Bericht Allgäutour 2004 (länglich)

Moin!

Ok, hier der Bericht…

Allgäutour 2004 vom 31.07. – 07.08.

Vorwort

Unsere letzten beiden Motorradurlaube verbrachten wir bereits im Allgäu, nachdem wir in den Jahren davor im Altmühltal und im Fichtelgebirge waren. Was hat das Allgäu, was andere Gegenden nicht haben? Nun, einerseits ist es über die A7 bequem zu erreichen, andererseits bietet es mit den Alpen vor der Haustür sowohl für den eher touristisch angehauchten als auch für den sportlich ambitionierten Fahrer eine Unzahl attraktiver Strecken. Natürlich ist das auch in anderen Gegenden der Fall, aber die sind doch erheblich weiter von unserer Heimat entfernt. Es gab bei der Planung kein „Schon wieder Allgäu“, schließlich konnten wir einige Jahre nicht fahren. So geht’s also nach 1998 und 2000 zum dritten Mal ins „gelobte Land“. Silvretta, Timmelsjoch und Jaufenpaß waren 2000 dran, diesmal suchen wir andere Routen…

Samstag, 31.07.2004

Die Anreise. Reiner und ich sind für 01.30 Uhr verabredet. Gegen 02.10 Uhr taucht er bei mir auf. Wir wollen in Anbetracht der zu erwartenden Temperaturen und des wahrscheinlich hohen Verkehrsaufkommens lieber nachts fahren. Von Langelsheim nach Rhüden, dort auf die A7, die wir etwa 600km später wieder verlassen. Zwischendrin ein paar Pausen, ein paarmal tanken, Abfahrt Oy-Mittelberg, dann nach Wertach zum Campingplatz Grüntensee. Anmelden, Zelt aufbauen, einkaufen fahren, ausruhen. Durch die Autobahnfahrerei sind die Hinterreifen ein wenig eckig geworden und wir machen uns erste Gedanken darum, ob sie bis zum Tourende halten. Abends gehen wir im Restaurant des Campingplatzes essen. Die Karte ist im Vergleich zu der vor vier Jahren deutlich übersichtlicher geworden. Dafür sind die Preise – wie wohl überall in der Gastronomie – reichlich stark angehoben worden. Morgens muß man nicht mehr schlangestehen, wenn man Brötchen haben möchte. Stattdessen muß man sie abends vorbestellen. Auch die sind mit € 0,35 nicht wirklich preiswert, aber Bequemlichkeit hat eben ihren Preis. Wie dem auch sei, Reiner isst Gulasch mit Spätzle und ich gönne mir eine Portion Käsespätzle. Danach sitzen wir mit ein paar Bierchen vor dem Zelt.

Sonntag, 01.08.2004

Die erste Tour. Über Oberjoch fahren wir ins Tannheimertal. Gaichtpaß, Weißenbach, Elmen liegen auf unserem Weg zum Hahntennjoch. Vor einem Tunnel werden wir aufgehalten. Ich fahre an der Dosenkolonne vorbei bis nach vorn, wo schon jede Menge andere Moppedfahrer darauf warten, dass es endlich weitergeht. Ich erfahre, dass im nächsten Ort eine Prozession stattfindet. Na gut, es ist Sonntag, es ist Österreich, also warten wir ein Viertelstündchen. Genauer gesagt warte ich, Reiner kommt nicht nach vorn. Ich vermute, dass er sich nicht vordrängeln will. Endlich wird die Strecke wieder freigegeben. Bis zum Abzweig zum Hahntennjoch fahre ich, bevor ich beschließe, auf Reiner zu warten. Ich stehe und stehe. Nach einer weiteren Viertelstunde kommt er endlich. Wir wechseln ein paar Worte, dann geht’s hoch zum Hahntennjoch. Im Rückspiegel beobachte ich, wie Reiners Scheinwerfer überwiegend aus ist, von Zeit zu Zeit aber aufblinkt. Auf dem Hahntennjoch halten wir an. Dort sagt mir Reiner, dass er deshalb nicht an der Schlange vorbeigefahren ist, weil seine Karre nicht mehr ansprang. Ich berichte ihm, was ich beobachtet habe. Wir finden in der Lampe einen etwas wackeligen Stecker. Zumindest das Lampenproblem ist damit gelöst.

Weiter geht’s über Imst nach Oetz zum Kühtaisattel. Der Kühtaisattel ist eine mittelmäßig anspruchsvolle Strecke, die allerhand für’s Auge bietet. Gries, Kematen, Zirl, Telfs, Seefeld und wieder zurück nach Telfs, weil die Durchfahrt Seefeld gesperrt ist. Grmbl. Also über Leutasch und Mittenwald nach Garmisch. Weiter über Ehrwald, Lermoos, Reutte, Weißenbach, Gaichtpaß und Oberjoch zurück nach Wertach. Vor allem sollte man größere Orte meiden, was aber nicht immer geht. Hier quält sich der Touristenstrom langsam durch. Ansonsten eine schöne Tour und mit 335km nicht zu lang für den ersten Tag.

Abends essen wir wieder im Restaurant auf dem Campingplatz. Leider gibt’s dort nur bis 20.30 Uhr warme Küche. Immerhin können wir noch Gulasch mit Spätzle bekommen. Gulasch will ich nicht, also esse ich Spätzle mit ein wenig Soße, während Reiner zum zweiten Mal Gulasch hat. Der Abend endet im Vorzelt beim ein oder anderen Bierchen.

Montag, 02.08.2004

Nach einem opulenten Frühstück (Streichkäseecken auf den pappigen Campingplatzbrötchen für mich und Müsli für Reiner) und den üblichen Morgenaktivitäten fahren wir über Oberjoch, Hindelang und Sonthofen nach Fischen. Furchtbar, ganz furchtbar. Selbst die Strecke von Oberjoch nach Hindelang, die sich zum Kurven anbietet, ist quasi unbefahrbar. Es ist heiß. Touristendosen dümpeln vor sich hin. Das Ganze in einer Packungsdichte, die den Gedanken an Überholvorgänge erst gar nicht aufkommen lässt. Also stehen wir sozusagen von Wertach bis Fischen und schwitzen. Der Riedbergpaß ist vergleichsweise leer, aber hier sind eigentlich nur 40km/h erlaubt. Drauf geschissen, wir müssen uns etwas abkühlen und fahren leicht jenseits der Legalität. Nun sind Balderschwang, Hittisau, Müselbach und der Bregenzerwald auch nicht wirklich hoch gelegen. Entsprechend heiß ist es auch hier. Dann aber fahren wir über Au und Damüls zum Furkajoch. Hier oben geht ein kühler Wind und wir machen eine ausgedehnte Pause. Über Innerlaterns, Rankweil und Feldkirch fahren wir nach Vaduz, nur um einmal in Liechtenstein gewesen zu sein. Ein Fehler. Wer langsam vorankommen will, keine Kurven mag und gern schwitzt, dem sei dieser Streckenabschnitt ans Herz gelegt. Vor allem sollte Liechtenstein gemieden werden. Immerhin tanke ich dort für € 0,95 und kaufe ein paar Zigaretten, aber insgesamt lohnt sich die Schwitzerei und Zockelei dafür nicht. Wir verlassen Liechtenstein und fahren über Feldkirch nach Bludenz. Dort dauert es eine Weile, bis wir unseren Weg nach Dalaas finden. Schließlich sträuben wir uns, eine Vignette zu kaufen, da wir ganz sicher nicht Autobahn fahren wollen. Blöd nur, dass der Weg zum Arlberg, der ausgeschildert ist, immer wieder zur Autobahn führt. Also suchen und fluchen wir eine Weile – schwitzen nicht zu vergessen. Dieser Streckenabschnitt seit Rankweil ist definitiv der Tiefpunkt der Tour und er zieht sich endlos lang hin. Beharrlichkeit führt schließlich doch zum Ziel und wir erreichen über eine landschaftlich schöne Strecke Stuben (Arlberg). Von dort an wird die Strecke interessanter: Flexenpaß, Lech, Warth, Hochtannbergpaß bieten genug Abwechslung, um die Strecke von Steeg durch das gesamte Lechtal bis Weißenbach ertragen zu können. Das Lechtal wird von Bergen gesäumt und besteht aus einer hügeligen Wiesenlandschaft. Die ersten km ist es schön anzusehen, wird aber nach einer Viertelstunde doch etwas langweilig. Immerhin kommen wir zügig voran und erreichen Weißenbach, um über den Gaichtpaß ins Tannheimertal zu fahren. Das Tannheimertal ist nicht so lang, wie das Lechtal. Zudem ist es landschaftlich etwas abwechslungsreicher, aber wir sind trotzdem froh, als wir Oberjoch erreichen und die langen Kurven nach Wertach ’runtergeigen. Nach ca. 360 insgesamt anstrengenden km machen wir uns erst mal im Vorzelt lang, ohne dabei zu vergessen, dass es im Campingplatzrestaurant nur bis 20.30 Uhr warme Küche gibt. Ich tue mir einen Leberkäs mit Spiegelei und Pommes ’rein, das soll als Grundlage für’s Tourabschlussbierchen reichen. Im Vorzelt lästern wir ein wenig über unsere Nachbarn ab, bis wir die nötige Bettschwere haben. Die Tour dieses Tages würde ich in dieser Zusammenstellung nicht wirklich weiterempfehlen.

Dienstag, 03.08.2004

Wir lassen es gaaanz langsam angehen. Heute soll es bestenfalls eine ganz winzige Tour geben. Wir frischen unsere Vorräte auf, nachdem wir unser Frühstück ’reingeschmissen und uns frisch gemacht haben. Um 12.30 Uhr brechen wir schließlich auf. Oberjoch und Tannheimertal, Gaichtpaß und Weißenbach bilden die kürzeste Verbindung von Wertach ins Lechtal. Es hilft nix, dass wir die Strecke so langsam kennen, noch macht sie auch ein wenig Spaß. Über Stanzach und Elmen fahren wir noch mal zum Hahntennjoch, denn wir wollen über Imst und Wenns zur Pillerhöhe. Die Pillerhöhe macht ihrem Namen Ehre. Hier regnet es. Regen war uns bisher völlig fremd. Er ist auch schnell vorbei und die Straßen sind auch rasch wieder trocken. Immer wieder beeindruckend ist die Aussicht von der Pillerhöhe ins Inntal. Die Wand fällt tief senkrecht ab. Wer die enge Straße hier gebaut hat, meinte es gut mit Motorradfahrern. Zwar kommt man nicht wirklich schnell voran, aber oft sind große Teile der Strecke einzusehen und man kann anständig durch die Kurven wedeln. Wir erreichen das Kaunertal. Auch dieses Tal ist fahrerisch wenig anspruchsvoll, aber auch nicht zu lang. Wir wollen zum Gletscher. Das allerdings kostet Maut. Satte € 9,- und das Kaunertal wird flugs nach „Gaunertal“ umbenannt. Immerhin soll es oben eine kostenlose Gletscherführung geben. Über viele Kehren fahren wir am Stausee vorbei, passieren das Gepatsch-Haus, weichen Kühen aus, die die Straße abweiden und erreichen nach vielen weiteren Kehren und Kühen nach ca. 27km den Gletscher. Kühl ist es hier. Wir latschen ein wenig herum, einen Führer sehen wir nicht. Vielleicht liegt’s daran, dass es bereits nach 17.00 Uhr ist, vielleicht war nie ein Gletscherführer hier, denn es sind kaum Fußspuren im Schnee zu sehen. Egal, wir waren im Schnee, haben uns ein wenig umgesehen und fahren wieder ’runter. Diesmal halten wir ein paar Mal an. Ich will ein paar Bilder machen. Die Stellen habe ich mir auf dem Weg nach oben bereits ausgeguckt. Ökonomisch halt. Wir fahren dieselbe Strecke zurück. Kaunertal, Pillerhöhe, Wenns, Imst und Hahntennjoch. Wie schon vor vier Jahren bin ich wieder überrascht, dass sich das Hahntennjoch von dieser Seite aus ganz anders darbietet. Fallen aus der Gegenrichtung die Murenstreifen kaum auf, beherrschen sie aus dieser Richtung kommend das Landschaftsbild. Während die Inntalseite kahl ist und die Straße oft weit voraus einsehbar, ist die Lechtalseite dicht bewaldet. Ich mag die Lechtalseite eigentlich lieber, wenn auch die Inntalseite nicht ohne Reiz ist. Elmen, Stanzach, Weißenbach, Gaichtpaß, Tannheimertal, Oberjoch und Wertach, diese Strecke kennen wir schon. Wir sind spät dran. Zu spät, um auf dem Campingplatz essen zu können. Also fahren wir nach Wertach in das, dem Restaurant „Beim Olivenbauer“ angegliederte, „Bierstüberl“. Die Pizza mit Scampi, Königskrabben und ordentlich Knobi ist ihren Preis von € 8,- unbedingt wert, zumindest, wenn man die allgemeinen Preissteigerungen in der Gastronomie seit Euroeinführung zu grunde legt. Immerhin: Wir fragen uns, warum wir nicht eher hierhergekommen sind. Das Preisniveau liegt auf dem des Campingplatzrestaurants, allerdings ist die Auswahl ungleich größer und die Qualität ganz sicher auch. Möglicherweise will man auf dem Campingplatz mit dem Restaurant nichts verdienen. Noch vor vier Jahren konnte man dort günstiger, reichlicher und dabei mindestens genauso gut, wie in Wertach essen. Wie dem auch sei, wir speisen fürstlich und verdrücken uns danach zum Campingplatz, um bei ein paar Absackern im Vorzelt wieder über die Nachbarn abzulästern. Die „kleine Tour“ des heutigen Tages war 320km lang und ausgewogen, was touristische und fahrerische Abschnitte angeht.

Mittwoch, 04.08.2004

Heute machen wir nix. Wir lümmeln im Vorzelt ’rum, vertilgen unser Frühstück, machen uns irgendwann ein wenig frisch, quatschen über alles mögliche, verdrücken eine Tüte Chips, lästern über die Nachbarn, theoretisieren über mögliche Optimierungen am Zelt, machen ein Nickerchen, beschließen aber zum späten Nachmittag hin, ein paar Mal die Strecke Oberjoch – Hindelang zu fahren. Gesagt, getan, so richtig Freude will aber nicht aufkommen. Das Aufkommen an Fahrzeugen ist einfach zu hoch. Also biegen wir in Oberjoch ins Tannheimertal ab, weil ich tanken will. Wieder auf dem Campingplatz haben wir Besuch. Meine Mutter, mein Bruder und seine beiden Kinder schauen mal vorbei. Sie machen etwa 50km entfernt Urlaub. Wir beschließen, gemeinsam beim Olivenbauern essen zu gehen. Das hat für uns den Vorteil, dass wir nicht selbst fahren müssen und uns deshalb ein lecker Bierchen mehr gönnen können. Empfehlenswert: Die Medaillons auf Bandnudeln,. Mit € 12,80 nicht hinterhergeschmissen, aber ganz sicher auch nicht überteuert. Reiner nimmt Bandnudeln mit Lachs. Da wir heute verhältnismäßig früh dran sind, bleibt mehr Zeit, um im Vorzelt die Nachbarn zu beobachten, abzulästern und ein paar Bierchen zu lenzen.

Donnerstag, 05.08.2004

Frühstück wie gehabt (Streichkässeecken auf Pappbrötchen, Müsli), Duschen, langsam fertigwerden. Obwohl die Strecke Oberjoch, Hindelang, Sonthofen, Fischen absolut nicht empfehlenswert ist, tun wir sie uns an. Natürlich ist auch heute so viel Verkehr, dass wir nur langsam vorankommen. Vor Sonthofen geht es bestenfalls im Schrittempo weiter. Dennoch: Da müssen wir durch. Am Riedbergpaß geht’s flotter voran, wieder sind wir jenseits der 40km/h-Legalität unterwegs. Über Balderschwang und Hittisau erreichen wir Müselbach, wo wir nach Bödele abbiegen. Ganz nett, aber Dornbirn und Rankweil bremsen uns wieder aus. In Rankweil schwenken wir zum Furkajoch, um über Damüls und Fontanella nach Thüringen zu fahren. Schöne Strecke übrigens. Zum Furkajoch geht’s eng und kurvig zu, danach wird die Strecke breiter. Für’s Auge gibt’s auch reichlich. Wir fahren über Bludenz nach Brand. Der Lüner See ist unser Ziel. Auf der Karte nicht ersichtlich ist, dass man nicht direkt bis zum See fahren kann. Das letzte Stück ist nur zu Fuß oder mit einer Seilbahn zu erreichen. Nach beidem steht uns nicht der Sinn, also kehren wir wieder um. Über Bludenz und Fontanella erreichen wir Faschina. Am Faschinajoch erwischt uns ein ordentlicher Guß, Hagel inklusive. Zwangsstop. Das Wetter beruhigt sich wieder etwas, doch auf dem Weg nach Au läuft die TRX nur noch auf einem Pott. Irgendwas von der Zündung verträgt keine Feuchtigkeit. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie kalt manchmal ein paar Sekunden nur auf einem Pott läuft. Leider habe ich es versäumt, in Au kurz anzuhalten und zu prüfen, welcher Auspuff kalt ist, so werde ich wohl zuhause etwas mehr checken müssen, als sonst nötig wäre. Kurz hinter Au setzt der zweite Pott wieder ein, doch die Freude währt nur kurz. Über Bezau, Müselbach und Hittisau kommen wir zum Riedbergpaß, wo uns der nächste Guß erwartet. Glücklicherweise befindet sich dort eine Schutzhütte, in der wir das Ende des Gewitters abwarten. Es regnet immer noch leicht, doch in Balderschwang ist es wieder trocken. In Sonthofen suchen wir einen Supermarkt an der Hauptstraße, um uns mit Bier für den Abend einzudecken. Zwar fahren wir an zwei Märkten vorbei, aber kurz vor acht scheint man in Sonthofen schon Feierabend zu haben. In Oberjoch an der Tanke decken wir uns eingedenk alter Zeiten mit ein paar Tubibüchsen ein. Mit insgesamt 370km haben wir uns jetzt erst mal ein gutes Essen verdient. In Wertach gibt’s im Bierstüberl heute Livemusik. Ein Akkordeon, eine Gitarre, zwei Männer, ganz nett. Wir finden einen Platz. Für mich muß es heute ein Rumpsteak sein. € 12,40 – viel teurer war das zu DM-Zeiten auch nicht. Zurück auf dem Campingplatz hauen wir die Tubis und die Warsteiner-Reste weg. Klar lästern wir wieder über die Nachbarn… Insgesamt empfinde ich die heutige Tour als die bislang schönste unseres Kurzurlaubes.

Freitag, 06.08.2004

Zum Frühstück gibt’s heute Musik. Die Nachbarinnen musizieren mit Gitarre, Geige und Gesang. Gar nicht mal schlecht, wie ich finde, aber ob es an den Frauenstimmen, dem Instrumentarium oder an der relativ frühen Stunde liegt, Reiner gefällt es nicht. Gestern beim Essen war die Musik völlig in Ordnung, heute ist sie für ihn ein Grund zum Lästern. Egal, ob sie mir gefällt oder nicht, es wird mitgelästert. Heute wollen wir wirklich nur eine kleine Tour machen, schließlich geht’s morgen auf den Heimweg. Diesmal fahren wir eine andere Strecke ins Tannheimertal. Über Nesselwang, wo wir Leergut abgeben und uns ein paar letzte Flaschen Bier besorgen, fahren wir nach Pfronten. Erwähnte ich schon, dass man größere Ansiedlungen wie Sonthofen meiden sollte? Nun, mit Pfronten ist das genauso. Wir schleppen uns durch Pfronten und finden schließlich den Abzweig nach Grän. Über eine landschaftlich schöne, leicht kurvige Strecke erreichen wir Nesselwängle. Der Gaichtpaß hat ebenso an Attraktivität verloren, wie das Lechtal, dem wir diesmal nur auf dem Stückchen von Weißenbach nach Stanzach die Ehre geben. In Stanzach biegen wir ab nach Namlos. Bis Berwang und Bichlbach ist es eine gut ausgebaute, kurvenreiche Strecke, die wir uns für unseren nächsten Besuch schon mal vormerken. Wieder sind wir im Lechtal, das wir von Reutte bis Weißenbach durchfahren. Ein letztes Mal über den Gaichtpaß wedeln, ein letztes Mal in Tannheim tanken, ein letztes Mal über Oberjoch nach Wertach. Der Anflug von Wehmut wird vom Regenschauer weggespült, der exakt bei Erreichen des Campingplatzes um 17.45 Uhr einsetzt. Das hätte ja mal gepasst. Mit 160km ist es eine vergleichsweise kleine Tour, aber beileibe nicht unattraktiv. Nach dem Regenschauer fahren wir ein letztes Mal zum Olivenbauern ins Bierstüberl. Ich wähle heute die Bandnudeln mit Lachs. Erneut bin ich zufrieden. Ich begutachte meinen Hinterreifen und stelle erfreut fest, dass er wieder halbwegs rund geworden ist. Vom Profil in der Reifenmitte habe ich in dieser Woche kaum was verbraten. Abends Abschlusslästern im Vorzelt, nachdem wir unsere geschrumpften Bierreserven mit ein paar Glas im Campingrestaurant verlängert haben. Heute wirft man uns nicht um 22.00 Uhr ’raus, weil heute Camperstammtisch ist. Schade eigentlich, hätten wir das vorher gewusst, dann hätten wir unsere Reserven gestern schon vernichtet. Egal, im Vorzelt ’rumlungern und beim Bier ablästern ist eh’ schöner.

Samstag, 07.08.2004

Nach dem bekannten Frühstück und einer kurzen Dusche packen wir. Zelt abbauen, Müll entsorgen, einpacken, Karren beladen, zahlen und ankleiden hält uns bis 12.15 Uhr auf. Dann geht’s auf die Dosenbahn, die wir kurz vor Heidenheim verlassen, um neben der Autobahn günstiger zu tanken. Kurz vor Heidenheim tanken wir tatsächlich – für unglaubliche € 1,189. In Österreich war das satte 19 ct pro Liter billiger. In Heidenheim wollen wir wieder zurück auf den Highway, werden aber von einem kräftigen Gewitter zunächst mal in Deckung gezwungen. Endlose Diskussionen später, ob nun die Regenkombi angezogen werden soll oder nicht, fahren wir weiter. Bereits einen Kilometer weiter ist die Straße furztrocken. Wären wir einfach weitergefahren, waren wir nicht annähernd so nach geworden, wie unter dem Baum, unter dem wir Schutz gesucht hatten. Wieder auf der Autobahn tanken wir noch einmal in Fulda auf dem Autohof. Das reicht bis nach Hause. Wir trinken einen kleinen Schluck Bier auf meiner Terrasse, der Hinterreifen ist wieder eckig, aber insgesamt bin ich zufrieden. Es war vom Wetter her der beste Moppedurlaub, den Reiner und ich jemals gemacht haben. Mit insgesamt 2905km und 7 Tagen war es auch der längste.

Munter bleiben… TRICHTEX

Hallo Gunther!

Scheint ja eine nette Tour gewesen zu sein.

Ich muss aber sagen dass ich dem besagten Campingplatz wahrscheinlich am 2. Tag den Rücken gekehrt hätte.

Da hab ich in Südtirol ganz andere Erfahrungen gemacht. Wir haben uns am Karerpass einquartiert,http://www.castellatemar.it, und haben perfekte Bedingungen vorgefunden.

Da das Hotel auf 1700 m liegt war es auch an heissen Tagen keine Tortur ins Leder zu steigen. Ja, und dann gings den ganzen Tag Passauf, Passab, super Strassen, abseits der Hauptstrasse wenig Verkehr, gewaltiger Grip, sodass das eine oder andere mal die Knieschleifer rauchten.Ich weiss jetzt auch wieso in Kastelruth so gern gesungen wird:wink: 2400 km in einer Woche sinds dann auch geworden.

Jetzt noch was über das extrem üppige Frühstücksbuffet oder das 5-Gängige Abendmenü zu schreiben bring ich wirklich nicht übers Herz.

Viele Grüße
Dusan

Moin!

Scheint ja eine nette Tour gewesen zu sein.

Definitiv. Ich hab’ den Bericht von der 2000er-Tour noch hier, da finden sich dann auch Silvretta, Timmelsjoch und Jaufenpaß, wo ich empfehlen würde, dieselbe Strecke zurückzufahren, wenn man nicht den Brenner 'runterschleichen will…

Ich muss aber sagen dass ich dem besagten Campingplatz
wahrscheinlich am 2. Tag den Rücken gekehrt hätte.

Och, der Platz ist wirklich nicht übel. Die sanitären Anlagen sind gut, der Platz liegt direkt am See, lediglich das Restaurant taugt nix. Was die Brötchen betrifft, werden die ja geliefert. Hätte ich andere haben wollen, hätte ich morgens selbst losfahren müssen. Die Bequemlichkeit hat gesiegt :wink:

Da hab ich in Südtirol ganz andere Erfahrungen gemacht. Wir
haben uns am Karerpass einquartiert,http://www.castellatemar.it,
und haben perfekte Bedingungen vorgefunden.

Für uns gehört zelten zum Moppedurlaub dazu. Natürlich bietet ein Hotel ganz andere Möglichkeiten, vor allem ist es aber viel bequemer, auch, was das mitzunehmende Geraffel angeht. Dafür ist es aber auch deutlich weniger abenteuerlich. Geschmackssache, würde ich sagen.

Da das Hotel auf 1700 m liegt war es auch an heissen Tagen
keine Tortur ins Leder zu steigen. Ja, und dann gings den
ganzen Tag Passauf, Passab, super Strassen, abseits der
Hauptstrasse wenig Verkehr, gewaltiger Grip, sodass das eine
oder andere mal die Knieschleifer rauchten.Ich weiss jetzt
auch wieso in Kastelruth so gern gesungen wird:wink: 2400 km in
einer Woche sinds dann auch geworden.

Ins Leder zu kommen war eigentlich nur deshalb anstrengend, weil wir selten vor 10.00 Uhr losgefahren sind. Ich werde die Gegend, in der Du warst aber mal im Hinterkopf behalten, vielleicht gibt’s dort auch irgendwo einen guten Campingplatz. Der Haken ist natürlich die deutlich weitere Anfahrt…

Jetzt noch was über das extrem üppige Frühstücksbuffet oder
das 5-Gängige Abendmenü zu schreiben bring ich wirklich nicht
übers Herz.

Mach’ nur. Im Gegenzug schreibe ich dann darüber, von Sonnenlicht und Vogelgezwitscher geweckt zu werden, abends vor dem Zelt quasi bis zum Einpennen in die Sterne zu glotzen, unglaublich schnell Kontakte zu schließen… Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Wir für unseren Teil sind mit unserer Wahl sehr zufrieden :wink:

Munter bleiben… TRICHTEX