Benzin statt Diesel - Probleme trotz abpumpen?

Guten Tag,

leider ist mir vor kurzen passiert, dass ich in den Diesel meiner Mutter Benzin getankt habe, weil ich selbst Benziner fahre. Ist mir aber zum Glück nach etwa dem halben Tank aufgefallen. Habe sofort jemand rufen lassen, die das Benzin abgepumpt haben.
Dazu haben sie im Motorraum an die Leitung vom Tank ihre Auffangbehälter angeschlossen und die Leitung zum Motor an einen Kanister mit Diesel.
Jetzt ist meine Frage ob trotzdem Beschädigungen am Motor auftauchen können, weil zum Bsp. für die Förderung vom Tank nach „vorne“ ja sicherlich auch Pumpen zuständig sind und Benzin nicht so wie Diesel einen Schmierfilm bildet. Jetzt habe ich halt Angst, dass sich irgendwo Späne gebildet haben, die den gesamten Motor zum Teufel jagen können.
Vielen Dank schon mal für eure Antworten.

Gruß
Schöni

Hallo Schöni,

es war wohl Dein Glück, dass Du anscheinend nur wenig Benzin aufgefüllt hast, sonst hättest Du den Motor nach wenigen Kilometern geschrottet.
Wie hoch war denn das Mischungsverhältnis Diesel/Benzin im Tank?

Neben der Einspritzpume kann natürlich durch den zu niederigen Zündpunkt des Treibstoffs die Kolbenringe und die Nockenwelle gelitten haben.

Als erstes würde ich einen Ölwechsel machen lassen und dann sehen, ob sich der Verbrauch durch die Fehlbetankung erhöht hat.

Gruß Gerold

Hallo Gerold,

Neben der Einspritzpume kann natürlich durch den zu niederigen
Zündpunkt des Treibstoffs die Kolbenringe und die Nockenwelle
gelitten haben.

Die Nockenwelle wird wird vom Motoröl geschmiert und kommt mit dem Kraftstoff überhaupt nicht in Berührung. Wie soll diese wegen des Benzins denn leiden???
Auch den Kolbenringen wird das in keiner Weise schaden, wüsste nicht warum?
Ach ja, ganz wesentlich: Benzin hat einen deutlich höheren Zündzeitpunkt als Diesel. Deshalb müssen Mehrstoffmotoren (Militär) auch eine viel höhere Verdichtung haben als Dieselmotoren.

Als erstes würde ich einen Ölwechsel machen lassen und dann
sehen, ob sich der Verbrauch durch die Fehlbetankung erhöht
hat.

Warum willst Du das Öl wechseln? Falls eine Spur Benzin ins Motoröl gekommen ist, verflüchtigt sich das ganz schnell wieder durch die Motorwärme. Man kann ja mal den Ölmessstab ziehen und auf starken Benzingeruch prüfen. Aber einen Ölwechsel halte ich für völlig übertrieben.

Gruß schubtil

Mahlzeit!

Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann bist du gar nicht mit dem
Wagen gefahren sondern hast es schon beim betanken gemerkt.

Sollte dies der Fall sein dann kann da nichts passieren, zumal so
ein Einspritzer sowieso nochmal einen Kraftstofffilter vor der
Einspritzung hat.

Gruß
Stefan

Die Nockenwelle wird wird vom Motoröl geschmiert und kommt mit
dem Kraftstoff überhaupt nicht in Berührung.

JA

Wie soll diese wegen des Benzins denn leiden???

Du hast recht eher leiden die Ventile, durch zu hohen Druck/Temperatur.

Auch den Kolbenringen wird das in keiner Weise schaden, wüsste nicht warum?

Siehe oben.

Ach ja, ganz wesentlich: Benzin hat einen deutlich höheren Zündzeitpunkt als Diesel.

Zündzeitpunkt? Das ist beim Benzinmotor die Kurbelwellenstellung bei der die Zündkerze ausgelöst wird. Du meinst vielleicht Zündverzug?
Ok ich hätte besser Flammpunkt sagen sollen.

Deshalb müssen Mehrstoffmotoren (Militär) auch eine viel höhere Verdichtung haben als Dieselmotoren.

Kann ich nicht mitreden.

Warum willst Du das Öl wechseln?

Um ggf. durch Überhitzung geschädigtes Öl und Metallspäne zu entfernen.

Falls eine Spur Benzin ins Motoröl gekommen ist, verflüchtigt sich das ganz schnell wieder durch die Motorwärme.

Ja

Man kann ja mal den Ölmessstab ziehen und auf starken Benzingeruch prüfen.

Man wird nichts finden.

Aber einen Ölwechsel halte ich für völlig übertrieben.

Kostet nicht viel schadet nie.
Es ist eine sehr komplexe Materie, und ich bin froh, auch von Dir dazuzulernen.

Gruß schubtil

Servus,

es war wohl Dein Glück, dass Du anscheinend nur wenig Benzin
aufgefüllt hast, sonst hättest Du den Motor nach wenigen
Kilometern geschrottet.

Wohl kaum.
Worst case ist ein Defekt in der Einspritzanlage.

Wie hoch war denn das Mischungsverhältnis Diesel/Benzin im
Tank?

Sobald es über ca. 9:1 ist, geht sowieso nichts mehr, der Motor eines modernen Direkteinspritzer-Dieselfahrzeuges stirbt ab.

Neben der Einspritzpume kann natürlich durch den zu niederigen
Zündpunkt des Treibstoffs die Kolbenringe und die Nockenwelle
gelitten haben.

Im vorliegenden Fall kann gar nichts gelitten haben, da der Motor nicht gestartet worden ist.
Der Rest Benzin in der Spritleitung ist uninteressant, wobei ich icht glaube, dass überhaupt eine spannende Menge dorthin gelangt ist. Der Motor lief ja wie gesagt nicht und somit wurde auch kein Sprit aus dem Tank in die Leitung gefördert.

Als erstes würde ich einen Ölwechsel machen lassen und dann
sehen, ob sich der Verbrauch durch die Fehlbetankung erhöht
hat.

Weshalb das Öl wechseln? Weshalb sollte der Verbrauch sich erhöht haben?
Beides ist Unsinn.

Halte lieber den Ball etwas flacher.
Normalerweise wird bei einem Direkteinspritzer-Diesel, welcher falsch betankt und dann gestartet worden ist, der Tank abgepumpt, das Einspitzsystem gereiningt, neu betankt und weiter gefahren.
Die Reinigung der Einspritzanlage ist eine reine Sicherheitsvorkehrung.
Das Benzin wäscht den zur Schmierung der hochfrequent arbeitenden Injektoren notwendigen Diesel ab. Das kann ein problem sein, da aber sofort wieder Diesel nachfolgt, sehe ich persönlich(!) da kein Problem. Die herstellervorgabe ist allerdings immer iene Demontage und Komplettreinigung des Einspritzsystems in einem solchen Fall.

Mir ist das auch mal passiert mit einem Mercedes C 220 CDI aus ca. 2003. Tank abgepumpt, mit Diesel aufgefüllt, 20 Sekunden „georgelt“, Wagen lief nach Absonderung einer ordentlichen Rußwolke wieder einwandfrei. Ob deswegen die Einspritzanlage irgendwann mal mit 250.000 anstatt 310.000 Km defekt geht, weiß ich natürlich nicht. 30.000 Km lang hielt sie jedenfalls mindestens noch, dann habe ich den Wagen verkauft.

Gruß,
M.

Moin Mathias,

Das Benzin wäscht den zur Schmierung der hochfrequent
arbeitenden Injektoren notwendigen Diesel ab.

Meines Erachtens sind weniger die Injektoren das Problem sondern eher die Hochdruckpumpe. Diese ist eine Kolbenpumpe mit Exzenterwelle und braucht ausreichende Schmierung. http://aa.bosch.de/aa/de/berufsschulinfo/media/2005_…

Grüße
Jürgen

Hi,

also Danke schon mal für die ganzen Antworten. Das Mischungsverhältnis war wohl so 7:1 (Benzin : Diesel) weil der Tank fast leer war wie ich angefangen habe zu Tanken.
Ich bin mit aber nicht ganz sicher, ob sich eure Antworten auch darauf beziehen, dass der Motor ja nicht angemacht wurde, bis er abgepumpt wurde. Das ist ja eigtl. meine große Hoffnung, dass ich außer dem abpumpen (was ja sofort geschehen ist) keine weiteren Kosten mehr erwarten dürfte.

MfG
Sebastian

Hallo Gerold,

Ach ja, ganz wesentlich: Benzin hat einen deutlich höheren Zündzeitpunkt als Diesel.

Zündzeitpunkt? Das ist beim Benzinmotor die
Kurbelwellenstellung bei der die Zündkerze ausgelöst wird. Du
meinst vielleicht Zündverzug?
Ok ich hätte besser Flammpunkt sagen sollen.

Nein, ich meine die Zündtemperatur. Die ist bei Benzin höher als bei Diesel. Wird der Benzingehalt zu hoch, kann es sein, dass der Dieselmotor einfach aus geht, weil die Verdichtungsendtemperatur nicht ausreicht um den Benzindampf unter allen Bedingungen sicher zu zünden. Auch hat Diesel einen etwas höheren Energiegehalt, so dass letztendlich die Verbrennungstemperur von Benzin im Dieselmotor niedriger liegen sollte. Im Motor selbst sind also eher keine Schäden zu erwarten.
Die kritischen Bauteile in modernen Dieselmotoren ist die Hochdruckpumpe für die Dieseleinspritzung bzw. die Piezoelemente im Pumpe-Düse-Motor.

Ich hoffe dass auch das so richtig ist, ansonten bitte ich um Korrektur:
Im niedriger verdichteten Benzinmotor geht es dagegen um die Entzündung von Flüssigkeiten. Da spielt der Flammpunkt eine Rolle. Dieser wiederum ist bei Diesel höher als bei Benzin. deshalb geht der Benzinmotor nicht mit Diesel. Die Zünkerze schafft den Flammpunkt von Diesel nicht.

Gruß
schubtil

Hallo Jürgen,

wenn es sich um einen CommonRail Diesel handelt hast Du recht. Bei einem PumpeDüse geht es eher um die PiezoInjektoren.

Gruß
schubtil

Moin,

wenn es sich um einen CommonRail Diesel handelt hast Du recht.
Bei einem PumpeDüse geht es eher um die PiezoInjektoren.

ähem, räusper. Gab es tatsächlich einen Piezoinjektor beim UI-System? Ehrlich gesagt bezweifele ich das ziemlich, das waren meines Erachtens die guten alten Magnetventile.

Ich vermute aber weiterhin, dass der Reibeinfluss im Pumpensystem so oder so kritischer ist als im Düsensystem. Dort bewegt sich einfach kaum was …

Grüße
Jürgen

Jetzt ist meine Frage ob trotzdem Beschädigungen am Motor
auftauchen können, weil zum Bsp. für die Förderung vom Tank
nach „vorne“ ja sicherlich auch Pumpen zuständig sind und
Benzin nicht so wie Diesel einen Schmierfilm bildet.

Es war bei älteren Dieseln üblich, dass man im Winter 10% Benzin zum Diesel dazu tanken konnte, um die Fließeigenschaft zu verbessern. Achtung: Das galt früher!!!
Ein geringer Anteil Benzin im Diesel ist auch heute nicht so dramatisch. Wenn man sich überlegt, dass vielleicht ein halber oder ganzer Liter Benzin im System verblieben ist, dann reden wir bei 50l Diesel über ca. 1% Benzin. Ständig würde ich das nicht machen, aber bei einem mal sehe ich keine Gefahr für den Motor (vor allem die Einspritzpumpe wäre gefährdet).

Ich hoffe natürlich, dass Du den Motor nicht gestartet hast und auch die Zündung nicht mehr angemacht wurde, denn bereits beim Einschalten der Zündung wird die Vorförderpumpe aktiv und hätte bis zum Dieselfilter das System kontaminiert. Dann hätte man auch den Filter wechseln müssen und das ganze System entleeren sollen.
Aber wenn nicht, dann schätze ich, dass vielleicht sogar nur eine Tasse voll Benzin verblieben ist, das wäre, insbesondere wenn man anschließend voll tankt, meines Erachtens absolut unkritisch.

Ich hoffe natürlich, dass Du den Motor nicht gestartet hast
und auch die Zündung nicht mehr angemacht wurde, denn bereits
beim Einschalten der Zündung wird die Vorförderpumpe aktiv und
hätte bis zum Dieselfilter das System kontaminiert. Dann hätte
man auch den Filter wechseln müssen und das ganze System
entleeren sollen.

Die Zündung inklusive Motor wurde erst angemacht, als schon der Auffangbehälter an der Treibstoffleitung angeschlossen war. Wobei ich nur irgendwie nicht ganz sicher bin, ob nicht zwischen der Abzapfstelle und dem Tank nicht irgendwo schon der Filter ist und eine Pumpe zur Treibstoffförderung wird dort ja sicherlich sein.
Im Übrigen wurde der Tank auch nochmal mit 5 Liter Diesel durchgewaschen, die auch wieder abgepumpt wurden um eventuelle Benzinreste mitzureißen. Also ich denke der Rest an Benzin der noch drin war sollte auf die 75 Liter Diesel die nachgetankt wurden nicht sonderlich viel ausmachen.
Nur ob während des abpumpens was passiert ist, ist halt meine Befürchtung, da eben das Auto sozusagen selbst abgepumpt hat, nur halt nicht in Richtung Motor sondern Auffangbehälter.

Gruß
Schöni

Hallo,

mein Polo hat Piezoinjektoren (Ersatzteilpreis pro Stck ca. 750,-€) und dafür keine Hochdruckpumpe. Da geht nichts kaputt ausser die Injektoren.

Gruß
schubtil