da gibt es Höhen und Tiefen
Hallo Geli,
hier in unserer Stadt sind sehr viele Mütter berufstätig (freiwillig oder unfreiwillig), und müssen ihre Kinder nach der Schule betreuen lassen. Nach meinen Beobachtungen kommen die Kinder ganz unterschiedlich damit zurecht (was ich bei Freunden, Bekannten und Nachbarn mitbekomme). Mal hängt es von dem Kind ab, das über einen gewissen Zeitraum ein Elternteil mehr als sonst braucht, was eine Frage des Gemützustandes bzw. des Temperaments ist, z.B. Entwicklungsschub und innerlich verunsichert oder sehr introvertiert und braucht eine Bezugsperson für sich allein.
Was für fremdbetreute Kinder besonders schlecht sein soll, so habe ich das vor kurzem gelesen, sind ständig wechselnde Bezugspersonen. Aber so, wie Du erzählst hast, scheinen sie ihren festen Tagesrythmus, immer dieselben Wege und immer dieselben Erzieherinnen zu haben, was für sie ihren Tag überschaubar macht.
Klar, manchmal sind wohl viele Kinder darüber traurig, dass ihre Mutter nicht so viel Zeit für sie übrig hat, wie sie spontan möchten. Aber egal, ob Du Zuhause oder in der Arbeit wärst, die Kinder würden ihre Kontakte oder Aktivitäten pflegen. Das tun sie ja jetzt auch, nicht wahr. Eine Mutter, die immer für ihre Kinder da ist, hat lediglich den Vorteil, dass sie schneller im Bedarfsfall sich um die Kinder kümmern kann, eine berufstätige Mutter muß in solchen Fällen planen und umorganisieren.
Ich bin „nur“ vormittags außer Haus, nachmittags erledige ich meinen Bürokram und den Haushalt. Wenn ich darüber nachdenke, wieviel ich wirklich Zeit mit den Kindern verbringe, könnte ich auch im Geschäft arbeiten. Bei mir hapert es an einer vernünftigen und bezahlbaren Kinderbetreuung, sonst würde ich es tun. Mit zunehmendem Alter der Kinder möchte ich auch meine Zeit Zuhause immer mehr verringern, weil ich merke, dass sie mich jetzt zusehens immer weniger brauchen.
In Deiner Situation würde ich mich mit den Kindern über das tägliche Einerlei im allgemeinen unterhalten. Dabei soll es nicht darum gehen, den gelegentlichen Frust der Kinder mitzubekommen (den erleben die Vollzeitmütter auch), sondern es ist sicher interessant zu erfahren, ob sie zum Beispiel nachvollziehen können welche Verpflichtungen Du hast, wie aufgehoben sie sich im Kindergarten fühlen. Ich denke da an eine Klassenkameradin meiner Großen, die seit 4 Jahren in den Hort geht, das für sie ein zweites Daheim geworden ist. Der Sohn meiner Freundin war im Hort, und fiel dermaßen mit den Leistungen in der Schule ab, dass er in der Schulzeit herausgenommen wurde (introvertiert, wie bereits erzählt). Manche Kinder nehmen sich sehr zurück, um der Mama keinen Kummer zu machen, und schlucken viel täglichen Ärger hinunter, was schlechten Schlaf oder Appetit, oder Ess- oder Geltungssucht erzeugt.
Bei der Betreuung im Kindergarten habe ich ein wenig den Verdacht, dass bei allem „Vorhanden-sein“ von dem Nötigen (Essen, Spielzeug, Betreuung) sich die Kinder da nicht integrieren können, wenn der Kindergartenbetrieb nur für die Kleinen weiterläuft, wo sie sich ein wenig übrig oder verloren fühlen könnten. Oder werden dort auch noch andere Schulkinder betreut?
Gibt es denn in Eurer Nähe noch Alternativen für die Kinder (Hort, Mittagsbetreuung der Schule, usw). Unsere Stadt unterstützen alleinerziehende Mütter finanziell, wenn sie eine Tagesmutter beschäftigen wollen, sich aber diese nicht leisten können.
Auf jeden Fall brauchst Du Dir keine Vorwürfe zu machen. Arbeiten und Kinder betreuen sind zwei Tätigkeiten, die selten reibungslos unter einen Hut zu bringen sind. Ich glaube, dass Deine Kinder alt genug sind, für Dich Verständnis zu haben, was Dir auch wirklich zusteht. Sie haben ihre Kanäle mal Dampf abzulassen, und sei es durch Rollenspiele.
Es soll nicht heißen, dass Du weghören sollst, aber auf keinen Fall soll es Dir die Ruhe nehmen, das bißchen Restruhe, die Du für Dich brauchst.
Viel reden mit den Kindern, für sie feste Zeiten im Familiennest einräumen, und vielleicht ein wenig umgucken, ob sich der Tagesablauf nicht noch ein bißchen verbessern läßt.
Ich habe für meinen Lebenseintopf aus Kinderbetreuung und Berufstätigkeit 4 Jahre gebraucht, bis er allen Beteiligten geschmeckt hat. Und so richtig zufrieden wird wohl niemand sein, außer man will es sein.
))
liebe Grüße
Claudia