Bergwerkversatz

Wer kann etwas zum Thema Bergwerkversatz und die Leitlinien der Regungskoalition zu diesem Thema sagen?

Beim Bergwerkversatz werden u.a. besonders überwachungsbedürftige Sonderabfälle in stillgelegte Bergwerksstollen verpresst und dieses Vorhaben unter staatlicher Beteiligungb als Verwertung deklariert. Die Ökologische Szene spricht von den Altlasten der Zukunft, den Menschen, die über ehemaligen Stollen leben, sacken die Gebäude und Straßen weg.

Allerdings werden beim Versatz auch Stoffe verwendet, die die deutsche Verwertungswirtschaft schädigen, weil sie durch diese Praxis das Kreislaufwirtschaftsgesetz unterlaufen und Wertstoffe aus dem Kreislauf in den Untertagebereich ausschleußen. Dabei beherrschen konkurrenzlos günstige „Verwertungspreise“ den Markt.

Eine Anfrage bei den GRÜNEN zu diesem Thema blieb bisher ohne Antwort.

Wo sind die ökologischen Zielsetzungen, oder wie wird das Thema derzeit diskutiert oder lässt man, weil ein heißes Eisen, die Finger davon?

R.

Hi Rüdiger,
das Thema wird derzeit zwischen Berlin und Brüssel unterschiedlich diskutiert. Es ist recht spannend, weil in diesem Fall die Meinung „Deutschlands“ von der Meinung „Europas“ abweicht.

In Berlin möchte man aus mehreren Gründen an der „Verwertungsmöglichkeit“ des Versatzes festhalten, teilweise aus guten Gründen. Darüber hinaus: was spricht dagegen, in einem Salzbergwerk zu „versetzen“??? Teilweise gibt es sogar unterirdische Verbindungen und identische geologische Voraussetzungen… nur, dass der Versatz das Gebirge wirklich stützt, während die UTD genau dies aus Gründen der „Rückholbarkeit“ der Abfälle nicht gewährleistet.

Fazit: Die Gärten rutschen da ab, wo NICHT versetzt wird!

übrigens: Die Tatsache, dass ein Abfall „besonders überwachungsbedürftig“ ist, hat absolut und überhaupt nix mit seiner „Gefährlichkeit“ zu tun.

Gruß Ayla, die den „VErsatz“ nicht schönreden will, aber absolut diskussionsbereit ist!!!
… übrigens habe ich sowohl ein Versatzbergwerk als auch eine UTD besichtigt.

Hi Ayla,

ok, sicherlich gibt es den ein oder anderen Abfall, wo ein Versatz bei der Problematik des Absinkens ganzer Landstriche sinnvoll sein kann. Aber wenn es um die gezielte Ausgliederung von Wertstoffen aus dem Kreislauf geht, sollte man, meiner Meinung nach, eine Verwertung unterbinden, vor allem wenn es um Wertstoffe wie z.B. Galvanikschlämme u.ä. geht und die reale Verwertungswirtschaft (ich bin kein Mitglied derer!) darunter zu leiden hat.

Hier bleibt die Ökologie meiner Meinung nach voll auf der Strecke. Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst sind und welche die Art der „Verwertung“ nicht nur dem Preis nach bestimmen, erleiden eine Wettbewerbsbenachteiligung gegenüber denen, die vor allem billig entsorgen wollen.

Über die Salzbergwerke und deren Festigkeit kann man Stunden diskutieren, ohne das der Diskussionspartner seinen Standpunkt verlässt. Bzgl. der Verschmutzung unserer Erdoberfläche, wären wir, so bin ich überzeugt, gut beraten, die Tiefengrundwasservorräte gut zu schonen, dazu gehört auch verantwortungsvoller Umgang mit den o. genannten Materialien, meine ich.
Aber auch ich weiss nicht, was morgen, übermorgen oder in 10.000 Jahren sein wird. Die Befürworter der Immobilisierung und des Versatzes können diesbezüglich aber auch nur Mutmaßungen abgeben.

Interessante Diskussion, oder?

Bzgl. des aktuellen Sachstandes hätte ich gerne mehr erfahren, ich kenne aber auch nur das Dossier des ÖKO-Institutes zu der Thematik und diverse Veröffentlichungen aus der Tagespresse. Wer weiss-mehr über den aktuellen Stand auf der Ebene der europ. Diskussion bzw. Rechtstreites?

Rüdi

Galvanikschlamm…

vor allem wenn es
um Wertstoffe wie z.B. Galvanikschlämme

ups… da habe ich wohl was verschlafen???
wie und weshalb werden denn Galcvanikschlämme verwertet???
Gruß Ayla… schlicht verblüfft!

Hi Ayla, freut mich doch, dass du etwas verblüfft bist, aber wer in der Materie nicht irgendwie drinsteckt, kriegt davon auch selten etwas mit.

Also ich erklärs ganz knapp:

Im galvanischen Prozess werden schwermetallhaltige Lösungen eingesetzt. Diese enthalten z. B. Kupfer, Nickel, Chrom, aber auch Gold, Silber, Palladium uvam. in Konzentrationen von einigen hundert Milligramm bis einige hundert Gramm pro Liter. SO ein galvanisches Bad kann von wenigen Litern bis zu mehreren 1000 Litern des sog. „Elektrolyten“ = Salzlösung enthalten.
Nach jeder Galvanisierung muß das zu galvanisierende Werkstück gespült werden, um es von den anhaftenden Metallresten zu befreien. Dies hat viele Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Durch die sog. „Verschleppung“ die bis zu 15% ausmachen kann, entsteht schwermetallhaltiges Abwasser, welches (bevor man es in die Kanalisation einleitet) von den Schwermetallen gereinigt werden muß, da diese meist toxisch sind. Dies geschieht meistens mit Hilfe der sog. Neutralisationsfällung. Dabei werden aus den löslichen Metallsalzen unlöslichere Metallhydroxide, die dann filtrierbar sind. Der Filterkuchen heißt dann, dem Prozeß gemäß „Galvanikschlamm“ und besteht dann aus Kupfer, Nickel, Chrom usw.- hydroxiden und anderen Verunreinigungen.

Diese Metallhydroxide sind die puren Wertstoffe, da sich aus ihnen die Metalle leicht rückgewinnen lassen. Es gibt einige Firmen, die sich auf Wertstoffrückgewinnung spezialisiert haben.

Noch vor den 70igern, war es u.a. Stand der Technik, diese Schlämme über eine Rohrleitung in eine Grube auf der grünen Wiese zu leiten, zu versickern, oder gar in einen nahe gelegenen Bach zu geben. Die Orte wo sowas durchgeführt wurde, nennt man heute „Altlasten“ und diese müssen saniert werden, da sie z.B. das Grundwasser oder die Flora, Menschen, Tiere etc. gefährden.

Später, als man das Risikopotential erkannte wurden diese Schlämme auf Grund gesetzlicher Zwänge, deponiert.

Heute gibt es Recyklingfirmen, die aus den Galvanikschlämmen die Wertstoffe wieder zurückgewinnen und in den sog. Wertstoffkreislauf zurückführen.
Das ist die sinnvolle Variante.

Andere immobilisieren die Schlämme thermisch oder durch Zuschlagstoffe, damit sie im Deponiebau (z.B. als Oberflächenabdichtung) oder im Straßenbau eingesetzt werden können. Auch in Ziegeleien sollen sie schon verarbeitet worden sein. Das sind meiner Meinu8ng nach auch nicht ganz koschere Methoden.

Vielleicht verstehst du jetzt, weshalb ich es nicht akzeptieren kann, dass diese Schlämme im Bergwerk „versetzt“ werden und damit dem „Wertstoffkreislauf“ ein für alle Mal entzogen worden sind und zudem vielleicht für nachfolgende Generationen zum Problem werden können.

Es gibt in der Galvanik mittlerweile Verfahren der sog. Metall- oder Wertstoffrückführung, welche aber noch nicht so häufig eingesetzt werden (Membranfiltration, Umkehrosmose uvam.), weil sie andere Probleme mit sich bringen oder zu teuer oder noch nicht so ausgereift sind.

D.h. Galvanikschlämme werden auch in nächster Zukunft immer produziert werden. Ein sinnvoller Umgang mit diesen ist deshalb, aus meiner Sicht, dringend geboten.

Gruß Rüdiger

Hi Rüdiger!

erstmal danke für die INfos zum Thema Galvanik !

Diese Metallhydroxide sind die puren
Wertstoffe, da sich aus ihnen die Metalle
leicht rückgewinnen lassen.

Genau das würde mich näher interessieren. Wie sehen die Stoffströme aus, wieviel von was entsteht??? und was passiert mit den Stoffströmen?

Es gibt
einige Firmen, die sich auf
Wertstoffrückgewinnung spezialisiert
haben.

Das weiss ich, aber von einer Galvanikschlamm-Rückgewinnung habe ich noch nix gehört… und ich habe mich in den letzten Tagen bei meinen Bekannten vorsichtshalber nochmal umgehört.

Das ist die sinnvolle Variante.

deshalb bin ich auch entsprechend neugierig.

Andere immobilisieren die Schlämme
thermisch oder durch Zuschlagstoffe,
damit sie im Deponiebau (z.B. als
Oberflächenabdichtung) oder im Straßenbau
eingesetzt werden können.

:Gruß Rüdiger

hier sträuben sich mir die Nackenhaare… und lassen mich nach dem Bundesland fragen, aus dem Du kommst!

erstmal viele Grüsse und nochmals Dank für Deine INfos!!!
Ayla, langsam kennerin des Galvanikschlammes

Hallo Ayla,

hier nun endlich die Antwort auf die obigen Fragen:

Bzgl. Stoffströme:

Was genau meinst du damit? Es entsteht z.B. durch Spülprozesse ein Abwasser mit einer bestimmten Konzentration an Schwermetallen an (z.B. 3 – 30 g/l Kupfer, Nickel oder andere). Der Einleitegrenzwert beträgt für diese Metalle 0,5 mg/l, und wird i.d.R. erreicht oder, bei einer guten Anlage mit geschultem Personal sogar unterschritten, d.h. von der Bilanz her kann man also von einer 100%igen Rückhaltung sprechen. Natürlich befinden sich noch Rückstände aus den Behandlungschemikalien wieder (z.B. Na, Ca, Cl-) und org. Verunreinigungen.

Bzgl. Galvanikschlammrückgewinnung

Da gibt es doch einige Firmen, z.B. die SRB, Nickelhütte Aue in Neufünfland oder Siegfried Jacob im Ruhrgebiet.
Besucht habe ich 1999 die Fa. Siegfried Jacob in Ennepetal. Die Fa. S. Jacob ist die größte und modernste Recyclinganlage für metallhaltige Reststoffe u.a. Metallhydroxidschlämme (also vorwiegend Galvanikschlämme) in Europa und wurde am Standort Ennepetal 1953 gegründet. Weitere Geschäftsfelder sind die Herstellung von Buntmetall-Legierungen und der Altmetallhandel.
Das Werk und die installierte innovative und z.T. patentrechtlich geschützte Technik (Elektrolyse, chem. physikalische Behandlung, Solvent-Extraktion uvam.) haben bei mir einen nachhaltig positiven Eindruck hinterlassen. Die Fa. wurde 1994 von der Bezirksregierung mit dem 1. Preis für innovative Umwelttechnik ausgezeichnet.

Offensichtlich scheint das Thema sonst niemanden zu interessieren.

Schade.

Rüdiger

Hi Rüdiger

Bzgl. Stoffströme:

Was genau meinst du damit?

eigentlich ganz einfach:
stell Dir vor, in eine Anlage gehen 1000 kg Galvanikschlamm rein.

WAS GENAU passiert damit??? wieviel Energie und Hilfsmittel werden benötigt, um WELCHE neuen Ströme zu erzeugen???
Wie heissen die neuen Ströme???

Besucht habe ich 1999 die Fa. S.
J. in Ennepetal. Die Fa. wurde 1994
von der Bezirksregierung mit dem 1. Preis
für innovative Umwelttechnik
ausgezeichnet.

Nun. Ennepetal ist ja nicht weit von hier. Trotzdem kennt hier niemand die Galvanikschlammrückgewinnung. … und die Bezirksregierung verleiht Preise???
Bist Du Dir da sicher??? M.E. handelt es sich bei der Bezirksregierung um eine Behörde…

Wir werden der Sache schon auf die Spur kommen!
Gruß Ayla, die sich fragt, ob es die Firma auch im Internet gibt???

Hallo Ayla,

bzgl. Stoffströme kann ich hier keine weiteren Angaben machen. Ggf. müsste ich an einen Verwerter direkt herantreten und Infos anfragen. Ggf. hat ja auch das UBA oder Öko-Institut schon mal die Angelegenheit untersucht. Bei Zeiten frag ich dort ggf. mal nach.

Bzgl. Umweltpreis kann ich mitteilen, dass die Siegfried Jacob Metallwerke aus der Hand des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes NRW den 1. Preis für innovative Umwelttechnik erhalten hat. Daran war auch das Regierungspräsidium der Bezirksregierung Arnsberg beteiligt. Der Preis wurde „durch ständig verfeinerte Verfahrensoptimierung der Wertstoffrückgewinnung aus metallischen Abfallschlämmen, die sie großtechnisch umgesetzt und wirtschaftlich rentabel gemacht hat“ verliehen. Und die Auszeichnung ist aus meiner Sicht und Kenntnis der Verwertungsstrategie dort, mehr als berechtigt.

Ob die Fa. SJ im Internet ist, glaube ich nicht. Ich kann mich ja mal schlau machen.

Übrigens haben wir mittlerweile das Thema etwas verfehlt (wenn auch sehr interessant, immerhin trägt es zur Aufklärung bei, was sich mittlerweile so auf diesem Sektor tut).

Ursprünglich ging es um Bergwerkversatz von Wertstoffen. Offensichtlich scheint dies niemanden sonst zu interessieren, oder die Leute können sich nix drunter vorstellen. Schade. Trotzdem fand ich die Kommunokation und deine Fragestellungen sehr anregend. Weiter so.

Gruß R.

Hallo Ayla,

bzgl. Stoffströme kann ich hier keine
weiteren Angaben machen.

schade… ohne diese Angaben kann man nicht vernünftig über den ökologischen Sinn oder Unsinn diskutieren…

Bzgl. Umweltpreis kann ich mitteilen,
dass die Siegfried Jacob Metallwerke aus
der Hand des Ministers für Wirtschaft,
Mittelstand und Technologie des Landes
NRW

o.k. der darf verleihen… die Genehmigungsbehörde wohl nicht…

übrigens: das öko-Institut … na ja…
ob das nun gerade „Wissenschaft“ ist… weiteres dazu nur per Mail!!!

Ayla, die schon viel Freude mit den Ergüssen der Heidelberger hatte

Ok Ayla,

da wir hier eh nur im Duett tanzen,
ist dein Vorschlag sich per E-Mail
über die Thematik weiter auszulassen
sicher nicht verkehrt.

Vielleicht versuch ich´s mal mit der gleichen Anregung unter der Rubrik „Umwelt“.

Bis denn.

Rüdi