Hallo Tonyfost,
Habt Ihr irgendwelche Tipps, wo es da schön ist!?
Schön ist sone Sache dort: Die belgische Küste, da vom Kanal her nicht so sehr durch den Blanken Hans bedroht, besteht aus einem ziemlich niedrigen Deich mit vorgelagertem (tatsächlich recht angenehmen) Strand, wobei der Deich von De Panne bis Knokke-Heist ohne sichtbare Unterbrechung (außer Oostende mit dem Hafen) so ziemlich Wand an Wand mit Hotels bebaut ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Küstengemeinden äußern sich durch die Höhe der Hotels und FeWo-Plattenbauten, die sich an der Höhe des jeweils zuständigen Wasserturms orientiert.
Ganz paar „Dünenreservate“ gibt es noch, sauber eingezäunt, mit Spazier- und Wanderwegen dazwischen, die durch die belgische und französische Kundschaft mit bemerkenswerter Disziplin respektiert werden.
Ein Ort, der noch über drei solcher Dünenreservate verfügt und daher nicht ganz so artifiziell erscheint wie seine Nachbarn, ist De Panne (gleich an der französischen Grenze). Gleich daneben Koksijde, auch noch mit ein paar erhaltenen Dünen zum Auslauf.
Die ganze Küste ist durch eine Trambahnlinie „De Lijn“ verbunden, man kommt von jedem Quartier aus leicht zu allen Attraktionen und Attraktiönchen des charmant bis morbid wirkenden „Jedermanns-Strandes“: vom Delvaux-Museum in St. Idesbald über Seewasser-Aquarium bis zu einem „Velodrom“, wo sich Mittvierziger mit respektablen Bier-und-Frittenbäuchen wie die Buben dran amüsieren, wenn sie versuchen, auf bizarr umgebauten Fahrrädern (Scharnier im Trapezrahmen, Kurbel im Winkel 160°, Gabel unabhängig vom Lenker drehbar etc.) zu fahren.
Vielleicht auch Tipps für Unterkunft (Hotel/Pension)!?
Jede beliebige Adresse ist recht, wenn sie „sur la digue“ liegt. Die handzahmen Emmas aus dem Balkon vom vierten Stock füttern ist recht unterhaltsam (keine Bedenken wegen ökologischem Kontext, die Emmas haben sich auf Schwarzwälder Kirschtorte und Aldi-Jagdwurst umgestellt, ihre Flugakrobatik aus unmittelbarer Nähe ist sehenswert), und wenn man in einem der Touriregale drin wohnt, muss man die anderen Touriregale nicht sehen, sondern hat Wasser und Strand im Blick, bei guter Sicht die englische Küste als schmalen Streifen am Horizont. Dadurch, dass die Kapazitäten auf Juli/August ausgelegt sind, muss man - auch wenn man ohne PKW unterwegs ist - zu allen anderen Zeiten gar nicht mal vorher buchen. In den Traditionsbädern De Panne und Koksijde hat es hinter dem Deich und der Esplanade auch mehr oder weniger scharmante Belle-Epoque-Häuser.
Keine Bedenken betreffend Ferienwohnungen in den Touriregalen: Sie sind, auch in unterer Preisklasse, in der Regel voll ausgestattet, das Gepäck wird dadurch nicht belastet und man ist viel beweglicher als im Hotel. Die Agenturen nehmen sich nicht viel gegenseitig, in De Panne könnt ihr mal bei „Rembrandt“ reinschauen.
Zur Abwechslung von der etwas artifiziellen Touri-Ambiance hat es im Hinterland von De Panne das hübsche Renaissance-Städtlein Veurne, wo der Kaffee gleich ne ganze Klasse besser ist. Außerdem gibts Busse mit gutem Taktfahrplan nach Dunkerque, wenn Du das „Mal du Pays“ spazierenführen willst.
Falls Ihr Euch für De Panne entscheiden wollt, vergesst nicht, einmal im „Chien Vert“ die Bierkarte rauf und runter zu trinken. Es ist dort, als gäbe es keinen Sprachenstreit in Belgien, und die (allerdings wg. belgischer Fritierpraxis nicht ganz leicht verdaulichen) Fleischspießlein werden mit Soßen & Chutneys serviert, die daran erinnern, dass Belgien mal Kolonien hatte. Die Bude im Chaletstil der Belle Epoque hat bessere Tage gesehen und hat den etwas schrägen Touch, der Flamen und Wallonen bis heute vereint, aber sie hebt sich ganz wohltuend vom Touribetrieb ab.
Schöne Grüße
MM