Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung koppeln

Guten Tag
ich habe von mehreren Seiten gehört, dass man keine BU mit einer LV zusammen koppeln sollte, da man die LV nicht seperat kündigen kann. Ist es daher vorteilhaft diese zu kündigen (besteht seit ca 3 Jahren) und getrennt neu anzulegen?? Welche Versicherung kann man hier empfehlen?
Danke schonmal

Guten Tag Brittie,
während der letzten drei Jahre haben Sie - möglicherweise, ohne es zu wissen - so gut wie ausschließlich - die Abschlusskosten und Risikokosten für Ihre Vertragskombination gezahlt.
Ein Sparvorgang hat kaum stattgefunden. Wenn Sie hingehen und alles neu - separat - einstielen, dann wiederholt sich dieser Vorgang.
D.h. Sie verplempern Jahre damit, über Ihre Beiträge die Abschlusskosten zu bezahlen.
Neben anderen inhaltlichen Argumenten, die jeweils für oder gegen eine Vertragskombination sprechen, sollten Sie sich diesen Sachverhalt in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen.
Vielleicht steht Ihre Entscheidung dann schon fest.
Gruß
Günther

Hallo Brittie,

Günther hat völlig recht. Sie haben in den letzten drei Jahren zum größten Teil die Versicherungskosten und den Vermittler bezahlt und wenn sie nun alles umwerfen, fängt das Spiel von vorne an.

Dennoch ist (für mich) unbestritten, dass Versicherung und Kapitalanlage definitiv immer voneinander zu trennen sind! Das hat mehrere gute Gründe:

Wenn Sie den Todesfall adäquat absichern wollen, weil Sie Nachwuchs haben oder hohe finanzielle Verpflichtungen, sind hierfür das doppelte bis dreifache Bruttojahreseinkommen der Familie anzusetzen (bzw. mind. die jeweilige Darlehenssumme). So die Empfehlung der Verbraucherverbände und im übrigen auch meine Meinung. Wenn Sie das zugrunde legen, sind Sie schnell bei einer Versicherungssumme von 150.000 Euro und mehr.

Das ist in Form einer klassischen Lebensversicherung kaum zu bezahlen und im Falle eines finanziellen Engpasses meist nicht zu halten. Zwar können Sie den Vertrag dann beitragsfrei stellen oder den Beitrag reduzieren, aber mit Ihrer Absicherung hat es sich dann auch erledigt, denn die wird ebenfalls entsprechend drastisch gekürzt.

Nur einen Bruchteil kostet Sie in diesem Fall eine reine Risikolebensversicherung. Da gibt es zwar am Ende nichts raus, aber die ersparten Beiträge können Sie ja schließlich auch selbst entsprechend gewinnbringend anlegen. In der Regel ist das obendrein auch noch erheblich effektiver.

Gleiches gilt für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie wird gern als Zusatzbaustein mit einer o.g. Versicherung verkauft. Das bringt dem Vermittler dann noch mal einen richtigen Provisionsschub. Das Problem dabei ist, dass sich die Bedingungen der BU-Versicherungen ständig ändern und allein in den letzten 10 Jahren erhebliche Verbesserungen gegenüber den alten Tarifen aufweisen.

Wenn Sie diese BU-Versicherung nun mit der Lebensvers. kombiniert haben und diese jetzt verändern wollen, weil Sie lieber einen zeitgemäßen Schutz haben möchten, wird es schwierig. Die Lebensversicherung hängt Ihnen dann wie ein Klotz am Bein und macht es unnötig schwer.

Besser ist auch hier die reine Absicherung gegen die Berunfsunfähigkeit. Entweder in Form einer so genannten selbständigen BU-Versicherung oder als Kombi von Mini-Risikolebensversicherung mit BU-Zusatzbaustein. Bei manchen Versicherern ist das paradoxer Weise kostengünstiger als eine BU allein.

Durch diese strikte Trennung haben Sie nun jederzeit die Möglichkeit, die Versicherungen für sich isoliert zu betrachten und sich ggf. davon zu trennen, wenn es sinnvoll erscheint. Die anderen Bausteine (Todesfallabsicherung und Kapitalanlage) sind hiervon dann nicht betroffen.

Was Sie jetzt in Ihrem konkreten Fall tun sollten, ist so pauschal nicht zu beantworten. Zumindest wäre das in meinen Augen nicht seriös. Fakt ist, dass Sie in den 3 Jahren viel Geld für „nichts“ bezahlt haben und sich dies - zumindest zum Teil - wiederholen wird, wenn Sie etwas verändern. Andererseits ist zu bedenken, ob dieses „Rundumsorglospaket“ denn überhaupt Ihre persönliche Lebenssituation abdeckt und zu Ihnen passt. Ich würde mal vermuten, dass Sie aufgrund der o.g. Umstände eine viel zu geringe Absicherung im Todesfall haben.

Daher kann es manchmal besser sein, ein „schreckliches Ende“ einem „Schrecken ohne Ende“ vorzuziehen. Aber das lässt sich erst nach genauer Prüfung des Vertrages sagen.

Ich empfehlen Ihnen daher, dass Sie sich einmal in Ihrer Region einen guten, unabhängigen Berater mit hoher Qualifizierung und besten Referenzen suchen und die Sache dort prüfen lassen. Das ist zwar einfacher gesagt, als getan, denn die Guten in dieser Branche sind leider dünn gesät, aber vielleicht liegt die „Nadel im Heuhaufen“ gerade in Ihrer Nähe :wink:

Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter.
Viele Grüße
Stephan Heddinga

Hallo Brittie,

bevor Du Panik schiebst, würde ich auch die Versicherung anschreiben und fragen, wie sie im Notfall (= beitragsfrei stellen) reagieren würde. Da viele Versicherungen die hier disktutierte Problematik erkannt haben, gibt es Tarife, die die Trennung von LV und BUZ ausdrücklich zulassen.

Viele Grüße,
Andreas