Berufstätige Mutter?!

Hallöchen,

irgendwie geht mir folgendes Erlebnis heute abend nicht mehr aus dem Kopf:
Ich ging mit meiner 7jährigen Tochter die Treppen hoch, um sie ins Bett zu bringen. Oben im Bad hörte ich dann meine 9jährige mit einer verstellten Stimme immer und immer wieder sagen: „Zur Schule, danach in den Kindergarten und um 4 Uhr heimlaufen!“
Erst habe ich es gar nicht richtig verstanden und lauschte gemeinsam mit der jüngeren. Als ich es dann verstand, schaute ich die Kleine fragend an. Sie sagte dann, weißt Du, Mama, das macht sie weil es ihr langweilig ist und du immer so wenig Zeit für uns hast.
Ich war schockiert. Schon lange plagte mich ein schlechtes Gewissen, weil ich leider Gottes arbeiten muß, um Essen zu kaufen, Miete zu bezahlen usw.
Das Dumme ist, das ich so eine Art Schicht-Arbeit habe. Manchmal habe ich nachmittags frei, manchmal nen ganzen Tag und ansonsten arbeite ich den ganzen Tag. Es ist wirklich von meinem Arbeitgeber aus nicht anders machbar.
Die Kinder fahre ich jeden morgen zur Schule, weil sie mir leid tun mit ihren schweren Tornistern. Wenn die Schule aus ist, laufen sie in den Kindergarten, der gerade 5 Minuten Fußweg entfernt ist. Dort bekommen sie ihr warmes Essen, dürfen sich erst mal entspannen und machen anschließend ihre Hausaufgaben mit einer Betreuerin. Danach dürfen sie spielen. Ich denke, daß sie in dem Kindergarten sehr gut aufgehoben sind.
Um 16.00 Uhr dürfen sie dann gemeinsam nach Hause laufen. Sie rufen mich dann immer auf dem Handy an, daß ich weiß, daß sie gut heimgekommen sind. Meistens bin ich dann ca. eine Stunde später zu Hause bei ihnen.
Meines Erachtens kümmere ich mich auch um die zwei, nach einer kurzen Erholungspause, in Form von Gesprächen oder heute z.B. haben wir ein Wörterspiel zu dritt gespielt.
Um 19.30 Uhr geht die Kleine in Richtung Bett und eine halbe Stunde später die Große.
Viel Zeit habe ich mit meinen Kindern nicht zusammen, das stimmt. Ich versuche, dies an den WE auszugleichen.

Irgendwie bin ich nun verunsichert. Ich kann doch meinen Job nicht hinschmeisen?! Wie kriegen dies andere berufstätige Mütter auf die Reihe?

Grüße,
Geli

schwierig…aber machbar
Hallo Geli,

erlaube mir eine Frage: bist Du alleinerziehend? Das kam nicht so klar herüber.
Sollte dies der Fall sein, so könnten sich die Kinder (besonders noch in dem Alter) tatsächlich noch allein fühlen.
Sie gestalten die meiste Zeit ihres Tagesablaufes allein, bzw. in der Schule (wo sie sicher auch Freunde haben), ihre Mutter sehen sie nur morgens, und abends, vielleicht am Wochenende.
Du musst natürlich Deiner Arbeit nachgehen, woher soll sonst der Unterhalt für Euch kommen.
Hm, ich denke, die Empfindungsweisen von Kinder und Erwachsenen sind verschieden; während Du denkst, die Kinder seien gut versorgt (sind sie ja auch), bleibt bei den Kindern was auf der Strecke. Ein routinierter Tagesablauf wird ihnen sicher auch nicht so sehr gefallen, wie man es Erwachsener gewöhnt ist. Möchte man als Kind nicht immer zu die Welt erkunden? Warum auch nicht, man kennt sie noch nicht, muss es aber bald tun. (wenn Deine Tochter so vehement diesen Sprachgesang ausführt, lässt sich auch darauf schliessen, dass sie Abwechslung vermisst, Abwechslung mit ihrer Mutter)
Richte es doch so ein, dass ihr am Wochenende, oder an freien Wochentagen etwas gemeinsam unternehmt, ruhig ausserhalb der Wohnung, etwas, wobei sich die Kinder mit einbezogen fühlen.
Erzähle ihnen von Deinem Job, und höre ihnen im Gegensatz auch zu. Lass sie an Deinem Leben teilhaben, Kinder sind ja nicht dumm, vielleicht verstehen sie, weshalb Du arbeiten musst. Das Du nicht aus Spass weggehst.
Bring ihnen mal öfters kleine Geschenke mit, mit ‚klein‘ meine ich nicht die Playstation.
Schenke ihnen besondere Aufmerksamkeit, wenn Du merkst, dass sie sie brauchen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass mir meine Mutter auf mein Butterbrotpapier jeden Tag eine Blume draufmalte als ich noch in den KiGa ging. Die Schnitten waren jedesmal ein ‚Unikat‘, und Mutti hat an mich ‚gedacht‘. (also nicht bloss schmieren, und tschüss)

Wenn es bei Euch noch Grosseltern gibt, die mit den Kindern was unternehmen können, damit sie mal aus dem Alltagstrott ausbrechen können, dann spann diese mit ein.
Dies sollte allerdings nicht zu häufig sein, die Kinder könnten sich sonst ‚abgeschoben‘ fühlen.
Und da Grosseltern meist etwas grosszüger sind/sein können, neigen sie gern dazu die Kinder zu verwöhnen.
Aber das muss man sehen.

Ich bin selber ein ‚Schicht-Kind‘, allerdings auch noch ein Einzelkind, und ich kann mich noch gut an die meiste Zeit erinnern. Einfach war es nicht. Wenn ich heute drüber nachdenke, hätte ich gern mal länger ein Elternteil zu Hause gehabt.
Meine Mutter war zeitweise überbesorgt, was auch verständlich ist, aber ganz schön belastet. („Pass auf, hinter jeden Busch lauert das Böse!“ damit schürt man unnötige Ängste, mildere Auklärung über die Gefahren ‚da draussen‘ kindgerecht formuliert ist da eher angebracht)
Im grossen und ganzen kann ich sagen, dass man die Hektik spürt, die die Eltern verstreuen. Mittsschlaf, Frühschicht, Essen vorkochen, alles muss blitzen, damit zu dem und dem Zeitpunkt alles fertig ist, schnell ins Bett Nachtschicht, Nein, zu Freunden kannst Du nicht mehr, die Schicht fängt gleich an, schliess die Tür nicht auf, lass keinen rein, geh auch nicht mehr weg, der Hund bleibt auch drinnen…Da fühlt man sich sehr schnell ‚abgestellt‘.

Versuche, wenn Du in Eile bist, oder Dein Arbeitsleben immer stressig ist, diese innere Hektik (die einem Erwachsenen vielleicht nicht mal viel ausmacht, aber auf die Kinder anders wirkt) ausserhalb der Familie abzubauen.
Durch Deine Ruhe kannst Du Dich auch intensiver mit den Kindern beschäftigen, die Zeit ist kurz, und wenn sie erwachsen werden, ist eh alles viel anders. Nutze die Zeit jetzt.

Alle gute!
Nicole

Hallo Geli,

irgendwie geht mir folgendes Erlebnis heute abend nicht mehr
aus dem Kopf:
Ich ging mit meiner 7jährigen Tochter die Treppen hoch, um sie
ins Bett zu bringen. Oben im Bad hörte ich dann meine 9jährige
mit einer verstellten Stimme immer und immer wieder sagen:
„Zur Schule, danach in den Kindergarten und um 4 Uhr
heimlaufen!“

Ich würde sowas nicht überbewerten, auch 9-jährige neigen dazu, mal eine „Schallplatte“ abzuspielen. Vielleicht hat Deine Tochter das so von jemandem gehört, der über die Kinder geredet hat. (Eine andere Interpretation noch am Ende)

Erst habe ich es gar nicht richtig verstanden und lauschte
gemeinsam mit der jüngeren. Als ich es dann verstand, schaute
ich die Kleine fragend an. Sie sagte dann, weißt Du, Mama, das
macht sie weil es ihr langweilig ist und du immer so wenig
Zeit für uns hast.

Hier würde ich höchstens beobachten, ob ihr sonst gar nichts mehr einfällt.

Ich war schockiert. Schon lange plagte mich ein schlechtes
Gewissen, weil ich leider Gottes arbeiten muß, um Essen zu
kaufen, Miete zu bezahlen usw.

Das könnte allerdings ein Problem sein: Das schlechte Gewissen, das Dich plagt. Bist Du nicht zufireden in Deinem Beruf? Hast Du es so schwer, die positiven Seiten des auswärts Arbeitens zu sehen? So etwas kommt bei Kindern schon mal rüber und verunsichert diese.

Das Dumme ist, das ich so eine Art Schicht-Arbeit habe.
Manchmal habe ich nachmittags frei, manchmal nen ganzen Tag
und ansonsten arbeite ich den ganzen Tag. Es ist wirklich von
meinem Arbeitgeber aus nicht anders machbar.

Ich habe immer ganztags gearbeitet, meine Tochter war im Hort, und abends war meine wichtigste Beschäftigung, mit meiner Tochter zu reden. Da konnte dann auch gerne der Haushalt warten.

Ich denke, daß sie in dem Kindergarten sehr gut aufgehoben
sind.

Das sind sie wohl auch.

Um 16.00 Uhr dürfen sie dann gemeinsam nach Hause laufen. Sie
rufen mich dann immer auf dem Handy an, daß ich weiß, daß sie
gut heimgekommen sind.

Macht der Kindergartun um 16:00 Uhr zu? Sonst wäre es ja mal eine Abwechslung, die Kinder - wenn auch später - abzuholen.

Meines Erachtens kümmere ich mich auch um die zwei, nach einer
kurzen Erholungspause, in Form von Gesprächen oder heute z.B.
haben wir ein Wörterspiel zu dritt gespielt.

Ist doch toll, dass Du Dir diese Zeit nimmst.

Viel Zeit habe ich mit meinen Kindern nicht zusammen, das
stimmt. Ich versuche, dies an den WE auszugleichen.

Glaub nur ja nicht, dass Ganztags-Mütter soo viel mehr Zeit mit ihren Kindern zusammen sind. Meine Tochter ist im Grundschulalter (4. Klasse) öfters mit einer Klassenkameradin den halben Nachmittag am Spielplatz gewesen. Die hätten gar keine Mutter da brauchen können. Die Mutter der Freundin war mit ihren insgesamt drei Kindern Ganztags-Mutter.

Irgendwie bin ich nun verunsichert. Ich kann doch meinen Job
nicht hinschmeisen?! Wie kriegen dies andere berufstätige
Mütter auf die Reihe?

Ich glaube, dass Du das schon richtig machst. Wenn sich das Verhalten Deiner Tochter auffällig ändert, dann wäre etwas zu unternehmen. Aber wir Eltern können und sollen unseren Kindern die Unannehmlichkeiten des Lebens nicht vollständig abnehmen. Und welche Taktiken man entwickeln kann, damit umzugehen, das probiert Deien Tochter offenbar gerade aus: Sie singt es sich von der Seele.

Gruß, Karin

Hallo Geli,

zunächst einmal will ich dich dafür loben, dass du nicht den einfachen Weg gehst, sondern mit deiner ganzen Kraft für die Kinder sorgst. Entscheidend für die Kinder ist nicht, dass die Mutter ununterbrochen zur Verfügung steht, sondern dass die Kinder wissen und spüren, dass ihre Mutter für sie sorgt und sie liebt.
Es gab Studien zu der Frage ob die Kinder von berufstätigen Müttern gegenüber von Hausfrauen benachteiligt sind. Und diese Studien zeigten keine Nachteile. Die „Schlüsselkinder“ wurden schneller selbständig als die „Behüteten“, ansonsten gab es keine Unterschiede.

Kopf hoch, du bist keine Rabenmutter. Eines Tages werden deine Kinder deine harte Arbeit verstehen.

Gruß
Carlos

da gibt es Höhen und Tiefen
Hallo Geli,

hier in unserer Stadt sind sehr viele Mütter berufstätig (freiwillig oder unfreiwillig), und müssen ihre Kinder nach der Schule betreuen lassen. Nach meinen Beobachtungen kommen die Kinder ganz unterschiedlich damit zurecht (was ich bei Freunden, Bekannten und Nachbarn mitbekomme). Mal hängt es von dem Kind ab, das über einen gewissen Zeitraum ein Elternteil mehr als sonst braucht, was eine Frage des Gemützustandes bzw. des Temperaments ist, z.B. Entwicklungsschub und innerlich verunsichert oder sehr introvertiert und braucht eine Bezugsperson für sich allein.

Was für fremdbetreute Kinder besonders schlecht sein soll, so habe ich das vor kurzem gelesen, sind ständig wechselnde Bezugspersonen. Aber so, wie Du erzählst hast, scheinen sie ihren festen Tagesrythmus, immer dieselben Wege und immer dieselben Erzieherinnen zu haben, was für sie ihren Tag überschaubar macht.

Klar, manchmal sind wohl viele Kinder darüber traurig, dass ihre Mutter nicht so viel Zeit für sie übrig hat, wie sie spontan möchten. Aber egal, ob Du Zuhause oder in der Arbeit wärst, die Kinder würden ihre Kontakte oder Aktivitäten pflegen. Das tun sie ja jetzt auch, nicht wahr. Eine Mutter, die immer für ihre Kinder da ist, hat lediglich den Vorteil, dass sie schneller im Bedarfsfall sich um die Kinder kümmern kann, eine berufstätige Mutter muß in solchen Fällen planen und umorganisieren.

Ich bin „nur“ vormittags außer Haus, nachmittags erledige ich meinen Bürokram und den Haushalt. Wenn ich darüber nachdenke, wieviel ich wirklich Zeit mit den Kindern verbringe, könnte ich auch im Geschäft arbeiten. Bei mir hapert es an einer vernünftigen und bezahlbaren Kinderbetreuung, sonst würde ich es tun. Mit zunehmendem Alter der Kinder möchte ich auch meine Zeit Zuhause immer mehr verringern, weil ich merke, dass sie mich jetzt zusehens immer weniger brauchen.

In Deiner Situation würde ich mich mit den Kindern über das tägliche Einerlei im allgemeinen unterhalten. Dabei soll es nicht darum gehen, den gelegentlichen Frust der Kinder mitzubekommen (den erleben die Vollzeitmütter auch), sondern es ist sicher interessant zu erfahren, ob sie zum Beispiel nachvollziehen können welche Verpflichtungen Du hast, wie aufgehoben sie sich im Kindergarten fühlen. Ich denke da an eine Klassenkameradin meiner Großen, die seit 4 Jahren in den Hort geht, das für sie ein zweites Daheim geworden ist. Der Sohn meiner Freundin war im Hort, und fiel dermaßen mit den Leistungen in der Schule ab, dass er in der Schulzeit herausgenommen wurde (introvertiert, wie bereits erzählt). Manche Kinder nehmen sich sehr zurück, um der Mama keinen Kummer zu machen, und schlucken viel täglichen Ärger hinunter, was schlechten Schlaf oder Appetit, oder Ess- oder Geltungssucht erzeugt.
Bei der Betreuung im Kindergarten habe ich ein wenig den Verdacht, dass bei allem „Vorhanden-sein“ von dem Nötigen (Essen, Spielzeug, Betreuung) sich die Kinder da nicht integrieren können, wenn der Kindergartenbetrieb nur für die Kleinen weiterläuft, wo sie sich ein wenig übrig oder verloren fühlen könnten. Oder werden dort auch noch andere Schulkinder betreut?
Gibt es denn in Eurer Nähe noch Alternativen für die Kinder (Hort, Mittagsbetreuung der Schule, usw). Unsere Stadt unterstützen alleinerziehende Mütter finanziell, wenn sie eine Tagesmutter beschäftigen wollen, sich aber diese nicht leisten können.

Auf jeden Fall brauchst Du Dir keine Vorwürfe zu machen. Arbeiten und Kinder betreuen sind zwei Tätigkeiten, die selten reibungslos unter einen Hut zu bringen sind. Ich glaube, dass Deine Kinder alt genug sind, für Dich Verständnis zu haben, was Dir auch wirklich zusteht. Sie haben ihre Kanäle mal Dampf abzulassen, und sei es durch Rollenspiele.
Es soll nicht heißen, dass Du weghören sollst, aber auf keinen Fall soll es Dir die Ruhe nehmen, das bißchen Restruhe, die Du für Dich brauchst.
Viel reden mit den Kindern, für sie feste Zeiten im Familiennest einräumen, und vielleicht ein wenig umgucken, ob sich der Tagesablauf nicht noch ein bißchen verbessern läßt.
Ich habe für meinen Lebenseintopf aus Kinderbetreuung und Berufstätigkeit 4 Jahre gebraucht, bis er allen Beteiligten geschmeckt hat. Und so richtig zufrieden wird wohl niemand sein, außer man will es sein. :wink:))

liebe Grüße
Claudia