Hallo Hans,
nicht von einem Historiker, aber von einem historisch interessierten Pazifisten ein paar Mosaiksteinchen zu der Teil-Thematik „Pazifismus“.
Quellen zu diesem Themenkreis enthalten naturgemäß subjektive Elemente und müssen unter Berücksichtigung dieser Elemente gewertet werden. Eine recht gute Zusammenfassung zum Thema „Entwicklung des Pazifismus in Deutschland“ bei der „Internationale der Kriegsdienstgegner“ IDK:
http://denk-stein.com/tilt/gruppen/idk/pazifis.htm
Pazifismus, der Krieg als legitimes Mittel politischer Auseinandersetzung grundsätzlich ablehnt, ist seiner Natur nach idealistisch (weiteres zu diesem Begriff siehe dort, auch unter „Philosophie“).
Eine pazifistische „Bewegung“ in diesem Sinn ist gewachsen auf der Grundlage bürgerlicher (Staats-)philosophie ab dem 18. Jahrhundert einerseits und unter dem subjektiven Eindruck der verheerenden Wirkungen moderner Waffen insbesondere seit dem 19. Jahrhundert andererseits.
Einige Daten dazu:
24.6.1859 Schlacht bei Solferino. Einzelheiten auch unter dem Suchbegriff Henri Dunant
22.4.1915 Schlacht bei Ypern, erster Einsatz von Giftgas
11.11.1918 Mit der Kapitulation von Compiègne geht erstmals ein Krieg zu Ende, den alle Beteiligten verloren haben und der keine Gewinner kennt
10.12.1936 Friedens-Nobelpreis für den deutschen Pazifisten Carl von Ossietzky
9.5.1945 (Bericht einer Zeitzeugin): Der frischgebackene Bürgermeister des französisch besetzten Wasserburg (Bodensee) ruft morgens Eva Caprano, die am Brunnen Wasser holt, zu: „Haben Sie schon gehört, wir haben endlich kapituliert! Ab heute wird alles nur noch positiv!“
6.8.1945 Mit dem Abwurf einer Atombombe auf Hiroshima wird eine neue Qualität moderner Waffentechnik manifest
28.4.1951 Die Bundesregierung verbietet eine Volksbefragung zur Frage der Remilitarisierung der BRD. In der Folge wird dieses Verbot mit allen verfügbaren Mitteln gegen einigen Widerstand der Initiatoren durchgesetzt
11.5.1952 In Essen wird Philipp Müller, Teilnehmer an einer Demonstration mit Kundgebung gegen den „Generalvertrag“ betreffend Remilitarisierung und Eingliederung der BRD in das NATO-Bündnis, von einem Polizisten erschossen. Damit hat der Pazifismus in der BRD seine „Jungfräulichkeit“ verloren - Pazifismus wird nach dieser Kulmination zunehmend mit Anti-Amerikanismus und vor allem Pro-Kommunismus und „Russenfreundlichkeit“ gleichgesetzt.
Schöne Grüße
MM