Berufssoldat u. Verweigerung am Dienst an d.Waffe

Wie ich schon geschrieben habe: der einfachste Weg die
Wehpflicht zu kippen wäre, wenn einfach all die Verweigerer
aus „gewissen Gründen“ nicht verweigern würden.

Ja und dann? Dann hätten wir ganz viele Wehrpflichtige bei der
Bundeswehr…und das würde die Wehrpflicht kippen? Erklärs mir
einfach.

Ich denke in so einem Fall würde es einfach an der nicht mehr schönzurechnenden Wehrungerechtigkeit scheitern (es sei denn man würde plötzlich 100.000 junge Männer pro Jahr mehr als Grundwehrdienstleistende einberufen). Wenn ich jetzt schon Probleme habe nachzuvollziehen, wie man in der derzeitigen überhaupt auf eine bestehende Wehrgerechtigkeit zu erkennen, dann wird das nicht unbedingt einfacher, wenn plötzlich zigtausende junger Männer eben nicht verweigern und für den Wehrdienst zur Verfügung stehen würden.
Man kann zwar viel schönrechnen oder die Tauglichkeitskriterien verschärfen, aber irgendwann ist da wohl Schluss.

Wobei ich natürlich auch unrecht haben kann. :wink:

Gruß Andreas

Hi,

nunja, nun hast du hier eine Diskussion angezettelt und ich würd gerne weitermachen, aber was bringt es. Dein Standpunkt ist genauso fest wie meiner. Hier ist nichtmal ein Treffen auf der Mitte wahrscheinlich, oder?

Insoweit belasse ich es nach deinen Statements mit folgenden Aussagen:

  1. Meines Erachtens war nicht die Wehrpflicht der Grund, dass die BRD in den letzten 17 Jahren nicht angegriffen wurde, sondern allerhöchstens die Reguläre.

  2. Der Abschreckungseffekt von Wehrpflichtigen ist m.E. so gering, dass es unverhältnismäßig ist junge Männer zu verpflichten.

Und eben um diese Verteidigungsfähigkeit des Staates durch
eine schnelle Aufwuchsfähigkeit der Streitkräfte
sicherzustellen und eben im Fall des Falles nicht erst ein
halbes Jahr ausbilden zu müssen leistet sich die
Bundesrepublik die Wehrpflicht.

  1. Die Ausbildung in der Grundausbildung ist so gering, dass es wohl nur zum stramm Stehen, aufgereiht marschieren etc. reicht. Taktik, Waffenkenntnisse etc. werden m.E. nicht vermittelt und wenn, dann an Technik die im Fall des Falles wegen absoluter Veralterung eh unterlegen ist. Im Fall des Falles nützt die Grundausbildung genausoviel wie wenn man jedem Bürger eine Waffe nebst Handbuch in die Hand drückt. Die Ausbildung ist doch keine wirkliche.

  2. In der heutigen Zeit wird es m.E. keinen Landeskrieg mehr geben in welchem 100.000e zu den Waffen gehen. Kriege werden (siehe Kosovo, Irak, Afghanistan) wohl am Anfang durch die Luft und strategische Waffen entschieden, aber nicht durch Massen an Truppen und Panzern und Gewehren nebst Handgranaten. Insoweit ist eine Ausbildung hierzu Farce.

  3. Wenn es doch zu einem Krieg auf deutschem Boden kommen soll (also mit Panzern von ausländischen Truppen etc.) ist es m.E. töricht zu glauben, der Feind (wer auch immer) hält sich an humanes Kriegsrecht und schießt nur auf Soldaten und lässt Bevölkerung unberührt. Die Erfahrungen aus dem 2. WK zeigen ein anderes.

Abgesehen davon braucht die Bundeswehr die Wehrpflichtigen
auch für die derzeitigen Auslandseinsätze an allen Ecken und
Enden. Die Grundwehrdienstleistenden werden zwar nicht im
Ausland eingesetzt, aber man braucht sie größtenteils eben zur
Unterstützung im Inland.

  1. Gibst du selbst zu, dass Wehrpflichtige „missbraucht“ werden. Wehrpflicht sollte nach deiner Aussage der Verteidigung dienen. Wenn Wehrpflichtige aber im Inland zur Unterstützung von Auslandseinsätzen eingesetzt werden, ist dieser Zweck m.E. ein Zweckentfremdung. Dies sollte wie der echte Auslandseinsatz denen vorbehalten bleiben, die es freiwillig machen. Es gibt genug Menschen die für Geld in fremde Kriege ziehen. Die Aussage: „Deutsche Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt“ ist eine Aussage ohne Sinn und Verstand.

Was ich tatsächlich bei dir nicht verstehe ist ein gewisser
Mangel an Zukunftsorientiertheit und einen Blick voraus. Wir
haben in Mitteleuropa gerade mal läppische 17 Jahre ohne Krieg
(aber auch nur wenn man den Balkan in der Peripherie nicht
dazuzählt), Grenzverschiebungen oder massive militärische
Bedrohung. Das kann sich selbstverständlich wie in den
hunderten Jahren vorher auch jetzt jederzeit ändern. Die
momentane Lage ist doch beunruhigend genug! Die Russen rasseln
wieder mit dem Säbel und wollen wieder „mitspielen“, in
Weißrussland sitzt immernoch ein Diktator auf Atomwaffen, die
Ukraine hat Probleme ihr demokratisches System zu etablieren
und eine polnische Regierung sammelt Stimmen durch
anti-deutsche Kampagnen - klingt für mich alles andere als
Friede-Freude-Eierkuchen.

  1. Und wenn… dann werfen diese Staaten bestimmt mit A-Waffen, da braucht es auch keine Wehrpflicht, da braucht es gar nichts mehr… du glaubst doch nicht wirklich, dass ein Russe etc. mit Panzern nach Deutschland einrollt. So ein Blödsinn. Da müssten sich ja Russen, Polen, Franzosen und Engländer gleichzeitig gegen Deutschland stellen, dass es Sinn machen würde „uns zu überrollen“. Du solltest weniger Kriegsfilme gucken, ggf. mehr Auslandspolitik beachten.

  2. Wäre es nur konsequent, wenn du nun für Deutschland auch A-Waffen forderst. Ich frage mich, ob es dann nicht jedem Staat der Erde zustehen müsste über A-Waffen zu verfügen wie über Gewehr und Panzer. Nach deiner Aussage sichert nur Rüstung als Abschreckung. Also müssen tendenziell alle Mächte der Welt über äquivalente Rüstung verfügen.

Tsss…

Aber ich lass dich in deinem Glauben. Die Wehrpflicht ist gut und schön und ohne die ganzen Kids an Waffen wäre Deutschland der Neuzeit schon vernichtet bzw. steht kurz vor Derselben.

Mfg dennoch vom

showbee

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  1. Meines Erachtens war nicht die Wehrpflicht der Grund, dass
    die BRD in den letzten 17 Jahren nicht angegriffen wurde,
    sondern allerhöchstens die Reguläre.

Die „Reguläre“ was?
Aber du kannst ja mal überlegen, was abschreckender wirkt: Streitkräfte mit 100.000-200.000 Soldaten ohne ausgebildete Reserve oder Streitkräfte mit 250.000 Soldaten und ein paar Millionen ausgebildeten Reservisten. :wink:
Wobei ich davon ausgehe, dass es bei dir wahrscheinlich die wenigen Specialsoldiereliteberufssoldaten sein werden…

  1. Die Ausbildung in der Grundausbildung ist so gering, dass
    es wohl nur zum stramm Stehen, aufgereiht marschieren etc.
    reicht. Taktik, Waffenkenntnisse etc. werden m.E. nicht
    vermittelt und wenn, dann an Technik die im Fall des Falles
    wegen absoluter Veralterung eh unterlegen ist.

Seltsam - kann es sein, dass du eventuell nicht ganz weißt, wovon du sprichst? Die Bundeswehr gehört zu den modernst ausgerüstetsten Streitkräften der Welt. Oder spielst du auf MG3 und G3 an? Nun das MG3 ist seit mehr als einem halben Jahrhundert unangetastet das leistungsfähigste und effektivste MG der Welt und das G3 wurde durch das G36 ersetzt - wobei ich durchaus in diversen Szenarios gerne gegen mein G36 durch ein G3 ersetzen würde…
Und die im Grundwehrdienst vermittelten Waffenkenntnisse sind völlig ausreichend - der Grundwehrdienst soll ja auch nur eine Basis bieten.

Im Fall des Falles nützt die Grundausbildung genausoviel wie wenn man
jedem Bürger eine Waffe nebst Handbuch in die Hand drückt. Die
Ausbildung ist doch keine wirkliche.

Na wenn du das als Wehrexperte sagst, dann wird das wahrscheinlich stimmen. :wink: Entschuldige meinen Sarkasmus, aber Argumente wären hilfreich.

  1. In der heutigen Zeit wird es m.E. keinen Landeskrieg mehr
    geben in welchem 100.000e zu den Waffen gehen. Kriege werden
    (siehe Kosovo, Irak, Afghanistan) wohl am Anfang durch die
    Luft und strategische Waffen entschieden, aber nicht durch
    Massen an Truppen und Panzern und Gewehren nebst Handgranaten.
    Insoweit ist eine Ausbildung hierzu Farce.

Seltsam - in allen drei von dir als Beispiel genannten bewaffneten Konflikten ging überhaupt nichts ohne die eingesetzten Bodentruppen. Im Kosovo haben die Serben bis zuletzt weitergemordet, wie du hoffentlich weißt.

  1. Wenn es doch zu einem Krieg auf deutschem Boden kommen soll
    (also mit Panzern von ausländischen Truppen etc.) ist es m.E.
    töricht zu glauben, der Feind (wer auch immer) hält sich an
    humanes Kriegsrecht und schießt nur auf Soldaten und lässt
    Bevölkerung unberührt. Die Erfahrungen aus dem 2. WK zeigen
    ein anderes.

Das heutige Humanitäre Völkerrecht ist zum Großteil erst nach dem 2. Weltkrieg international verbindliches Recht geworden, wie du als Jurastudent sicherlich weißt. Die Haager Landkriegsordnung wurde im Zweiten Weltkrieg von allen westlichen Konfliktparteien akzeptiert - wenn es auch teilweise rigorose und dauerhafte Verletzungen in einigen Bereichen gab. Zu glauben, dass sich heute jeder immer an die Vorgaben des HVR hält wäre aber tatsächlich genauso naiv zu glauben, wie der Irrglaube, dass man sicher vor Angriffen wäre, wenn man sich nicht auf sie vorbereitet.
Inwiefern es heutzutage aber Mittel und Wege gibt Kriegsverbrechen aufzuklären und die Täter zu bestrafen muss ich dir wohl nicht sagen.
Und wo wir gerade beim Beispiel 2. Weltkrieg und einem Krieg auf deutschem Boden sind: Die Amerikaner hatten im 2. Weltkrieg kaum Probleme damit die geltenden Konventionen zu befolgen, dass die Russen diese Probleme hatten zeigt zwar, dass es Gegenbeispiele gibt, liefert aber keinen Grund anarchistische Zustände, wie von dir gefordert, einzuführen.

  1. Gibst du selbst zu, dass Wehrpflichtige „missbraucht“
    werden. Wehrpflicht sollte nach deiner Aussage der
    Verteidigung dienen. Wenn Wehrpflichtige aber im Inland zur
    Unterstützung von Auslandseinsätzen eingesetzt werden, ist
    dieser Zweck m.E. ein Zweckentfremdung.

Deine Meinung. Da das Grundgesetz aber vorsieht, dass die deutschen Streitkräfte nur zur Verteidigung aufgestellt werden (diesem Fakt müssen sich auch Bündnisverpflichtungen unterwerfen) sind die Auslandseinsätze selbstverständlich ein Teil der Verteidigung. Man könnte es auch drastischer Ausdrücken: Selbstverständlich können Grundwehrdienstleistende rechtlich gesehen auch in Afghanistan und Co. eingesetzt werden, das BMVg verzichtet aber darauf!

Dies sollte wie der echte Auslandseinsatz denen vorbehalten bleiben, :die es freiwillig machen. Es gibt genug Menschen die für Geld in
fremde Kriege ziehen. Die Aussage: „Deutsche Freiheit wird
auch am Hindukusch verteidigt“ ist eine Aussage ohne Sinn und
Verstand.

Nun, nur weil sich dir der Sinn einer Aussage verschließt, muss sie nicht ohne Sinn sein. Aber solange du regelmäßig und pünktlich deine neuen Handys und Computer(teile) und vieles andere aus Asien bekommst bedarf es natürlich auch keiner Überlegung, wie es wohl wäre, wenn sich regionale Konflikte und Terrorgruppen über ganze Regionen ausbreiten und einen Staat nach dem anderen ins Chaos stürzen.

  1. Und wenn… dann werfen diese Staaten bestimmt mit
    A-Waffen, da braucht es auch keine Wehrpflicht, da braucht es
    gar nichts mehr… du glaubst doch nicht wirklich, dass ein
    Russe etc. mit Panzern nach Deutschland einrollt. So ein
    Blödsinn. Da müssten sich ja Russen, Polen, Franzosen und
    Engländer gleichzeitig gegen Deutschland stellen, dass es Sinn
    machen würde „uns zu überrollen“. Du solltest weniger
    Kriegsfilme gucken, ggf. mehr Auslandspolitik beachten.

Ach so ja richtig, das wird es sein. Weil irgendjemand Atombomben hat (die er noch nie eingesetzt hat, aus Angst vor der wohl gleichlautenden Antwort) motten wir unsere Streitkräfte ein. Sauber argumentiert - der Schluss mit den Kriegsfilmen und der Auslandspolitik rundet den Gesamteindruck gut ab. :smile:

  1. Wäre es nur konsequent, wenn du nun für Deutschland auch
    A-Waffen forderst. Ich frage mich, ob es dann nicht jedem
    Staat der Erde zustehen müsste über A-Waffen zu verfügen wie
    über Gewehr und Panzer. Nach deiner Aussage sichert nur
    Rüstung als Abschreckung. Also müssen tendenziell alle Mächte
    der Welt über äquivalente Rüstung verfügen.

Was ständiges Wettrüsten bringt haben wir im letzten Jahrhundert doch gesehen. Probier es doch mal mit einem guten Geschichtsbuch, weniger Polemik und evtl. einem Quentchen weniger „Auslandspolitik“.

Gruß Andreas

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Hallo,
also ich wage keine umfassende prospektive Analyse darüber wie zukünftige Konflikte wohl ausgetragen werden.
Aber ich erkenne einen echten Stammtischstrategen.
Bin ich auch manchmal, das macht durchaus spass.

„Die Schmeißen doch eh gleich Atombomben!“
"Ja, genau Kriege führt man ja auch, wie die Geschichte zeigt eigentlich immer, um ein Gebiet maximal zu verwüsten und unbewohnbar zu machen, vor allem wenn der Wind einem die ganze Scheiße dann in den eigenen Vorgarten weht … haha.

„Mit der Ausbildung kannst’e eh nichts anfangen“
„Ja, alles Scheiße. Die Israelis können alle besser schießen, alle Russischen Soldaten laufen mit Gepäck die 100 m unter 10 Sekunden und die Kenianer sind alles Kampfschwimmer, da ist man doch klar im Vorteil, wenn man gar nichts kann und durch geniale Improvisation überrascht … hehe.“

„Wenn der LKW streikt ist der Krieg sowieso zu Ende“
"Jo, im Krieg laufen immer nur die Männchen auf dem Monitor rum. Im echten Leben muss sich ein Soldat ohne Taxi gar nicht bewegen und das Gepäck sollte auch DPD anliefern (§ 11.11. Soldatengesetz) … hoho.

Wenn du das alles also als launigen Beitrag in geselliger Runde verstanden haben willst, dann will ich gerne ein wenig mitschmunzeln.

Gruß
Werner

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