Berechnung Notendurchschnitt - Beschwerde?!?

Hallo,

in diesem Jahr werden die Notendurchschnitte ja noch recht „unfair“ berechnet.
Aus meinen Semesternoten z.B. ergibt sich ein Durchschnitt von 9,9 Punkten, auf dem Zeugnis steht dann aber nicht etwa 10 Punkte, sondern eben 9 - die Nachkommastellen werden gestrichen. Und leider ist das nicht nur in einem Fach der Fall, sondern in mehreren.

Nun wird das System ab vermutlich nächstem Jahr geändert, dann darf wieder korrekt gerundet werden. So jedenfalls soll es heuer beschlossen worden sein.

Nun ist der gemeine Schüler des Jahrgangs 2007/8 natürlich in einiger Hinsicht benachteiligt. Ein Schüler mit gleichen Leistungen, womöglich sogar schlechten Leistungen, die nur einen Schnitt von 9,5 ergeben, erhält einen Notenpunkt besser als ich, der mit 9,9 Punkte auf 10 Punkte kommt.
Gerade bei der Bewerbung an Unis für NC-Fächer sind die Komma-Stellen aber ausschlaggebend.

Lange Vorgeschichte, kurze Frage:

Lohnt sich eine Beschwerde und wenn ja, wo reicht man die ein?

Und vielleicht hat einer von euch ja ähnliche Probleme und ein ähnliches Anliegen und kann noch ein paar andere Worte dazu sagen :smile:

Danke!

Hi!

Ich glaube nicht, dass eine Beschwerde was nützen würde. Der Zeitpunkt für den angesprochenen Wechsel von unfair zu fair ist IMMER ungünstig, weil es immer jemanden gibt der besser dran wäre, wenn der Wechsel früher oder später stattfinden würde.
Man kann nur hoffen, dass die Uni’s den Wechsel korrekt und zeitnah berücksichtigen.

Viele Grüße,
JPL

Hallo!

Die ganze Sache kommt mir total komisch vor. Schließlich gibt es ja 15 Punkte im System und die 15 Punkte wären nach dem alten System ja sozusagen unmöglich.
Und es gibt eine Reihe von Schülern mit vielen 15er Noten auf dem Abizeugnis. Eine Kommilitonin von mir hat z.B. 836 Punkte im Abi.
Das sind in der 12. und 13. Klasse und im Abi immer 15 Punkte in jedem eingebrachten Fach außer zweimal je 14 Punkte in Reli und Chemie.

Gruß, Stefan

Hallo,

in diesem Jahr werden die Notendurchschnitte ja noch recht
„unfair“ berechnet.

streng genommen ist das arithmetische Mittel mehrerer Noten garnicht definiert. Noten fehlt dazu die Eigenschaft „intervallskaliert“ zu sein. Eine strikte Regel, die Gesamtnote durch das arithmetische Mittel der Einzelnoten zu errechnen, ist daher nie mathematisch gerechtfertigt.

Um die Fehler zu korrigieren, die man macht, wenn man die nicht wohl-definierte Operation auf die Einzelnoten loslässt, gibt es das „fachliche und pädagogische Ermessen“, wonach sich die Endnote eben gerade nicht streng als das Mittel ergibt, sondern die Endnote gegenüber dem Mittel abweichen kann.

Aus meinen Semesternoten z.B. ergibt sich ein Durchschnitt von
9,9 Punkten, auf dem Zeugnis steht dann aber nicht etwa 10
Punkte, sondern eben 9 - die Nachkommastellen werden
gestrichen. Und leider ist das nicht nur in einem Fach der
Fall, sondern in mehreren.

Wurde hier zwanghaft „gerechnet“ oder fachliches und pädagogisches Ermessen angewandt.


PHvL

Hallo,

in diesem Jahr werden die Notendurchschnitte ja noch recht
„unfair“ berechnet.

streng genommen ist das arithmetische Mittel mehrerer Noten
garnicht definiert. Noten fehlt dazu die Eigenschaft
„intervallskaliert“ zu sein. Eine strikte Regel, die
Gesamtnote durch das arithmetische Mittel der Einzelnoten zu
errechnen, ist daher nie mathematisch gerechtfertigt.

Du meinst wohl eher andersum - eben weil Noten „intervallskaliert“ sind, fehlt ihnen die Eigenschaft, Nachkommastellen aufnehmen zu können? Gegenargument: Wenn man derart „komplizierte“ Formeln zur Berechnung einer Abschlussnote anwendet, sollte man auf der anderen Seite auch mathematisch konsequent genug sein und korrekt runden.

Wie gesagt: eine Sauerei. Erst Recht, wenn diese Regelung vor 2 Monaten abgeschafft wurde und im nächsten Jahr erst Anwendung findet.

Besseres Beispiel - Berechnung der Abschlussnote:

( Semester 1 + Semester 2 ) : 2 ==> JahresNote 1. Mal Kommastelle wegstreichen
2 * JahresNote + 2 * Prüfung : 4 ==> Endnote 2. Mal Kommastelle wegstreichen

Bei ungünstigen Konstellationen verliert man also beim ersten Mal 0,5 Notenpunkte und beim zweiten Mal auch. Oder um es auf die Spitze zu treiben, kann man theoretisch zwei mal 0,9 Punkte verlieren und somit effekt 2 Notenpunkte schlechter sein.

Um die Fehler zu korrigieren, die man macht, wenn man die
nicht wohl-definierte Operation auf die Einzelnoten loslässt,
gibt es das „fachliche und pädagogische Ermessen“, wonach sich
die Endnote eben gerade nicht streng als das Mittel ergibt,
sondern die Endnote gegenüber dem Mittel abweichen kann.

Da geb ich dir Recht - einige Lehrer haben auch im Semester so verfahren. Nur funktioniert das in der Abschlussnote unter den Argusaugen der „Schulaufsicht“ oder irgendeiner „Schulbehörde“ nicht mehr.

Hallo,

streng genommen ist das arithmetische Mittel mehrerer Noten
garnicht definiert. Noten fehlt dazu die Eigenschaft
„intervallskaliert“ zu sein.

Du meinst wohl eher andersum - eben weil Noten
„intervallskaliert“ sind, fehlt ihnen die Eigenschaft,
Nachkommastellen aufnehmen zu können?

nein, Noten sind bestenfalls ordinalskaliert. „Intervallskaliert“ heißt, dass man sinnvoll Abstände ermitteln kann - das ist bei Noten nicht der Fall, da der Abstand von einer Note zur nächstbesseren/nächstschlechteren Note keinem präzisen und stabilen Leistungsunterschied entspricht (betrachte etwa insbesondere 3/4 und 4/5).

Gegenargument: Wenn man derart „komplizierte“ Formeln zur
Berechnung einer Abschlussnote anwendet, sollte man auf der
anderen Seite auch mathematisch konsequent genug sein und
korrekt runden.

Da der erste Schritt mathematisch nicht wohldefiniert war, gibt es keinen Grund für den zweiten die Mathematik anzuwenden, denn aus Falschem folgt ohnehin Beliebiges.

Es ist auch keinesfalls so, dass nur das kaufmännische Runden „mathematisch korrekt“ ist, wie du implizierst. Da es sich um eine arithmetische Operation handelt, ist es aber für Noten ohnehin nicht wohldefiniert. Die von dir so angegriffene Gaußklammer ist daher ebenso gutschlecht.

Bei ungünstigen Konstellationen verliert man also beim ersten
Mal 0,5 Notenpunkte und beim zweiten Mal auch.

Du „verlierst“ keine Notenpunkte. Vielmehr ist es so, dass du zwei gleichartig schlechte Verfahren vergleichst, die beide mit einem Fehler behaftet sind - welches der beiden Ergebnisse die Gesamtleistung besser beschreibt, ist auf mathematischem Wege nicht zu ermitteln, sondern wäre ein Fall für fachliches und pädagogisches Ermessen.

Um die Fehler zu korrigieren, die man macht, wenn man die
nicht wohl-definierte Operation auf die Einzelnoten loslässt,
gibt es das „fachliche und pädagogische Ermessen“, wonach sich
die Endnote eben gerade nicht streng als das Mittel ergibt,
sondern die Endnote gegenüber dem Mittel abweichen kann.

Nur funktioniert das in der Abschlussnote unter den Argusaugen
der „Schulaufsicht“ oder irgendeiner „Schulbehörde“ nicht mehr.

Ich schließe nicht aus, dass bereits die Schulordnung oder deren Interpretation durch die zuständigen Behörden, die aufgezeigten Mängel beinhalten.

Vieles rührt ja bereits aus dem zwanghaften Versuch her, eine Gesamtnote erstellen zu müssen. Das ist immer eine sehr schwierige und subjektive Angelegenheit - sich dabei hinter „einfachen“ und scheinbar objektiven mathematischen Operationen zu verstecken, ändert daran nichts (u. U. ersetzt es sogar subjektiv durch willkürlich).


PHvL

PHvL
Das klingt alles zu sehr nach grosser Wissenschaft - ordinal, intervall, gut und böse hin und her - und würde mich sofort abschrecken, daran auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Deswegen fällt es mir auch schwer, deine Argumente FÜR dieses System in irgendeiner Weise nachzuvollziehen.

Um das ganze in seiner Irrsinnigkeit noch mehr zu verdeutlichen: Jemand bekommt 9 mal 10 Punkte und zwischendrin hat er mit 9 Punkten einen schlechten Tag. 99 durch 10 ergibt 9,9. 9 Punkte. Da wirken keine Ausflüchte - das ist nicht gerecht. Punkt.

Übrigens, heute erfuhr ich, dass diese Art der Benotung angeblich nur in FOS und BOS in Berlin praktiziert wird. In anderen Bundesländern, ja sogar in anderen Schultypen in Berlin, findet eine „kaufmännische“ Rundung statt.

Ich glaube, dass ist der letzte Tropfen, der das System für eine Beschwerde qualifiziert.

endnotenklage.de

(Somit hat sich meine Frage eingangs ja geklärt, ich weiss was ich tun muss - und je mehr sich der Beschwerde anschliessen, desto erfolgsversprechender wirds :smiley:)

Hallo,

Deswegen fällt es mir auch schwer, deine Argumente FÜR
dieses System in irgendeiner Weise nachzuvollziehen.

du scheinst mich missverstanden zu haben. Dieses System der Endnotenberechnung ist offensichtlich schlecht. Aber das arithmetische Mittel von Noten an sich ist schlecht - ungeachtet des Rundungsverfahrens.

Um das ganze in seiner Irrsinnigkeit noch mehr zu
verdeutlichen: Jemand bekommt 9 mal 10 Punkte und zwischendrin
hat er mit 9 Punkten einen schlechten Tag. 99 durch 10 ergibt
9,9. 9 Punkte. Da wirken keine Ausflüchte - das ist nicht
gerecht. Punkt.

Obwohl ich dir Recht gebe, dass eine solche Endnote meist ungerecht sein wird, ist das nicht notwendigerweise immer der Fall. Es kommt immer auf die Einzelleistungen an (ist es wirklich nur „ein schlechter Tag“, …). Es ist nicht mit Mathematik zu begründen, welche Endnote sich ergeben muss.

Sinnvollerweise gibt es dazu das fachliche und pädagogische Ermessen, welches diese Ungerechtigkeiten ausgleicht. Die Gaußklammer durch das arithmetische Mittel zu ersetzen, löst das Problem dagegen nicht - wenngleich es vielleicht nicht mehr so oft auftritt.

Der Punkt auf den ich dich hinweisen wollte ist: vom mathematischen Standpunkt aus sind Gaußklammer und arithmetisches Mittel gleichermaßen willkürlich und unbegründet. Die Mathematik taugt also als Argument für eine derartige Änderung nicht, sondern würde ein stärkeres Eingreifen fordern. Lediglich praktische Beobachtungen können ergeben, dass das arithmetische Mittel weniger häufig Endnoten produziert, die als ungerecht empfunden werden, als die Gaußklammer.

Übrigens, heute erfuhr ich, dass diese Art der Benotung
angeblich nur in FOS und BOS in Berlin praktiziert wird.

Soetwas war der Grund für meine erste Rückfrage, die du aber nur indirekt beantwortet hast.


PHvL