Hi Ayla, freut mich doch, dass du etwas verblüfft bist, aber wer in der Materie nicht irgendwie drinsteckt, kriegt davon auch selten etwas mit.
Also ich erklärs ganz knapp:
Im galvanischen Prozess werden schwermetallhaltige Lösungen eingesetzt. Diese enthalten z. B. Kupfer, Nickel, Chrom, aber auch Gold, Silber, Palladium uvam. in Konzentrationen von einigen hundert Milligramm bis einige hundert Gramm pro Liter. SO ein galvanisches Bad kann von wenigen Litern bis zu mehreren 1000 Litern des sog. „Elektrolyten“ = Salzlösung enthalten.
Nach jeder Galvanisierung muß das zu galvanisierende Werkstück gespült werden, um es von den anhaftenden Metallresten zu befreien. Dies hat viele Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Durch die sog. „Verschleppung“ die bis zu 15% ausmachen kann, entsteht schwermetallhaltiges Abwasser, welches (bevor man es in die Kanalisation einleitet) von den Schwermetallen gereinigt werden muß, da diese meist toxisch sind. Dies geschieht meistens mit Hilfe der sog. Neutralisationsfällung. Dabei werden aus den löslichen Metallsalzen unlöslichere Metallhydroxide, die dann filtrierbar sind. Der Filterkuchen heißt dann, dem Prozeß gemäß „Galvanikschlamm“ und besteht dann aus Kupfer, Nickel, Chrom usw.- hydroxiden und anderen Verunreinigungen.
Diese Metallhydroxide sind die puren Wertstoffe, da sich aus ihnen die Metalle leicht rückgewinnen lassen. Es gibt einige Firmen, die sich auf Wertstoffrückgewinnung spezialisiert haben.
Noch vor den 70igern, war es u.a. Stand der Technik, diese Schlämme über eine Rohrleitung in eine Grube auf der grünen Wiese zu leiten, zu versickern, oder gar in einen nahe gelegenen Bach zu geben. Die Orte wo sowas durchgeführt wurde, nennt man heute „Altlasten“ und diese müssen saniert werden, da sie z.B. das Grundwasser oder die Flora, Menschen, Tiere etc. gefährden.
Später, als man das Risikopotential erkannte wurden diese Schlämme auf Grund gesetzlicher Zwänge, deponiert.
Heute gibt es Recyklingfirmen, die aus den Galvanikschlämmen die Wertstoffe wieder zurückgewinnen und in den sog. Wertstoffkreislauf zurückführen.
Das ist die sinnvolle Variante.
Andere immobilisieren die Schlämme thermisch oder durch Zuschlagstoffe, damit sie im Deponiebau (z.B. als Oberflächenabdichtung) oder im Straßenbau eingesetzt werden können. Auch in Ziegeleien sollen sie schon verarbeitet worden sein. Das sind meiner Meinu8ng nach auch nicht ganz koschere Methoden.
Vielleicht verstehst du jetzt, weshalb ich es nicht akzeptieren kann, dass diese Schlämme im Bergwerk „versetzt“ werden und damit dem „Wertstoffkreislauf“ ein für alle Mal entzogen worden sind und zudem vielleicht für nachfolgende Generationen zum Problem werden können.
Es gibt in der Galvanik mittlerweile Verfahren der sog. Metall- oder Wertstoffrückführung, welche aber noch nicht so häufig eingesetzt werden (Membranfiltration, Umkehrosmose uvam.), weil sie andere Probleme mit sich bringen oder zu teuer oder noch nicht so ausgereift sind.
D.h. Galvanikschlämme werden auch in nächster Zukunft immer produziert werden. Ein sinnvoller Umgang mit diesen ist deshalb, aus meiner Sicht, dringend geboten.
Gruß Rüdiger