Beobachten und Aushalten

Hallo,

in letzter Zeit werde ich immer wieder mit den beiden Begriffen „Beobachten“ und „Aushalten“ konfrontiert.
Beobachten = etwas wahrnehmen ohne zu reagieren oder zu urteilen und Aushalten = über sich ergehen
lassen, weil das auszuhaltende sich nicht beeinflussen lässt.

Kann mir jemand Literatur oder Links empfehlen, wo mehr darüber nachzulesen ist?

Vielen Dank und viele Grüße
Chili

Hallo Chili,

um weiterführende Literatur empfohlen zu bekommen, müsstest du mehr konkretisieren, um was es dir geht.
Nimmt man allein das „Beobachten“, so gibt es unzählige Literatur dazu, z.B. unter welchen Aspekten man was beobachten kann, was wichtig ist, um wertfrei zu beobachten, etc…
Wenn es dir um die Begriffe „beobachten“ und „aushalten“ geht, bist du mit div. Lexika am besten bedient.
Oder geht es um dich, dass du den Eindruck hast, du wirst damit z.Zt. häufig konfrontiert, weil es dein Thema ist?!
Falls ja, wie hieße das Thema konkret?
Geht es darum, wie man lernt, Situationen besser auszuhalten?
Geht es um bestimmte, wiederkehrende Themen in den Situationen?
…?

Trotz dass du nicht gefragt hast, möchte ich anmerken, dass ich hiermit

Aushalten = über sich ergehen
lassen
, weil das auszuhaltende sich nicht beeinflussen lässt.

nicht überein stimme.
Auch wenn ich die äußeren Umstände nicht ändern kann, sehe ich mich nicht in der passiven Rolle des „Über mich ergehen lassens“.
Die Möglichkeit, die sich mir bietet, ist mein Denken, mein Gefühl und meine Haltung dazu zu verändern.

Liebe Grüße, jeanne

Hallo Jeanne,

vielen Dank für Deine Antwort.

um weiterführende Literatur empfohlen zu bekommen, müsstest du
mehr konkretisieren, um was es dir geht.

Es geht mir weniger um das Nachschlagen von Definitionen, sondern eher um tiergehende
Abhandlungen, psychologisch betrachtet.

Nimmt man allein das „Beobachten“, so gibt es unzählige
Literatur dazu, z.B. unter welchen Aspekten man was beobachten
kann, was wichtig ist, um wertfrei zu beobachten, etc…

Wenn Du mir dazu ein Paar nennen könntest - das wäre toll!

Oder geht es um dich, dass du den Eindruck hast, du wirst
damit z.Zt. häufig konfrontiert, weil es dein
Thema
ist?!
Falls ja, wie hieße das Thema konkret?
Geht es darum, wie man lernt, Situationen besser auszuhalten?
Geht es um bestimmte, wiederkehrende Themen in den
Situationen?

Nein, eher nicht, es interessiert mich nur was es genau ist bzw. praktisch konkret bedeutet.

Trotz dass du nicht gefragt hast, möchte ich anmerken, dass
ich hiermit

Aushalten = über sich ergehen
lassen
, weil das auszuhaltende sich nicht beeinflussen lässt.

nicht überein stimme.
Auch wenn ich die äußeren Umstände nicht ändern kann, sehe ich
mich nicht in der passiven Rolle des „Über mich ergehen
lassens“.
Die Möglichkeit, die sich mir bietet, ist mein Denken, mein
Gefühl und meine Haltung dazu zu verändern.

Ich sehe natürlich auch die passive Rolle und passiv zu sein ist ja nicht gerade trendy. Und genau da ist
auch wieder der Zusammenhang zum „beobachten“ - wo man ja etwas wahrnehmen soll ohne zu
bewerten. Als Beispiel: ein Kleinkind hat einen Tobsuchtanfall, schreit, wirft sich auf den Boden und ist
nicht ansprechbar. Das ist eine Situation, die man erstmal nicht verändern kann, sondern aushalten
muss. Reden hilft nicht, schreien wäre ja genauso blöd, also aushalten bis es vorbei ist. Zweites Beispiel:
Man steht im Stau. Da kann ich mich grün ärgern, über die Autofahrer, die sich noch bei gelb über die
Ampel quetschen und damit den Verkehrsfluss der nächsten blockieren. Nützt alles nichts, also
aushalten und akzeptieren, dass man eben zu spät kommt.
Was ich damit nicht meine sind Situationen, die veränderbar und vermeidbar sind. Z.B Partnerkriesen
oder andere Konflikte und auch andere Menschen, die einem durch ihr Handeln und schlechtes
Benehmen stören (z.B. über Rotgeher bei anwesenden Kindern, pöbelnde Leute in öffentlichen
Verkehrsmitteln oder unfreundliche Sachbearbeiter) - das muss man nicht aushalten, da ist eine (zum
Teil) mutige Ansprache nötig.

Viele Grüße
Chili

Liebe Grüße, jeanne

Liebe chili,

Beispiel: ein Kleinkind hat einen
Tobsuchtanfall, schreit, wirft sich auf den Boden und ist
nicht ansprechbar. Das ist eine Situation, die man erstmal
nicht verändern kann, sondern aushalten
muss. Reden hilft nicht, schreien wäre ja genauso blöd, also
aushalten bis es vorbei ist.

Hierzu ein klares Nein!
(Würde eigentlich gerne im Vorfeld mit dir das Wort „aushalten“ definieren. Für mich hat es ganz klar was „leidendes“, was „passives“, was „negatives“, was, was man „eben aushält“.
Kenne dieses Geschreie (als Erzieherin) zu Genüge. Weißt du, was ich sage?!: „Kann sein, dass du mit dem Geschrei bei deiner Mama Erfolg hast. Ich kann Geschrei nicht ausstehen und wenn du schreist, kriegst du von mir gar nichts!“ (Bei Kindern ab 3 Jahren). Und es wirkt immer. Weil sie i.d.R. mit ihrem Geschrei ihren Willen durchsetzen wollen und nun wissen, dass das bei mir nicht funktioniert.
Das jedoch ist ein pädagogischer Fall.

Das andere, was du beschreibst, hat m.E. mit der eigenen Gelassenheit zu tun. Gerade dein Autofahrbeispiel trifft z.B. auch gut, was ich meine, wenn ich schreibe, das hat mit dir selbst zu tun, mit deinen Gedanken, deinen Gefühlen, deiner Haltung. In diesem Fall würde ich sogar noch ergänzen: mit deiner momentanen emotionalen Verfassung.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du glücklich wärst mit Literaturempfehlungen aus der Pädagogik (wie beobachte ich wertfrei) oder der Psychologie (auf was kann ich alles achten und wie ist es zu deuten?). Noch immer fehlt mir deine Motivation, das, was du wirklich wissen willst. (Wenn du magst, schreibe mir ne mail)

Viele Grüße,
jeanne

Liebe Jeanne,

Hierzu ein klares Nein!
(Würde eigentlich gerne im Vorfeld mit dir das Wort
„aushalten“ definieren. Für mich hat es ganz klar was
„leidendes“, was „passives“, was „negatives“, was, was man
„eben aushält“.
Kenne dieses Geschreie (als Erzieherin) zu Genüge. Weißt du,
was ich sage?!: „Kann sein, dass du mit dem Geschrei bei
deiner Mama Erfolg hast. Ich kann Geschrei nicht ausstehen und
wenn du schreist, kriegst du von mir gar nichts!“ (Bei Kindern
ab 3 Jahren). Und es wirkt immer. Weil sie
i.d.R. mit ihrem Geschrei ihren Willen durchsetzen wollen und
nun wissen, dass das bei mir nicht funktioniert.
Das jedoch ist ein pädagogischer Fall.

Und da muss ich Dir auch widersprechen - mit dem Satz „Kann sein, dass Du mit dem Geschrei bei
deiner Mama Erfolg hast…“ wertet das Handeln von Mama sofort ab. Das Kind erfährt von seiner
Erzieherin, dass dass er bei Mama mehr darf als bei ihr. Und das ist völlig unproduktiv und beruht auf
eine Behauptung, die Du nicht wissen kannst. Kinder testen immer wieder ihre Grenzen und bei den
Eltern gehen diese Testphasen weiter als bei Nichtfamilienmitgliedern. Ich spreche hier auch nicht von
dem Geschrei „Ich will aber…“, sondern von Trotzanfällen, und die sind um das 2. Lebensjahr. Und die
muss man „aushalten“, will heissen das Kind „in Ruhe“ seine Wut ausleben. Alles andere ist Quatsch. Du
kannst mir nicht erzählen, dass eine Mutter, dessen Kind wütend im Supermarkt auf dem Boden liegt mit
den Worten zureden kann: „Ich kann Dein Geschrei nicht ausstehen und wenn Du so weitermachst, dann
bekommst Du von mir nichts!“ und damit Erfolg hat.

Das andere, was du beschreibst, hat m.E. mit der eigenen
Gelassenheit zu tun. Gerade dein Autofahrbeispiel trifft z.B.
auch gut, was ich meine, wenn ich schreibe, das hat mit dir
selbst zu tun, mit deinen Gedanken, deinen Gefühlen, deiner
Haltung. In diesem Fall würde ich sogar noch ergänzen: mit
deiner momentanen emotionalen Verfassung.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du glücklich wärst mit
Literaturempfehlungen aus der Pädagogik (wie beobachte ich
wertfrei) oder der Psychologie (auf was kann ich alles achten
und wie ist es zu deuten?).

Warum nicht???

Noch immer fehlt mir deine

Motivation, das, was du wirklich wissen willst. (Wenn du
magst, schreibe mir ne mail)

Das hab ich bereits geschrieben - mich interessiert es halt!

Viele Grüße,
jeanne

Liebe Chili,

mit dem Satz „Kann
sein, dass Du mit dem Geschrei bei
deiner Mama Erfolg hast…“ wertet das Handeln von Mama sofort
ab. Das Kind erfährt von seiner
Erzieherin, dass dass er bei Mama mehr darf als bei ihr. Und
das ist völlig unproduktiv

Ich danke dir! Das hatte ich nicht bedacht und ich werde den Satz umgehend meiden!

Leider erhältst du immer noch keine Literaturempfehlungen von mir.
Ich kenne kein Buch, das beide Aspekte ´beobachten und ´aushalten behandelt.
Zum Thema beobachten in bezug auf Kinder google mal.
Wenn du interessiert daran bist, die Mimik und Gestik deines Gegenübers zu beobachten, beschäftige dich mit coaching.
Zum Thema aushalten kann ich dir leider gar nichts sagen, da das, wie ich bereits schrieb, m.E. mit einem selbst zu tun hat und mir deine Anfrage diesbezüglich immer noch zu unkonkret ist.

Es grüßt dich
jeanne