Benotung Deutsch-Referat begutachten lassen?

Liebe Fachleute,

ich möchte vorneweg mal bemerken, dass ich wahrlich kein „Tüpfli-Schiesser“ bin, wie der Schweizer oder Süddeutsche zu sagen pflegt. Und ich bin in den 18 Jahren Schule, die Sohn und Tochter zusammenbringen, noch nie auf so eine Idee gekommen.
Aber jetzt will ich euch doch mal fragen: Kann man die Benotung eines Deutsch-Referats irgendwo prüfen lassen?
Sohn besucht die 10. Klasse Gymnasium und ist ein durchaus durchschnittlicher Schüler mit Stärken und Schwächen in einzelnen Fächern, steht in keinem Fach auf einer wackeligen 4 Richtung 5.
Trotzdem geht der Lehrer nach der ZK mit Note 4 auf ihn zu und sagt ihm, entweder geschähe ein Wunder oder er solle die Schule verlassen, wobei er für Letzteres sei. Denn die Anforderungen würden steigen.
Mein Sohn war empört und fand das demotivierend und ungerecht. Es kommt heraus, dass wohl die ganze Klasse den Lehrer menschlich wie fachlich für inkompetent hält.
Nun hält er ein Referat, dass er natürlich auch schriftlich abgibt. Er räumt ein, dass er sich nicht sonderlich angestrengt hat im Gegensatz zu den Referaten zuvor, in denen er von 1 - 3 benotet wurde.
Der Lehrer kritisiert auf jeder der Seiten nicht nur das Formale, sondern auch das Inhaltliche. Für den schriftlichen Teil bekommt er die Note 6, insgesamt wohl eine knappe 4.
Ich hab mir die Arbeit und die Bemerkungen des Lehrers angesehen und stelle fest, dass das keine Glanztat war. Aber eine 6?
Der Lehrer hat nicht mit einer Bemerkung irgendetwas an der Arbeit positiv gewürdigt. Wenn er z. B. kritisiert, dass mein Sohn Quellen nicht zitiert, mag das in Ordnung sein, aber dass er nicht gewichtet, dass er ganz offensichtlich nicht nur Wikipedia sondern richtige Bücher bemüht hat, irritiert mich.
Ich komme natürlich auf die Idee, dass hier die selektive Wahrnehmung zum Zuge kam.
Wenn dann noch die Klassenlehrerin mir sagt, dass der Lehrer wohl große Probleme hat, verstärkt sich dieser Eindruck.
Nun gut - die Zensur ist durch, die Note im Zeugnis ist durch. Mein Sohn möchte nicht, dass ich mich in dieser Sache bei dem Lehrer engagiere. Er bzw. die Klasse wollen einen Brief an den Rektor schreiben.
Trotzdem interessiert es mich, ob es eine Instanz gibt, die unvoreingenommen solche Bewertungen prüft?
Ist so etwas überhaupt zu prüfen oder hat ein Deutsch-Lehrer da die Macht? Bei Handwerkern gibt es ja Gutachter. Auch bei Lehrern? Oder ist man bei solchen Fragen gleich der notengeile Vater?

Liebe Grüße

Jorge

Hallo Jorge,

hmm, schwierige Sache, das. Und zunächst wäre zu klären, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Dein Sohn diesen Lehrer in seiner späteren Schullaufbahn nochmals bekommt (normalerweise ist ja nach der 10. eh grosser Lehrerwechsel)0

Trotzdem geht der Lehrer nach der ZK mit Note 4 auf ihn zu und
sagt ihm, entweder geschähe ein Wunder oder er solle die
Schule verlassen, wobei er für Letzteres sei.

Das ist wirklich mehr als frech :frowning:

Denn die
Anforderungen würden steigen.

Hier hat er allerdings recht. Wir hatten die Diskussion hier schonmal, ich für meinen Teil (späte 80er in BW) fand die 11. Klasse durchaus knackig. Vor allem weil es halt in einigen Fächern (ich erinnere mich da an Mathe) nochmal heftig neuen Stoff gibt. Gerade in Mathe offenbaren sich da Lücken aus der siebten Klasse (oder so), die man längst verdrängt hatte. Das ist zu schaffen, aber insofern hat der Lehrer da nicht ganz unrecht.

Es kommt heraus, dass wohl die ganze Klasse den Lehrer
menschlich wie fachlich für inkompetent hält.

Okay, das ist sicherlich richtig - ich möchte nur davor warnen, diese Argumentation an irgendeiner offiziellen Stelle zu erwähnen. Denn „ganze Klassen“ werden sich schnell uneins, wenn irgendwas schriftlich fixiert werden soll…

Der Lehrer kritisiert auf jeder der Seiten nicht nur das
Formale, sondern auch das Inhaltliche.

Was ja schlau ist. Im Gegentum, ich hätte wenig schmeichelhafte Worte für den Lehrer gefunden, hätte er ausschliesslich das formale bewertet.

Für den schriftlichen
Teil bekommt er die Note 6, insgesamt wohl eine knappe 4.

Das heisst: „schriftlich 6, formal 2“? Das fände ich ein bisschen merkwürdig. Oder ist die 4 die Gesamtnote am Schuljahresende? Wenn das so ist - was das eine 4 mit Tendenz zur 3 oder eine „solide 4“ an der das Ergebnis vom Referat auch nix geändert hätte? Wie auch immer: für eine glatte 6,0 muss schon einiges schief gelaufen sein (Thema verfehlt, wörtlich aus Wikipedia oder sonstwoher rauskopiert oder so)

Wenn er z. B. kritisiert, dass mein
Sohn Quellen nicht zitiert,

…dann möchte ich ihm dabei voll recht geben. Denn Urheberrecht ist eine ziemlich heikle Sache und das korrekte Zitieren muss gelernt werden. Sprich, das muss dem Kerl in Fleisch und Blut übergehen (und wenn er andere Referate mit den Noten 1 bis 3 abgeliefert hat, dann kann er’s ja!) und ist ein berechtigter Kritikpunkt des Lehrers. Aber, und da gebe ich Dir recht: das reicht nicht aus für eine 6,0.

er nicht gewichtet, dass er ganz offensichtlich nicht nur
Wikipedia sondern richtige Bücher bemüht hat, irritiert mich.

Naja, woher soll er das denn ahnen, wenn Dein Sohn keine Quellen angibt? Sprich, hätte Sohnemann geschrieben „Autor_1 definiert x als blasfasel, während Autor_2 in Werk_34 labersülz sagt. Die Definition in Wikikpedia hingegen lautet quassel“ dann ist das klar. Sprich, hier was das mit den fehlenden Quellen ein bisserl ungeschickt gemacht.

Ich komme natürlich auf die Idee, dass hier die selektive
Wahrnehmung zum Zuge kam.

[…]

Wenn dann noch die Klassenlehrerin mir sagt, dass der Lehrer
wohl große Probleme hat, verstärkt sich dieser Eindruck.

Das mag schon so sein, das weiss ich nicht.

Mein Sohn möchte nicht, dass ich mich in dieser Sache bei dem
Lehrer engagiere.

Dann tu ihm den Gefallen. Nix peinlicher als Eltern, die sich weit über die Ferien hinweg mit irgendwelchen Lehrern über längst abgehakte Zensuren feilschen.

Er bzw. die Klasse wollen einen Brief an den
Rektor schreiben.

Wobei ich da annehme, dass es um das allgemeine Verhältnis dieses Lehrers zur Klasse und nicht um besagtes Referat geht?

Trotzdem interessiert es mich, ob es eine Instanz gibt, die
unvoreingenommen solche Bewertungen prüft?

Ich glaube nicht, aber Du kannst ja mal scheinheilig beim Direktor anrufen und fragen „Guten Tag, Herr Direktor, hier ist Nuschelnuschel. Nur mal so angenommen, ein Schöler föhle sich bei einem Referate mehr als ungerecht beurteilt, göbe es ein entspröchendes Gremium zur Pröfung dieser Beurteilung?“

Wie gesagt, ich würde die Sache abhaken, denn so wie ich Dein Posting verstehe, will Dein Sohn auf jeden Fall sein Abi machen. Das heisst, die Deutschnote aus der 10. interessiert in spätestens einem Jahr niemanden mehr. Lieber draus lernen, wie er das in Zukunft besser machen kann. Lehrer, die subjektiv oder objektiv unfair bewerten gibt es leider immer und damit muss man lernen umzugehen. Auch Chefs bewerten manchmal subjektiv oder objektiv falsch. Und für’s nächste Referat soll er halt ein paar mehr Quellen angeben und gut is. Sprich: ich würde meine Energie lieber in dafür aufwenden als in den „Kampf“ um eine Note…

*wink*

Petzi

Moin,
der Kommentar, es sei besser, Dein Sohn verließe die Schule, ist schon etwas frech, aber was die Benotung angeht, ist eine Diskussion schwierig.
Es gibt Lehrer, die sich in einem solchen Fall erweichen lassen, um dem Schüler eine Chance zu geben (was ich allerdings hier eher nicht erwarten würde, nach dem o.g. Kommentar).
Ich hatte selbst mal einen Lehrer, der sich extrem an die wörtliche Definition der Schulnoten hielt:
3 - befriedigend: Die Leistung des Schülers ist zwar nicht mehr als ‚gut‘ zu bezeichnen, aber dennoch befriedigend
4 - ausreichend: Die Leistung ist nicht mehr befriedigend, reicht aber dennoch aus, um die gestellten Forderungen zu erfüllen.
5 - mangelhaft: Die Leistung weist Mängel auf, die aber voraussichtlich in absehbarer Zeit behoben werden können.
6 - ungenügend: Die Leistung weist erhebliche Mängel auf, die (nach Ermessen des Lehrers) nicht in absehbarer Zeit behoben werden können.

So hat’s zumindest unser Lehrer damals erklärt (der mir nach 12 jahren mit einer ‚zwei‘ in Mathe im Abizeugnis eine vier reindrückte…).
Wenn der Lehrer Deines Sohnes der Meinung ist, im betreffenden Fall sei nicht abzusehen, daß die Mängel in der Leistung Deines Sohnes in absehbarer Zeit behoben werden können (- aufgrund seines bereits erwähnten Kommentars zu erwarten -), dürfte die erteilte Note schwer anfechtbar sein.

Jetzt gilt es abzuschätzen, ob es Deinen Sohn in irgendeiner Weise schaden könnte, wenn Du die Benotung anfichtst, oder ob man lieber nichts unversucht lassen will…

LG

Wenn ich euch richtig verstanden habe, wisst ihr auch nicht genau, ob und wo man die Note beurteilen lassen kann.
Anfechten wollte ich sie ja nicht, weil ja eh schon alles gelaufen ist.

Ich werde jetzt mal gucken, wie es mit dem Lehrer weiter geht; alles mit einem wachen Auge.

Ich wünsch allen eine schöne Zeit.

Liebe Grüße

Jorge

Hi,

hier würde ich, wenn ein Gespräch mit dem Kollegen nichts bringt, den Schulleiter/die Schulleiterin bemühen. Es ist zwar richtig, dass man in die Notengebung eines Lehrers - auch vom Verwaltungsgericht aus etwa - nicht eingreifen kann, aber eine 6 gibt es in der Regel, wenn gar nichts vorhanden oder aber alles komplett daneben ist. Ein Referat ist nur eine umfangreiche Einzelleistung und dürfte nicht eine ganze Note gefährden. In der Regel setzt sich eine Note aus mündlicher Leistung, sonstiger Mitarbeit(Protokoll, Mappenführung, Referat u. ä.) und schriftlicher Leistung (Klausur, Klassenarbeit) zusammen, also einem ganz komplexen Bereich, da kann ein Referat nicht derart die Note drücken. Deshalb wieder mein Rat: sucht das Gespräch mit der Schulleitung und evtl. dem Kollegen gemeinsam. Außerdem wird auch die Vornote berücksichtigt und die ist ja - wie du sagst - ordentlich gewesen.

Viel Erfolg!
Ursel