Bertolt Brechts 'Mutter Courage'

Ich muss den folgenden Abschnitt aus Bertolt Brechts « Mutter Courage » besprechen, meine Muttersprache ist Französisch und bin dabei Deutsch zu lernen. Ich hab zwar Ideen zu dem Thema, möchte aber gern Meinungen von Deutschen bekommen.
Mutter Courage: „ Ich laß mir den Krieg von euch nicht madig machen. es heißt, er vertilgt die Schwachen, aber die sind auch hin im Frieden. Nur der Krieg nährt seine Leut besser.
Sie singt:
Und geht er über deine Kräfte
Bist du dem Sieg halt nicht dabei.
Der Krieg ist nix als die Geschäfte
und statt mit käse ists mit Blei.

Vielen Dank und Gruß

Hallo,

Ich muss den folgenden Abschnitt aus Bertolt Brechts « Mutter
Courage » besprechen, meine Muttersprache ist Französisch und
bin dabei Deutsch zu lernen. Ich hab zwar Ideen zu dem Thema,
möchte aber gern Meinungen von Deutschen bekommen.

Es ist sehr schwer, dir hier zu antworten ,wenn man nicht weiß, was deine eigenen Gedanken zum Thema sind. Man kann über die Aussage einen längeren Essay verfassen oder lapidar sagen: Mutter Courage sieht Krieg nur vom Geschäftlichen her.
Das erste wird sich hier niemand antun, das letzte wird dir sicher wenig helfen.
Irgendwo in der Mitte — dazu müsste man deinen Ansatzpunkt kennen.

Gruß
Elke

PS: Wolltest du wirklich „Meinungen von Deutschen“? oder wolltest du Ideen von Deutschsprachigen? Das ist ein Unterschied.

Hallo,
Ich meinte von Deutschsprachigen natürlich –lol-
Mutter Courage bringt zum Ausdruck, dass es ihr, und wahrscheinlich anderen auch, im Krieg besser geht, als zu Friedenszeiten. Deshalb ist der Krieg für sie nicht das, was er im eigentlichen Sinn ist. Sie lebt davon. Sie vertritt die Meinung, dass die Schwachen so oder so keine Überlebenschance haben. Das Lied, das sie singt, ist zynisch, doch es spiegelt die Realität wider und dann vergleicht sie wieder mit dem Alltag der Armen, der im Frieden nicht besser ist, als im Krieg. Sie vergleicht den Krieg mit dem Geschäft, für die einen ist es der Untergang, für die anderen der Profit.
Gruß und danke für das Interesse.
Georges

Hallo Georges,
ich habe eigentlich erwartet, dass dieser Thread ins Literaturbrett verschoben wird, wo er mE eher hingehört. Aber sei’s drum, antworte ich eben hier.

Mutter Courage: „ Ich laß mir den Krieg von euch nicht madig
machen. es heißt, er vertilgt die Schwachen, aber die sind
auch hin im Frieden. Nur der Krieg nährt seine Leut besser.
Sie singt:
Und geht er über deine Kräfte
Bist du dem Sieg halt nicht dabei.
Der Krieg ist nix als die Geschäfte
und statt mit käse ists mit Blei.

Das ist mE deutlich radikaler aufzufassen als nur ein „Vergleich“ von Krieg und Geschäft. Krieg ist - um eine Formulierung Clausewitz’ (‚Vom Kriege‘) zu paraphrasieren - schlicht die Fortsetzung des Geschäfts mit anderen Mitteln. Und zwar eine effektivere Art, Geschäfte zu machen: „der Krieg nährt seine Leut besser“. Die „Schwachen“ sind ohnehin Opfer - „die sind auch hin im Frieden“. In einer von „Geschäften“ bestimmten Welt ist der Friede nicht ethisch höherstehend als der Krieg, daher gibt es keinen Grund, ihn „madig zu machen“.

Mutter Courage ist das Sprachrohr für die Überzeugung des Kommunisten Brecht. Ihre Analyse, ihr grimmiger Realismus, ist stimmig - nur sieht Mutter Courage keine Alternative zur Welt der Geschäfte; sie bleibt völlig im Affirmativen verhaftet. Die Kraft zur Negation fehlt ihr, die Vision einer anderen, humaneren Welt. Die Welt der Mutter Courage ist eine Welt ohne Utopie und damit ohne Hoffnung.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Ralf
Ich danke fuer die Antwort, und wünsche noch einen schoenen Tag.

herzliche Grüße
Georges