ich habe einen sandigen Gartenboden und füge deshalb immer etwas Bentonit hinzu.
Wieviel Bentonit verträgt der Boden? Muss man damit (ähnlich wie bei Dünger) wirklich sparsam - also eher zu wenig als zu viel - umgehen? Ist doch nur Ton …
Warum diese Hinweise auf der Verpackung (z.B. Neudorff: 100-500 Gramm / qm)? Vielleicht, weil der Kunde sonst völlig verzweifeln und frustriert wäre, da das viel zu teuer wird…
Ich habe nur einen kleinen, aber sehr sandigen Boden und würde daher gerne großzügig Bentonit Tonmehl ausstreuen. Wer hat Bedenken und warum?
hallo Jonas,
ich habe keine Bedenken und würde, wenn ich so viel Geld dafür ausgeben wollte, jede Menge davon ausstreuen. Aber das wäre nicht so sinnvoll.
Erstens: Du wirst das Tonmehl nur in die oberste Schicht Deines Sandbodens bekommen. Aus Sand- Lehmboden zu machen („alles reines Bentonit“…) wäre sicher nicht Dein Ziel, Du würdest den Boden nur verkleben. Dein Ziel müßte viel eher sein, die obersten = die fruchtbaren 30 cm Boden aus (nährstoff- und wasser-)durchlässigem Sand umzuwandeln in eine (nährstoff- und wasserspeichernde) Humusschicht. Das bekommst Du nur über Jahre hin. Du mußt Kompost einarbeiten, wenig Kalk geben (Natukalk wie Algenkalk z.B., nicht den hochkonzentrierten), im Herbst die Beete mit organischem Material abdecken wie z.B. Stroh, Holzschnipsel (kein Nadelholz, das macht den Boden sauer). Dann können sich nach und nach die Lehm-Kalk-Partikel bilden, aus denen der Humus besteht; mit Hilfe des Bodenlebens, das Du in dieser Weise pflegst, und mit Hilfe der Regenwürmer, die Du auf diese Weise fütterst, so daß sie die Humusschicht bilden, Basis für jede Fruchtbarkeit. Mach gelegentlich Bodentest wegen Säure- u.a. Verhältnissen, man kann ein Test-Set in Gartencentern oder bei besseren Gartenversandfirmen kaufen. Ist der Boden zu sauer, füge - wenn der Kalk, den Du vertreten kannst, schon gegeben ist und nicht genügt - Holzasche dazu. Enthält viel Kalium. Nicht von imprägnierten Hölzern! Die Regenwürmer : sie freuen sich über das organische Abdeckmaterial, fressen es und scheiden (kleine Häufchen an der Stelle, wo sie Löcher durch den Boden bohren) die Humuskomplexe wieder aus, brauchen aber Kalk dazu. Der einheimische Regenwurm kann bis 0 Grad Celsius arbeiten - unter 0 nicht. Eine ausländische Variante („Texanian Wriggler“ oder so, Gartenfachgeschäfte) zwar nur bis 10 Grad plus, ist aber in den Sommermonaten wesentlich aktiver. Bei mir sehe ich: sie scheinen sich zu vermischen. Ich bin über diese Mischpopulation sehr froh.
Am besten für Deinen Boden aber wäre, Du könntest Dir ein Buch über Bodenpflege zulegen. Auch Kompostieren ist wichtig - Kompost ist so wichtig für den Boden wie Hefe für einen Teig … Auch über die Mulchwirtschaft lohnt es sich nachzudenken in diesem Zusammenhang, übrigens.
Justus Liebig sagte mal: „Wer der fruchtbaren Bodenschicht dieser Erde auch nur 1 cm Dicke hinzusetzen könnte, der hätte mehr für die Menschheit getan als der größte König oder der beste Forscher.“
Zuviel Kalk aber baut den Humus rasch wieder ab. Darum heißt es bei den alten Bauern: „Kalk macht reiche Väter - und arme Söhne“. Im Gegensatz zu mancher Wettervorhersage mag das stimmen.
Viel Erfolg, I.