Benamung der Torpedorohre

Hallo,

ich lese gerade „Das Boot“ und dort ist mir aufgefallen, dass Doppelschüsse aus den vorderen Torpedorohren (4 müssten es sein?) immer mit ungeraden Zahlen abgegeben werden, d.h. zuerst Rohr eins und drei, danach dann zwei und vier.
Welche Rohre werden dabei eingentlich betätigt, wie war also die Zählung? Ich vermute mal
links oben = 1
links unten = 2
rechts oben = 3
rechts unten = 4

Stimmt das so?

Ciao
Kaj

Hallo !

Die ungeraden Zahlen sind immer auf der einen, die geraden Zahlen auf der anderen Seite.

Bei der Marine fängt man vorne Bb (links) an mit der 1, hinten links die 3. Vorne rechts (Stb) die 2, hinten rechts die 4.

Die Rohre im U-Boot, wenn es vier Stück sind : Oben links 1, unten links 3. Oben rechts die 2, unten rechts die 4.

Gruß Max

Hallo !

Die ungeraden Zahlen sind immer auf der einen, die geraden
Zahlen auf der anderen Seite.

Hm … Mist … das bringt meine ganze Theorie durcheinander.

Denn wenn das so ist, dann stellt sich mir die Frage, warum man denn nun gerade eins und drei abgeschossen hat und nicht eins und zwei.

Nach Schilderung im Buch war es anscheinend gar nicht so einfach einen Torpedo abzufeuern, da bei Abschuss sofort die richtige Menge Wasser als Ausgleich des Gewichtsverlust nachgeflutet werden musste. Wenn man nun beide Torpedos links abschießt, musste man dann nicht auch noch die seitliche Balance beachten? Wenn ja, wäre doch eins und zwei besser gewesen … wo liegt mein Denkfehler?

Ciao
Kaj

Hm … Mist … das bringt meine ganze Theorie durcheinander.

Denn wenn das so ist, dann stellt sich mir die Frage, warum
man denn nun gerade eins und drei abgeschossen hat und nicht
eins und zwei.

Nicht vergessen : Das ist ein Buch! Ein Roman!! Von einem Kriegsberichterstatter geschrieben, der mal kurz mitfuhr und jetzt so tut, als wäre er der große Experte.

Ungerade und gerade Zahlen sind auf jeden Fall immer auf der gleichen Seite.

Gruß max

Noch etwas zum Nachfluten :

Vor dem Abschuß wird die Außenklappe geöffnet und das Rohr läuft erstmal voll Wasser. Soviel, wie noch Platz ist, der Torpedo füllt den Rest aus. Nach Abschuß ist das Rohr sofort voll Wasser. Dann wird die Klappe geschlossen und man kann das Wasser wieder ausblasen und nachladen. Also, das Boot kippt schon nicht um! Man schießt auch einzelne Torpedos ab. Das wäre dann ja nicht möglich oder man würde die Ausstoßrohre genau mittschiffs setzen.

Gruß Max

Hallo Max,
ich dachte immer die Rohre wûrden bewâssert vor dem Öffnen der Rohrklappen. Oder ist es unerheblich, wenn die im Rohr befindliche Luft einfach so nach oben steigt und eventuell ein Blasenfeld bildet?
Gruss
Rainer

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Hallo !

Ja, sicher, bevor die Klappe geöffnet wurde, wurde das Rohr geflutet. Damit wurde ein Druckausgleich hergestellt und das Öffnen ging leichter.

Blasenschwall?? Der Torpedo wurde mit 80 bar Luft abgeschossen. Was glaubst Du, war dabei oben zu sehen?
Der Torpedo selbst war mit einem Lufttank ausgestattet, in dem Luft von über 200 bar gelagert war. Diese Luft wurde für den Verbrennungsmotor zum Antrieb der beiden Propeller benötigt. Die Blasenbahn des Auspuffs war vom Abschuß bis zum Ziel immer zu sehen.

Gruß Max

Hallo Max,
seit den zwanziger Jahren hatte sich der Elektroantrieb bei den Torpedos durchgestzt, gerade damit man keine Blasenbahn sehen konnte.
Gruss
Rainer

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Hallo Max,
seit den zwanziger Jahren hatte sich der Elektroantrieb bei
den Torpedos durchgestzt, gerade damit man keine Blasenbahn
sehen konnte.

Das muß ein Irrtum sein! Durchgesetzt haben sie sich vielleicht heute, aber nicht im 2.WK. Es gab verschiedene Antriebe. Ich habe in den 60ern noch die ganz normalen mit Brennstoffmotorantrieb ausgelöst. Ich kann Dir Fotos zeigen, die ich selbst gemacht habe, wo man sehr schön die Blasenbahn sieht.
Auf unseren Booten hatten wir extra Luftkompressoren für 220 bar. Dieser hohe Luftdruck war nur zum Aufladen der Torpedos.

Gruß max

Hallo,

mal schön der Reihe nach:

Die Rohre wurden, beginnend an Steuerbord oben nummeriert. Also:

Rohr I: Steuerbord (rechts) oben,
Rohr II Backbord (links) oben,
Rohr III Steuerbord unten,
Rohr IV Backbord unten.

Das ist im Besucherboot U 995 in Laboe (bei Kiel) zu besichtigen. So ist es auch auf dem vor mir liegenden originalen Konstruktionsplan aus 1941 zu erkennen.

Wie in der Seefahrt üblich wird in Fahrtrichtung (recht voraus) betrachtet.

Buchheim hat sich stets dagegen gewehrt (der Kerl ist ja wortgewaltig gewesen), sein Buch als einen gewöhnlichen Roman zu bezeichnen. Er sprach gerne von „einem Roman, aber keinem Werk der Fiktion“. In Interviews hat er vielfach darauf hingewiesen, bei ihm stimme alles bis auf das letzte Schräubchen. Das ist auch so. Sein Berater war kein Geringerer als Erich Topp, Kommandant von U 552 (es lohnt sich in Yahoo USA die Seite REUBEN JAMES aufzurufen – das war der erste amerikanische Zerstörer der versenkt wurde – von E.Topp) und nach dem Krieg erstklassiger Architekt und später wieder Marinemann!!!

Einen Torpedo (mehr als 1,5 Tonnen schwer) loszumachen war für die Besatzung (gedrillt) einfach. Allerdings musste nach dem Losmachen gegengeflutet (Ballastwasser aufgenommen) werden. Immerhin war ein Torpedorohr rund 30 Meter vom Gewichtsschwerpunkt (hier geht es um die Querachse des Bootes) etwa in Höhe des Turmes entfernt. Die deshalb enorme Hebelwirkung des Gewichtsverlustes führte, ohne Aufnahme von Wasser unweigerlich zu einem „Auftauchen des Bugs“ mit dem Risiko von einem U-Jäger gesehen zu werden (wenn auf Seerohrtiefe „gefeuert“ wurde). Dagegen war die Hebelwirkung seitlich, also um die Längsachse gering. Die Rohre lagen, wie man sich leicht vorstellen kann, von dieser nur eine kleine Strecke entfernt.

Die Rohre auf einer Schiffsseite wurden grundsätzlich deshalb bei Mehrfachschüssen kurz nacheinander losgemacht, weil so das spätere Nachladen weniger arbeits- und zeitaufwendig war. Es musste nur ein Hebezeug mit Zubehör (Flaschenzug) aufgebaut werden (für jede Seite war ein solches Hebezeug vorhanden).

Außerdem befanden sich in den Rohren in der Regel unterschiedliche Torpedos: solche mit Aufschlagzünder oder solche mit Magnetzünder. Oder welche mit Druckluftantrieb bzw. mit elektrischem Antrieb. Der Verwendungszweck diktierte vielfach die Rohrwahl zusätzlich. Am Tage wurde wurden vorwiegend Elektrotorpedos (die im Wasser keine Spur in Form von Luftblasen erzeugten), bei Nacht (wegen der Abluft in Form einer deutlich sichtbaren Blasenbahn) Drucklufttorpedos benutzt.

Die Drucklufttorpedos wurden nicht von Verbrennungsmotoren im automobilen Sinne angetrieben. Sondern von gewöhnlicher Druckluft, die sternförmig angeordnete Zylinder beaufschlagte. Allerdings war vor den Motoren eine Brennkammer angeordnet, in der die Druckluft zusätzlich stark erhitzt wurde. Das erhöhte die Motorleistung.

Beim Ausstoßen eines Torpedos entstand kein „Blasenschwall“. Hinter dem Torpedo im Rohr steckte eine Art Pfropfen, der dies wirkungsvoll verhinderte.

Der Kommandant des Buchheimschen Bootes (U 96 Heinrich Lehmann-Willenbrock, der später später die atomar getriebene OTTO HAHN als Kapitän fuhr – gibt’s alles im Netz) befahl „die Rohre zu bewässern“. Weil Torpedo- und Rohrdurchmesser genau kalibriert waren (also zueinander ohne nennenswerte Zwischenräume paßten) entstand nur ein vernachlässigbarer Luftblasenstrom.

Schönen Sonntag
silvaplana

:smiley:as muß ein Irrtum sein! Durchgesetzt haben sie sich

vielleicht heute, aber nicht im 2.WK. Es gab verschiedene
Antriebe. Ich habe in den 60ern noch die ganz normalen mit
Brennstoffmotorantrieb ausgelöst. Ich kann Dir Fotos zeigen,
die ich selbst gemacht habe, wo man sehr schön die Blasenbahn
sieht.
Auf unseren Booten hatten wir extra Luftkompressoren für 220
bar. Dieser hohe Luftdruck war nur zum Aufladen der Torpedos.

Gruß max

Hallo Max,
ich habe mal ein bisschen gesucht, es ist so wie silvaplana geschrieben hat. Im II. Weltkrieg hatten die Deutschen nur ein Torpedo, der mit druckluft betrieben wurde, alle anderen waren mit elektrischem Antrieb, siehe hier:
http://www.dataphone.se/~ms/ubootw/welcom.htm
Wie der Torpedoantrieb bei englischen, amerikanischen oder französischen Torpedos war, entzieht sich meiner Kenntnis.
Auf was für einem Schiff warst Du denn bei der BW?
Gruss
Rainer

Hallo Rainer,

nehmen wir doch besser die deutschen Quellen…:smile:

Standard-Torpedos der deustchen Kriegsmarine waren bis 1945:

Bez: Type: Geräte-Nr.: Gewicht: Antrieb: Geschwindigkeit/Kn: Bes.:
T1 G7a 12 1.538KG Luft 30 bis 40
T2 G7e 20 1.608Kg E-Mot. 30
T5 G7es 45 1.495Kg E-Mot. 24 Akustik-T.

Wobei ab 1943 wenn irgend möglich,Akustik-Torpedos (also Torpedos die ihr Ziel über die Schall-Entwicklung anpeilen) eingesetzt wurden.
Daneben gab es noch zahlreiche Torpedo-Unterarten,überwiegend mit E-Mot.aber auch mit Walther-Antrieb…
Außerdem gabe es Versuche mit Drahtgelenkten und „Elektronischen
Torpedos“…

Quellenangabe:
Militärgeschichtliches Forschungsamt,Deutsche Bundeswehr (Marine),
Howaldstwerft Kiel und HH,Krupp-Atlas Elektronic,MBB-Dornier Systems.

mfg

Frank

Jungs er hat Recht die deutschen Quellen sind einfach die besten und besser hät ichs auch nicht sagen können.
Glückwunsch!!!

MFG Di4m0nd

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