stets behauptet, sie sehe den Islam durch keine deren Richtungen vertreten und mit dieser Aussage kann sie sich auch immer ausreden (Beispiel islamischen Unterricht an den Schulen). Aber bei der Kopftuchfrage gab es meines Wissens keine einzige islamische Glaubensrichtung, die sich gegen das Kopfuch war. Vor allem die zwei grösseren Gruppen im Islam Sunna und Shia’ waren sich beim Thema Kopftuch einig, nicht zuletzt wegen der sehr guten Beweislage religiös. Es kann sein, dass die Aleviten kein striktes Kopftuchverbot haben, aber im grossen und ganzen erkennen Muslime zu 99% an, dass es ein Kopftuchgebot im Islam gibt.

Ein vollkommen anderes Thema ist die Durchführung dieses Gebotes bei einzelnen Personen. So gibt es einige, die aus den verschiedensten Gründen kein Kopftuch tragen, obwohl sie sich als Muslime verstehen. Die meisten von ihnen wisssen, dass es ihre Pflicht ist. Manchmal werden sie gesellschaftlich gezwungen, das Kopftuch auszuziehen. Ich kenne sogar Fälle, in denen der Mann die Frau gezwungen hat, ihr Kopftuch auszuziehen, vor allem wenn er sich dadurch bessere Chancen für die Einbürgerung oder das Anerkennen vom Asyl verspricht. Ich habe zuletzt in einer Veranstaltung rund um das Thema Islam (von Pr. Antes) eine Muslima gesehen, die kein Kopftuch getragen hat, aber sagt, dass sie gerne eines tragen würde, wenn die deutsche Gesellschaft nicht mehr dadurch diesen Angriff auf sich sehen würde.

Worauf ich hinaus will ist: Auf persönlicher Ebene gibt es viele Gründe, warum die Einzelperson sich nicht an bestimmte Gebote hält, aber sie können keineswegs eine theologische Begründung dafür heranziehen.

Leider wurde dem Kopftuch eine politische Symbolhaftigkeit
zugeordnet, die er eigentlich nicht hat.

Vielleicht sollte man eher sagen „hatte“, denn durch die
Ereignisse besonders der letzten zwei Jahrzehnte ist die
politische Symbolhaftigkeit jetzt wohl in der Welt - ob einst
intendiert oder nicht.

Ich glaube, so weit muss man gar nicht zurück. Erst in den letzten 5 Jahren oder mit Beginn der ersten Auseinandersetzungen um das Kopftuch hat man zu diesem Mittel gegriffen, um das Fremde auszuschliessen.

Eines möchte ich anfügen: Das ‚Revival‘ des Kopftuchs in islamischen Ländern wird öfters missverstanden als Massstab für den möglichen Erfolg der islamischen Parteien (wenn es denn überhaupt Wahlen gäbe). Hier liegt das Problem, dass zwei Phänomene, die nichts miteinander zu tun haben gleichzeitig stattfinden:

  1. muslimische Vereinigungen (mir ist zunächst egal, ob sie militant oder ‚zivil‘ ausgerichtet sind) interessieren sich mehr an der politischen Mitwirkung.
  2. Muslimische Bürger finden zu alten Werten in ihrer Religion zurück. So ist es bei den Frauen ja nicht nur das Kopftuch, sondern auch die längere Kleidung usw… die Einzug halten. Wer das bemängelt, hat scheinbar nur Angst alleine nackt am Strand zu sitzen…

Gruss, Omar Abo-Namous

http://www.islaminhannover.de

ist das auch wirklich alles?
Der Identitätskonflikt und die so alte wie unsinnige Frage: Was ist deutsch? spielen da sicherlich eine große Rolle; dennoch: der Imperativ, das Kopftuch -und zwar meist in einer ganz bestimmten Art und Weise- immer und überall tragen zu müssen macht es zu etwas Besonderem unter den Fan-Devotialien der Gottesfürchtigen.

Religionsfreiheit und der Hinweis auf kulturelle Tradition kann nicht als Vorschlaghammer für ethische Beliebigkeit herhalten.

Wenn die Verwendung des „traditionellen“ Kopftuches und Fundamentalismus miteinander korrelieren, dann ist das natürlich kein Beweis für einen Zusammenhang, genauso wenig wie die Korrelation zwischen Frauenunterdrückung und Kopftuch - es bringt allerdings auch herzlich wenig, solche Korrelationen immer als koinzident abzutun.

Stichpunkte

„Wissenschaft der Prioritäten“

Auch hierzu Danke. Es hilft mir immer sehr, eine klare Benennung zu haben; mir waren schon Unterscheidungen aufgefallen, die im Islam zwischen ‚schwachen‘ und ‚starken‘ Quellen gemacht werden - so weit ich es verstanden habe, in Bezug auf die Verwandschaftslinie zu Mohammed - aber der Oberbegriff „Wissenschaft der Prioritäten“ ist gut verständlich.

im grossen und ganzen erkennen Muslime zu 99% an, dass es ein
Kopftuchgebot im Islam gibt.

really?!
Du findest mich erstaunt, denn wenn es sich tatsächlich nur um 1% der Muslime dreht, die das Kopftuchgebot als anachronistisch und kontraproduktiv einschätzen, genauer gesagt, es als Allahs Willen sehen, im Zuge der Fortentwicklung der Religion von diesem (und anderen Geboten) Abstand zu nehmen, dann habe ich weit übertrieben viele von just diesen 1% getroffen …

Ein vollkommen anderes Thema ist die Durchführung dieses
Gebotes bei einzelnen Personen.

… das könnte allerdings auch ein Grund sein.

Leider wurde dem Kopftuch eine politische Symbolhaftigkeit
zugeordnet, die er eigentlich nicht hat.

Vielleicht sollte man eher sagen „hatte“, denn durch die
Ereignisse besonders der letzten zwei Jahrzehnte ist die
politische Symbolhaftigkeit jetzt wohl in der Welt - ob einst
intendiert oder nicht.

Ich glaube, so weit muss man gar nicht zurück. Erst in den
letzten 5 Jahren oder mit Beginn der ersten
Auseinandersetzungen um das Kopftuch hat man zu diesem Mittel
gegriffen, um das Fremde auszuschliessen.

Nicht alles, was fremd ist, ist schlecht.
Nicht alles, was fremd ist, ist gut.

Ansonsten: kommt darauf an; die öffentliche Debatte über das Kopftuchgebot ist sicherlich erst durch den Versuch losgetreten worden, es im deutschen Schuldienst durchzuboxen.
Ein Streit mit hohem Symbolwert, gilt für Lehrer doch absolute politische und religiöse Neutralität während ihres Dienstes.
Hier in Deutschland habe nicht nur Lehrer ihren Job verloren wegen eines Lenin-Sickers am Revers - ganz zu schweigen von Nazi-Symbolen - sondern auch wegen Bekenntnissen zu einer bestimmten Partei.
Nach langem Ringen und erst durch das Bundesverfassungsgericht konnte kürzlich erwirkt werden, das auch in Bayern der gekreuzigte Jesus von der Wand genommen werden kann … das die Forderung, im Kopftuch unterrichten zu dürfen da auf Widerstand stößt, war klar.

Die Auseinandersetzung mit dem Symbolgehalt und der politischen Funktionalität des islamischen Kopftuches läuft allerdings schon wesentlich länger - gut, nicht jeder befaßt sich mit feministischer Literatur, aber dort begannen die ersten Überlegungen (meines Wissens nach) bereits in den Siebzigern.

[ad ‚Kopftuch-Revival‘]
Hier liegt das Problem, dass zwei Phänomene, die nichts
miteinander zu tun haben gleichzeitig stattfinden:

  1. muslimische Vereinigungen (mir ist zunächst egal, ob sie
    militant oder ‚zivil‘ ausgerichtet sind) interessieren sich
    mehr an der politischen Mitwirkung.

well?!
So gesehen ist das Kopftuch also -zumindest bei diesen- tatsächlich ein politisches Symbol.

  1. Muslimische Bürger finden zu alten Werten in ihrer Religion
    zurück. So ist es bei den Frauen ja nicht nur das Kopftuch,
    sondern auch die längere Kleidung usw… die Einzug halten. Wer
    das bemängelt, hat scheinbar nur Angst alleine nackt am Strand
    zu sitzen…

… oder er hat Angst, das Steinigung als Strafe für Ehebruch hoffähig wird …

Der Identitätskonflikt und die so alte wie unsinnige Frage:
Was ist deutsch? spielen da sicherlich eine große Rolle;
dennoch: der Imperativ, das Kopftuch -und zwar meist in einer
ganz bestimmten Art und Weise- immer und überall tragen zu
müssen macht es zu etwas Besonderem unter den
Fan-Devotialien der Gottesfürchtigen.

Hallo,

ich hatte ja schon die Frage gestellt: wenn das Kopftuch dadurch zu etwas besonderem wird, warum nicht auch der Rock oder die Bluse?? Sie erfüllen genau denselben Zweck: Bedeckung!

Religionsfreiheit und der Hinweis auf kulturelle Tradition
kann nicht als Vorschlaghammer für ethische Beliebigkeit
herhalten.

Was ist denn an dem Kopftuch verwerflich? Du scheinst nach einer ethischen Rechtfertigung zu fragen, aber in meinen Augen, muss ich sie gar nicht liefern!

Wenn die Verwendung des „traditionellen“ Kopftuches und
Fundamentalismus miteinander korrelieren, dann ist das
natürlich kein Beweis für einen Zusammenhang, genauso wenig
wie die Korrelation zwischen Frauenunterdrückung und Kopftuch

  • es bringt allerdings auch herzlich wenig, solche
    Korrelationen immer als koinzident abzutun.

Zunächst einmal, das haben sehr viele Islamwissenschaftler herausgestellt, das Kopftuch in seiner heutigen Form ist keineswegs „traditionell“, die kopfbedeckung sieht traditionell anders aus (Schleier oder Überhang). Das heutige „Modell“ ist eher funktional. Glaubst du denn, dass die besagten Effekte zusammenhängen?

Um ein Beispiel zu nennen:

  1. Es gibt immer mehr Verkehrstote.
  2. Die Menschen entfernen sich immer mehr von der Kirche.
    Beides stimmt (soweit ich weiss) und beides findet zur selben Zeit statt. Trotzdem wird keiner ernsthaft behaupten, das eine hinge vom anderen ab, oder? Dafür kann man sehr viele Beispiele finden.

Ich denke, man tut den muslimischen Frauen Unrecht, wenn man in ihrer selbstständigen Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen stets eine „höhere Politik“ sieht.

Gruss, Omar Abo-Namous

http://www.islaminhannover.de

Missverständnis
Hallo Alpha,

Wenn die Verwendung des „traditionellen“ Kopftuches und
Fundamentalismus miteinander korrelieren, dann ist das
natürlich kein Beweis für einen Zusammenhang, genauso wenig
wie die Korrelation zwischen Frauenunterdrückung und Kopftuch

  • es bringt allerdings auch herzlich wenig, solche
    Korrelationen immer als koinzident abzutun.

Ich spreche jetzt einfach mal für Datafox, da wir oft einer Meinung sind (und ebenso oft völlig unterschiedlicher…). Ich denke was Data meint, ist nicht die Korrelation anzuzweifeln, sondern ob aus dieser teilweisen Korrelation ein absolutes Verbot folgen sollte (und das die Korrelation nicht 100% beträgt, darüber sind wir uns wohl einig?).
Denn dann ist es ja so, dass Du nicht nur die Fundamentalisten behinderst, sondern eben auch „Unschuldige“ damit abstrafst.
Ungefähr so, als würde man Messer verbieten, nur weil einige Leute damit Unsinn machen.
Außerdem ist es wohl eine altbekannte Tatsache, dass durch das Unterdrücken von Symptomen die eigentlichen Probleme nicht gelöst werden.

Grüße,

Anwar

Bedeckung

wenn das Kopftuch
dadurch zu etwas besonderem wird, warum nicht auch der
Rock oder die Bluse?? Sie erfüllen genau denselben Zweck:
Bedeckung!

Weil es für Rock oder Bluse keinen religiösen Imperativ gibt.

Wenn du dir die letzten posts ansiehst, wirst du feststellen, das Bedeckung im Sinne der Vorgaben der Sunna durchaus möglich ist, ohne das dadurch ein Kopftuch getragen werden muß - diese Option ist aber seltsamerweise keine für die allermeisten der Kopftuch-tragenden Musliminnen.
Die Frage nach dem Warum ist doch erlaubt?

Was ist denn an dem Kopftuch verwerflich?

Gar nichts. Was ist daran verwerflich, es durch ein anderes Kleidungsstück zu ersetzen, das dieselbe Funkton erfüllt?

Ganz abgesehen davon: was ist verwerflich daran, kein Kopftuch zu tragen?
Muß eine Weltreligion an ihren Dogmen festhalten, ohne ihren praktischen und moralischen Nutzen zu hinterfragen?

[ad ‚Korrelation‘]

Ich sagte doch schon: eine Korrelation ist kein Beweis für einen Zusammenhang.
Der Hinweis auf eine mögliche Koinzidenz aber auch keine Falsifikation.

Ich denke, man tut den muslimischen Frauen Unrecht, wenn man
in ihrer selbstständigen Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen
stets eine „höhere Politik“ sieht.

Wenn man von ‚stets‘, ‚immer‘ oder ‚nie‘ spricht, liegt man ohnehin meistens falsch.
Allerdings gibt es sehr viele junge Musliminnen, die -besonders in Frankreich- glaubhaft versichert haben, das sie lange Jahre gezwungen wurden, das Kopftuch zu tragen.

2 „Gefällt mir“

Anmerkung
Hallo,

Ich glaube, so weit muss man gar nicht zurück. Erst in den
letzten 5 Jahren oder mit Beginn der ersten
Auseinandersetzungen um das Kopftuch hat man zu diesem Mittel
gegriffen, um das Fremde auszuschliessen.

Nicht alles, was fremd ist, ist schlecht.
Nicht alles, was fremd ist, ist gut.

Ansonsten: kommt darauf an; die öffentliche Debatte über das
Kopftuchgebot ist sicherlich erst durch den Versuch
losgetreten worden, es im deutschen Schuldienst durchzuboxen.

Interessanterweise existiert in der Türkei diese Diskussion gar nicht: Dort ist nämlich in allen staatlichen Gebäuden das Tragen des Kopftuches verboten, für alle (Beamte und Antragsteller, Lehrer und Schüler).
Nur mal so als Einwurf zur Kopftuchdebatte in D.

Ciao maxet.

Der Identitätskonflikt und die so alte wie unsinnige Frage:
Was ist deutsch? spielen da sicherlich eine große Rolle;

die frage ist nicht unsinnig. sonst würde so eine lappalie nicht mit solcher inbrunst diskutiert werden. ja für mich ist es eine lappalie, wenn eine frau sich so oder so kleidet, weil sie das für richtig hält. es geht mich nichts an noch werden dadurch irgendwelche allgemeinen anstandsregeln verletzt wie zb. nacktsein, hakenkreuzsymbole. warum regt es derart viele menschen auf, in deutschland meine ich? anscheinend fühlt man sich bedroht. der terror kann es nicht sein, denn terroristen tragen sicher keine kopftücher sondern im gegenteil, die verkleiden sich.

dennoch: der Imperativ, das Kopftuch -und zwar meist in einer
ganz bestimmten Art und Weise- immer und überall tragen zu
müssen macht es zu etwas Besonderem unter den
Fan-Devotialien der Gottesfürchtigen.

na und? was geht das dich und mich an? es soll jeder seine religion ausüben wie er das möchte. es stört doch keinen.

Religionsfreiheit und der Hinweis auf kulturelle Tradition
kann nicht als Vorschlaghammer für ethische Beliebigkeit
herhalten.

was hat das mit ethik zu tun, wenn jemand anderer sich so kleidet?

Wenn die Verwendung des „traditionellen“ Kopftuches und
Fundamentalismus miteinander korrelieren, dann ist das
natürlich kein Beweis für einen Zusammenhang, genauso wenig
wie die Korrelation zwischen Frauenunterdrückung und Kopftuch

  • es bringt allerdings auch herzlich wenig, solche
    Korrelationen immer als koinzident abzutun.

und wenn schon. und wenn es fundamentalisten sind. und frauenunterdrücker. von mir aus. es geht mich nichts an. davor habe ich keine angst. angst machen mir ganz andere politische strömungen des islams, die statt mit kopftuch ihre kinder mit grünen stirnbinden, messern, gewehren und sprengstoffgürtel „ausrüsten“.

gruß
datafox